Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 26 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. WlocL's Mo<Dens<LrM. Seite 435 durch Todesfall oder Uebersiedlung Nichtwahlberechtigten offen im Gemeindesaale durchführten, war daselbst während der vierzehntägigen Reklamationsfrist von den Christlich- Sozialen nicht die geringste Spur zu erblicken. Deshalb war das Erstaunen nicht gering, zu erfahren, daß ein guter Teil der jüdischen Wählerschaft mangels der erforderlichen Steuerleistung über Ansuchen von dritter Seite aus dem 2. Wahlkörper ausgefchieden wurde. Für etwa 50 uns bekanntgewordene Ausgeschiedene haben wir das Rekursverfahren eingeleitet, da ihre Steuerleistung den Vorschriften entsprach. — Als wenige Tage vor der Wahl die offizielle Wählerliste herablangte und mit der gedruckten verglichen worden war, fanden wir, daß noch 103 jüdische Wähler ausgeschieden wurden, für die kein Rekurs mehr möglich war, da zehn Tage vor der Wahl keine Aenderungen in der Wählerliste mehr vorgenommen werden dürfen. Man muß bedenken, daß ein großer Teil der Wähler sich über die für den 2. Wahlkörper erforderliche Steuerhöhe nicht klar ist und deshalb weitere Schritte unterließ. Wenn man aber seitens des Magistrats in der Entscheidung den Ausgeschiedenen bekanntgegeben hätte, daß sie mangels der erforderlichen Steuerleistung von 40 Kronen Einkommensteuer oder 40 Kronen Erwerbsteuer ohne Gemeindezuschläge ausgeschieden wurden, dann wären sie stutzig geworden und hätten sich gegen diese Maßregelung gewehrt. Das hat man mit Absicht unterlassen. Nun muß man sich auch fragen, woher der dritten Seite die Steuerleistung der Wählerschaft bekannt ist, da weder die Steueradministration, noch das städtische Steueramt berechtigt sind, fremden Anfragen diesbezügliche Informationen zu erteilen. Nach Maßgabe der Umstände scheint die dritte Seite (die christlich-soziale) willkürlich summarisch ca. 200 jüdische Wähler zur Ausscheidung beantragt zu haben und der löbliche Magistrat hat, ohne die Steuerkontis auszuschlagen, diesem Ansuchen bereitwilligst entsprochen. Freilich, gegen derartige Vorkommnisse ist man ohnmächtig. — Von der Nichtagnoszierung der Wähler und der Zustellung der Legitimationen am Vortage der Wahl nach der Ausziehzeit will ich gar nicht sprechen. Und trotz aller dieser Praktiken wäre der Sieg unmöglich gewesen, wenn die Juden ihrer bürgerlichen Pflicht entsprochen hätten. Von 1900 jüdischen Wählern im 2. Wahlkörper sind 551 nicht an der Urne erschienen, und wenn wir die abgerundete Summe von 251 Wählern als beruflich abgereist in Abrechnung ziehen, haben 300 Juden noch immer nicht die Wichtigkeit dieser Wahlen begriffen und durch ihren sträflichen Leichtsinn den Bezirk preisgegeben. Noch einmal wollen wir mit Ernst und tiefem Nachdruck an das Pflichtgefühl der Juden appellieren. Da zur Konstituierung der Bezirksvertretung die Zweidrittel-Majorität erforderlich ist, somit die Anwesenheit von mindestens 12 Mandataren, aber die Christlich-Sozialen nur über 11 Mandatare verfügen, haben die 7 fortschrittlichen Bezirksräte ihre Mandate zurückgelegt, um nochmals die Entscheidung der Wählerschaft anzurufen. Möge auch ein Teil der jüdischen Wählerschaft auf dem Lande wohnen, die Pflicht gebietet, daß sie sich rechtzeitig um die Legitimation bekümmere und bis zum letzten Mann an der Urne erscheine. Es steht Wichtiges auf dem Spiele. Erfüllt sie ihre Pflicht nicht, daun möge sie dem Schicksal verfallen, das sie selbst verschuldet und dann auch verdiene. Parteitag der böhmischen Zionisten. Sonntag den 17. Juni d. I. fand im Jüdischen Vereinsheim in Prag ein außerordentlicher Parteitag der Zionisten Böhmens statt. Es waren 38 Delegierte erschienen. Die Verhandlungen wurden mit einer Trauerkundgebung für die Opfer der jüngsten russischen Judenverfolgung in Bjelostok eröffnet. Die Versammlung beschloß, unter dem erschütternden Eindruck dieser Nachrichten umso intensiver in der bisherigen Richtung zu arbeiten und am Baseler Programm unerschütterlich scstzuhalten, welches allein eine endgiltige Lösung der Judenfrage herbeizusühren imstande sei. Es wurde weiters ein immer stärkeres Anwachsen der zionistischen Bewegung in allen Teilen Böhmens, insbesondere auf dem Lande, konstatiert. Die Beratungen, denen Herr Becher t-Teplitz und Herr Max E b st e i n-Raudnitz präfidierten, betrafen aktuelle Fragen und den Ausbau der inneren Organisation. Zweiter Zionistentag für die südslavischen Länder. Der Verein jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern „Lar Giora“ in Wien veranstaltet am 14. und 15. August d. I. in Esseg einen Hochschüler- und Abiturienten-Kongreß der zionistischen Jugend und eine zionistische Bürgerversammlung in der über Zionismus Herr Dr. Leopold Kahn, Mitglied des A.-C., sprechen wird. Unter anderem soll auch die Gründung einer zionistischen Organisation in Kroatien beschloffen werden. Der Erfolg verspricht ein glänzender zu werden. Die Vereinsleitung wendet sich an alle Zionsfreunde, speziell in den südslavischen Ländern, mit der Bitte um materielle Förderung. Jene Herren Hochschüler und Abiturienten, die während der Dauer des Kongresses in Effegg freie Station wünschen, werden ersucht, sich rechtzeitig mit dem Präsidium des Vereines, VIll, Langegasse 15, oder mit Herrn stud. ing. Gustav Kunetz in Cssegg, Chavrakgasse ins Einvernehmen zu setzen. _ Zur Schächthetze. Rheydt. 19. Juni. In der gestrigen Stadtverordneten- Sitzung ist einstimmig beschlossen worden, den im Oktober 1901 erlassenen Nachtrag znr Lchlachthof-Ordnung, auf Grund dessen das Schächten den nichljüdischen Metzgern gänzlich verboten und den jüdischen Metzgern nur gestattet wurde, wöchentlich je ein Stück Großvieh und zwei Stück Kleinvieh zu schachten, aufzuheben und das Schächte» f ü r I n d e n und N i ch t j u d e n ohne jegliche Beschränkung wieder freizugeben. Die betreffende Bestimmung war tatsächlich bereits seit längerer Zeit außer Kraft gesetzt. Tie nunmehr erfolgte völlige Beseitigung bildet die drastischeste Illustration zu den in anderen Orten sich regenden Gelüsten, die gleiche Beschränkung einzufähren. Bekanntlich hat das Borgehen der hiesigen städtischen Behörden, das sie nunmehr selbst als verfehlt erkannt haben, die Veranlassung zu jener verhängnisvollen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts gegeben, welche den Kommunen das Recht znerkennt, auf ihren Schlachthösen das Schächten schlechthin zu verbieten. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 24. Juni 1906 unter Bor sitz des Präsidenten Dr. Alsred Stern. Beginn!0 Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich: Von Fräulein Bertha Rothberger s. A. zur Errichtung einer Bettstiftung in der gynäkologischen Abteilung des israelitischen Spitales.K. 17.497.— Von Herrn Gustav Gropper zur Errichtung einer Gustav Gropper Spitalstiftung.. 12.000.— nomin. in 4perz österr. Kronenrente. Von Geschwister Riesz anläßlich des Ablebens des Herrn Heinrich Riesz: für das Versorgungshaus . . . . K. 100.— „ die Armenanstalt ........ 100.— „ das Blindeninstitnt. 200.— „ die Chewra-Kadischa.. 10o.— „ das Taubstummeninflitnt. ... „ 100. - „ die Volksküche. 100.— „ den Waisen-Unterstützungsverein . „ 200.— „ den Verein zur Verpflegung Brustleidender auf dem Lande.... . . „ 100. „ 1000.—