Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 26 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 434 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr 26 wohl selbst nicht ein, da sie esja ausdrücklich „berichtigend" zugeben. Also in dem ersten Punkte hatten wir recht, zu schreiben: „Die Herren schreien unaufhörlich „Kauft nicht bei den Judenwerden aber selbst bei.den Juden mit ihrer Ware bittlich. 2. Wenn weiters berichtigt wird, daß die Herren Aichhorn, Axmann, Bäßler, Brauneiß, Drößler, Geßmann, Helbig, Dr. Klotzdcrg, Dr. Krenn, Platter, Schlögl. Stangelberger, Stehlik, Laux, Mayer, Müller, Dr. Porzer und Hraba ihr Amt unentgeltlich bei der Anstalt versehen, so nehmen wir dies mit Befriedigung zur Kenntnis. Allein aus dem Betriebsausweis der Anstalt vom 31. Dezember 1904 geht hervor, daß die Prämieneinnahme K 1,500.638 83 beträgt; dem gegenüber werden notiert: Organisationskosten L 17,273'49, Abschlußkosten K 10,155-06, Verwaltungskosten 106,595 98. Warum sind nun diese dreierlei Posten nicht spezifiziert, wie dies beispielsweise der Beamtenverein in seinen Abschlüssen tut? Man könnte dann genau wißen, wer an diesen dreierlei Spesen partizipiert. Was endlich die Berichtigung bezüglich des Gesundheitsulftandes der Anstalt betrifft, so ist dies ein eigen Ding mit der Medizin. Ein kranker Arzt wird sicherlich über den Gesundheitszustand seiner eigenen Person selbst keine Diagnose stellen, das wird er andern Aerzten überlasten. Uns scheint es nämlich nicht gar glänzend, wenn bei einer Prämieneinnahme von K 1,609.638-33 Spesen in der Höhe von nicht weniger als K 287,052-50, also nahezu Vs der gesamten Prämieneinnahmen , ausgewiesen werden. Dieser nicht gar glänzende Ausweis ist noch umso bedenklicher, wenn man die cutsetzlichen Hungerlöhne der Beamten dieser Anstalt in Rechnung zieht. Wir empfehlen den Herren Berichtigern, diesbezüglich Näheres in der „Arbeiter-Zeitung" vom 19. Juni 1*0« nachzulesen. Und zum Schluffe noch eine Frage in aller Bescheidenheit: Bekanntlich haben sämtliche Versicherungs- Gesellschaften einen Vertrag geschlossen, demzufolge keine Gesellschaft eine Versicherung aufnehmen darf, wenn der Bewerber von irgend einer Anstalt infolge ärztlichen Gutachtens abgewiescn wurde. Wie ist es nun bei der in Rede stehenden Anstalt? In Beamtenkreisen wird versichert, daß zurückgewiesene Bewerber einer Polizze liebevolle Aufnahme bei der städtischen Anstalt fanden. Es wird uns von glaubwürdigster Seite versichert, daß diese Frage auch schon im Beamtenverein zur Sprache gebracht wurde. Ist dies der Fall, dann mögen za heute den Aerzten, die uns über die Krankheit ihrer Anstalt beruhigen, die Symptome der Krankheitserscheinung noch nicht recht kenntlich sein; wir glauben aber mit unserer Notiz den Herren Antisemiten einen bedeutenden Dienst erwiesen zu haben, indem wir ihnen den Weg zur Stellung einer richtigen Diagnose zeigen. Antisemitische Lvohltätigkeit mit jüdischem Geld. Wieder sehen wir ein klassisches Beispiel vor uns, wie jüdisches Geld für antisemitische Wohltätigkeit verwendet wird. Die meisten der interkonfessionellen Widmungen und Stiftungen, zu denen jüdischer Wohltätigkeitssinn beigetragen, wenn er sie nicht ausschließlich allein ausgestaltet hat, sind schließlich in antisemitische Hände geraten und gegen den klaren Willen der Stifter, gegen jede Moral und Gerechtigkeit wurde jüdischen Armen und Kranken unbarmherzig die Unterstützung entzogen. Diese Gefahr droht jetzt beim „Seehospizverein" in Wien, der unter dem Protektorat der Erzherzogin Maria Theresia steht. Die Mitglieder wurden zu einer außerordentlichen Generalversammlung eingeladen, die am 2. Juli im Rathause stattfindet. Die ordentlichen Versammlungen geben Lueger gewöhnlich Gelegenheit, der Erzherzogin seine ergebenste Ergebenheit zu zeigen. Der Zweck der außerordentlichen Generalversammlung ist die eventuelle Verstadtlichung, d. h. ein Beschluß, daß die Gemeinde die Institutionen des Vereines, darunter das Seehospitz für skrophulose Kinder (Direktor Dr. Monti) übernehme. Es steht fest, daß in diesem Falle jüdische Kinder nie mehr Aufnahme im Hospiz finden werden, obwohl Juden für die Zwecke des Vereines sehr viel beigesteuert haben. Es wäre daher dringendst wünschenswert, den energischen Versuch zu machen, dast man eine perzentuelle Aufnahme jüdischer kranker Kinder für die Zukunft garantiert und es wird dringend ersucht, daß alle jüdischen Mitglieder sich an dieser Aktion beteiligen, bei der außerordentlichen Generalversammlung erscheinen und einen diesbezüglichen Antrag stellen. Das galizische Hilfswerk. Berlin. In den Räumen des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" fand kürzlich unter Zuziehung einer Anzahl kompetenter Persönlichkeiten eine Sitzung der galizischen Kommission statt. Der Wiener „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" hatte die Herren Dr. Pappenheim und Lederer hierher deputiert. Als Vertreter der Jewish Colonization Association war Herr Justizrat Dr. Edmund Lachmann erschienen. Ferner war der Vorsitzende des jüdischen Zweigkomitees des deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Herr Gustav Tuch-Hamburg, anwesend. Die Großloge für Deutschland war durch die Herren Justizrat Timendorfer und Siegmund Bergel, der „Hilfsverein der Deutschen Juden" durch die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan vertreten. Auf spezielle Einladung wohnte der Sitzung ferner Herr Bankier Ernst Caro-Berlin bei. Ihre Abwesenheit entschuldigt hatten die Herren Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin und Joseph Wiesloch- Franksurt a. M. Die Wiener Herren waren in der Lage, neue Projekte vorzulegen, um unseren Glaubensgenossen in Galizien Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Einen besonders erfreulichen Aufschwung hat die Spitzenhäkelei genommen. Aus den Berichten, die die Vertreter des Wiener Vereins zur Verfügung zu stellen die Güte hatten, teilen wir die folgenden Tatsachen mit: N e u-S andez: In der Sitzung der Ortsgruppe wurde hervorgehoben, wie sehr dieser Erwerb den verschämten Armen der Stadt zugute komme. — S a m b o r: Die Spitzenhäkelei bewährt sich ausgezeichnet und entwickelt sich von Tag zu Tag. Es sind 52 Arbeiterinnen, durchwegs arme Mädchen und Frauen, beschäftigt, für welche dieser Verdienst eine wahre Wohltat ist. Es unterliegt keinen Zweifel, daß wir noch höhere Summen an Verdienst erzielen werden. — Tlumacz: Alle klammern sick> an die Spitzenhäkelei und es sind schon beinahe 50 Mädchen beschäftigt. — W y g o d a: Ich habe über 50 Schülerinnen. Abends sitzen vor allen Häusern Mädchen und häkeln. Die Industrie ist wirklich ein Segen für alle, l on Bolechow höre ich, daß die Mädchen bis zu 5 Gulden wöchentlich verdienen. — P i st y n bittet um Einführung der Häkelindustrie. — Nadworna: Die Sache macht großartige Fortschritte. Etwa 100 Frauen und Mädchen arbeiten und verdienen 5—10 Kronen wöchentlich. — Gliniany: Solche Mädchen, die noch nie wußten, was Arbeit und Verdienen ist, verdienen 6, 7 und m Kronen wöchentlich und sind sehr glücklich. Unter diesen Umständen wird alles Notwendige geschehen, um die Weiterverbreitung der Spitzenhäkelei zu fördern, welche Aufgabe der Wiener Hilfsverein übernimmt. Allseitige Zustimmung fand der Plan, Analphabeten-Schulen in Galizien zu errichten. Der Wiener Hilfsverein ist mit den Vorarbeiten betraut worden. Durch die Tätigkeit des Herrn Tuch-Hamburg besteht bereits eine solche Schule in Lemberg. Andere Projekte, die vorgelegt worden sind, wurden bis auf die Einzelheiten durchgesprochen. Es mußte aber allseitig konstatiert werden, daß noch eingehende Untersuchungen anzustellen sind, bevor an Verwirklichung der Pläne herangetreten werden kann. Da es außerordentlich schwierig ist, auch von Wien aus die geeigneten Informationen und die nötigen Details über die Verhältnisse in Galizien zu erhalten, so bewilligte der „Hilfsverein der Deutschen Juden" in Uebereinstimmung mit der Großloge für Deutschland 4000 Kronen ausschließlich zu dem Zwecke, damit eine geeignete Persönlichkeit angestellt wird, die Galizien bereist und die einschlägigen Verhältnisse studiert, so daß auf Grund der so gesammelten Materialien zweckmäßige Vorschläge für die Weitersührung des galizischen Hilfswerks gemacht werden können. Nachklänge zu den Leopoldftädter Bezirksratswahlen. Die Bevölkerung verkennt unbegreiflicher Weise noch immer die Wichtigkeit der Bezirksvertretung, die zum Teil tief in das Wirtschaftsleben der Handels- und Gewerbetreibenden eingreift, zum Teil die Bedürftigen vor administrativen Vexationen und durch Zuweisung materieller Hilfe schützt. Jnsolange die fortschrittlichen Parteien in der Leopoldstädter Bezirksvertretung die Majorität besaßen, ließen sie sich, treu ihrem Grundsätze, nicht vom einseitigen konfessionellen oder nationalen Standpunkte, sondern von der gerechten Erwägung der Verhältnisse leiten. — Nun sind bei dem letzten Wahlgange die fortschrittlichen Kandidaten in ihrer Mehr.ahl auch im 2. Wahlkörper unterlegen, nicht allein durch das Votum der Bevölkerung, sondern auch durch bureaukratische Maßnahmen und nicht zuletzt durch die Indolenz der jüdischen Wählerschaft. Während die Fortschrittlichen die Reklamationen behufs Aufnahme der Wahlberechtigten und der Ausscheidung der