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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-29 · 26 (29.6.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
26 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 26 Dr. JSlocb’s MocbenscbriN. Seite 433 nicht, daß wenn die Japaner oder die Russen Kriegsgeschichte schreiben werden, sie diesen Bericht des österreichischen Budgetausschusses als einen Beleg verwerten werden zum Nachweise der hervorragenden Kriegstüchtigkeit der Japaner, beziehungsweise der russischen Armee. Auch glaube ich wohl nicht, daß im Ausschüsse für auswärtige Angelegenheiten der österreichischen Delegation gerade der glückliche Anlaß gewesen ist, durch das Lob, welches dieser russischen Kriegführung gespendet worden ist, dem fluchwürdigen Zarismus noch Weihrauch zu streuen, einem Kriege, meine Herren, welcher von den besten Patrioten Rußlands verpönt und verflucht wurde. Ich glaube vielleicht behaupten zu können, daß gerade infolge der Niederlage das russische Volk genesen kann . . . Präsident (unterbrechend): Ich möchte mir doch erlauben, den Herrn Delegierten zu ersuchen, zur Sache zu sprechen, Delegierter Dr. Straucher: Ich eile schon zum Schlüsse. Ich bitte Durchlaucht .... Präsident: Ich habe mir erlaubt, den Herrn Delegierten zu ersuchen, zur Sache zu sprechen. Delegierter Dr. Lecher: Aber gerade jetzt spricht er ja zum Berichte! Delegierter Dr. Straucher: Ich habe zum Berichte gesprochen, Durchlaucht! Ich habe den Bericht des Herrn Marquis einer unsanften Kritik unterzogen, aber .... (Zwischenrufe des Delegierten Stein.) Präsident: Ich bitte, den Herrn Redner nicht zu unterbrechen, und ersuche ihn, fortzufahren. Delegierter Dr. Straucher: Auch auf die illoyale Handhabung des russisch-österreichischen Handelsvertrages durch die russischen Grenzorgane, worüber ich im Abgeordnetenhause interpelliert habe, will ich unser Auswärtiges Amt aufmerksam machen. Ich eile nun, um die Geduld der geehrten Herren Kollegen nicht allzuhart auf die Probe zu stellen, zum Schlüsse, Ich möchte mir nur noch erlauben, die Aufmerksamkeit Seiner Exzellenz, des Herrn Ministers des Aeußern, auf die in den jüngsten Tagen in Bialystok in Rußland vorgefallenen entsetzlichen Judenmassakres hinzulenken. Er möge nicht so ruhig und kaltblütig dasitzen und alle die Ereignisse über sich ergehen lassen, denn er ist durch das Geschick berufen, die auswärtigen Geschäfte eines Staates zu lenken, und da hat er die erhöhte Pflicht — vor seinem Gewissen, vor Gott und vor allen Kulturvölkern! — bei der kaiserlich russischen Regierung seine Stimme zu erheben, daß es denn nicht angehe, im XX. Jahrhundert in dieser barbarischen, bestialischen und entsetzlichen Art Menschenleben hinschlachten, rauben und plündern zu lassen. Ich verweise auf die Stellungnahme der russischen Reichsduma in den letzten Sitzungen. Da sagt ein Abgeordneter, Professor Kowalewski, ein bekannter hervorragender Soziologe (liest): „Nicht das menschliche Gefühl allein drängte mich, in diesem Augenblick die Tribüne zu betreten und Sie zu versichern, wie sehr die Nachrichten aus Bialystok mich mit Entrüstung erfüllen, mich und Sie alle. Ein viel bedeutsamerer Grund ist es, der mich dazu zwingt: es ist die Sorge um die Ehre und die Würde unseres Vaterlandes! Wenn es unser Wunsch ist, als ein Volk dazustehen, das allgemeine Achtung und allgemeine Sympathie genießt, so ist es unsere Pflicht, zu erklären, daß alle russischen Bürger unsere Brüder sind, daß wir alle das Prinzip Hochhalten: „Alle für einen, einer für alle." Und zuletzt sagte er: „Lassen sie uns einstimmig die Gleichheit sämtlicher Bürger betonen!" Das ist die edle Sprache, die seinerzeit einer der größten Männer — allerdings war es ein Revolutionsmann, Mirabeau, ich glaube in der Nacht vom 4. August 1789 — bei Proklamierung der Menschenrechte geführt hat. Es gibt noch edle gerechte Männer in Rußland! Wie bestialisch diese Ausschreitungen sind, mag daraus hervorgehen, daß nach den Zeitungsberichten auf den Straßen Hunderte von Leichen unbeerdigt liegen, daß die Leiche eines Mannes gefunden wurde, in dessen Augen Nägel eingeschlagen waren. Es war das die Leiche des Kalligraphielehrers Epstein. Neben ihm lagen ermordet die fieben Mitglieder seiner Familie und in seiner unmittelbarsten Nähe sein zehnjähriges Töchterchen mit abgehackten Füßen. Das ist eine furchtbare Bestialität, das ist eine Barbarei, die ihre Gier und Lust nur im Morden und Menschenabschlachten stillt. Meine sehr geehrten Herren! Ich weiß wohl, daß hier ja auch stundenlange Reden nichts fruchten. Wenn Sie hier selbst die spanische Folter sehen würden, so würde Sie auch diese nicht aufrütteln. Aber wenn es eine ewige Gerechtigkeit gibt, so rufe ich diese an und appelliere an Seine Exzellenz den Herrn Minister des Aeußern, er möge sich der unglücklichen, malträtierten, verfolgten, so entsetzlichen Hinschlachtungen preisgegebenen Juden Rußlands annehmen! Vom Zabrmarkt des Lebens. Antifemiten-Moral. Herr Redakteur! Auf Grund des 8 19P.-G. verlangt die gefertigte Anstalt hiemit die gesetzmäßige Aufnahme der nachfolgenden Berichtigung des in Nummer 22 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 1. Juni d. I. unter der Überschrift „Vom Jahrmarkt des Lebens — Antisemitische Moral" erschienenen Artikels. Wir berichtigen zunächst die in diesem Artikel gemachte Mitteilung, daß sämtlichen jüdischen Lehrern und jüdischen Religionslehrern die Mitteilungen, Prospekte und Postkarten unserer Anstalt zugesendet wurden dahin, daß diese Zusendung überhaupt an alle Wiener Lehrer einschließlich der Religionslehrer ohne Unterschied der Konfession erfolgte. Unwahr ist es ferner, daß die Herren P o r z e r, Axmann, Hraba und Konsorten sich an der Krippe dieser Anstalt mästen, wahr ist vielmehr, daß die Herren Dr. Josef Porzer, Julius Axmann, Felix Hraba und mehrere andere Gemeinderäte das Amt eines Mitgliedes des Verwaltungs-Ausschusses unserer Anstalt vollständig unentgeltlich und als ein Ehrenamt versehen. Unwahr ist es ferner, daß unsere Unternehmung an Marasmus leidet, wahr ist vielmehr, daß unsere Anstalt im Jahre 1903 einen Gebarungsüberschuß von 25.514 K 58 h, im Jahre 1904 einen solchen von 114.941 K 06 h und im Jahre 1905 einen solchen von 158.370 K 48 h aufweist. Wien, den 15. Juni 1906. Der Verwaltungs-Ausschuß der Städtischen Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Lebens- und Renten - Verficherungs - Anstalt Der Vorsitzende: Das Mitglied: Der Direktor: Dr. Josef Porzer. L. Brauneiß. Josef v. Frank. Wolgeboren Herrn Dr. Josef S. Bloch verantwortlicher Redakteur der „Oesterreichischen Wochenschrift". Wien, IX., Berggasse 31. Wir erhalten folgende Bemerkung hierzu: Hierauf haben wir zu erwidern: So mutwillig ist noch nie der § 19 mißbraucht worden, als diesmal. Wir haben als Antisemiten- Moral gebrandmarkt, daß jene Leute, die unaufhörlich schreien: „Kauft nicht bei Juden!", den jüdischen Lehrern und jüdischen Religionslehrern ihre Ware — hier die Polizzen — anpreisen und bei Juden werben» um die Geschäfte der rein antisemitischen Unternehmung flotter zu gestalten. Wir haben das nicht behauptet, daß die P. T. Herren Antisemiten „n u r" um die Gunst der Juden werben. Wir haben gar ni? gezweifelt, daß die Herren auch ihre engen, engeren und engsten Gesinnungsgenossen für ihr Geschäft heranzuziehen bestrebt sind. Nur scheint es, daß dies nicht in dem erhofften Maße erfolgt sein mag und nun wurde auch den jüdischen Lehrern und Religionslehrern gnädigst das ...Hereinspariert meine Herren!" sehr eindringlich su Geninte geführt. Dieses Faktum durch den 8 19 abzuleugnen, fällt den Herren

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