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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 418 Dr. BUuii’s WortrensrirriN Nr. 25 Stunden so fortträumen könnte, hier an diesem Orte, an dem jetzt nichts an all den Haß und das Leid der Welt erinnerte. Plötzlich fiel mein Blick auf ein gerahmtes Bild, das recht auffällig am verschlossenen Eingänge zum Speisesaale für die Stammgäste hing. Da konnte ich nicht widerstehen, ich mußte an dasselbe herantreten, um es zu betrachten. Es war eine Reproduktion eines Gemäldes von Ludwig Knaus, dem bekannten genialen Maler: „Ein Sommerabend im Judengäßchen". Für den unbefangenen Kunstfreund ein liebliches, lebenatmendes Idyll, das meisterlich das Leben und Treiben der jüdischen Bürger Frankfurts in vergangener Zeit, da sie noch im Judenviertel zu wohnen gezwungen wurden, an einem Sommerabend wiederspiegelt. Aber der feine Schalk des als echt humorvoll bekannten Malers in diesem Bilde wird von denen mißbraucht und herabgewürdigt, die ihn als Mittel für ihren Rassenhaß gebrauchen. Alle Umstände sprachen dafür, daß das Knaus'sche Bild „Ein Sommerabend im Judengäßchen" in diesem judenfeindlichen Lokale als solches benutzt wurde und weiter benutzt werden wird. Hatte ich mich wenige Minuten vorher in diesem Waldwinkel so traulich und so sicher geborgen vor den Widerwärtigkeiten des Leides und Haffes unter den Menschen gefühlt, so empfand ich mich jetzt enttäuscht und wieder mit rauher Hand hinein gestoßen.-— Traurig verließ ich bald darauf diese kleine, schöne Welt; aber mit dem bitteren Empfinden, daß auch sie schon vergiftet ist und die herrlichste Menschenpflicht „Liebet Euch!" in leuchtender Reinheit längst nicht mehr kennt. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Profeffor Dr. H. Graetz und Dr. P. F. Frankl, neue Folge, im Verein mit Profeffor Dr. David Kaufmann ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. Brann. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Fünfzigster Jahrgang. März-April 1906. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt von Heft 3—4. R. Urbach: Zwei Bücher über das Wesen des Judentums. S. I a m p e l: Studien zum Buche Esther. S. H o r o w i tz: Der Likre sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen (Fortsetzung). Leo Back: Simon Kepha. A. Epstein: Ein wiedergefundener Grabstein auf dem Wormser jüdischen Friedhofe. Moritz Steinschneider: Mathematik bei den Juden (1551—1840) (Fortsetzung). N. Berliner: Die beiden Gedaljah in Obersitzko. Nachbemerkung des Herausgebers dazu. Martin P h i l i p p s o n: Der Anteil der jüdischen Freiwilligen an dem Befreiungskriege 1813 und 1814 (Schluß). Mitteilung über das Gesamtarchiv der deutschen Juden. Notizen von W. Bacher. Besprechungen: Kistner A.: Der Kalender der Juden. Von Elias Fink. Kracauer J.: Die Geschichte derJudengaffe in Frankfurt a. M. Bon Max Eschelbacher. „Altueulaud". Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Herausgegeben von F. O p p e ritz e i m e r, S. Soskin, O. Marburg. Berlin W. 15, Pfalzburgerstraße 83. HX Jahrgang. Heft Nr. 5, Mai 1906. Inhalt: Rektor Eberhard: Nochmals Judenpflege. Oekonomierat Oetken: Palästinafahrt eines Landwirtes (Fortsetzung). Banken und Gesellschaften. Ludwig Merlauder. Zionisten und Territorialisten. Vortrag, gehalten im Roten Saal der „Harmonie" zu Antwerpen, am 28. März 1906, im Aufträge der Belgischen Zionistischen Landes-Föderation. Preis 30 Ctm. „H a t i k w a h", Antwerpen. Briefkasten. D. F. Bei dein Delegationsdiner, zu welchem Szemere die Delegierten der beiden Reichshälften einlud, fand sich pünktlich der Abgeordnete Franko Stein ein, der Deutschnationale, der die frechen Phrasen von der Minderwertigkeit der anderen Nationen so oft gebraucht. Die Mitglieder der Deutschen Volkspartei waren ferngeblieben. Nur Stein mußte beweisen, daß er in jeder Art gerne den Mund voll nimmt und erschien zu allgemeinem Erstaunen, das noch mehr wuchs, als er sich schön bescheiden hinsetzte und sich den Kochkünsten der Frau Sacher widmete. Er hatte auch sonst nichts besseres zu tun. da sich jeder wohlweislich hütete, mit ihm in näheren persönlichen Verkehr zu treten. Daß er aber den übergeschnappten teutonischen Rassendünkel beim Essen ablegt, ist bezeichnend für den Herren, der gegen Ungarn und Juden so gerne die Zähne fletscht, allerdings aber noch niemanden gefressen hat. Discip. Das Vorgehen der Landesschulbehörde gegen die freie Schule ist vollkommen unberechtigt. Die wahren Hintermänner dafür werden Sie sofort erraten, wenn Sie den wahren Grund wissen. An dieser Schule wird es nämlich den Eltern freigestellt, ihren Kindern den Religionsunterricht erteilen zu lassen oder aber nicht. Ein erheblicher Bruchteil der Eltern hat sich für die konfessionslose Erziehung ausgesprochen. Daher jene Donnerkeile. Was die Wut der hierorts herrschenden Clique gegen die Schule noch vermehrt, ist der Umstand, daß weder der Verein noch seine Anstalten in besonderem Maße verjudet sind. Der Führer der antiklerikalen Schulbewegung, Hofrat Baron Hock trat zwar ungeniert in einer rein jüdischen Versammlung mit einer Ägitationsrede hervor, aber ein erfahrener jüdischer Politiker riet ihm von diesem Vorgehen mit der richtigen Begründung ab, daß es wegen des öffentlichen Urteils in der heutigen Zeit ein Ruin für jede liberale Bewegung wäre, wenn ihr viele jüdische Anhänger beitreten. Baron Hock hat denn auch viele christliche Mitstreiter gewonnen und große Erfolge gegen die fanatische klerikale Gegenagitation auch auf dem flachen Land erzielt. An ihn können die Dunkelmänner eben nicht leicht heran und er ist unerschrocken genug, um mit ihnen allen fertig zu werden. Seine Fortschritte sind ein Zeichen der Zeit, ein Zeichen des Fortschrittes überhaupt und aus seiner Freien Schule wird hoffentlich noch die Freiheit für die Erwachsenen erstehen. Nemo. Es ist jetzt nicht die Zeit, Erinnerungen an die Nachricht heranszukramen, daß die jüdischen Finanziers Versprechungen für eine wohlwollende Behandlung der russischen Juden bekommen hätten, wofür sie sich dann für die bekannte Anleihe einsetzten. Wir geben zu, daß sie im guten Glauben gehandelt habe, aber es tut uns tief und aufrichtig leid, eine so traurige Genugtuung erlebt zu haben. Wir sind energisch gegen die Anleihe unbekümmert eingeschritten, weil wir als Chronikeure des jüdischen Lebens den lügenhaften und betrügerischen Versprechungen der russischen Regierung niemals Glauben schenken konnten und Glauben schenken werden. Man denkt mit Zorn daran, wie viel jüdisches Geld diesen verruchten Mordbrennern ohne Garantien zur Verfügung gestellt wurde und wozu sie es jetzt benützen. Ueber die Zukunft läßt sich vor den nächsten Monaten nichts sagen. Wenn die Evolution von Rußland bald init der Revolution einsetzt, dann ist vielleicht von ihr die Sprengung des Kerkers zu erhoffen, in dem unsere armen Brüder schmachten. Wenn aber, was der Himmel verhüte, die blutigen Ereignisse von Bjelostok sich noch an anderen Orten wiederholen, wie es angekündigt und keine andere Hrlfe zu erwarten ist, werden wohl alle Kräfte des Judentums zu einer riesigen Aktion Zusammenarbeiten müssen, um den Greueln im Lande des weißen Schreckens ein für allemal ein Ende zu machen. Kr. Lueger hat tatsächlich für die Bukarester Ausstellung bei einigen Industriellen interveniert. Er hat nämlich ein paar persönliche Freunde unter ihnen, stramme Antisemiten, denen aber, wie uns ein Leser liebenswürdig mitteilt, eine nette Geschichte passiert ist. Sie selbst lassen sich keinen Juden nahe kommen, kaufen keinem etwas ab. Wie aber die Tulpenbewegung einsetzte, kamen zwei von ihnen fast in Zahlungsschwierigkeiten, weil man sie samt ihrer Ware radikal aus Ungarn hinauswarf. Sie fuhren zu Lueger und er mit ihnen zum Handelsminister, um sich über diese „empörende Ungerechtigkeit" zu beklagen. Gracchi de seditione querentes — Antisemiten als Kläger über Ungerechtigkeit. Daß man die Herren nach ihrer eigenen Methode prügelte, ist nicht schön von den Ungarn. S. Die jüdische Selbstwehr besteht meist aus jungen Elementen, Studenten, auch Gymnasiasten und Arbeitern der Organisationen „Poalei Zion" und „Bund". Sie sammeln sich meist zu einer Truppe und führen oft heldenmütige Kämpfe gegen das Militär und die Polizei. Ihre Waffen wurden aus einem eigens für sie gesammelten Fonds gekauft. In Odessa wurden seinerzeit über 100 dieser Helden nach verzweifeltem Widerstand getötet« In Bjelostok sind sie in Aktion getreten und haben teilweisen Erfolg gehabt. K. W. i. Z. Ja, in der nächsten Nummer. Besten Dank. E. N. Für diese Woche zu spät. .

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