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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 25 anstaltung einer Reihe von Lokalturnieren war znm Teil auf Judds Initiative zurückzuführen, und der Konsul nahm bisweilen unter dem Pseudonym „St. Louis" am Kampfe teil. Mancher bewährte Meister mußte das feine Spiel des Amerikaners als überlegen anerkennen. Mit dem Amtsantritt Mac Kinleys (1897) erfolgte Judds Abberufung vom Wiener Posten und er übersiedelte zu dauerndem Aufenthalte nach St. Louis. Bei dem im Vorjahre gelegentlich der Ausstellung in St. Louis veranstalteten Sechsten amerikanischen Schachturnier trat Judd zum letztenmale als Kämpfer in die Schranken und landete als zweiter Sieger (erster Marschall). Feuilleton. „Girr Sornrnerabrnd im Indengäßcherr." Eine Skizze von Walter R u n , e. Wie lange, lange doch schon hatten wir uns aus dem Auge verloren — — — — — — — — — — Nun wir uns ganz plötzlich und unverhofft nach fast zwei Jahrzehnten Wiedersehen, erschien es uns durchaus unbegreiflich, daß sich bisher keiner von uns beiden wirklich ernsthaft darum bemüht hatte, den andern an der Stätte seines Wirkens ausfindig zu machen und aufzusuchen, um die alte, goldige Jugendfreundschaft wieder neu aufleben zu lassen. Dieser Gedanke überschattete anfänglich das reine Glückempfinden eines so unerwarteten Wiedersehens, wie eine Wolke die sonnige Klarheit einer frühlingsheiteren Naturszenerie. Doch rasch genug hatte sich unser Empfinden wieder abgeklärt und das Peinigende der berechtigten Selbstanklagen überwunden, sobald uns die freudige Rückerinnerung zu Hilfe kam und gänzlich in ihre liebenswürdigen Fesseln schlug. Fröhlich blätterten wir im Buche unseres Lebens rückwärts und erquickten uns an der köstlichen Wiederbelebung der bereits etwas verblaßten Farbentönung all der schönen und wertvollen Bilder aus unserer Knabenzeit. Nur wollte es uns erscheinen, als sei es erst gestern gewesen, da wir durch unsere Väter der altberühmten Landesschule zu Psorta, jener reizenden Siedelung im Saaletale, zugeführt wurden, um uns dort nach ihrem Beschluß am rein und reichlich sprudelnden Quell gymnasialer Wissenschaft ernst und eifrig für künftige und schwierigere Studien grundlegend vorzubereiten und zu stärken. Deutlich und klar trat uns der erste Schultag wieder ins Gedächtnis, an welchem uns ein freundlicher Zufall sofort enger aneinandergekettet hatte, und zwar dadurch, daß er uns unsere Sitzplätze direkt nebeneinander finden ließ. Und so war es sieben lange Jahre hindurch geblieben. Dieser rein äußerliche Umstand wurde natürlich zum günstigen Vermittler einer sich rasch und harmonisch entwickelnden Jugendfreundschaft in erster Linie. Der zweite Vermittler derselben — und zwar der wichtigere — war der gleich begehrende und begeisterte Drang in uns nach allem Schönen, Edlen und Herrlichen, der durch unseren Fortschritt in den Zweigen der Wissenschaften nach und nach wach wurde und im Verlauf der Zeit immer glühendere Farben annahm. Hauptsächlich auch fanden sich unsere Knabenherzen in der großen Liebe und Hingabe zur Natur, deren Wunder und geheimnisreiches Zauberwalten uns beide gleich stark und mächtig anzog und beglückte. So kam es, daß unsere Freundschaft schließlich eine so auffällig innige und herzliche wurde, daß unsere Mitschüler uns den schönen Titel „Die Unzertrennlichen" beilegten. Und doch hatte es unser beiderseitiger Entwicklungsgang vermocht, daß wir uns, nachdem wir die Landesschule verlassen, gänzlich aus dem Auge verloren und uns fast zwei Jahrzehnte nicht wiedersahen, noch sonst Fühlung mit einander behielten. Und wiederum verdankten wir es einem freundlichen Zufall, daß wir uns nun nach einer immerhin schon ansehnlichen Seite 417 Zahl von Jahren ganz unverhofft an einem köstlichen Sonntagmorgen hoch oben auf dem dicht verschneiten Rücken des Thüringerwaldes — dem trefflichen Sport des Schneeschuhlaufens huldigend — wiedersanden. Blitzschnell und in kühnem Wagemute kurze, steilabfallende Ruinen hinabgleitend, dann, frohgemut und keine Mühe scheuend, jenseits wieder emporschreitend, die reine Waldlust des Winters atmend, dabei die Herzen erquickend an dem bezaubernden Anblick der dickbereiften und schneebeladenen Bergtannen, über welche sich das blasse Sonnengold ergoß, so verrann Stunde um Stunde, und mit ihnen der köstliche Reichtum unserer Erinnerungen aus der Knabenzeit, die wir in der hehren Wintereinsamkeit des Hochgebirges begeistert austauschten. — — Als sich die Sonne ihrem frühzeitigen Niedergange zuneigte, jagten wir beide auf schlankem Hörnerschlitten, geführt von einem stämmigen, salkenäugigen Gebirgssohne, aus einem der höchstgelegenen Thüringer Walddörschen in atemhemmender Schnelle tief hinab in das Tal der wilden Gera, durch welches auf hohen, schwindelnden Dämmen die Züge der Eisenbahnstrecke Neudietendorf-Ritschenhausen keuchen und dampfen. Nicht lange darnach, als wir dem Hörnerschlitten dicht am Bahnhof glücklich und heil entstiegen, brauste der Zug in der Richtung nach der schönen Blumenstadt Erfurt, der soeben den imponierenden Brandleitetunnel verließ, in die Station ein. Charles Sanders betrat nach herzlichem Abschiede sein Abteil, und schon nach einigen Sekunden donnerte der stark besetzte Zug auf reifumspannten Schienen talabwärts seinem fernen Ziele zu. Schweren Herzens sah ich der flüchtigen Erscheinung nach, die mir den teuersten Freund, den so lang entbehrten und plötzlich wiedergewonnenen rasch entführte. Wieder war alles tiesstill geworden. Ich stand ganz vereinsamt auf dem Bahnsteig und nur der Schaffner am Ausgange wartete ungeduldig aus mein Kommen. Um ihm die in der Kälte gewiß sehnlich erwartete Erlösung zu bringen, schritt ich endlich rasch auf ihn zu, passierte nach Abgabe der Karte die Sperre und verließ kurz daraus den Bahnhof. Noch hatte ich fast zwei Stunden Zeit bis zum Abgang meines Zuges in der Richtung nach Ritschenhausen. Kurz entschlossen pilgerte ich dann dem nahen, sehr beliebten Ausflugsort Thüringens, der wundersam im wilden Geratal gelegenen, altbekannten „Rothenselsmühle" zu, deren Reklame hauptsächlich darin beruht, daß ihr Besitzer sie als „judenrein" anzupreisen pflegt. Fast dünkte es mir als eine Beleidigung meines trefflichen Freundes, wenn ich kurz nach dem so herzlich begrüßten Wiederfinden dieses Haus betreten würde, das auch ihm, dem Angehörigen des Judentums, die Tür verschließen würde. Doch schließlich besiegte mich die Leere der Zeit und ein Sehnen nach Wärme. Nach kurzer Wanderung war ich also am Ziele und hielt Einkehr. In einem lauschigen Winkel der kleinen Gaststube ließ ich mich einigermaßen erschöpft in das weiche Polster eines Sophas nieder. Diese Ruhe tat mir wohl und ich begrüßte mit Freuden den Umstand, daß ich der einzige Gast vorläufig war. Ein sauberes, frischwangiges Mädchen vom Walde kam bald herzu, hieß mich freundlich willkommen und servierte mir nach meinem Wunsch eine Taffe würzigen Kaffees mit obligatem Schmalzkräpfel. Dann war ich wieder allein. Nachdem ich mich gestärkt, lehnte ich mich behaglich in das Sopha zurück und begann zu träumen. Liebliche Bilder umgaukelten da meinen zufriedenen Sinn: Der wiedergewonnene Freund, der mir jetzt als praktischer Arzt in der Blumenstadt immer nahe sein wird; die neubelebten Erinnerungen der glücklichen Jugend; die Nähe der köstlichen Natur, deren Zauber mein ganzes Sein erfüllt. Und wie wundersam läßt es sich doch träumen in einem einsamen Thüringer Waldstübchen so mitten im tiefen Winter, wenn die knisternde Fichtenscheitslamme den alten, ehrwürdigen Kachelofen belebt. — — — — So wohl und seltsam befriedigt hatte ich mich lange nicht mehr gefühlt. Ich empfand den Wunsch, daß ich einmal viele Dr. Liocv's MocvcnscvrM.

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