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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blortz's WochrnjUrrls!. Seite 415 Pester israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Sigmund Kohner bezüglichen Teiles des Berichtes, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß Herr Kohner seine brüderliche Liebe für die Chewra auch fortab bewahren werde. Hierauf wurden die Rechnungsabschlüsse zur Kenntnis genommen und das Absolutorium erteilt. An Stelle der verstorbenen Ausschußmitglieder Martin Schweiger und Adolf Sternthal wurden Sigmund Kohner und Berthold Herzmann mit Akklamation gewählt. Zu Rechnungsrevisoren wurden Robert Auer, Samuel Eisler, Dr. Bela Feleki, Joseph v. Hüvös, August Kohner, Joseph Wolfner und Julius Winterberg gewählt. London. Der Präsident des Zionistenvereins in Swansea erhielt unterm 5. Juni vom Auswärtigen Amte folgendes Schreiben: „Sir. Ich bin beauftragt, den Empfang Ihrer weiteren Zuschrift vom 26. v. M., welche die Schaffung eines unabhängigen jüdischen Staates in Palästina behandelt, zu bestätigen und zu erklären, daß die Regierung Seiner kgl. Majestät zwar, falls sich eine Gelegenheit bieten würde, eine Besprechung und günstige Berücksichtigung der Sache nicht von sich weisen werde, aber in der Ausführung des Vorschlages Schwierigkeiten erblickt, deren Beseitigung nicht von der Disposition der Regierung Sr. kgl. Majestät abhängt." Richter Cyrus Sulzberger aus Newyork, Herr Ussischkin, der Führer der zionistischen Anti-Territorialisten, sowie Herr N. Sokolow, Redakteur der hebräischen Tageszeitung „Hazephirah", weilen seil einigen Wochen in London und sind in verschiedenen öffentlichen Versammlungen für zionistische, resp. territorialistische Propaganda als Redner ausgetreten. Ein Schneiderstreik im Oftende von London. - London. Im Ostende von London ist ein großer Schneiderstreik ausgebrochen, an dem bis jetzt bereits mehr als 10.000 Schneider teilnehmen. Die Streikenden find zumeist Ausländer, zumeist russische und polnische Juden, die in den armen Distrikten von Whitechapel und Bethnal Green eine bedauernswerte Existenz führen und von den Arbeitgebern mit wirklichen Hungerlöhnen bezahlt werden. Die Leute haben sich meistens den Arbeitgebern schon ausgeliefert, ehe sie ihre Heimat verlassen, und es dauert, wie die englischen Blätter feststellten, oft 10 bis 20 Jahre, ehe es ihnen gelungen ist, sich freizumachen. Die Zahl der im Ostende für ganz unglaublich geringe Löhne arbeitenden Schneider männlichen und weiblichen Geschlechtes wird auf 20.000 geschätzt. Die Leute arbeiten zum Teile in Kellern zusammengepfercht. Der Staat soll sie allerdings durch seine Arbeitsinspektoren vor ungesunden Verhältnissen bewahren, aber die Leute erklären, daß diese Inspektion in Wirklichkeit reine Schauspielerei sei. Sie finde mit langen Unterbrechungen statt und werde stets vorher angekündigt. Die Leute verdienen im besten Falle ein Pfund Sterling wöchentlich und haben dafür in Räumen, in denen jeder englische Arbeiter sich zu arbeiten weigern würde, bis zu zwanzig Stunden täglich zu arbeiten. Dabei müssen sie häufig für einen ungesunden Raum, in dem die ganze Familie lebt, wöchentlich dem Arbeitgeber, der meistens auch der Mietsherr ist, acht Shillinge Miete bezahlen. Wer am Mittwoch die Straße des Ostendes besuchte, der konnte Tausende von hungrigen, abgemagerten Leuten umherziehen sehen. Die Streikenden fordern die Einführung des 12stündigen Arbeitstages. Die außerordentlich lebhaften Reden wurden meistens in Jiddisch gehalten. Die Streikführer ermahnen die verzweifelten Leute zum Aushalten. Sie begründen ihre Hoffnung auf den Erfolg des Streiks merkwürdigerweise mit dem Fehlen von Streikfonds. Arbeiter, die einen Streikfond hinter sich hätten, würden nachgeben, sobald dieser Fonds zusammenschrumpfte. 25 Unternehmer haben den Zwölfstundentag bewilligt und ihre Arbeiter geben von ihrer, kärglichen Einnahme wöchentlich 5 Shillinge an die Streikenden ab, aber diese Summe ist nur ein Tropfen Wasser auf den heißen Stein. Der Gewerkverein der Schneider, dem diese mittellosen Leute nicht angehören, hat verlangt, daß die Streikenden die Streitftage einem Schiedsgericht unterbreiten. Nur für diesen Fall will er Unterstützung gewähren. Die Streikenden haben sich vorläufig dazu nicht bereitfinden laffen und appellieren an die Hilfe aller Gewerkvereine von Ost- London. Die Aufregung im Ostende ist so gewachsen, daß starke Polizeiaufgebote dorthin gesandt werden mußten. Polizeipatrouillen durchziehen die Straßen, aber ohne die Versammlungsfreiheit der Leute zu stören. Es wurden verschiedene Fälle von Gewalttätigkeit gemeldet. Die Unternehmer erhielten zum Teil Briefe, in denen fie mit dem Tode bedroht wurden. Vermischtes. Wien. (Sonnenthal in Audienz beim Kaiser.) Montag den 11. d. M. wurde Adolf Ritter v. Sonnenthal vom Kaiser in Audienz empfangen, um dem Monarchen den Dank für die ihm verliehene Auszeichnung abzustatten. Der Kaiser kam Sonnenthal überaus huldvoll entgegen und erwiderte auf die Dankesworte des Künstlers: „Ich habe mich sehr gefreut, Sie auszuzeichnen. Sie gehören zu den Stützen und pflichteifrigsten Mitgliedern des Burgtheaters." Wien. Dem Ministerialräte im Eisenbahnministerium Herrn Dr. Camill K u r a n d a wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Komthurkreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Stern verliehen. Wien. (Errata im Spendenausweise der „Israelitischen Allian z".) Wie uns vom Bureau der „Israelitischen Allianz" mitgeteilt wird, hat außer dem bei der Generalversammlung vom Vorsitzenden hervorgehobenen Druckfehler sich noch manches andere Versehen beim Abschreiben und Katalogisieren der nach tausenden zählenden Juxten eingeschlichen. So soll es auf Seite 89 statt „Komitee T r i e sch X 3400.—" heißen „Trie st". Dieser Betrag stellt eine zweite Sendung der Filiale der „Israelitischen Allianz" in Triest dar, deren auf Seite 99 ausgewiesener Beitrag von X 20.000.— sich somit auf X 23.400.— erhöht. Der ehemalige Gemeinderat Moritz Eltbogen gestorben. Nach einer aus Millstadt eingelangten Depesche ist dort am 16. d. M. der ehemalige Wiener Gemeinderat Moritz Eltbogen im 50. Lebensjahre gestorben. Er war schon längere Zeit schwer leidend; seit einigen Wochen hatte sich sein Zustand in bedenklicher Weise verschlimmert, so daß eine Genesung ausgeschlossen erschien. Herr Eltbogen hatte sich zuerst auf humanitärem Gebiete betätigt und als Vorstandsmitglied des Vereines gegen Verarmung und Bettelei und des humanitären Vereines im II. Bezirk eine sehr ersprießliche Tätigkeit entfaltet. Er wurde dann in den Armenrat und später in die Bezirksvertretung gewählt. Vor sechs Jahren wurde er von den Wählern des zweiten Wahlkörpers der Leopoldstadt in den Gemeinderat entsendet, dem er bis zu den Ergänzungswahlen des vergangenen Monats angehörte. Seine Betätigung in der Gemeindestube mußte sich entsprechend den engen Grenzen, welche der Arbeit der Opposition gezogen find, auf Anträge, Interpellationen und mannigfache Anregungen beschränken, die sich vornehmlich auf die Armenpflege bezogen. Eltbogen war zwar kein hervorragender Redner, aber ein Mann von starkem Temperament und unerschütterlicher Ueberzeugungstreue. Vor etwa drei Jahren wurde er zum Obmannstellvertreter des Leopoldstädter Armenrates gewählt und in dieser Eigenschaft entwickelte er ein überaus verdienstvolles Wirken, wie er überhaupt im privaten und im öffentlichen Leben eine seltene Herzensgüte bewies. Zahlreichen bedrängten und in Not geratenen Personen wurde dank seiner eifrigen Intervention werktätige Hilfe zu teil. Bei der letzten Wahlkampagne beteiligte sich Eltbogen noch mit großem Eifer an der Agitationsarbeit und hat sich hiebei so großen Aufregungen ausgesetzt, daß sein Zustand hiedurch ungünstig beeinflußt wurde. Der Verstorbene hinterläßt

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