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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 414 Dr. Blocb s Mlocvens orift. Nr. 25 gesprochen hat. Die Namen dieser, die sich über das gewöhnliche Niveau erhoben, feiert hiemit verewigt; sie lauten; Gregor 1. der Große (590—604), Alexander III. (1159—1181), Honorius IIL (1216—1227', Gregor IX. (1227—1241), Jnnocenz IV. (1243—1254), Gregor X. (1271—1276), Benedikt XII. (1334—1342), Martin V. (1417—1431), Felix V. (1447), Sixtus IV. (1471—1484), Clemens VII. (1523 bis 1534). Paul III. (1534—1549). Pius IV. (1559—1565), Sixtus V. (1585-1590). Benedikt XIV. (1740-1758), Clemens XIII. (1758—1769), Clemens XIV. (1769—1774). Von ganz besonderer Tragweite erwies sich die Gerechtigkeit Sixtus XI V., auf dessen Geheiß eine Revision des Ritualmordprozeffes wegen des Knaben Simon von Trient erfolgte, welche das überraschende Ergebnis zutage förderte, daß nicht der angeklagte Jude Samuel, sondern ein Trientiner Bürger (Zanesius) das Kind im Jahre 1475 umgebracht hatte — aus Rache für einen gegen diesen Juden verlorenen Prozeß, der hiedurch in den falschen Verdacht kam und sofort zu Tode gefoltert wurde. Aehnlich gelang es Clemens XIII. im Jahre 1760 einen Beweis zu erbringen, daß anläßlich des Auffindens eines mit Schnittwunden verletzten Kindes in Volhynien nicht die Juden, sondern der eigene Vater (Borjeckomiski) das Verbrechen begangen hatte, um den Verdacht auf die Juden zu lenken. Äußer den genannten Päpsten schützten — physisch — noch die Juden: Erzbischof Hermann III. von Köln, sowie der Prager Dechant Cosmas im Jahre 1096 beim ersten Kreuzzug. in Frankreich der Mönch Bernhard von Clairvaux 1146 beim zweiten Kreuzzug, ferner verteidigte sie Martin Luther, wiewol selbst ein ausgeprägter Antisemit, rücksichtlich des Ritualmordes, indem er diesen als „Lüge" und „Narrentoerf" stigmatisierte, ebenso der berühmte Philosoph Joh. Reuchlin, Professor Wagenseil um das Jahr 1700, Erzbischof Kozdara von Lemberg 1801, die Bischöfe Dräseke (1832 bis 1844), Reinkens 1882, die Profestoren: I. v. Döllinger, Dr. Molitor, Dr. Strack, Nöldeke, Baumgartner, M. Paul, Lagarde, Kautsch. Fürstbischof Dr. Kopp, dann die theologischen Fakultäten von Leipzig, Amsterdam, Utrecht, Leyden und Kopenhagen, welche sämtlich die Blutbeschuldigung als ganz ungerechtfertigt zurückwiesen. Weit überragt in ihrer Bedeutung werden diese Voten durch das Gutachten des Jesuitenpaters Haselbauer, des Zensors der „Judenbücher" in Prag, welcher 1736 bescheinigte, daß „in der ganzen, ihm sehr wohlbekannten hebräischen Literatur nichts vorkomme, was auf die Blutbeschuldigung Hinweisen könnte." Viel schärfer drückt sich die Bulle vom 25./9. 1253 des vorgenannten Papstes Innozenz IV. aus, welche direkt jenen mit Exkommunikation bedroht, wer den Juden vorwerfe, bei ihrem Ritus Menschenblut zu gebrauchen. In der vorausgegangenen Bulle vom 5./7. 1247 desselben Papstes, wurde auf den Widerspruch hingewiesen, der zwischen der Blutbeschuldigung und der heiligen Schrift bestehe, indem in letzterer den Juden direkt untersagt wird, während der Zeit des Passahfestes etwas Totes zu berühren. — Auch auf die andere Form des Judenhaffes, der sich in Raub äußert, wird in dieser Bulle bereits hingewiesen. So wie damals, steht auch heute das Judentum stets zwischen zwei Feuern. Läßt der religiöse Haß nach, so setzt alsbald der wirtschaftliche ein und umgekehrt. Diesem Wüten der Herrschsucht und Habgier kann nur auf dem Wege der Belehrung und Hebung des ethischen Niveaus der Maffen begegnet werden. Gleichwie es endlich gelungen ist, samt der Folter die Hexenprozeffe abzuschaffen, so läßt sich erhoffen, daß durch unausgesetzte Bemühung auch dieser mittelalterliche finstere Haß schwinden und daß den Aufwiegelungen der Hetzkapläne u. A. der Boden entzogen werde. Indem der Verein zur Abwehr des Antisemitismus diese Aufgabe auf sich nimmt, stellt er sich schützend vor die kleine Minorität, die von einer rückfichtslos-n Majorität stets verfolgt, boykottiert und herabgesetzt wird — gleichwohl aber durch ihren Unternehmungsgeist eben dieser Majorität viele hunderttausend Existenzen bietet — und wirkt so gleichzeitig für die erhabene Idee des reinen Monotheismus, wie auch für die Vereinigung der Menschen zu einer einigen, einzigen Völkerfamilie. Daß es dazu einer unerschütterlichen Beharrlichkeit bedarf, bedarf, steht außer Zweifel. Schon der bloße Bestand des Vereines indeß bedeutet einen ständigen und vernehmlichen Protest gegen jene, welche die niedrigsten Triebe des Hasses und der Habsucht bei der Menge ausbeuten, lediglich deßhalb, um selbst zu Ansehen und Vermögen zu gelangen. Je größer der Verein, desto früher wird es gelingen, die Führer zu isolieren und deren kulturfeindliches Wirken zu schwächen. Wir richten daher an Euer Hochwohlgeboren die Bitte, durch den Beitritt zu unserem Vereine die gute Sache fördern zu wollen, und erlauben uns gleichzeitig zur gefälligen Bedienung einen Posterlagschein beizuschließen. Hochachtungsvoll V e rein zur Abwehr des Antisemitismus. Präsidentenwahl der Pefter israelitischen Kultusgemeinde. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Kultusgemeinde hielt unlängst eine Generalversammlung ab, deren Gegenstand die Wahl des Präsidenten war. Das Resultat der Wahl war ein überraschendes: beide Kandidaten erhielten je 85 Stimmen, so daß eine Neuwahl notwendig ist. Die Generalversammlung nahm folgenden Verlauf: Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden Doktor Philipp Weiumann, worin er auch des verstorbenen Ausschußmitgliedes Eduard Fleischmann in pietätvollen Worten gedachte, wurde mit der Abstimmung begonnen. Von den abgegebenen 170 Stimmen erhielten Bcrthold Weiß und Philipp Weinmann je 85 Stimmen. Dr. Philipp Weinmann nimmt den Bericht des Skrutiniumskomitees nicht zur Kenntnis, sondern erklärt, die Abstimmung sei von neuem zu beginnen und solange fortzusetzen, bis einer der Kandidaten die Majorität erhält. Dieser Aeußerung des Vorsitzenden folgte eine lange, erregte Debatte. Dr. Moriz Mezei betont, daß sich ein Teil der Repräsentanten bereits entfernt habe und man es nicht dem Zufall überlassen könne, wer der Präsident der Pester Kultusgemeinde werden solle. Er beantragt, die Abstimmung nicht fortzusetzen, sondern für einen späteren Zeitpunkt eine Neuwahl anzuberaumen. Dr. Wilhelm Grauer ist gegen den Aufschub der Wahl. Die Kultusgemeinde müsse endlich ein Oberhaupt bekommen. Er beantragt, in der kürzesten Zeit zwischen den beiden Kandidaten zu wählen. Dr. Adolf Leitner plaidiert für die Vornahme der Neuwahl innerhalb acht Tagen. Dr. Weinmann führt aus, daß im Sinne der Statuten bloß von einer engeren Wahl die Rede sein könne. Er hält es für das Richtigste, eine Ersatzwahl vorzunehmen, unterwirft sich aber diesbezüglich dem Willen der Majorität. Daraufhin sprach die Generalversammlung aus, daß sie die Bestimmung des Zeitpunktes der Ersatzwahl der Vorstehung überlasse. Die Pester Chewra-Kadischa hielt am 27. Mai. vormittags, unter Vorsitz des Präsidenten Jakob Boschan ihre ordentliche Jahres-Generalversammlung. Der vom hochverdienten Anwalt der Chewra-Kadischa Dr. Franz Mezey verfaßte, glänzend geschriebene Jahresbericht führt aus, daß der Verein die. Baugründe des Asyls für unheilbare Kranke, des Heims der Krankenwärterinnen und der Gratiswohnungen und Beschäftigungswerkstätte für Notleidende erworben habe und sich angelegentlich mit der Angelegenheit des Aufbaues dieser Anstalten beschäftige. Der Verein hat für das Siechenhaus 48.189 Kronen, für Krankenpflege 64.416 Kronen, für Armenunterstützung 130.121 Kronen ausgegeben. Von den im Laufe des Jahres Verstorbenen wurden 1571 unentgeltlich bestattet. Dr. Emil Farkas und Moriz Mandl stellen den Antrag, den Jahresbericht einstimmig anzunehmen; Letzterer wünscht bloß die Verlesung des auf den Rücktritt des Präsidenten der

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