Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 25 L>r. Vlocv s Mocdenscvrrrr. Sette 413 in welcher beschlossen wurde, der ganzen Klasse — der Iudenklasse — die Sittennote um eine Stufe zu vermindern. IX. In der V. b fehlte einmal ein Lehrer, weshalb alle Schiller (ohne Bewilligung) weggingen. Nach längerem Herumfragen entschied Direktor Schirmer, daß zwei Schüler, Reinhold (ein Jude) und Kunach (ein Pole), angeblich die ersten waren, die die Klasse verlassen hätten. Wiewohl nun Kunachs bisheriges Aufführen ein viel schlimmeres ist, erhielt der Jude Reinhold 16 Stnnden, Kunach aber 8 Stunden Karzer. X. Als weiteren Beweis über die ungerechte, ungleiche und feindselige Behandlung jüdischer Schüler an diesem Obergymnasium möge folgendes Faktum dienen: Der vorgenannte Kunach (V. d) hat sich längere Zeit mit einem jungen Mädchen zweifelhaften Rnfes hernmgetrieben, bis es zwischen ihnen einmal zu einer wüsten, Aergernis erregenden Szene auf offener Straße kam, die damit endete, daß Kunach dem Mädchen eine Ohrfeige versetzte und ihr außerdem schimpfliche Beleidigungen zurief, die den Gegenstand einer Gerichtsverhandlung bildeten und nur, dank der Intervention des Richters, mit einem Vergleiche endete, wodurch Kunach einer gerichtlichen Strafe entging. Das Mädchen klagte nichtsdestoweniger beim Direktor, Kunach aber kam ohne Strafe davon. Dagegen wurde ein jüdischer Schüler, Namens Ziemand, VII. Klasse, den ein Lehrer mit einer derartigen Dame gesehen haben wollte, unbarmherzig ausgeschlossen, wiewohl er zu den guten Schülern gehörte und sich nie zuvor etwas hatte zu Schulden kommen lassen. XI. Beim Einschreiben am Anfänge des Schuljahres spenden die Eltern der Schüler einen Beitrag zur Unterstützung armer Schüler. Aus diesem Uuterstützungsfonds bekommt aber kein jüdischer Schüler einen Heller, weshalb deren Religionslehrer auf verschiedene Art für dieselben sammeln muß, dem entgegen werden polnische Schüler, die notorische Faulenzer sind, aus diesem Fonds unterstützt. Als nämlich der Vater des ofterwähnten Kunach dessen Austritt im April a. c. bei Direktor Schirmer meldete, gab ihm dieser die vollen 30 L für Schulgeld, wiewohl die bisherigen Leistungen dieses Schülers nicht derart sind, daß Kunach einer Unterstützung würdig wäre. Dagegen mußten viele jüdische Schüler, weil sie das Schulgeld nicht zahlen können, austreten, obgleich das meiste Gell, das beim Einschreiben einfließt, von Juden herrührt. So verwendet Direktor Schirmer Unterstützungsgelder, die bestimmt sind, daniit armen, dürftigen Schülern, ohne Unterschied des Stammes, der Nationalität und des Religionsbekenntnisses, helfend unter die Arme gegriffen werde. Und nun zu Professor Artur Cwikowski! Aus der IV. b Klasse: 1. Der mosaische Religionslehrer Dr. Frost hatte noch im vorigen Jahre angeordnet, daß die jüdischen Schüler vor und nach dem Unterricht hebräisch beten sollen. Als nun Professor Cwikowski am 28. April d. I. den Schüler Rosenblatt aufforderte, polnisch zu beten, antwortete dieser, daß er sich an die Weisungen des Religionslehrers halten müsse. Dafür bekam Rosenblatt bei der Monatskonferenz eine ungünstige Sittennote (Cwikowski ist nämlich in der IV. b Klassenvorstand). Cwikowski erklärte, daß das Beten in der Schule mit dem Religionsunterrichte nichts zu tun habe, verbot hebräisch zu beten, diktierte selbst ein polnisches Gebet und bezeichnete gleichzeitig einen polnischen Schüler namens Skoczylas, der jeden jüdischen Kollegen zu denunzieren hat, wenn dieser hebräisch beten sollte. Rosenblatt wurde überdies auch sofort geprüft und — wiewohl er entsprochen hatte — bei der Monatskonferenz ausgewiesen und ermahnt. 2. Um dieselbe Zeit kam ein ähnlicher Fall vor: Ein jüdischer Schüler, namens Gelber, hatte das polnische Gebet noch nicht erlernt, wobei zu betonen ist, daß an diesem Obergymnasium die Unterrichtssprache die deutsche ist, dieses auch zumeist von der polnischen Sprache gänzlich unkundigen oder nur mangelhaft kundigen Schülern besucht ist. Weil nun Gelber das polnische Gebet noch nicht erlernt hatte, rief ihn Professor Cwikowski sofort auf, prüfte ihn in polnischer Grammatik, und zwar aus dem Lehrstoffe des I. Semesters, während er sonst die vorletzte, höchstens drittletzte Lektion prüft. Daß Cwikowski den Gelber nur deshalb geprüft hatte, um ihm einen „Zweier" zu geben, geht daraus hervor, daß er ihn, als er auf jede Frage antwortete, fragte: „Wie kommt es, daß du das alles weißt?" Endlich schickte er ihn in die Bank. Und nun das Charakteristische. Nachdem Professor Cwikowski bereits einen anderen Schüler geprüft hatte, rief er wieder Gelber, um ihn aus einer Deklamation zu prüfen. Auch da ging alles gut. Plötzlich wurde geläutet. Es entstand, wie gewöhnlich, eine Verwirrung — Gelber irrte um ein Wort, worauf Professor Cwikowski. der nur darauf gewartet hatte, den Gelber anschrie: „Cyganisz (du schwindelst), hast einen „Zweier" für die Deklamation!" In derselben Klasse (IV. b) ereignete sich noch folgendes: Für den 5. Mai d. I. waren aus einen, Gedichte zehn Verse zum Auswendiglernen aufgegeben. Ohne darauf zu achten, fragte Professor Cwikowski einen jüdischen Schüler, namens Spielmann, ob er 20 Verse gelernt habe. Als sowohl Spielmann und noch zwei andere jüdische Schüler, namens Kupfer und Rosenblatt, den Professor Cwikowski aufmerksam machten, daß er doch bloß zehn Verse aufgegeben hätte, erhielten alle drei Schüler „Zweier". Ein polnischer Schüler, namens Jacschke, bemerkte: „Zydki nie. chca sie nczye polskiego“. (Dm Juden wollen kein Polnisch lernen.) Daraufhin bat Spielmann, der genannte Professor möge auch polnische oder ruthenische Schüler prüfen, um sich zu überzeugen, daß auch diese nicht mehr gelernt hätten, weil nicht mehr aufgegeben war. Professor Cwikowski anwortete aber: „Nikogo wiecej nie belle pytal“. (Ich werde keinen mehr prüfen.) Dre Epitheta, die dieser Jugendbildner, Cwikowski. den Juden, besonders in den unteren Klassen (II und IV.) beilegt, sind gewöhnlich : „obrzyllliwy zydzie!“ (ekelhafter Jude!), „cybucb“, „cygan“ (Zigeuner), „szmeigeles!u. „handelet!“ (Verächtliche Bezeichnung für kleine Handelsleute.) - Damit richtet sich Herr Cwikowski selbst. Es ist kein erfreuliches, vielmehr ein sehr trauriges Bild, das da ausgerollt worden ist. Wir hegen aber die Ueberzengung, daß auch die staatliche Unterrichtsverwaltung die geschilderten Zustände für desolate, höchst bedauerliche und völlig unhaltbare erachtet und schleunigst, ohne jede Rücksicht und ohne Ansehen der Person der Schuldigen, gründliche Abhilfe schaffen werde. Es möge vorher unparteiisch und gewissenhaft die Untersuchung und Erhebung durchgeführt werden. In dieier Erwartung richten die Unterzeichneten an Seine Exzellenz, den Herrn k. k. Unterrichtsminister die Anfrage: „„Ist der'clbe geneigt, durch unparteiische Amtsorgane die geschilderten Zustände und angeführten Fakta nach allen Richtungen erheben zu lassen und, im Falle selbe sich als wahr und richtig erweisen, die Schuldigen zur Verantwortung und Strafe zu ziehen und die dargestellten Uebelstände dauernd abzustellen?"" Wien, 12. Juni 1906. Dr. S t r a u ch e r. P i h u l i a k Romanczuk Dr. Kos Jaworski Dr. Ofner K. S e i tz Ellenbogen Breiter Skedl Groß Dr. Vogler P r i m a v e s i K i t s ch e l t Nik. Wassilkü. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus (Wien, II., Castellezgasse Nr. 1) erläßt folgenden Aufruf mit der Einladung zum Beitritt: Euer Hoch wohlgeboren! In kurzer Reihenfolge hatte das gebildete Europa seine Tisza-Eszlarer, Xantener, Polnaer, DreYsus- und Konitzer Affairen, im Osten spielten sich die furchtbaren Exzesse von Kiew und Odessa 1881, Kischenew 1903 und neuerdings 1905 bis 1906 wieder in Kischenew. Homel, Odessa, Warschau und vielen anderen Orten vor unseren entsetzten Blicken ab. Was vor sieben Jahrhunderten die Albigenser, eine durch Bildung und Strebsamkeit sich vorteilhaft abhebende Minorität, das müssen heute die Juden Rußlands erdulden. Wiewohl die Zahl der Opfer nicht mehr wie bei der Einnahme von B oziers in Südfrankreich an einem Tage über 20.000 beträgt, so bilden die vielen Tausende innerhalb einiger Monate gemordeten, verstümmelten und vergewaltigten Wehrlosen, die 400 zerstörten Gemeinden ein grauenhaftes Kulturdenkmal für ewige Zeiten. Wenn heute die Juden für die sogenannten revolutionären Tendenzen verantwortlich gemacht werden, so hat diese Beschuldigung seitens amtlicher Organe wohl nur den Zweck, Blitzableiter zu schaffen, um die breiten Massen von den wahren Ursachen der wirtschaftlichen Notlage abzulenken; wenn die Pöbelhaufen, durch entsprechende Wühlarbeit aus religiösem und wirtschaftlichem Gebiete aufgestachelt, im trunkenen Zustande über die kleine Zahl ihrer jüdischen Mitbürger hersallen, unter dem Borwand, Sühne zu üben für die „Ausbeutung" oder für die „Blutabzapfung", so hat dies dieselbe moralische Unterlage wie seinerzeit die Verantwortlichkeitserklärung der Juden für die Pest in ganz Europa 1348 bis 1350, für die Trockenheit in Spanien 1506, für verschiedene Erdbeben in Italien, für unzählige Gewitter. Völker, die jahrhundertelang Hexenprozesse, Jnquifitionsgerichte, die entsetzlichen Grausamkeiten eines Iwan des Schrecklichen u. A. ertrugen, können eben nur immer nach Voreingenommenheiten handeln. Nach den Hoftien- „Blutungen" die „Ritualmorde". . . . Es ist daher notwendig, wieder einmal an die Tatsache zu erinnern, daß sich eine ganze Reihe von Päpsten in mehr oder minder bestimmter Form gegen den Blutaberglauben aus-