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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Leite 410 Dr. Dlocb's MocdenscvrlN. Nr. 25 famfeit! Dem Vater sind Nägel in die Augen eingeschlagen worden, sieben Kinder sind entzwei gerissen. ... Es ist mir unmöglich, weitere Details niederzuschreiben. . . . Gestern hat ein Osfizier des Wladimir-Regimentes, Miller, die Tochter des Advokaten Robanowsky ohne jedweden Anlaß erschossen. In dem Hospital liegen 90 verstümmelte Leichen. Nach dem Bericht des Sanitätsdienstes sind zweihundert jüdische Leichen gleich nach dem ersten Tag der Metzelei gezählt worden." Wie die Massakres inszeniert wurden, ist nicht mehr schwer sestznstellen. Eine Woche vorher ist nach Bialystof der bekannte Arrangeur solcher Sachen, Seragin, an der Spitze von Moskauer kirchlichen Fahnenträgern angekommen, die von dem bekannten General Bogdanowitsch und Jgnatiew organisiert sind. Spendensammlung für die Opfer der Zudeuexzeffe in Rupla» d. Wie uns seitens der „Israelitischen Allianz in Wien" mitgeteilt wird, werden Spenden für die Opfer der Judenexzesse in Rußland täglich von 9 bis 1 Uhr in ihrem Bureau, I.. Weihburggasse 10, gegen Bestätigung in Empfang genommen. (Postsparkassen-Nr. 808.152.) Vom Znbrmnrkt des Lebens. Die Mahnung eines Freundes. - New-Aork. Dr. G. Stanley Hall, Präsident der Clark-Universität, hat bei der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge in Worchester (Massachusetts) eine Ansprache gehalten, in welcher er die Juden ermahnte, ihre Abstammung nicht zu verbergen, im Gegenteil sich ihrer zu rühmen, stolz auf ihre Raste, auf ihren Namen, ihre Religion zu sein: „Erhalten Sie Ihren Kindern die großen alten Namen Israel, Abraham, Moses, Rebekka usw.! Erziehen Sie Ihre Kinder, indem Sie ihnen von den großen Ueberlieferungen Ihrer Vergangenheit erzählen, und lasten Sie sie im Hebräischen unterrichten, in der jüdischen Geschichte!.In unseren amerikanischen Gymnasien und Universitäten gibt es Juden und Christen. Unsere Gelehrten studieren semitische Sprachen Schulter an Schulter mit den Ihrigen. Wir graben Babylon, Niniveh und Jerusalem aus; wir entziffern alte Inschriften, sammeln archäologische Reliquien und veröffentlichen gemeinsame gelehrte Studien. Es ist jetzt für uns an der Zeit, alle alten Verschiedenheiten zu vergeffen und nicht weniger herzlich und ehrenvoll in allen anderen Dingen zusammenzuarbeiten. Endlich sind wir Bürger eines Vaterlandes und schlingt die Erinnerung an die patriotischen Taten Ihres Stammes in der Geschichte dieses Landes ein gemeinsames Band um uns." Raschi Stiftung. Kaiserlicher Rat Salomon Buber veröffentlicht das erste Spendenverzeichnis der Raschi-Stiftung mit folgendem Begleitwort: Am 29. Thamus 6565 wurde es 800 Jahre, daß R. Salomo b. Jsak (Raschi genannt) das Zeitliche gesegnet. Um das Andenken des 800jährigen Todestages unseres großen Lehrers zu verewigen, beabsichtigt Endesgefertigter eine Raschi-Stiftung ins Leben zu rufen, deren jährliche Erträgnisse zur Förderung literarischer Zwecke verwendet werden sollen. Bis heute sind mir zugeflossen 16.613 Kronen 89 Heller, welcher Betrag in der Landesbank zinstragend angelegt ist. Ich übergebe hiemit ein Verzeichnis der geehrten Spender und drücke ihnen meinen wärmsten Dank aus. Diese Sammlung ist nicht abgeschlossen und fernere Spenden werden dankend angenommen und im Verzeichnis Nr. 2 veröffentlicht werden. Nächstens wird die Stiftung ins Leben treten und das Kuratorium bekannt gemacht werden. Zum Schluffe ergeht nun an alle ehrwürdigen Herren Rabbiner, Vorsteher, Vereine und Freunde der jüdischen Wissenschaft die höflichste Bitte, durch Zuwendung von Geldbeträgen sich an der Stiftung zu beteiligen. Ueberdies erhält jeder Spender auf Verlangen ein Exemplar des von mir auf eigene Kosten herausgegebenen Werkes Lsksr baorab von Raschi gratis. Lemberg im März 1906. Kaiserlicher Rat Salomon Buber. Zur Taufseuche. Eine Verhandlung im Schöffengericht München I. In Nr. 12 der „Israelitischen Wochenschrift" (Berlin) vom 23. März 1906 war ein von dem Schriftsteller Dr. S. Bernfeld verfaßter Artikel „Die Taufe" enthalten, der sich gegen den Uebertritt von Juden zum Christentum wandte, soweit derselbe lediglich aus eigennützigen Motiven und nicht etwa aus Ueberzeugung geschieht. In der Einleitung des Artikels schreibt Dr. Bernfeld: „Jeder Jude, der sich taufen läßt, muß, wenn er sich anders auf seinen Vorteil versteht, gleich nachdem die Taufe an ihm vollzogen ist, einem Verein zur Erhaltung des Judentums unter den Juden beitreten oder einen solchen gründen, wenn er noch nicht vorhanden ist, usw." Diese Einleitung, vom Verfasser satirisch gemeint, wie aus dem weiteren Text unzweideutig hervorgeht, wurde von dem christlich-sozialen Wiener „Deutschen Volksblatt" für vollen Ernst genommen und in diesem Sinne eine Notiz ausgenommen, in der von dem Aufsatz Dr. Bernfeld als einem ..gemeinen" und „frechen" und von diesem selbst als einem „Gemeinling" gesprochen wird und die mit den Worten schließt: „Gut gebrüllt, Jtzig!" Das Bayerische „Vaterland" druckte diese Auslassungen des genannten Wiener Blattes ab. Deshalb zog sich der Redakteur des „Vaterland", Otto Schoy, eine Klage des Dr. Bernfeld wegen Beleidigung zu. Redakteur Schoy erklärte sofort, der Artikel des Klägers fei ihm erst jetzt vollständig bekannt geworden, er sei der Meinung gewesen, die Stelle, die das Wiener Blatt abgedruckt, stelle ein abgeschlossenes Ganzes dar. So wie er den Dr. Bernfeld'schen Artikel jetzt kenne, könne er nur sagen, daß er mit dessen Tendenz übereinstimme, denn auch er verwerfe einen Glaubenswechsel aus rein eigennützigen Motiven. Angesichts dieser Erklärung empfahl der Vorsitzende eine gütliche Regelung der Angelegenheit und so kam schließlich ein Vergleich dahin zustande, daß der Beklagte unter Uebernahme sämtlicher Kosten mit Rücksicht auf den ihm jetzt bekannt gewordenen Gesamtinhalt des Bernfeld'schen Artikels, die von ihm aus dem Wiener „Deutschen Volksblatt" übernommenen beleidigenden Aeußerungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknimmt. Der Vergleich wird auf seine Kosten je einmal im „Bayerischen Vaterland", der „Münchener Zeitung" und der „Allgemeinen Zeitung des Judentunis" publiziert. Das jüdische Gherecht in Oesterreich. Vor Kurzem hielt Herr Dr. Hermann Maß in Brünn als Gast der Jüd.-akad. Lesehalle einen Vortrag über das Thema: „Das jüdische Eherecht in seiner gegenwärtigen Gestaltung in Oesterreich mit Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung desselben". Wir müssen uns hier darauf beschränken, das auszuführen, was der Vortragende über das gegenwärtig geltende Recht sagte. Das äußerst interessante historische Material aus der mosaischen und älteren österreichischen Gesetzgebung, welches der Redner zum Verständnis der auf diesen Quellen aufgebauten gegenwärtigen Gesetzgebung heranzog, können wir Raummangels halber leider nicht bringen. Der Gedankengang der Aus-

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