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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Llocb's MocdenscvrM. Seite 405 mit besonderem Pomp empfing. Der Himmel verhüte, daß unserem Kart ein Haar gekrümmt werde, ob er nun durch Galizien oder Ungarn fährt. Wir hoffen, seine Feinde in beiden Ländern sind so klug, seiner reisenden politischen Schmiere einen plombierten Salonwagen zur Verfügung zu stellen, ihm ein Bataillon als Wache und ausgezeichnete Aerzte für jeden Fall beizugeben und ihn aufs Beste zu füttern. Das könnte uns fehlen, daß er seine verblaßte Gloriole durch ein«-» leuchtenden Märtyrerscheiu ersetzen könnte! Heil und unverletzt müssen wir den Liebling und Liebhaber Rumäniens, den Feind Ungarns wieder zurück haben, den schönen Karl, den die Grazien und der Bukarest er Bürgermeister getüßt habin. Es könnte sonst jemand Klügerer die Führung der Christlich-Sozialen übernehmen, jemand, der nicht so wie Lueger sich verrät und zeigt, wo er eigentlich über die rumänische Grenze hinauswill. In Bukarest wie in. Wien wurde ein bedeutendes Geständnis ausgesprochen, hat sich die Faust der Christlich-Sozialen gegen die Hofburg aufgehoben. Der Kaiser Oesterreichs macht Reisen zu seinen versöhnten Völkern nach Ungarn und Böhmen, die Agenls provocateurs machen Reisen, um seine Friedensarbeit zu vernichten, um ihn nicht die guten Früchte bitterer Jahre in Ruhe genießen zu lassen. Schlechte Menschen und schlechte Musikanten! Sie haben mit ihrer Wühlarbeit die eigene Stellung unterwühlt. Der Bukarester Besuch kann höchstens die Folge haben, daß man drüben enttäuscht und noch mehr erbost wird, denn vom Wiener politischen Minimum wird sich kein Sturm gegen Ungarn erheben. Aber die Lenker des Staates wissen nun, wo sie ihre giftigsten Gegner zu suchen haben I. U p r i m n y. Die Greuel des Zarentums. Wir haben es vorausgesagt, daß das Zarentum die Milliarden, welche europäische Finanzmänner ihm zur Verfügung stellen, zunächst dazu verwenden wird, um im ganzen Reich Judenschlächtereien zu veranstalten. Die russischen Greuel sind nicht eine Aeußerung des Religionshasses oder der wirtschaftlichen Not, sondern das einzige Hilfsmittel einer schuldbeladenen, blutbefleckten Regierung, über die Schwierigkeiten des Tages hinwegzukommen. Die ganze zivilisierte Welt steht denn auch unter dem Eindrücke der Greuel von Bjelostok, aber wer deshalb erwarten sollte, daß auch nur der mindeste Versuch seitens der Regierungen der zivilisierten Mächte unternommen würde, um Rußlands Machthaber wenigstens darauf aufmerksam zu machen, daß diese Schandtaten und Metzeleien die schlimmsten Orgien des Fanatismus im Mittelalter überbieten und die Regierung des Zaren sich durch sie außerhalb jener Grenzen gestellt hat, die die sogenannte zivilisierte Welt einfrieden, der wäre ein lächerlicher Optimist. Darüber müßten ihn schon die Tatsachen belehren, daß im englischen Unterhause, als ein Mitglied des Hauses insofern eine Intervention verlangte, als es die Anfrage an die Regierung richtete, ob nicht, ehe eine britische Flotte zu einem offiziellen Besuche nach Kronstadt geschickt würde und ehe weitere Schritte in Bezug auf bestimmte freundschaftliche Abmachungen mit Rußland unternommen würden, Vorstellungen bei der russischen Regierung wegen des Auftretens der Beamten gegen das russische Volk erhoben werden sollten, der Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Grey sehr kühl erwiderte, daß er nicht in der Lage sei, derartige Vorstellungen zu machen. Wenn das am grünen Holze geschieht, in England, das sich seiner hohen Kultur rühmt, in England, das jeden Augenblick wegen der „atroeiti-z" in der Türkei, wegen angeblicher Uebelstände im Kongostaate in sentimentale Aufregung gerät, dann wissen die Untertanen des Zaren, die ihres Glaubens willen unter behördlichem Beistände hingeschlachtet werden, was sie von der Zivilisation des Westens zu halten haben. Die Ereignisse in Rußland gehen ihren blutigen Weg, sie werden und müssen zur Katastrophe führen, die blutige Saat muß und wird schrecklich aufgehen. Die Berichte über die Judenmassakres überbieten in den Details alle Bestialität, von der man bisher gehört hat. Die Reaktion fühlt sich wieder sehr stark in Rußland, sie droht für den Fall von Unruhen, wenn die Duma aufgelöst werden sollte, mit den energischesten Repressalien. Diese Drohung läßt tief blicken, sie bereitet auf traurige Dinge vor. Zur Vorgeschichte des Aufruhrs in Bjelostok. Von Herrn Ferdinand Pilzer aus Krakau, welcher aus Bjelostok heimkehrte, erhielt die „Neue Freie Presse" nachstehende Zuschrift: „Kraka u, 16. Juni. Ich lese soeben die Nachrichten über die Jndenmetzeleien in Bjelostok und erlaube mir. nachdem ich eben heute morgens aus Bjelostok hieher zurückgekehrt, Ihnen die Vorgeschichte dieser Unruhen mitzuteilen. In geschäftlicher Angelegenheit traf ich Dienstag den 12. d. M. nachmittags in Bjelostok ein und war unmittelbar darauf in der Stadt dem Leichenkondukt des tagszuvor ermordeten Polizeimeisters begegnet, an dem sich eine Menge Deputationen beteiligten. Ter Leichenzug bewegte sich zum Bahnhöfe, da die Leiche mittelst Bahn nach Wilna gebracht werden sollte. Bon meinen Geschäftsfreunden sowie vielen anderen Leuten wurde mir folgendes erzählt: In kaum einem Jahre ist es nun in Bjelostok der vierte Polizeimeister, welcher ermordet wird. Dieser Mord rief unter der Bevölkerung in Bjelostok allgemeines und tiefes Bedauern hervor, da dieser Polizeimerster als durchaus liberaler und rechtschaffener Manu bekannt war, der niemandem ein Unrechts zufügen ließ. Am Pfingstsonntag wurde ein jüdischer Laden von Loldaten und Polizisten überfallen und geplündert. Als der Polizeimeister hievon verständigt wurde, kam er zur Stelle, und es gelang ihm, die Ruhe wiederherzustellen. D'e Untersuchung des Polizeimeisters ergab jedoch, daß die Polizeileute an diesen Ausschreitungen einzig und allein schuld waren. Die Folge hievon war, daß der Polizeimeister neun Polizcimäniier in den Kerker werfen ließ. Bon diesem Augenblick an ging durch ganz Bjelostok das Gerücht, daß die Polizei sich an dem Polizeimeister rächen werde. Am Montag nachmittags wurde nun der Polizeimeister telephonisch verständigt, daß in einer übelbeleumundeten Straße Ausschreitungen ausgebrocheu seien. Der Polizeimeister fuhr in seinem Wagen in die betreffende Straße und bei einer Biegung in dieselbe wurde der Kutscher von einem Regen von Steinwürfen überrascht und verletzt. Hierauf sprangen sieben Individuen auf den Wagen des Polizeimeisters und schosstn ihn in den Kopf, so daß der Schädel in entsetzlicher Werse zerschmettert wurde und der Polizeimeister an Ort und Stelle tot siege» blreb. In Bjelostok wimmelt es von Polizei; trotzdem konnten die Behörden die Attentäter nicht aussorsche». Unmittelbar nach dem Bekanutwerden der Mordtat wurden von den verschiedenen Beweinen, deren es in Bjelostok eine ganze Reihe gibt, in den Straßen Proklamationen verteilt, in welchen jede Bereinigung für sich die feierliche Erklärung abgab, daß sie mit dem Tode des Polizeimeisters nichts zu tun habe, vielmehr den Tod dieses Mannes wegen seiner bekannten Rechtschaffenheit tief bedauere. Während die Behörden die Mörder nicht kennen wollen, ist die ganze Bevölkerung davon fest überzeugt, daß die Mörder keine anderen waren als verkleidete Schutzleute. Am Dienstag mittags erschien nun im Trauerhause eine ganze Reihe Deputationen, von denen eine jede einen Kranz dem ermordeten Polizeimeister widmete. Unter anderen erschienen m cf) die Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde von Bjelostok mit einem Kranze. Sie wurden jedoch von dem Substituten des Polizeimeisters mit folgenden Worten empfangen: „Ich nehme einen Kranz von euch nicht an, dagegen werdet ihr in ein paar Tagen für euch viele Kränze brauchen." Die jüdische Deputation entfernte sich hierauf mit dem Kranze, indem sie zur Antwort gab, daß sie mit dem Kranze unter der ausgesprochenen Drohung direkt zum Gouverneur nach Gradno reise, um bei ihm Schutz zu suchen. Dieser wurde vom Gouverneur ihnen auch zugesagt. Dienstag und Mittwoch konnte man überall in den Straßen von Bjelostok Gruppen von Juden sehen, die allgemein erzählten, daß am Donnerstag anläßlich der Frouleichnamsprozeffion von Soldaten und Polizeileuten große Judenmetzeleien vorbereitet werden und zu diesem Zwecke auch eine Menge Bauern nach der Stadt kommen sollen. Die meisten Juden haben sich mit Revolvern bewaffnet. Ich reiste Mittwoch den 13. d. M. nachmittags von Bjelostok ab und bin, na-kidem ich Ihre Nachricht gelesen, daß in Bjelostok am Donnerstag tatsächlich Jndenmetzeleien verübt wurden, tuf ergriffen und gebe hiedurch die Vorgeschichte dieser Metzeleien bekannt, damit die weiten Kreise die Wahrheit erfahren." Einzelnheiten über die Exzesse. Berlin. Der Berichterstatter des Hilfsvereins der deutschen Juden, dem es trotz den noch herrschenden Unruhen

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