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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-22 · 25 (22.6.1906) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blocb s 'GülocbenscDnti, Seite 403 Salomo Lurja in seinem Rechtsgutachten so wenig Erfreuliches zu erzählen weiß, — es ist wohl das der Wiener Gasse noch heute geläufige „Naderer", — Nr. 1332. Ueber diese Unzuträglichkeiten wird Klage geführt (Nr. 446,1056 usw.). Wie sagt doch der König in der „Jüdin von Toledo": „Was sie verunziert, es ist unser Werk. Wir lähmen sie und grollen, wenn sie hinken." Schon jetzt, wie das Werk uns vorliegt, hat sich ein umfangreicher Nachtrag — von Seite 882—1050, 243 Nummern — als nötig erwiesen, bei einem solchen Unternehmen ja ganz erklärlich. Wir ergänzen ihn hier durch einige, zum Teil mit Bondys Regesten korrespondierende Kleinigkeiten aus den Hoffinauz - Registcaturbüchern des Wiener k. k. Hvfkammerarchivs und weisen die Herren Herausgeber wie auf diese, so auf die reichhaltigen, noch so manches Material bietenden „Böhmischen Herrschaftsaklen. Band XIV", und „Consignation der jüdischen Aemter und Cameralcommissionen B. 13" in demselben Archiv hin. Wir notieren aus unserer Sammlung nur: 1531 Dezember (Juden aus Böhmen). 1532 Februar (Salimen Juden Supplrcation aus Böhmen), November (Gefangene Juden zu Prag, „welche die Münz verbrannt," vgl. Bonvy dir. 401). 1535 Februar (Stiaßnei, Jud aus Prag, „einen Penfal belangend"). 1536 Februar (Jude als Spitzel gebraucht), August (Chaym, Jud aus Böhmen). 1537 April (Salomon, Jud aus Saatz bittet den Kaiser, dort bleiben zu dürfen, vgl. Bondy 425). 1597 9. März (Mandl Jud Contraband). 1598 18. März, 5. Juli, 7. August, 21. Dezember (Marx Meist, Geldgeschäfte: S. 269, 296, 360 f.). 1599 2. und 13. März und 11. Mai (Jacob Aron. Jud, slaxirto Oontrabancl). 1693 S. 333, 455 675. 1691 S. 204, 283, 4OO t, 541. 1695 S. 87, 295, 473, 503. 1696 S. 23, 139, 168, 226, 254. 1697 S. 94, 284. 1698 S. 119, 312. 1699 S. 311. 1611 S. 203. 1614 S. 9, 21, 75, 77. 96, 159, 174, 208, 217, 242, 243, 272, 282, 287, 346, 357, 408, 4>8. 1615 S. 24 (?). 1616 S. 22, 102, 114, 212, 256, 260, 264, 266, 301, 324. 1617 S. 50, 98, 245, 265, 326, 369, 385, 465, 489. 1619 S. 4, 15, 16, 167, 197, 322, 346. 1629 S. 2o, 43, 186, 20i. Ferner würden wir eine Ergänzung Vorschlägen aus' Aronius Regesten, Salfeld Martyrvlogium, Neubauer-Stern hebr. Berichte über die Kreuzzüge, Schudt jüdische Merkwürdigkeiten (z. B. IV, S. 152), Branns Monatsschrift (XVIII, S. 134, XXI, S. 316, 360, XLI, S. 631), Werrheimer Juden in Oesterreich, Hamaskir, Berliner aus dem inneren Leben, S. 55, 121, Grünwald, Jungbunzlauer Rabbiner, Mekize Nirdamim, Jewish Encyclopedia, vor allem aber in der Art, wie z. B. vir. 1102 Gal Ed benützt ist, Hock-Kaufmann die Familien Prags. Auch hierzu erlauben wir uns den Herausgebern einige Notizen zu bieten. Die Berufe der Prager Juden: Theologie (eine P r e d i g e r i n! bei Hock 22), Medizin, Fleischhackel, Beinmacher (Drechsler), Schleifer, Glaser, Fechter, Buchdrucker, Totengräber, Lustigmacher (Hock 97: der Marschalik zur Zeit der Pest 1713), Goldscheider, Perlhefter und Perlzupfer, Schnürmacher und Schnürdreher, Steinschneider (Graveur), Visiermacher (1725), Pulvermacher und Silber- (-Salpeter)brenner, Stellmacher (Wagenmacher), Garkoch, Weinscheuk und Bierschenk (Frischbier- und Branntweiuschank), Tabakhändler, Polizist, Torwächter (1668), Steuereinnehmer, Ethrog - Händler, Holzmacher (Hölzelmacher), Pferdehändler (1), Kohlenbrenner, Musikant (Tonsetzer, Geiger, Harfner, Pitzker, Klaffzimmerer -= Klavierspieler), Maler, Orgelbauer, Saitendreher, Goldschmied (nach Bondy Nr. 837 schon seit 1586), Architekt (seit 1625: Juda Goldschmied de Herz baut die Pinkas-Synagoge und zum Teil die Meisel-Synagoge), Schneider, Kleiderhändler, Schuhmacher, Gerber, Färber, Kürschner, Kappelmacher (1), Hutmacher, Handschuhmacher (1), Riemer, Sattler, Fleischer (Menakker), Schlosser, Häckel (Aexte-)macher, Nagelschmied, Zinnhändler, Eisenhändler, Glaser, Töpfer, Matratzenmacher, Tapezierer, Lichtzieher, Richter, Schreiber u. s. w. Ein jedes Gewerbe bildete seine Zunft. Der „Aelteste" der Schneider wird frühzeitig erwähnt. Ein Zeugnis, welches einem Hamburger jüdischen Barbier von seinem Prager jüdischen Meister ausgestellt worden ist, besitzt Herr I. H. Wagner, Berlin. Ende des 16. Jahrhunderts bringt I. Gaunz (Chajjim Gans bei Hock) aus Prag eine neue Methode der Kupfer- und Eisenvitriol-Bereitung nach England. Um die Tabaksmanufaktur haben die von Josef II. geadelten Hönigs („von Hönigsberg") sich besondere Verdienste erworben. Einen k. k. Tabaks-Oberbeizmeister finden wir in Eisek Horwitz. Der erste höhere Offizier begegnet uns in dem k. k. Major Simon Prüsker (1708—1864). Berühmt waren vor allem die jüdischen Aerzte in Prag. Gedalja b. Salomo (gest. 1486) war 22 Jahre Vorsteher der Altschul. Gemeindevorsteher war der Arzt Jsak LckarL, der Schwiegervater Mordekai Meisels. Das Bild dcs Arztes Jsachar (Bär) Teller b. Jehuda Loeb Stan ist eines der ältesten jüdischen Porträts. Stan ist, wenn nicht -- Stein, aus Satan zusammeugezogen. Ein Magister T e i f e l, ein Jude, hat Wenzel IV. gute ärztliche Dienste geleistet. Ec erhält vom Könige, der ihn „Wunderarzt aus Jerusalem" nennt, 1417 für sich und seine Familie Privilegien. 1435 wird der jüdische Chiromant Tayfliu erwähnt. An „Tewele" ist wohl kaum zu denken. Der Name Satan kommt auch bei Christen vor und „the devil“ als Beiname schon in der ältesten Geschichte der englischen Juden. — Mose Eisenstadt, ein nei' Kloglied über den großen Jppusch (zu) Prag 1713 (Orient Literaturblatt 1844, S. 347, eine Kopie besitzt die Gesellschaft für jüdische Volkskunde) berichtet, mit welcher Todesverachtung damals der Arzt Salman Emmerich (gest. 1729) sein Leben gewagt hat. Sein Sohn wird gleichfalls als Arzt genannt (starb 1742). 1753 und 1759 werden die jüdischen Aerzte in Ausübung ihrer P.axis auf die Juden beschränkt, 1762 wird ihre Tüchtigkeit anerkannt in einem Dekret, welches den Juden nachts das Ghetto zu verlassen untersagt, um christliche Aerzte zu holen (!). 1773 wird den jüdischen voet0r«8 medicinae die christliche Praxis freigegebeu. Seit 1777 müssen die jüdischen Chirurgen sich eidlich verpflichten, die Medikamente von christlichen Apothekern zu beziehen. Dr. Jonas Jeiteles (1736—I8u6) bewirkt durch eine Audienz bei Josef II. die völlige Freigebung der Praxis. Sein Sohn Dr. Jsak I. (1777—1852) hat sich als Arzt wie als Philanthrop hervorgetan. Seit der Mitte des XIX. Jahrhunderts kennt Prag jüdische Militärärzte. Wir haben hier nur eine kleine Probe dessen hergestellt, was mit Leichtigkeit, um das Bild zu vervollständigen, in die Bondysche Sammlung sich einschalten ließe. Kleine Druckfehler, wie: (888) Hofmayr statt Hormayr, Braun (893 und sonst) statt Brann, verdienen kaum Erwähnung. Daß die tschechisch gehaltenen Urkunden einem großen Teil des Leserkreises verschlossen bleiben, ist nicht Schuld der Herausgeber. Für die Fortsetzung des Werkes sei aber doch hier der Wunsch nach deutscher Übersetzung dieser Regesten gestattet. Ausführliche Sach- und Personenregister, wie sie z. B. den Regesten der Stadt Wien beigegeben sind, würden allerdings den Umfang des Werkes (1145 stattliche Oktavseiteu!) nicht unbeträchtlich erweitert, aber doch die Benützung wesentlich erleichtert haben. Sie dürften wohl für den Schluß des Gesamtwerkes vorgesehen sein. Schätzenswert ist jedenfalls das gelieferte Verzeichnis der Regesten, das den zweiten Band beschließt. Alles in allem ein Werk, das uns zu herzlichem Dank gegen den wackeren Herausgeber verpflichtet. Wir Juden, und insbesondere wir Juden Oesterreichs, dürfen darauf stolz sein. EinejüdischeTat!

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