Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Selte 402 Dr. Blockes Wochenschrift. Skr. 25 besonderem Dank begrüßen wir die kulturgeschichtlichen Entrefilets, die, bei einem solchen Werke etwas Seltenes, das Buch selbst für den Laien zu einer genießbaren Lektüre machen. Merimee sagt einmal: „Ich liebe von der Geschichte nur die Anekdote." Selbst solcher Geschmack wird beim Ankauf des Bondyscheu Werkes sicherlich auf seine Rechnung kommen. Zum Beweis einige Proben: Nr. 1147 ä. a. 1419: Zur Abwehr gegen den Vorwurf der Arbeitsscheu der Juden. Im königlichen Münzamt zu Prag wurden die jüdischen Arbeiter erst bei der allgemeinen Judenausweisung (zwischen 1419 bis 1430) entlassen. Der Bildhauer Samuel Jomtof Vigales (im 15. Jahrhundert) stand bei dem kunstliebenden Adel in solchem Ansehen, daß seine Arbeiten selten in einem vornehmen Hause fehlten und hoch bezahlt wurden. Das Rabbinat zu Prag verordnet im 14. Jahrhundert, daß die jüdischen Moldauschiffer schon nach dem Vespergebet am Vorabend des Sabbats ihr Geschäft einzustellen und es an diejenigen christlichen Kollegen zu übergeben haben, die für ste an Sabbaten und Festtagen eintreten. Etwa seit jener Zeit schließt ein städtisches Edikt Juden als Maurer von den Kirchenbauten aus. Sie dürfen nur Handlangerdienste dabei leisten. Es werden bei diesen Gelegenheiten jüdische Handwerker aller Professionen genannt. Nr. 637. Rudolf II. erteilt 1586 dem Prager Juden Jakob Goldscheider die Erlaubnis, mit seinen Brüdern das Goldschmiedgewerbe zu betreiben und sogar Gesellen zu halten. Nr. 961. Der Jude Markus, Glaser zu Lieben, verklagt 1601 den Amtmann um rückständigen Arbeitslohn. Ueber jüdische Aerzte berichten die Nummern 139, 301, 486, 498, 561, 1145, 1258, 1310. Ein Spottgedicht auf sie enthält Nr. 955. Die jüdische Feuerwehr im Prager Ghetto behandeln die Nummern 1048 und 1098. Mit den jüdischen Druckern in Prag beschäftigen sich die Nummern 792, 813, 819, 229, 875, 930, 945, 946, 960, 977, 1075, 1208, 1275, 1336. Ein jüdischer Buchbinder wird Nr. 781 angeführt, jüdische Musikkapellen Nr. 1331, Juden als Pulvererzeuger Nr. 805. Im Jahre 1594 erbietet sich der mantuanische Jude Abraham Colorni dem Kaiser Rudolf II. zur künstlichen Bereitung des Salpeters. Juden liefern Waffen 1223, Juden leisten militärische Dienste 1327. Den gesellschaftlichen Verkehr zwischen Christen und Juden beleuchten die Nummern 106 und 372. Nr. 134 spricht von Juden, die christliche Predigten anhören. Namen der Juden werden zusammengestellt Nr. 109, 186, 153, 185, 247, 281. 347, 879, 1004, Stiaßuys 347, B o n d y s 883. Die Schreibweise Lebe, erst später Lew 575 Leb (Lev) 595, liefert einen Anhalt zur Lesung des Namens des hohen Rabbi Leb, dem Nr. 1332, 1339 u. a. gelten. Ueber die Beziehungen der Juden zu den Hussiten und Waldensern, auf welche schon Berliner aus dem inneren Leben der Juden im Mittelalter, 2. Aust, S. 55 hiugewiesen hat, wirft speziell für Wien ein bemerkenswertes Licht (Nr. 1146) die Notiz bei Wolf, Jubelfeier der Wiener Universität, aus den Akten der Wiener theologischen Fakultät vom 10. Jauner 1419 (vergl. auch Steins „Juden in Böhmen", S. 21). Bei Boudy wird nun (Nr. 22) aus Ramschaks Chronik eine Ergänzung geliefert. Es ist.ein Wiener Rabbinatsreskript, welches die Juden zur Neutralität auffordert. „Wir finden unseren Glaubensgenossen bei gegenwärtigen Zuständen ernstlich ans Herz legen zu müssen, alle Religionsgespräche mit Nichtisraeliten aufs Sorgfältigste zu meiden, und hierzu aufgefordert, solche so schnell als möglich abzubrechen, weil hierdurch nicht nur nichts Gutes gefördert, sondern vielmehr Ansichten verletzt werden, welches Feindseligkeiten zur Folge hat." Es solle niemand durch verletzende Lieder Parteistellung offenbaren. Wir vermahnen jene, die sich am Absingen der Lieder „Laßt um den Altar uns sammeln" re. beteiligen. Auch was in der Einleitung S. X. hierüber gesagt ist, verdient Beachtung. In dem Prag r Juden Veit Hus (Zemach), der am 30. Juli 1607 seine künftige Ehefrau Fradl als Mitbesitzerin der Hälfte seines Hauses erklärt (Nr. 1023), haben wir wohl keinen anderen, als den in dem Werke selbst so oft zitierten jüdischen Chronisten der Prager Meyselepoche, David Gans (= Hus), den Verfasser des Zemach David, zu sehen. Von Meysel, dem Rothschild seiner Zeit, wie er auch im jüdischen Volkslied jener Tage (s. Rosenberg in Geigers Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland II) als jüdischer Krösus gepriesen wird, handeln die Nummern 801, 803, 859, 866, 871, 874, 894, 929, 935, 940. 953, 967, 969, 971, 972, 998, 1003, 1054, 1055, 1058, 1067, 1072, 1073, 1300, 1311, 1315, 1320, 1337. Hierunter sind auch Meysels Frau und Söhne mitinbegriffen. Markus Meysel vermälte sich mit einer Tochter des in Berlin auf so entsetzliche und in dem bekannten Bilde (natürlich auch bei Liebe, Der Jude rc.) verewigte Weise zu Berlin 1573 unschuldig Hingerichteten Lippold (vgl. Ackermann, Juden in Brandenburg, S. 60.) Er ist der hier „Lipman" Genannte. Seine Familie, die, wie sämtliche Juden, damals auf ewige Zeiten aus Brandenburg verwiesen wurde, hat sich nach Prag gewandt. An einen anderen bekannteren Lipmann, den Verfasser des „Nizzachon", erinnert Nr. 1140. Ungemein reichhaltig ist, wie zu erwarten, die Müsterkarte der Judenmorde und Judenbrände. Da ist kein Städtchen so klein, es muß ein Judenbrand drin sein. Im Jahre 1163 werden in Troppau 27 Juden wegen der Verdächtigung der Brunuenvergiftung hingerichtet (Nr. 1110), bei Strakonic verbrennt man 1504 aus gleich schwerwiegendem Grunde 2 Juden (Nr. 323), in Mähren werden 1574 mehrere Juden ohne einen Schein von Recht zu Tode gemartert (Nr. 1324), von Judenverfolgungen und Ausweisungen, die sich perio?- disch wiederholen, gar nicht zu reden. Doch entbehrt dieser blutige Ernst nicht der Satire. Math es Schettinger aus Steiermark, Feldwebel, der 18 Jahre gegen die Türken gedient hat, bittet 1614 (Nr. 1069) den Kaiser um einen Befehl an die Prager Juden, daß ihm ein jeder von ihnen auf die Dauer seines Lebens wöchentlich einen kleinen Pfennig zahle. „Würde ihnen allen samt und sonderlich kein Mangel oder Schaden bringen und mir entberete es eine stille Ruhe." 1593 müssen die Juden, wie sie wiederholt die Hunde ihrer Herren zu füttern hatten, die Löwen des Kaisers mit Fleisch versorgen (Nr. 890). Eine wahrhafte Gönnerin starb den Juden 1547 in der Königin Anna (Nr. 1278), — ein Lichtblick, fast der einzige! Die „Wiener Hofjuden" treten in Nr. 1055 (Wien auch 982), der famose Philipp Lang in 1033 auf. Der Stadt Karlsbad wird 1499 das Privileg erteilt, daß sie nicht gezwungen ist, Juden in ihrer Mitte zu dulden (Nr. 2v8). lieber' die Wahlen in die Prager Gemeindeämter— eilt Herd unleidlichen Zwistes — berichten Nr. 772, 774, 781, 783, 787, 1029/30, 1089, über eine Nabbinerbestallung durch den Kaiser, die mit Rücksicht auf den Volkswillen zurückgenommen wird, Nr. 566 ff. Die Bücherzensur und Bücherkonfiskation spielt frühzeitig (Nr. 620, 1292, 1561) eine Rolle. Zur Geschichte des altehrwürdigen Prager Judenfriedhofes liefern Beiträge die Nr. 82 und 1228. Vom Bau des Judenrathauses hören wir Nr. 1388, von der Vereinigung der einzelnen Prager Gemeinden 1156, von der Pinkassynagoge 1101, von Kapistrano, der jetzt bei uns in Wien in einem Straßennamen verewigt wird, 1158, von einem Flagellum Judaeorum 988, einem Judenspiegel 1002, einen Pfarrer als Hetzer gegen die Juden 932. Emdener Juden kommen nach Prag Nr. 939. Ueber Bassevi (Basaue!) trüben Angedenkens, den ersten geadelten Juden Oesterreichs, berichten Nr. 948, 1038, 1336; über das Schimpfwort „Nadler", von dessen Wirksamkeit uns