Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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m Seite 398 Florenz folgt jetzt Brettholz-Triest. Der Verfasser ist erst seit zwei Jahren dort im Amte und beherrscht die italienische Sprache bereits so, daß er nicht nur durch die Predigt. auf seine Gemeinde zu wirken vermag, sondern daß er auch einer breiteren Oeffentlichkeit seine Reden vorlegen darf. Dabei hatte er in seinem Amte große Schwierigkeiten zu überwinden und auf fast allen Gebieten die bessernde Hand anzulegen. In der Synagoge und in der Schule, überall mußte er Wandel schaffen — als Frucht seiner Regsamkeit auf pädagogischem Gebiete liegen die genannten zwei kleinen modernen Schulbücher vor — und er hat mit rühmenswerter Energie in der kurzen Zeit alle ihm unterstellten Institutionen wesentlich gehoben. — Das vorliegende Bändchen enthält 5 Festtags-, 2 Chanuka-Predigten und einige Gelegenheitsreden. Die Predigten sind schlicht und einfach, enthalten in kurzer, präziser Ausführung die für die Gelegenheit geeigneten religiösen Gedanken und werden auf den Leser ebenso stark wirken, wie sie es auf den Zuhörer getan haben. Als Anhang ist S. 96 ff eine deutsche, tiefempfundene Leichenrede beigegeben, die der Verfaffer am Grabe eines Freundes hielt; sie gibt dem des Italienischen nichtkundigen Leser eine Vorstellung von des Verfaffers Können. Möge es ihm vergönnt sein, seine Saat aufgehen zu sehen und ihre Früchte in der Gemeinde zu ernten! _ I. E. Neue Bücher. Gottlieb Bondy, em. Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Prag. Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien. Band I. Bon 906 bis 1576. Band If. Von 1577 bis 1620. Zur Herausgabe vorbereitet und ergänzt von Franz Dworsky, em. Direktor des Landesarchivs des Königreiches Böhmen. Herausgeber und Verleger Gottlieb Bondy in Prag, 1906. Preis beider Bände 20 Kronen. Hauptkommissionäre der deutschen Ausgabe: Gustav Neugebauer, k. k. Hofbuchhandlung in Prag; der böhmischen Ausgabe: Anton Livnäe, Buchhandlung in Prag. Auf dieses bedeutsame Geschichtswerk, welches nahezu tausend Seiten mit Register umfaßt, werden wir in der nächsten Nummer zurückkommen. _ Kriefkasterr. Gemeinderat. Der Klub der sozialdemokratischen Gemeinderate, der sich gebildet hat, wird gewiß kein Unterhaltungsklub für den Bürgermeister werden. Lueger mag sich ihm gegenüber wie der Historiker suhlen, von dem ein schönes Wort sagt, daß er ein nach rückwärts gekehrter Prophet ist. Mit einem so kleinen Häufchen Getreuer hat nämlich Lueger auch angefangen und er ist durch Hetzereien zu seinen großen Erfolgen gekommen, obwohl er gegen eine altbewährte und solide Stadtverwaltung kämpfte. Wie leicht wird es erst den Leuten werden, die gegen eine Clique von leichtsinnigen Bankettgebern und Kirchenbauern Krieg führen? Das nervöse Geschrei der Majorität gegen jeden gegnerischen Redner ist nur mehr der Lärm des Feiglings, der sich Mut macht. Aber jeder fühlt, daß der Thron des von Lueger zur Herrschaft gebrachten Stumpfsinnes sich aus seinem Schwanken nicht mehr aufrichten wird. D. E. Der Mann mit den Stampiglien und dem Schußgeld hat seine verblaßte Popularität mit einem geistreichen Einfall aufgefrischt. Er hat bei der Demonstrationsversammlung im Rathause einen ungarischen Politiker im Bilde aufhängen lasten. Sein gcwöhnlicher und sein Blutdurst schreien eben nach Befriedigung und so sucht er letzteren wenigstens mit einem Stück Pappendeckel zu befriedigen. Wenn schon Hanswürste aufgehängt werden sollen, warum nimmt man erst künstliche aus Ungarn? Herrn Schneider dürften doch noch sonst welche bekannt fein? Er hat bei der feierlichen Justifizierung einer glänzenden Pappendeckelillustration der christlichsozialen Scheinpolitik überhaupt die klassischen Worte gebraucht, man solle es gewissen Leuten in Erinnerung bringen, daß es in Wien noch Kandelaber gebe. Nun, den Schneider haben diese Kandelaber nicht erleuchtet. Sonst würde er wohl seine durch verschiedene Einflüsse stark gefärbte Nase in seine eigenen Sachen stecken, ehe er als der große Netter des Volkes durch die Straßen und Wirtshäuser zieht. Er würde z. B. dafür sorgen, daß sein einziger Sohn nicht eine Familie ins Unglück stürzt und sich unter den Augen des würdigen Papas so verlumpt, daß ihm nur mehr Heilanstalt oder Amerika übrig bleiben. . »A. E „Berichtigungen", die geeignet erscheinen, dritte Personen empfindlich zu schädigen, lehnen wir ab. Brg. Den angeblichen Patriotismus der Wiener Antisemiten sehen Sie am deutlichsten aus der Tatsache, daß sie ihre Meisterkunst Nr. 24 des Verhetzen» und der Verschärfung der Stimniung in einer Zeit verwenden, wo sich der Kaiser alle Mühe gibt, eine versöhnliche Annäherung der Nationalitäten zuwege zu bringen. Frk. Dle Beschlüsse von der Versammlung der französischen Bischöfe sind geheim und werden nur dem vatikanischen Stuhl unterbreitet, um dessen Haltung gegenüber der französischen Regierung zu bestimmen. Sehr wahrscheinlich aber ist, daß sich die Mehrzahl der Versammelten zu einer versöhnlichen Haltung entschlossen hat. Das französische Jnventursgesetz ist nämlich ein Gesetz zum Schutze des kirchlichen Eigentums. Nur eine gewissenlose Agitation konnte die katholischen Massen der Bretagne und Normandie dahin beschwatzen, daß eine feindliche Maßregel gegen den Kultus damit geplant sei. Würde der Einfluß der Bischöfe nun auch die nationalistische Propaganda unterstützen, wie dies zum Teil geschieht, dann wäre erwiesen, in welcher Macht die wirklich revolutionäre, das ist die rücksichtslos zur Macht strebende Bewegung ihre kräftigste Stütze findet. Rabbiner A. Stein, Nadnitz. So bedauerlich die Ihrem Sohne widerfahrene Behandlung ist, können wir uns doch zur Publikation des Berichtes nicht entschließen. G. L. in Tf. Ein solches Asyl in Palästina ist uns nicht bekannt. Ehrlich. Der Abgeordnete Wilk ist ein sparsamer Mensch. Briefpapier ist zwar sehr billig, aber ganz umsonst kostet es noch weniger. Und so hat Wilk seine Bescheidenheit gezeigt, indem er einen Stotz Papier und eine Scheere mitnahm, da es gerade nichts Wertvolleres gab. Wer das Briefpapier nicht ehrt, ist die Brieftasche nicht wert. Mit dem Mute, der den Antisemiten schon eigen ist, ging er in das antisemitische Stauunlokal, den Gerichtssaal, uni sich reinzuwaschen , aber die Mohrenwäsche hatte keinen Erfolg. Im Gegenteil. Herr Will wurde von den Geschwornen feierlich in die riesige Gallerte der antisemitischen Ehrenmänner ausgenommen, die einen durchgewetzten Aermel haben, weil sie damit immerfort das Zuchthaus streifen. Herr Wilk war ein eifriger Zuhörer des Herrn Baxa, dessen Interpellationen er immer unterschrieb. Ob er den Federstiel nach der Unterfertigung zurückgegeben hat, ist unbekannt. H. Spiegel. Dankend abgelehnt. Die Sache ist doch allzu — deutlich. Knnstädter. Können wir bei den hiesigen Vorgängen unmöglich bringen. Wir danken sehr und bitten um gelegentliche neue Zusendungen.^ Triest. Wir können aus verschiedenen Gründen von Ihrer geschätzten Einsendung leider nichts bringen. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. Bitte um schnelle Hilfe! Es gilt diesmal zu retten eine Mutter mit ihren sieben minderjährigen Kindern, deren Gatte, resp. Vater verschollen und seine Familie in der größten Armut, in drückendster Notlage und tief verschuldet — zurückgelassen hat. Die Reoaktlou wird die eingelaufenen, milden Gaden an die verschämte, arme Familie sofort abführen und in einer Liste ausweifen. Wer schnell gibt, gibt doppelt! Garantiert naturechtes feinstes Fflanzenfc. Feit. ischen kotnüswn. iTTT FETT Andreas Feigt'sche Witwen Stiftung. Am 2J. Elul, das ist am 11. September 1906, werden, aus obiger Stiftung acht arme israelitische Witwen je mit dem Betrage von L 102.— beteilt. Die Bewerberinnen haben ihre mit dem Nachweise ihrer Armut und des Witwenstandes versehenen Gesuche bis längstens «JO. Juni 1906 im Einreichungsprotokolle der israelitlschen Kullnsgemeinde Wien, 1., Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nickt gehörig belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. L)r. Lloco S Mlocoenscvnn.