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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-15 · 24 (15.6.1906) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 394 Die Debatte über die Berichte, die sich nunmehr ent» spann, erstreckte sich lediglich auf das Verhältnis der politischen zu den Zione-Ziouisten und auf Palästinafragen, nicht aber auf Agitation und Organisation, die ja das eigentliche Behandlungsgebiet der Delegiertentage sind, während jene Fragen vor das Forum des Kongresses gehören. Herr Dr. Jeremias protestiert scharf gegen die Palästina-Politik des A. C., häufig von Zwischenrufen der Fraktion Löwe unterbrochen. — Herr Doktor Israel Auerbach spricht dagegen dem A. C. für seine Palästina- Politik seine Anerkennung aus, tadelt es jedoch, wegen der Brüsseler Konferenz und daß es nach den Pogromen in Rußland zu wenig getan habe. Herr Dr. Citron spricht in sehr versöhnlichem Sinne, er verwirft die praktische Tätigkeit in Palästina und meint, man solle sich auf die Erziehung der kommenden Geschlechter und Propagierung der zionistischen Idee beschränken; keinesfalls seien aber Nationalfondsgelder in Palästina anzulegen. Die verschiedenen Richtungen im Zionismus mögen sich friedlich vertragen. — Herr Dr. Mühsam begründet einen Antrag, jüdisch-nationale, wirtschaftliche und soziale Jnteressen- Verbindungen zu schaffen. — Herr Hugo Schachtel verweist auf die Nachbarländer Palästinas und Cypern, wo man etwas schaffen könne. — Herr Dr. Friedemann weist die Angriffe auf das A.-C. Wegen der Brüsseler Konferenz zurück und weist nach, daß der Präsident, Herr Wolffsohn, nach den russischen Wirren nichts versäumt habe, Hilfsaktionen einzuleiten. — Herr Prof. Marburg als Mitglied des engeren A.-C. will verschiedene Vorwürfe richtig stellen. Was die Brüsseler Konferenz betrifft, so werde mit denen, die sich fern hielten, gegenwärtig Beratungen gepflogen; er hoffe günstige Resultate derselben. In Palästina würden keine Nationalfonds-Gelder verschleudert, nur für Musterfarmen werden solche ausgegeben. In der Nachmittag-Sitzung wird die Debatte fortgesetzt. Aus derselben heben wir folgendes hervor: Herr Dr. Strauß- Heidelberg verlangt obligatorische Selbstbesteuerung. — Herr Dr. Klee konstatiert, daß Professor Marburg versprochen habe, daß keine zionistischen Gelder ohne Rechtsgarantie ausgegeben werden. — Herr Dr. Littmann stellt den Antrag, daß es den politischen Zionisten verboten werde, sich politische Zionisten zu nennen. — Herr Dr. Dannenberg fordert auf, die Alliance, zu erobern. — Herr Zlocisti begründet einen Antrag, daß in der Begünstigung der Zuwanderung nach Palästina durch das A.-C. eine Gefahr für die politische Arbeit zu erblicken sei und die moralische Verantwortung gegen die Zuwandernden abgelehnt werde. — Der Antrag wird bis zum Palästinareferat zurückgeftellt. — Herr Dr. Bodenheimer spricht über die Notwendigkeit, das Organisationsstatut zu ändern; er verlangt dringend, daß die Agitation in versöhnlichem Sinne geführt werde. Der Antrag Littmann wird abgelehnt, der Antrag Hamburg, daß jede Ortsgruppe verpflichtet sei, einen Korrespondenten für den Shareklub zu ernennen und daß mindestens einmal jährlich in jeder Ortsgruppe über die Bedeutung des Share- Klubs gesprochen werde, wird angenommen. Der Delegiertentag genehmigte auch die Einführung eines besonderen Palästina-Beitrages, der in Höhe von 1 Mk. (entsprechend dem Schekel) erhoben werden soll. Nachdem sodann die inneren Angelegenheiten der Partei, insbesondere die Frage der Partei-Preffe erörtert war, schritt der Delegiertentag zur Wahl des Präsidenten und der Mitglieder des neuen Zentralkomitees. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer wurde einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt und auch die Liste der neuen Mitglieder des Zentralkomitees, welche die verschiedenen Partei- Schattierungen gebührend berücksichtigte, fand fast einstimmig Annahme. Gewählt wurden die Herren Dr. Adler-Lübeck, Rechtsanwalt Gronemann-Hannover, Dr. Elias-Mühlhausen, Rechtsanwalt Hantke-Berlin, Dr. Halpern-Hamburg, Dr. Kalmus- Hamburg, Rechtsanwalt Leszynsky-Berlin, Max Wolsteiner- Berlin, Julius Simon-Mannheim, Rechtsanwalt Kollenscher- Posen, Zahnarzt Hugo Schachtel-Breslau, Dr. Kaufmann-Freiburg und Dr. Alfred Klee-Berlin. Der Delegiertentag wurde am späten Nachmittag mit einer Ovation für den Präsidenten des Aktions-Komitees, Herrn David Wolffsohn, geschlossen. ili 24 Der verdroschene Dreschgraf. Zu äußerst tumultuarischen Szenen kam es kürzlich in einer Pückler-Versammlung, die nach dem „Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclefstraße 24, einberufen war. Der Graf hatte wiederum seine bekannte Abschlachtungstheorie den Zuhörern vorgetragen. Verschiedene Redner traten den Anschauungen des Grafen scharf entgegen und bedankten sich auf das Entschiedenste dafür, von ihm als „seine lieben, roten Brüder" bezeichnet zu werden. Als der Graf zu einer Erwiderung das Wort ergreifen wollte, entstand ein derartiges Geschrei und Gejohle im Saale, daß der überwachende Polizeileutnant die Versammlung auflöste und der Graf mit seinen Anhängern schleunigst aus dem Saale flüchten mußte. Kaum hatte er jedoch mit dem Vorsitzenden ein im Hofe haltendes Automobil bestiegen, als die Menge unter dem Rufe „Haut ihn! Für unsere zwanzig Pfennige Entree fährt der Herr Graf Automobil!" auf den Dreschgrafen eindrang und ihn mit Schirmen und Stöcken bearbeitete. Nur durch die Schnelligkeit des Automobils entging der Graf weiteren Mißhandlungen. Vernuscbtes. Kranzablösuugsspendcn zugunsten der Chewra-Kadischa I., Seitenstcttengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anläßlich des Ablebens des sel. Kais. Rat M o r i z Hirsch: Von Wilhelm Bachrach K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Graetz: Von Hermann Bresch K 20.— , Louise und Antonie Bab K 30.—. Zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. David Cohn: Von Alexander Rosenzweig K 10.— , Ludwig Rosenzweig 10 -, Armin Rosenzweig K 10.—. Zusammen K 30.— . Anläßlich des Ablebens der sel. Wilhelmine Fleisch« er: Von Jakob Karpeles K 10. Dr. A. Bach 20.-, N. N- 10.—. Sigmund Teichtner 10.—, Wally Markstein 5.-, Z. Wertheimer 10.—, Wilhelm Bachroch 10.—, Dr. K. 50.— , Moriz Fleischner 10—, Ferdinand Fleischner 2.-. Adolf Pick und Frau 25.—, Leo Bauer K 10.—. Zusammen K 172.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Paula Keßler: Von Familie I. Breuer K 3,-. Anläßlich des Ablebens der sel. Jcyk Dogilewsky: Von Familie Dogilewsky, Drohobycz K 20.— . Anläßlich des Ablebens des sel. La;ar Bondy: Von Sandor Klein K 20.—, Otto Sruh K 10.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Alois Hatschek: Von Moriz Breitner K 10.—, Isidor von Löti 20.—, Heinrich Hatschek 2!'.—, Arnold Hatschek K 10.—. Zusammen K 60.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Moriz KrauS: Von Heinrich Weißlitz K. 10.— , Robert Politzer 10.—, Siegfried Löwith 4.—, Adolf Goldenzweig 20.-, B. F. 10. —, Julie Bellak 10.—, Ignaz Mandel 10.—, Dr. Markus Blau 20.—, Jonas Weinberger 20.—, Sigmund Arzt 10.—, Richard und Fritz Golwig 20.—, Hermann Südfeld 10.—, Max Zerner K 10.—. Zusammen K 1^4.—. Anläßlich des Ablebens der sel. E r n e st i n e H e r z l: Von Alexander Spitzer K 10.—, Max und Edmund Löw 20.- , N. N. K 20.—. Zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Tonello: Von Max Zerner K 10.—, Bernhard Feßler 10.— , Stadtbaumeister Melcher 10.—, Moritz Pinkas 20.—, Jakob Morgenstern 20.—,, R. Lustig 10.—, B. Löwenstamm 10. , Siegfried Löwy 10.— Leopold Piowati 10. , Dr. Arthur Süß 10. , Franz Süß JO.— Sigmund Süß 5.—, Heinrich Donath 10.—, Dr. Elias Münz K 10.— Zusammen K 155.—. Zionistischer Parteitag. Die Endesgefertigten berufen für Sonntag den 1. Juli d. I. nach Krakau einen außerordentlichen Parteitag mit folgender Tagesordnung ein: 1. Stellungnahme zur politischen Aktion und Schaffung einer politischen Organisation. 2. Beratung eines politischen Programms der österreichischen Zionisten. 3. Diskussion der Wahlaktion. Diesen Parteitag zu beschicken find alle organisierten österreichischen Zionisten berechtigt. Die Delegiertenwahlen sind Dr. JBlocb s THUocbenscbrtft.

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