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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-15 · 24 (15.6.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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’Jir. 24 Dr. Dlocb's Mlocvenscvnn. Seite 391 „Elle n’est plus la jeune et sainte femme, Qui, plagant dans la foi le supreme bonheur, Brülant poiir Jehovah d’une si douee flamme, Heureuse d’obeir k la voix de son coeur.') III. Die soeben erwähnte Miß Grace Aguilar veranlaßt uns zn einigen allgemeinen Bemerkungen. Gehen wir die Reihe der bereits angeführten Schriftstellerinnen durch, so zeigt sich, daß bei den meisten die verstandesmäßige Tätigkeit die dichterische überragt. Es sind Frauen von Geist, die mit blitzartiger Schnelligkeit das Wesen ihrer Zeit erfassen, weniger scheinen sie mit Einbildungskraft begabt gewesen zu sein; um es kurz zu sagen, aus den verschiedenen Gebieten der wissenschaftlichen Literatur, in der Uebersetzungskunst, Geschichtsschreibung, Philosophie, besonders, soweit sie in der Religion in Betracht kommt, und in der Erbauungsliteratur leisteten sie mehr, als in der Poesie. Wenn wir noch ein wenig bei der Betrachtung Grace Agnilars verweilen, so kann sie als ein typisches Muster der Schriftstellerinnen Israels genannt werden. Wir besitzen von ihr neben den bereits genannten Novellen und Erzählungen, einer Schilderung biblischer und anderer israelitischer F.auen 2), dem schon genannten Kommentar zn Dentoronomium VI., 5 - 10, und den anderen angeführten Schriften ferner folgende Werke, welche die Vielseitigkeit dieser hochbegabten Frau erweisen mögen: „Die jüdische Religion" („the Jewish faith“), „Die Familie Perez" („the Perez farnily“) und „Home influence“ („Einfluß der Heimat"). Auch bei der Miß Anna Maria Goldsmid, einer Landsmännin Agnilars, der Tochter des reichen Barons von Goldsmid in London, überwiegt die Gelehrsamkeit. Im Jahre 1855 übersetzte sie das Werk Philippsons „Die Entwicklung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Mohammedanismus" ms Englische, und man muß sich über die wissenschaftlichen Kenntnisse dieser Frau wundern, die sich in den historischen und medizinischen Noten zu dieser Uebersetznng kundtun. Eine dritte hervorragende Jüdin Englands ist die Gattin des edlen Sir Moses Montefiore, Lady M o n t e f i o r e. Wir besitzen von ihr ein „Private Journal of a visit to Egypt and Palestine“ (1827) 3) und „Notes from a Privat Journal a visit to Egypt and Palestine“ (183-). Es sind dies Frauen, welche sich durch jene Weisheit auszeichnen, die, vorausahnend, schon der Spruchdichter besungen. Denn, wenn wir diese Gestalten mit denen der hervorragenden Frauen unserer Bibel vergleichen, so machen wir auch hier die höchst interessante Beobachtung: es ist der überragende Geist der Frau, welchen das „Buch der Bücher" rühmt, durch den sie sich auszeichnen. Denken wir an Mirjam, an Deborah, an die weise Frau von Tekvah. Es schwebt uns auch jene Prophetin Hulda vor, zu der Hiskia ging, um sich Rats zu erholen. Abigail, die Kluge, besänftigt Davids Zorn. Hanna, Samuels Mutter, weist den vorschnell urteilenden Eli zurecht. Gehen wir in die Urzeit znrück, so wird an Rifkah gezeigt, wieder überragende Geist den schwächlichen Jizchak beherrscht. Und so bietet das spätere Judentum eine ganze Gallerte von Frauengestalten, die im Reiche des Geistes Bedeutendes leisteten, merkwürdigerweise besonders in der Wissenschaft, die im Mittelalter in jüdischen Kreisen außerordentlich gepflegt wurde — in der Medizin. Schon der Talmud nennt die Erzieherin Abajes als hervorragende Aerztin Raba führt in ihrem Namen eine talmudische Entscheidung an. Im Anfänge des 15. Jahrhunderts hören wir von einer Heilkünstlerin, die in Bayern wirkte. Johann von Brünn erteilte ihr 1410 die Erlaubnis, ihre Kunst in Würzbnrg auszuüben. Morada war „Doktorin der freien Kunst der Arznei".4) Zum Schlüsse erwähnen wir Kreindel Steinhard 5), die sich durch ihre rabbinischen Wissenschaften,ebenso auszeichnete, wie durch ihre medizinischen Kenntnisse. Nennen wir nun Frauen, die auf anderen Gebieten der Wissenschaft hervorragen. Eva Bacharach isi hier vor «llem anzuführen; sie wurde 1585 in Prag geboren. Ihre Mutter war die Tochter des berühmten Rabbi Löwe den B e z a l e l. Diese las - zwar keine Romane — aber den „Midrasch Rabba" und erklärte ihn auch Ihre Schwester Rahel schrieb ein Werk: „He eonservando habitu faeiei invenilis“, das also dem weiblichen Berufe schon näher kommt. Man könnte sie als Vorläuferin Ninon de Lenclos bezeichnen, die ja lehrte und bewies, wie man bis ins Greisenalter den invenilem faciem, die jugendliche Schönheit, konservieren könne. Als Vorläuferinnen aller dieser Frauen sollen Raschis Tochter, seine zwei Enkelinnen und eine Urenkelin bezeichnet werden: Rachel (Bellejeune), Gattin des R. Elieser; Anna de Rameru, Tochter des R. Meir aus Rameru; Mirjam, Tochter des R. Juda ben Nathan, und Salema, Gattin des R. Eleasar. Zum Schluffe dieser Zusammenstellung sei darauf hingewiesen, daß Jüdinnen in einer Kunst sich besonders hervortaten, die zu der Wissenschaft in einer gewiffen Beziehung steht — in der Buchdruckerkunst.3) Es ist allgemein bekannt, wie diese Kunst von Juden gepflegt ') Carmoly, 1. c. S. 386. 2) „The Women of Israel“. London, 1845, 2 Vol. *) London, 1836. 4) Lebte um 1540 zu Günzburg. 5) Um 1770. °) Ueber jüdische Typographie: Erich und Gräber, Encyklopädie Sekt. II. Bd. 26, S. 65 ff. und zu welcher Höhe sie von ihnen gebracht wurde. Ihnen war eS besonders darum zu tun, nicht nur die Tbora und den Talmud, sondern auch ihre Kommentare und andere rabbinische und wissenschaftliche Werke durch die Kunst Gutenbergs zu verbreiten. Am Ende des 15. Jahrhunderts waren trotz der damaligen Leiden der Juden in Spanien und Portugal hier hebräische Buchdruckereien entstanden, und zwar in ersterem Lande zu Guadelaxara, Jxar und Zamora, in letzterem zu Liffabon und Fara. In Mantua setzte um 1480 Estellina Canet die »Bechinot Olam« des Jedaja ha Penini. Andere Schriftsetzerinnen sind: Reichel Jubels, aus der berühmten Druckerfamilie der Gersoniden zu Prag,') sie wirkte zwischen 1679—1699; Güte! Cohen (lebte um 1627 zn Prag),2) Czerna Meise! in Krakau, Rachel Israel in Neuwied am Rhein, sie setzte 1736 die Gutachtensammlung »Schaagat Arje« und endlich Ella Salit, von der die Talmudexemplare, die in neuer Auflage 1699 in Frankfurt a. d. Oder erschienen, gesetzt wurden.3) Am Schluffe dieser anspruchslosen Skizze angelangt, die nichts anderes bez reckte, als zu zeigen, wie das Judentum manche moderne Fragen schon in vergangenen Jahrhunderten löste, verhehlen wir nicht, daß sie durch Anführung noch anderer Beispiele hervorragender jüdischer Frauen, die Bedeutendes in der Literatur und Wiffenschaft geleistet haben, ergänzt werden könnte. Sie sollte nur Nachweisen, daß die jüdische Frau stets treu geblieben ist dem Spruche: „Ihren Mund öffnete sie in Weisheit und Lehre der Liebe war auf ihrer Zunge." So waren die angeführten Frauen nicht unwürdig des Ideals einer Mirjam. Deborah und Hanna. Den Bibliotheken, die den Sammler dieser Notizen durch Gestattung der Entlehnung oft alter Druckwerke unterstützten, sei der gebührende Dank gesagt._ Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des israelitische» Kultusvorstandes vom IO. Juni 1904» unter Bor fitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Von Im Einlaufe befinden fich: An Spenden: den Erben nach Frau Mathilde Fischl zur Errichtung einer „Gustav und Mathilde Fischl Seelengedächtniswidmung" .• Julius und Ernestine Philippsohn als Widmung für den Verein „Kinderheim" . . . . Herrn Salo Cohn zur Stärkung des Pertreterfondes Leopold und Sara Saborsky anläßlich der Konfirmation ihrer Tochter: für Arme - . .K 100.— ' für arme Bräute . -. 5o.— für arme Schulkinder . ... „ 50.— „ Rudolf Jnwald Edl. v. Waldtreu anläßlich des Ablebens seines Vaters des Herrn Josef Jnwald Edl. v. Waldtreu für Arme der Kultusgemeinde . „ Dr. Josef Grünfeld anläßlich der Hochzeit seines Sohnes Dr. Richard Grünfeld: für das Ferienheim zur Errichtung eines Seehospizes „ 50.— für den Studentenverein (Dr. Josef Grünfeld-Widmung) . . „ 50.— für die Talmud Thora-Volksschule „ 10.— für die Arbeitsvermittlung jüdischer Hochschüler. . „ 10 — für das Versorgungshaus . . „ 20.— für den Verein „Frauenhort" . „ 10 — Familie Marmorek anläßlich des Hinscheidens des Herrn Dr. I. W. Marmorek für wohltätige Zwecke ... Herrn Josef Saborksky anläßlich der Konfirmation . seiner Enkelin für arme Bräute „Anonymus" für das israelitische Siechenhaus „ k. k. Hofrat von Baiersdorf anläßlich der Kvnfirmation seiner Tochter, zur Verköstigung armer Kinder im Ferienheim . . . „ Franz Schwarz für arme russische Juden „ Elias Punsch und seiner Nichte Frau Rosa Mahler für den Betsaal der israelitischen Versorgungsanstalt eine Tischdecke im Werte von K 50.—. K 2040.— „ 2000.— 200.— 200.— 150.— 100.— 50 — 20.— 4.— ') Ihr Ahnherr war der genannte Gerschom Cohen. 2) Sie setzte die hebräische Grammatik „Liaeh Jizchak“. 3) Carmoly, a. a. O. 1858, S. 353. Die Jahreszahl 1699 ergibt sich ans dem Chronogramm am Ende de- Traktats Nidda (Jer. XXXI, 22) „Das Weib bewirbt fich um den Mann", was drollig genug klingt.

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