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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-15 · 24 (15.6.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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iMiemsBSu-iamsBgES* * *. Seite 390 Dr Jßiocb s MLocbenscdnrr. Nr. 24 Der Vorsitzende bemerkte hierauf, daß den geäußerten Wünschen teilweise bereits entsprochen wurde und der Vorstand die gewiß wohlgemeinten Anregungen neuerlich in Erwägung ziehen werde. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse pro 1905 werden hierauf einstimmig genehmigt, ebenso die erfolgte Kooptation des Herrn Direktor Moriz Koritschoner als Vorstandsmitglied mit dreijähriger Funktionsdauer. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Dr. Felix K a tz a u, Dr. Jakob Nierenstein, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Alfred Stern und Dr. Siegmund Wahr.nann werden über Antrag des Herrn Dr. Edmund K o h n per Akklamation wiedergewählt, lieber Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang wird dem Vorstand und dem Sekretariat einstimmig seitens der Generalversammlung für die umsichtige und zielbewußte Leitung der im Jahresberichte so eingehend geschilderten Hilfsaktionen der Dank ausgesprochen. Herr Wolf Pappenheim spricht noch besonders namens des durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Herrn Rabbiners S. Fürst dem Präsidium den wärmsten Dank für seine Intervention beim k. k. Ministerium des Aeußern, anläßlich eines besonderen Falles in Jerusalem, aus. Ueber Antrag des Herrn Dr. Bloch wird speziell dem Präsidenten Herrn David R. v. G u t m a n n für sein unermüdliches Wirken der Dank ausgesprochen. Iie Frau und die jüdische Literatur. Literarische Aus- und Nachlese von Dr. M. G r ii n f e l d.*) II. Auf unserem literarischen Streifzuge begegnen uns manche bedeutende poetische Talente unter den jüdischen Frauen. Auch hier sehen wir von jenen weiblichen Persönlichkeiten ab, von welchen wir nur Sagenhaftes wißen. Zu diesen gehört Esther-ha-Lewi, die Tochter des Zionssängers Jehuda-ha-Lcvi, die schon als Kind Lieder gedichtet und später geistvolle Epigramme geschrieben haben soll, welche sie Zbn-Esra widmete. Dies sowohl, wie auch ihr Verhältnis zu Abraham ibn Esra ist in ein Gebiet au verweisen, in das der, allerdings schön dichtenden, Soge. Soviel über die Bat-Ha-Levi. Desto mehr wissen wir über SarahCopia Sullam.'). Ja, diese hervorragende Frau hat eine kleine Literatur hervorgebracht und kann für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, in weiteren Kreisen bekannt zu sein. Sie lebte in Venedig um 164!. Wir wollen hier nicht wiederholen, was über diese seltene Frau gesagt wurde, man kann dies in jeder jüdischen Literaturgeschichte Nachlesen. Nur dies wollen wir anführen, daß sie schon zu ihrer Zeil eines verdienten Rufes als Frau der Wissenschaft und Dichtkunst sich erfreute. Cinelli nennt sie eine berühmte Dichterin Der wohlbekannte Leon da Modena widmete ihr Saloinon Usques Trauerspiel „Esther" «1619). — Von ihren Dichtungen ist freilich wenig bekannt. Sie schrieb in italienischer Sprache, die sie in ihren Werken in glänzender Schönheit entfaltete. Bekannt ist ihr Briefwechsel mit Ansaldo Eeba, einem genuesischen Priester, dem Dichter des Epos „Esther" (wie man sieht, ein damals sehr beliebter Stoff!), der die Dichterin zu bekehren suchte, allerdings vergebens. Sehr intercffant ist es, und zu vergleichen mit dem Zeitgenoffen Sarahs, Uriel Acosta, anregend, daß auch sie ein Merkchen „Ueber die Unsterblichkeit der Seele" schrieb, und wegen dieses mit dem Priester Balthasar Bonifacio aus Rovigo in heftigen Streit geriet, welcher Saiah anklagte, sie hätte den Glauben an die Unsterblichkeit geleugnet. Sie widerlegte mit seltener Schärfe ihre Gegner in ihrem „Glaubensbekenntnis", das ebenso wie wenige Gedichte das Einzige ist, was uns von der schrift- *) Anmerkung: Im ersten Teil sind folgende Druckfehler zu berichtigen: Es heißt natürlich Siclironoth nicht Sichsonoth. Zeile 18. Der Vers lautet im 2. Teile: „Lelooheu 1?echiuah ists worden ausgetracht", nicht ausgebracht. Es ist dies ein besonders charakteristisches Wort. ') Die Literatur über diese „sinnige und innige" Dichterin isi ziemlich groß, und was hier angeführt wird, diene zugleich als Ergänzung deffen, was wir über die Literatur, die sich mit den gelehrten und dichtenden jüdischen Frauen beschäftigt, bereits gesagt haben. Nahida Remh (Rut Lazarus) spricht über sie in ihrem Buche „Das j üdi sch e W eib" (Leipzig, 1892) schöne Worte. Sie lehnt sich an die Studie von E. David an (Paris, 1877). Zu vergleichen ist auch M. A. Levy. Jahrbuch für die Geschichte des Judentums, HI. (Leipzig, 1863). Drei geistvolle Sonetten der Dichterin finden sich in Bergallis: Compouimeuto poetici-delle piu illustri rim&trici, Venedig 1726. Einige ihrer Gedichte sind in d-m Briefwechsel mit Eeba und in der Sammlung von Zinano enthalten. stelleriichen Tätigkeit der in der Tat einzigen Frau übrig geblieben ist. — Wir scheiden schwer von dieser hervorragenden Frau. Ehe wir es tun, seien uns noch einige Bemerkungen gestattet. Sarah Copia Sullam fiel vom Judentum, trotz Cebas Bekehrungsversuche, nicht ab. Der Dichterin Deborah Ascarelli, von der wir gleich sprechen wollen, ruft im Hinblick auf eine Genossin in Apoll, die dem Judentum den Rücken gekehlt hatte, ein jüdischer Dichter zu: „Mögen Andere große Trophäen besingen, Dein Lied wird stets zu Deines Volkes Preis erklingen!" Wer denkt nicht bei diesen Worten an jene geistreichen Frauen jüdischen Stammes, die am Anfänge des vorigen Jahrhunderts in Berlin in literarischen Dingen förmlich den Ton angaben, — aber alle vom Judentum abfielen! An ihrer Spitze steht die Tochter Moses Mendelssohns, Dorothea, die spätere Gemalin Friedrich Schlegels, mit dem sie zweimal die Religion wechselte. Neben ihr leuchtet Rachel L e v i n, die Gattin Varnhagens von Ense, hervor. Auch sie, die geistreiche Briefschreiberin, „die kleine Frau mit der großen Seele", wie winzig erscheint sie als Renegatin Sarah Copia Sullam und Deborah Ascarelli gegenüber! Und die Dritte ist Henriette Herz, die Gattin dds berühmten Arztes Markus Herz, die wohl mehr ihrer Schönheit, als ihres Geistes wegen angebetet wurde. Auch sie verließ das Judentum. Und doch hat diese Fahnenflucht nicht gehindert, daß man diese Damen als „jüdische" bezeichnet. „Die jüdischen Damen in Berlin," sagt Malte Brun, „haben sich eine solche Reputation ihrer Einsicht und ihres Talentes wegen erworben, daß sie einem großen Teil der Gesellschaft den Ton geben. . . . Oft wird das Los einer neuen Komödie oder des Tagesromans bei ihrer Toilette entschieden. . . . Die schönen Geister und die, welche für solche gelten wollen, bewerben sich eifrig um die Ehre, zu ihrem Tee geladen zu werden. . . . Mehrere dieser Damen dringen in das Heiligtum der Metaphysik ein. . . ." Und doch, wie wenig können wir diese Frauen, die Verehrerinnen Kants und Fichtes, achten, wenn wir sie mit C o p i a S u l l a m und Deborah Ascarelli vergleichen. Wenden wir uns nun nach dieser kleinen, aber uns nötig scheinenden Abschweifung dieser Schriftstellerin zu.') Sie übersetzte in die italienische Sprache die Gesänge aus dem Lehrgedichte Mose Rietis *), der zwischen 1388 - 1430 ein hebräisches Epos, eine Nachbildung der „Divina Commedia" Dantes, schuf. Ferner übersetzte sie die mit den Worten: «S'ele lobe Gott" anfangcnde Bußhymne Bachjas, das große „Widdui" des R. Niffim und den Seder-Aboda für den Jom Kippur. ■ Von Italien begeben wir uns nach Holland. Dort war damals, das ist im >7. Jahrhundert, Amsterdam der Sitz der Marannen nicht nur, sondern auch die Stätte der marannischen Poesie. Um diese zu beleben, gründete ein gelehrter und wegen seiner Verdienste zum Pfalzgrafeu und Residenten Spaniens in den Niederlanden ernannter Jude Manuel de Belmonte 3 * 5) 1676 eine poetische Akademie, der auch eine Frau angehörte, es ist dies die Gattin des Marannen Nikolas de Oliver y Fullana, welcher auch als Dichter unter dem Namen Daniel Jehnda bekannt ist, Donna I s a b e l l a Correa, die auch eigene Poesien verfaßte, aber am meisten als Uebersetzerin des Hirtengedichtes Gnarinis „Pastor fido" hervortrat. Die Uebersetzung ans dem Italienischen ins Spanische wird sehr gerühmt und förmlich als „Trophäe" gefeiert; sie erschien im Jahre 1694 und erlebte mehrere Auflagen. Durch ein Gedicht zum Lobe des Lopez Lagnna, Verfasser des „treuen Spiegel des Lebens", machte sich Bienbenida Cohen Belmonte bekannt. Weiteres haben wir über diese Schriftstellerin nicht erfahren. Der soeben genannte Lopez Laguna hatte durch seinen „treuen Spiegel des Lebens" („Espe jo fiel de Vidas"), unter welchem Titel sich eigentlich eine spanische Psalmenübersetzung verbirgt^), auch eine andere dichtende Frau zu einem Gesänge begeistert, es ist Sarah F o n s e c a Pinto y Pimentel, deren Namen im umgekehrten Verhältnisse zu dem steht, was wir von ihr wissen. Dasselbe gilt von Manuela N u n e s A l m e y d a, auch sie wurde zur Dichtung durch den, wie es scheint, sehr anregenden Lopez angefeiert. Wir schließen diese Anführung von jüdischen Dichterinnen, indem wir noch die deutsche Henriette Ottenheimer nennen, deren „Kettenschmied" die Leiden und Hoffnungen ihrer Glaubensgenossen besingt, und ans Miß G r a c e A g u i l a r °), eine Engländerin, Hinweisen, die in ihrem Werke „Tbe Records of Israel" („Die Ueberlicferungen Israels") interessante Novellen und Erzählungen darbietet. In einem französischen Sonett auf ihren frühen Tod heißt es: ') Sie lebte am Anfänge des 17. Jahrhunderts als Frau des R. Joseph Ascarelli. -) Unter dem Titel „II lernpio" zuerst in Venedig erschienen 1602, dann 1609 neu aufgelegt von David della Rocca. 3) Ueber die spanisch-jüdischen Dichter vgl. Kayserling: „Sephardim, romantische Poesien der Juden in Spanien", Leipzig, 1859. 0 Erschienen in London 1720. 5) Geboren 1816 in Hackney, gestorben in Frankfurt a. M. 18-i7. Nicht weniger als 12 Werke hat sie hinterlaffeu, darunter einen Kommentar zu Dentoron. VI., 5 — 10, „the spirit of Judaism“ 1843 und eine „History of the English Jew§“.

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