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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-15 · 24 (15.6.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Llocb's MocbenscbrLN. Sette 389 Majestät Maßregeln zur Verbesserung der Lage der Juden in Marokko ergreife. Merkwürdigerweise war es der Delegierte Spaniens, Herzog Almodavar del Rio, der die gegebene Anregung zur religiösen Toleranz besonders warm unterstützte. Subventionen im Jnlande. Trotz der ungeheuren Anforderungen, welche das Hilfswerk für die verfolgten Glaubensgenossen an uns stellte, glaubten wir auch im verflossenen Jahre den armen kleinen Kultusgemeinden und Bethausvereinen in verschiedenen Kronländern, die seit einer Reihe von Jahren von uns Subventionen zur Erhaltung des Religionsunterrichtes erhalten, und verschiedenen kulturellen Institutionen, diese nicht entziehen zu dürfen. Innere Verwaltung. In der vorjährigen Generalversammlung am 6. Juni 1905 wurden die turnusmäßig vom Vorstande ausgeschiedenen Mitglieder, die Herren Em. Baumgarten, E. Horner, Dr. A. Kuranda, Bernh. Pollack und Jul. Reitlinger, mit vierjähriger Funktionsdauer wiedergewählt. Unser Vorstandsmitglied Herr Theodor Cohn hat uns in wiederholten Zuschriften den dringenden Wunsch geäußert, da es ihm infolge seiner vielfachen Inanspruchnahme durch andere humanitäre Institutionen unmöglich sei, sich im Vorstande praktisch zu betätigen, aus demselben auszuscheiden. Da unsere Bemühungen, ihn von diesem Entschlüsse abzubringcn, fruchtlos waren, blieb uns nichts übrig, als seine Demission mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen. An seine Stelle wurde im Sinne des § 6, Alinea 3 unserer Statuten Herr Direktor Moriz Koritschoner mit dreijähriger Funktionsdauer als Vorstandsmitglied kooptiert. Um in einen engeren regelmäßigen Kontakt mit unseren Mitgliedern zu gelangen und die Propaganda wirksamer zu gestalten, haben wir die Herausgabe vierteljährlicher Mitteilungen für unsere Mitglieder geplant. Unser Bureau war bereits mit den Vorbereitungen dazu beschäftigt, als die große Katastrophe in Rußland hereinbrach und der riesige Umfang der Geschäfte der Hilfsaktion, sowie die Bewältigung der Massenauswanderung eine derartige Ueberbürdung unserer Exekutive herbeiführten, daß die Frage der Ausgestaltung unserer Organisation zurücktreten mußte. Unser Sekretär hat jedoch im Juni v. I. in Czernowitz und im September in Linz Versammlungen abgehalten, die uns zahlreiche neue Freunde zuführten. Ebenso hat er in Eger und in Graz Konferenzen abgehalten. An all diesen Orten haben die Herren Rabbiner und Kultusvorsteher sich mit großem Eifer in den Dienst der Allianz gestellt, wofür wir ihnen auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank aussprechen. In Czernowitz wurde die Leitung unserer Filiale durch die Kooptation der Herren: Kaiserl. Rat Stanislau Burstyn, Großgrundbesitzer Max Anhauch, Baumeister Elias Papst, k. k. Universitäts-Professor Dr. Leon Kellner, sämtlich in Czernowitz, ferner Dr. Leopold Zaloscer, Advokat in Kimpolung, und Dr. Adolf Finkel, Advokat in Suczawa, als Beiräte verstärkt. Aus dem Nachlasse des Hingeschiedenen Freiherrn Nathaniel von Rothschild wurde uns durch Freiherrn Albert von Rothschild ein Legat von 20.000 Kronen überwiesen. Wir haben den Namen des edlen Wohltäters im Sinne des § 5 der Statuten in die Liste der „Stifter" unseres Vereines ausgenommen. Leider hat der Tod im verflossenen Jahre uns zahlreiche bewährte und opferwillige Freunde und Förderer entrissen. Wir beklagen vor allem den Verlust unseres Vorstandsmitgliedes und stets hilfsbereiten Gönners Rudolf Auspitz; ferner unseres langjährigen Beirates Philipp Torsch; des eifrigen Förderers und Schriftführers unserer Filiale in Brünn, Alois Witrofsky; des Kassiers unserer Filiale in Przemysl, Sigmund Münz; des Obmann-Stellvertreters unserer Filiale in Tarnopol Dr. Adolf Rosenfeld und zahlreicher anderer treuer Mitarbeiter. Einen unersetzlichen Verlust hat die „^.lllanee Israölite Universelle“ in Paris und mit ihr die gesamte Judenheit durch den Heimgang des Grand Rabbin Zadoc Kahn erlitten. Während der Drucklegung dieses Berichtes schied das Mitglied unseres Beirates, der Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde in Wien kaiserl. Rat Moritz Hirsch aus dem Leben. Das Andenken all dieser trefflichen Männer wird in unserer Mitte stets in Ehren gehalten werden. An Stelle des durch den Tod ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Herrn Rudolf Auspitz wurde für den Rest der Funktionsdauer (welche bis zur heutigen Generalversammlung reichte) im. Sinne der Statuten Herr kaiserl. Rat Leopold Sachs in den Vorstand kooptiert. Der Gebarungsausweis weist Ausgaben von K 65.655 mit K 2281 Zuschuß zu den Einnahmen aus. Der Ruffenfond hatte K 342.000 ausgegeben mit Aktiv-Saldo für 1906 von K 777.800. * * * Der Vorsitzende bemerkt zu dem im Jahresberichte enthaltenen Spendenverzeichnisse, daß in der kumulativ ausgewiesenen Sammlung der Humanitätsvereine „B'nai B'rith" in Wien für die russischen Juden unter anderem eine Spende der Herren Lederer L Wolf im Betrage von X 2000 enthalten ist; ferner, daß bei der Katalogisierung und Drucklegung der Juxtenabschriften, auf Grund welcher das gedruckte umfassende Spendenverzeichnis angefertigt wurde, manche bedauerliche Versehen vorgekommen find, und z. B. die Spende des Herrn D. C a h n-S p e y e r mit K 200 statt richtig mit K 2000 ausgewiesen ist. Herr Albert L ö w überreichte dem Präsidium ein Memorandum betreffend die Ausdehnung der Propaganda für die „Israelitische Allianz" in der Provinz. Anknüpfend an den Jahresbericht der „Allianz" nimmt Herr Moritz Baum das Wort, aus dem er speziell das Kapitel „Innere Verwaltung" eingehend behandelt. Der Appell der Verwaltung an die österr.-ungar. Judenschaft um eine munifizentere Dotierung ihrer verschiedenen Hilfsfonds und der verstärkten Zuführung neuer Mitglieder finde leider wenig Widerhall. Unser konfessionelles Vereinswesen, das eine wichtige Ergänzung der Hilfstätigkeit im innern Gemeindeleben darstelle, finde eben nicht überall die nötige Pflege. Als überaus charakteristisch zitiert Redner die Tatsache, daß unter der Rubrik „Tempelspenden pro 1905" auf Seite 85 des Berichtes im Bethause, I., Seitenstettengaffe Kronen 1612.—, im I'. Bezirk, Tempelgafse Kronen 155.— und in allen anderen Bethäusern insgesamt die beschämende Ziffer von Kronen 24.— ausgewiesen erscheinen. Man habe es auch bisher nicht verstanden, unsere intelligenten, opferwilligen und arbeitsfreudigen Frauen zu dem humanitären Wirken der Allianz heranzuziehen. Beweis dessen, daß im großen Mitgliederverzeichnis bloß 5 Frauennamen enthalten find, während wir 1800 Damen im Verzeichnis steuerzahlender Kultusmitglieder haben. Man hält bei uns noch immer an den gewohnten, mit dichtem Gitterwerk abgeschlossenen Frauengallerien fest, während sich überall das weibliche Element als überaus zuverläßlich und tüchtig auch auf humanitärem Gebiet bewährt habe. Herr Baum schlägt die Bildung eines Finanz- und Organisations-Komitees sowie eines Preß- Komitees vor; ferner die statutarisch vorgesehene Errichtung von neuen Zweigvereinen sowohl in der Provinz wie in den entfernteren Bezirken Wiens. Das System der Zentralisierung habe im Vereinsleben keine Erfolge gebracht. Die P r'o v i n z müsse deshalb finanziell stärker herangezogen werden, weil in Wien die verfolgten und notleidenden Juden Zuflucht suchen und die Provinzgemeinden dadurch ohnedies entlastet werden. Wien wird als Pufferstation angesehen und bedarf der Mittel, um der schwierigen Situation Herr zu werden. Auf einen Zwischenruf des Herrn Rabbiner Dr. David, daß hier zuviel auf einmal gefordert werde, entgegnete Herr Baum, daß wenn die schon jetzt ungeheuere Arbeitslast sich auf einige Schultern verteile, eine größere Ausgestaltung und wirksame Propaganda freilich sehr schwierig ist. Die Erfahrung habe aber gelehrt, daß wie bei anderen Konfessionen und namentlich in Ungarn ein Komitee von 100 und selbst 200 Personen gar nicht selten ist und eine derartige Arbeitsteilung nur vorteilhaft wirken müßte. (Beifall.)

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