Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 23 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 382 Nr. 23 t,_—»i w«WBiMirMi|piw,wi-'~ir!innir>r'*TTiriTT','Tl Dr. Dlocd s Mlocvensorln. Möbel und Kochgeschirre hatte er den Nachbarn verkauft, dies sich darauf stürzten wie Fliegen auf Zucker. Aber er hatte noch seine Bücher und einige Effekten zurückgelassen und war im Begriff, sie abzuholen. Als er nun in die leere Wohnung eintrat, fiel genug Licht in die Zimmer, um die gewohnte Umgebung zu erkennen. Ein Silberstrahl fiel in die schwarze Oeffnung, die tags zuvor mit dem Rohr eines kleinen Ofens ge- Mt war. Boris war von Schmerz überwältigt. Er beeilte sich, das Gas anzuzünden. Die erschreckende Oede der drei Zimmer, die noch vor kurzer Zeit voll Leben waren, dessen Boden von Tauyas Schritten und ihrem gemeinsam verbrachten Leben erzählte, jeder Winkel hatte einen Blick geheimnisvollen Vorwurfes für ihn. In diesem Augenblicke empfand er sein ganzes Unglück und zum erstenmale in seinem Leben brach er in Tränen aus. Heiße Tränen waren es und sie fielen in schweren Tropfen. Er lehnte sich an den Türpfosten, vergrub sein Gesicht in seine Hände und schluchzte gebrochen: „Tanyschka, Tanyschka!" __ Literatur. Die Häufung der Syuouyma. eine Schwierigkeit beim Uebersetzerr der Gebete.*) Von Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch, Breslau. In einem sehr bemerkenswerten Aufsatz wendet sich der Verfaffer einer der Hauptschwierigkeiten des jüdischen Religionsunterrichtes zu und wirft ein helles Streiflicht auf ein bis jetzt sehr wenig durchpflügtes Gebiet. An gutgewählten Beispielen ist sehr geistreich gezeigt, wie leicht es möglich wäre, mit ein wenig gutem Willen dieser Schwierigkeit zu begegnen, ja sogar scheinbare Tautologien zur Belebung des Stoffes und Erhöhung des Verständnisses mit Nutzen zu verwerten. Immer wird auf den psychischen und auf den historischen Grund zurückgegangen, wodurch das rein Grammatische wunderbar lebendig wird. Möge diese Anregung, die innerhalb ihrer durch den äußern Rahmen beengten Grenzen eine tiefe wissenschaftliche und pädagogische Ausbildung des Autors verrät, die Beachtung finden, die fie verdient. Neue Bücher. Moritz Lazarus' Lebeuserinneruugen. Bearbeitet von Nahida Lazarus und AlfredLeicht. Mit einem Titelbild. Preis broschiert Mk. 12.—, gebunden Mk. 14.—. Verlag von Georg Reimer, Berlin W. 35, 1906. Dr. Adolf Blumenthal, weil. Rabbiner in Ratibor. Fe st predigten. Aus seinem Nachlasse herausgegeben von Dr. S. Freund, Rabbiner in Ostrowo. Preis L 4.20. Verlag von Jakob B. Brandeis, Breslau, Karlsstraße 26, 1906. Samson Zuckermaudel s. A. aus Ungarisch-Brod. S i m s o n, ein biblisches Drama in vier Akten. Aus dem Nachlasse des Verfassers. Herausgegeben und mit einer deutschen Einleitung versehen von Dr. M. S. Z u ck e r m a n d e l. Auf Kosten der Kinder des sel. Verfassers gedruckt und der Ertrag der Chewra-Kadischa in Ung.-Brod gewidmet. Kommissions- Verlag von Hugo Fleischmann, Breslau 1906. Jos. Rowutree & Arthur Sherwell. Alkohol- Mäßigkeits- und Enthaltungs-Problem und Sozial-Reform. Autorisiert. Gekürzte Volks-Ausgabe. Erstes Heft. Preis 20 Heller. Internationale Alkoholgegner. — Propaganda, C. F., Wien, il. Antialkohol-Literatur. Zentrale: Brüder Suschitzky, Wien, X., Keplerplatz 4. Rabbiuer Dr. H. E. Kaufmann. Vorlesungen und Essays anläßlich der ersten jüdischen Gesell- *) Erschienen tm 56. Jahresbericht der Religions-Unterrichtsanstalt I der Synagogen-Gemeinde Breslau über das Schuljahr 1905/1906. chaftsreise nach dem heiligen Lande 1605. Verlag von Leopold Kleins Nachfolger, P v z e g a 1906. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin, II. Jahrgang, Heft 5, Mai 1906. Inhalt: Abhandlungen. 1. Dr. A r k a d i u s Elkind, Moskau: Anthropologische Untersuchungen über die russisch-polnischen Juden und der Wert dieser Untersuchungen für die Anthropologie im Allgemeinen. (Schluß.) 2. Dr. R. Weinberg, Dorpat: Soziales und historisches Verhalten der livländischen Inden. 3. Rudolf Wassermann, München: Kritische und ergänzende Bemerkungen zur Literatur über die Kriminalität der Juden. 4. Die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten im Jahre 1904/05. Statistisches Archiv: Unterhaltungs- und Verpflegungskosten in jüdischen und christlichen Krankenhäusern. — Geschäftsbericht des Hilfsvereines der deutschen Juden für 1905. — Jüdische Abgeordnete in der Reichsduma. Krirfkastr«. Jüdisches Museum. Wir werden von befreundeter Seite liebenswürdig darauf anfmerksam gemacht, daß sich in Hainburg, Niederösterreich, Wienerstratze 11, im Hofe eines Hauses ein uralter jüdischer Tempel befinden soll, angeblich tausend Jahre alt. So behauptet es wenigstens der Führer. Das Gebäude ist architektonisch sehr interessant, stand auch bis in die letzte Zeit in Benützung, konnte aber von der allzu schwachen Gemeinde mcht erhalten werden und ging in das Privateigentum eines Bäckers übe., der es als Stall benützt. Wir glauben, daß sich leicht Interessenten finden dürften, die bei Bestätigung des Tatbestandes sowohl die Blasphemie aus der Welt schaffen, als auch das historisch denkwürdige Baudenkmal gerne erhalten würde». Gr. Niemals sind noch bei anarchistischen Attentaten jüdische Namen aufgetaucht, so auch nicht bei dem Anschlag auf den Hochzeitswagen des spanischen Königs. Das kennzeichnet auch die Wahrheit der Behauptung vom revolutionären Geist der Juden. Es ist richtig, daß viele von diesen angeblichen Feiglingen mit ihrem Leben gegen jede brutale Verletzung der Menschenrechte einstehen. Aber der anarchistische Blutwahnsinn ist ein spezielles Gewächs der strengkatholischeu Länder, Italiens und Spaniens. Uebrigens sehen Sie aus den zahlreichen Jesuitenverschwörungen in Frankreich und England, wie frech die Antisemiten in diesem Punkte die Geschichte fälschen. Politiker. Der Ausdruck „Judüomagyaren", den Lueger so gerne gebraucht, um die ungarische Politik in seinem Sinne zu verdächtigen, ist inhaltlich ein ganz unhaltbarer Blödsinn. Während der ganzen Krisenzeit haben sich die ungarischen Juden kaum bemerkbar gemacht. Man hat nur von ihnen gehört, daß sie durch Drohungen in einzelnen Fällen gezwungen wurden, für antisemitische Regierungskandidaten gegen die Natlonalitätenparteien zu stimmen. Aber die Koffuths, Apponyis, Wekerles rc. sind doch reine Arier. Und eine der stärksten und treibenden Koalitlonsparteien ist die ungarische Volks^ Partei, Gesinnungsverwandte des Dr. Lueger. Jetzt blamieren einander die Vettern nur nicht, grüßen einander nicht unter den Linden, bei Gelegenheit wird man sich und den gemeinsamen Vorteil schon finden. Prater. Die vier jüdischen Kosaken in der amerikanischen Schaustellung von Buffalo Bill sollen amerikanische Einwanderer aus dem Kaukasus sein. K. R. Die Deputation der Sicherheitswachleute in der Redaktion des „Deutsches Volksblatt", die mit einer Entschuldigung namens der Wache wegen der Vorgänge bei den Demonstrationen gegen die Konsumvereine vorsprach, ist ein unerhörtes Novum. Seit wann ist denn diese Redaktion die offizielle Stelle, bei welcher sich eine k. k. Körperschaft zu entschuldigen hat? Man erkennt aber daran die Macht des chrrstlichsozialen Terrorismus in Oesterreich. Pech. Ja, dieser Dr. Pattai ist ein kolossaler Pechvogel. Er hat schon die Klinke an der Tür des Elsenbahnministeriums in der Hand gehabt, als der skandalöse Prozeß über die Vorgänge bei den nlederösterreichischen Landesbahnen kam und ihn in seiner ganzen Unfähigkeit kennzeichnete. Das wäre ja eine hübsche Verwaltung geworden, wenn dieser Salonantisemit unser ganzes Eisenbahnnetz zil dirigieren gehabt hätte. Wie sollte denn auch ein Advokat plötzlich zu einem Fachmann in diesem Ressort werden? Aber darnach fragen ja die Retter des kleinen Mannes nicht. So und so viel Leute sind zu belohnen, und jeder hat zu nehmen, was auf ihn kommt. Bis sie das Justizministerium zu vergeben haben werden, wird es vielleicht der Vergani oder der Schneider kriegen. Z. in S. Ein solches Wörterbuch ist soeben vom Herrn Rabbiner Dr. M a r g e l in Pozega (Slavonieu) erschienen.