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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-08 · 23 (8.6.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Lwcv s MocbenscDcm. Seite 375 zur Zeit in Bayern außer einer Anzahl aktiver jüdischer Offiziere noch mindestens über 200 jüdische Reserveoffiziere gibt. JüdischeSanitäts Offiziere gibt es sehr viel in der aktiven Armee, aber noch mindestens 400 bis 500 in der Reserve. Dies diene Ihnen zur Aufklärung. Hochachtungsvollst Dr. Max Kaiser, k. b. Leutnant der Reserve. Der Raimund-Preis. Das Preisgericht für den Raimund-Preis in Wien hat den Preis dem packenden dreiaktigen Volksdrama „Die Strecke" von Oskar Bendiener zuerkannt. Bei der Prämiierung des Dramas „Die Strecke" ist das Preisgericht von der Erwägung ausgegangen, daß das Stück in seinem menschlichen Konflikt als Volksstück aus dem Wiener Leben zu betrachten sei, auch wenn die Milieuschilderung das Eisenbahnleben auf der Strecke zum Gegenstände hat. Das Stuck beweist ein nicht ungewöhnliches Talent für die Schilderung von Konflikten und Charakteren aus dem bürgerlichen Leben und für die Anforderungen einer modernen Technik des Volksstückes. Aus diesem Grunde ist das Stück den Preisrichtern als das relativ beste Volksstück aus dem Wiener Leben erschienen, das in der abgelaufenen Zeit im Raimund-Theater zur Aufführung gelangt ist. Der Raimund-Preis beträgt diesmal . 1600 Kronen. Der Autor des diesmal prämiierten Dramas, Dr. Oskar Bendiener, ist Beamter der Nordbahn und ein Schwiegersohn des Holzhändlers und Hotelbesitzers M. Stern in Orlau. Er trat zum ersten Mal im Februar des Jahres 1903 mit einem Schauspiele „Der Richter", das bei einer literarischen Matinee im Theater in der Josefstadt aufgesührt wurde, in die Oeffentlichkeit. Ueber das Hamburger Bismarck-Denkmal, bekanntlich das Werk eines jüdischen Künstlers aus Oesterreich, schreibt das „Berl. Tageblatt": Grau hing der Himmel über der Erde, als am Sonnabend die Hülle sank von dem gewaltigen Bismarck-Monument, und auch heute am ersten Pfingsttage, wo Tausende hinauspilgern auf die Elbhöhe, um das ragende Denkmal zu schauen, liegt es wie ein feiner Nebel hoch oben am Horizont. Noch weiß man nichts von der Wirkung des hohen Granitbaues, wenn er im hellen Sonnenglanz erstrahlt; noch kann man die wunderbare Schönheit nur ahnen, die die hoch in die Luft sich türmende Bismarck-Gestalt in klaren, mondhellen Nächten auf den einsamen Wanderer ausüben muß. Aber das Eine fühlt doch der Beschauer mit unbewußter Gewalt: er steht hier einem Werk gegenüber, das in seiner Erhabenheit so unmittelbar zu den Sinnen, so überwältigend zu dem Gefühl spricht, daß jede kritische Verstandesregung auf lange hinaus förmlich erdrückt wird. Ich wenigstens stehe so völlig unter dem Banne des grandiosen Gesamteindruckes, daß mir jedes Bedenken wie kleinliche Nörgelsucht erscheinen müßte. Das Hamburger Bismarck-Denkmal Lederers bedeutet mehr als die Bereicherung Deutschlands um ein neues großes Monument, eines mehr zu den vielen andern; es ist wirklich die Erfüllung dessen, was einer der Preisrichter, Professor Treu aus Dresden, vor Jahren vorausgesagt hat: „es ist ein wichtiger und hervorragender Markstein in der Geschichte der deutschen Bildhauerkunst geworden." Was an dem neuen Bismarck-Monument in erster Linie besticht, ist die Tatsache, daß es so gar nichts Denkmalmäßiges an sich hat. Nichts von dem, was wir sonst bei Denkmälern zu sehen gewohnt sind. Etwas ganz Neues, etwas, das dadurch frappiert, daß es eben keinerlei Vergleiche zuläßt. So gar nichts von dem, was wir uns sonst unter Bildhauerarbeit vorzustellen gewohnt sind. So gar nichts, vom Atelier, vom Professor. Man merkt diesem granitenen Riesenbau nicht an, daß Menschenarbeit hier mühsam Stück an Stück gefügt hat. Es ist, als ob eine überweltliche Kraft die riesigen Granitblöcke in genialer Kraftvergeudung übereinander gewälzt hätte zu diesem gigantischen Werke. Als Lederers Entwurf zuerst bekannt wurde, da fehlte es nicht an gegnerischen Stimmen, die an der Rolands-Idee des Schöpfers Anstoß nahmen. Bismarck in Kürasfieruniform oder Bismarck im Schlapphut — das waren Bilder, die jedermann vertraut waren. Aber Bismarck als sagenhafte Rolands-Figur, eingehüllt in enge Panzergewandung, die Hände fest geschlungen um das starre, lange Riesenschwert? Man konnte sich an den Gedanken nicht gewöhnen. Und heute, wo der Entwurf Wirklichkeit geworden, wo die weithin sichtbare Riesenfigur Bismarck- Rolands von dem dreifachen, riesenhaften Unterbau herniederschaut auf Stadt und Hafen, da verstehen wir kaum noch, daß die Idee Lederers jemals Gegner haben konnte. Daß das ragende Denkmal dem großen Kanzler geweiht ist. das sehen wir Zeitgenossen auf den ersten Blick an dem mit wunderbarer Plastik hervortretenden Kopf, den kraftvollen, energischen Zügen, die uns allen vertraut sind. Und für die späteren Geschlechter, für die Bismarck nicht mehr der Bismarck in Kürassierstiefeln oder Schlapphut ist, für die er die geschichtliche Persönlichkeit geworden ist, deren Namen untrennbar verbunden ist mit der Gründung des neuen Deutschen Reiches, für die hat die Rolandsfigur eine allgemeine symbolische Bedeutung als Hüter und Bewahrer des Erworbenen. Kein Denkmal für den Tagesgeschmack hat Lederer geschaffen, nichts der Mode Unterworfenes; mit freiem Blick hat er in die Zukunft geschaut und uns ein Werk gegeben, das die Geschlechter überdauern wird. Ein Denkmal, das wirklich diesen Namen verdient. Dieses kühne und erfolgreiche Brechen mit dem Althergebrachten ist eine befteiende Tat. für die die deutsche Bildhauerkunst Lederer Dank schuldet. Und das macht den Tag der Enthüllung des Hamburger Bismarck-Denkmals zu einem Ereignis, das weit über eine enge lokale Bedeutung hinausgeht. Der neue italienische Finanzminister. Es dürfte interesfiren, zu erfahren, daß der in Italien neuernannte Finanzminister Carlo Schaurer einer hochachtbaren, alten, jüdischen, in Galizien ansässigen Familie entstammt. Besonders angesehen find die bekannten Großindustriellen in Tarnow-Bochnia. Derselben Familie entstammt Carlo Schaurer. Sein Vater, Dr. Ludwig Schaurer — ein Bruder von Heinrich Schaurer, Gründer der Tarnower Dampfmühlen — kam nach Wien als Advokat. Im Jahre 1873 verlor er an der Börse sein Vermögen. Er ließ sich um diese Zeit taufen — jedoch kurze Zeit vor seinem Tode ist er zum Judentum zurückgekehrt und wurde auf der israelitischen Abteilung des Wiener Friedhofes begraben. Der junge Carlo wurde streng jüdisch erzogen, ob er aber Jude geblieben ist, ist mir unbekannt. Doch hatte er seine Mutter bei sich, eine geborene Natkis aus Lemberg, die als Jüdin gestorben ist und in Rom begraben wurde. Selbe hat noch vor einigen Jahren mit der Familie Schaurer in Tarnow und Brünn brieflichen Verkehr unterhalten. Diese Angaben mache ich auf Grund eigener Wahrnehmung — die ich bei den Familienangehörigen festgestellt habe — wo ich auch noch die Bilder (Gruppenbilder) des Doktor Ludwig Schaurer mit dem kleinen Carlo samt Unterschriften gesehen habe. L. Zionistische Konferenz. In einer in Köln stattgefundenen, stark besuchten Versammlung der Zionistischen Vereinigung waren fast sämtliche Mitglieder des engeren Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation anwesend. Hervorgehoben zu werden verdient die Bemerkung eines Redners, daß der Nationalfond bereits über eine Million Mark betrage. Bedauernswert sei aber, daß die reichen Juden sich der zionistischen Bewegung f e r n h i e l t e n, welche die friedliche Eroberung Palästinas für das jüdische Volk erstrebe. Professor W a r b u r g-Berlin bezeichnete in seinem Referate den Juden als vorzüglichen Kolonisten. Greenber g-London sprach über jüdische Politik und Jngeneur U s s i s ch k l n-Jekaterinoslaw über die Duma r:u> die russischen Juden.

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