Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021678--15431-3040197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
iTssaafi&s&i <LI5 .^MMESHStSCa B. 21 Nr. 21 Dr. Llocv s MocvenscbrLN. Serie 339 Kaiserlicher Rat Moritz Hirsch. Ein ungewöhnlich großer Trauerzug bewegte sich am 18. d., vormittags vom Arkadenviertel über die Lastenstraße zum Zentralfriedhof. In zahllosen Wagen folgten Trauernde aus allen Wiener Gesellschaftskreisen dem Sarge des verdienten Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde kaiserlichen Rates Moritz Hirsch. Vertreter der Kultusgemeinde, hohe Beamte, Persönlichkeiten der haute finance, industrieller und kommerzieller Kreise, Delegierte humanitärer Institute sowie viele persönliche Freunde des Verstorbenen, seiner Kinder und der Familien seiner Schwiegersöhne Arnold Rosenthal, Dr. JeröMe Stern und Robert P e r u tz gaben dem trefflichen Manne das letzte Geleite. Die israelitische Kultusgemeinde war vertreten durch den Präsidenten Dr. Alfred Stern, Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und fast alle Mitglieder des Vorstandes; die Mitglieder des Bethausvorstandes Dr. Herman L ö w i, Albert Winterberg, Karl L e m b e r g e r, Ad. S ch r a m e k, der Präsident der Chewra-Kadischa Herr Salo Cohn mit dem Vize-Präsidenten Dr. Markus Spitzer und den Vorstehern S. Heit, I. K a n n, S. Steiner, und die beiden Sekretäre kaiserl. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler waren erschienen. In der großen Menge der Trauergäste waren ferner zu sehen: Seltionschef Dr. Stadler von Wolfersgrün, Generalkonsul T s ch i n k e l, Generalkonsul kais. Rat v. Wiesenb u r g. der deutsche Konsul Dr. v. V i v e n o t, David Ritter v. G u t t m an n, der Generalsekretär der Oesterreichisch-ungarischen Bank Hofrat v. Pranger, Hosrat Professor Dr. Ose r, die Regierungsräte Dr. Schlag und Ritter v. Sonndorfe r, der Präsident der Handels- und Gewerbekammer Reichsratsabgeordneter Julius Ritter v. Kink mit dem Sekretär Doktor P i st o r, der Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft P o l l a k v. P a r n e g g, die Generalräte Friedrich S u e ß und Klein, Truchseß Oskar v. H o e f f t, die Prokuristen des Bankhauses S. M. v. Rothschild Kommerzialrat S t i e d r y und Emil Horner, Prokurist der Firma Gebrüder Gutmann Heinrich Wiedmann, die Bankdirektoren K r a ß n i, Krauß, Rotte r, v. Taussig und Otto Wiedmann. Direktor Fischer v. Rößler st amm der Nesselsdorfer Wagenbaufabriksgesellschaft, deren Vizepräsident der Verstorbene war, die Industriellen Eisler v. Terramare, kaiserlicher Rat N e u b e r g. kaiserlicher Rat W. Anninger, kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k, kaiserlicher Rat Paul Lemberger, kaiserlicher Rat Alexander v. Engel, kaiserlicher Rat Naumann S ch e f f t e l und Moritz Edler v. K u f f n e r, die Kommerzialräte Hacker und Kantor, Professor Engländer, Oberstabsarzt Professor Dr. P i ck, Professor Dr. Josef P o l l a k, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Hermann F i a l l a, Dr. Edmund Koh n, Dr. Albert Kuh, Gemeinderat Dr. Mittler, Bezirksrat Max H i l l e r, Professor Joseph S u l z e r, die Rabbiner Dr. S ch m i e d l, Dr. Grunwald, Dr. David, Dr. Feuchtwang und Dr. Bach, die Oberkantoren Bela Guttm a n n, B a u e r, I. Kantor F u ch s, die Obmänner der Tempelvereine G. Bettelheim, H. Beck, C. Seligmann, H. E l t b o g e n u. s. w., die Präsidentin des „Frauenhort" Frau Rosa Z i f f e r e r, die Vizepräsidentin des Kaiser Franz Josef-Ferienheims Frau Q u i t t n e r mit der Vorstandsdame Frau Dr. F r i e d m a n n, die Präsidentin des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des XII. bis XV. Bezirkes Frau Regine L a n d e i s, die Präsidentin des Frauen-Wohltätigkeitsvereines in Floridsdorf Frau Henriette G r ü n w a l d, der Sekretär des Exportvereines Dr. Wilhelm, Abordnungen der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft, der Oesterreichischen Länderbank, der Oelindustriegesellschaft und andere. Um 10 Uhr trug Oberkantor Singer, begleitet von den ersten Kantoren Schiller und Jurberger sowie dem Chorpersonal, die Trauergesänge vor, worauf der Sarg gehoben und in den Wagen gebracht wurde. Der Kondukt setzte sich nach dem Zentralfriedhofe in Bewegung. In der Zeremonienhalle wurden die üblichen Sterbegebete durch Oberkantor Singer rezitiert, worauf Oberrabbiner Dr. Gübemann dem Verblichenen folgenden Nachruf hielt: „Er geht nach einem Leben voll rüstiger, unverdroffener Arbeit und gewissenhaftester Pflichterfüllung zur Ruhe, und es wird sich die Verheißung an ihm erfüllen: „Ihr werdet schlafen und nichts wird euch schrecken". Wenn einer so gelebt hat, wie der Dahingeschiedene, dann braucht er den Tod nicht zu fürchten. Wer die Familie kennt, die in ihm ihr Haupt, ihren Stolz verliert, wird ihren Schmerz begreifen, denn er war der beste Vater, und wie er mit seiner Gattin in der glücklichsten Ehe lebte, so bewirkte seine väterliche Liebe, daß alle seine Kinder in innigster Harmonie sich um ihn scharten und verehrungsvoll zu ihm aufblickten. Es ist aber nicht bloß die Pietät hervorzuheben, die ihm seine Kinder entgegenbrachten, er hatte es auch verstanden, den frommen Sinn, der ihn selbst auszeichnete, auf seine Kinder zu übertragen. Wenn er an heiliger Stätte erschien, da war er umgeben von seinen Söhnen und Töchtern. Gereichte diese Einmütigkeit dem Vater zur Freude, so gereicht sie jetzt den Kindern zum Tröste. Aber mit der engeren Familie beklagt seinen Hingang auch die größere Familie unserer Gemeinde. Es ist nicht bloß ein Bild, wenn ich von der Gemeinde als von seiner größeren Familie rede. Denn er hat auch an ihr väterlich, mit väterlicher Teilnahme und Gewissenhaftigkeit gehandelt. Als er sich von seinen Geschäften zurüchog, da widmete er sich mit viel größerem Eifer, als er diesen je zugewendet hatte, den Angelegenheiten der Gemeinde. Buchstäblich war er früh und spät in ihrem Dienste tätig, und obgleich er mit der Genauigkeit des umsichtigen Haushalters sein Amt verwaltete, so war er doch immer bestrebt, berechtigten Wünschen zu entsprechen, denn neben der strengen Rechtschaffenheit bildete die Herzensgüte den Grundzug seines Wesens. Dies erklärt, daß so manche angesehenen kaufmännischen Körperschaften seine Mitwirkung begehrten und ihn durch ihr Vertrauen auszeichneten. Wenn man dieses so vielfach verzweigte und gemeinnützige Leben überblickt, dann hat es etwas Tröstliches, daß es nicht langsam hinwelkte, sondern in seiner vollen Entfaltung endete. Wie ein mit reichen Früchten beladener Baum so stand er in unserer Mitte, so hat ihn der Tod gefällt und so wird er in unserer Erinnerung fortleben. Er ziehe hin in Frieden"! * * Präsident Dr. Alfred Stern an der Bahre des Vizepräsidenten kaiserl. Rates Moritz Hirsch. Für das Präsidium, für den Vorstand unserer Kultusgemeinde ergreife ich hier an dieser Bahre das Wort, um Dir, dem hochverehrten, dem innigstgeliebten Freunde und Kollegen, ein Lebewohl, ein letztes Abschiedswort zu sagen. Soll ich Dir sagen, wie tief schmerzlich ich, der weit ältere Arbeitsgenoffe, wie wir alle, alle ergriffen waren, als plötzlich, unerwartet, uns die Kunde traf, unser lieber, lieber Freund, Vizepräsident Hirsch, er, der noch vor wenigen Stunden in unserer Mitte das Wort führte, dem wir alle aufmerksam lauschten, sei uns entriffen. Nicht Worte, nicht der ganze Sprachschatz, über den ich verfüge, vermag unserem tiefen, tiefen Schmerze Ausdruck zu geben. Arbeitsfreudigkeit — so bezeichnte mein ehrwürdiger Vorredner den Kern Deines Wesens. In Deiner Arbeitsfteudigkeit ein unerreichtes Muster von freudiger Pflichterfüllung warst Du uns. Das schwierigste, dornenvollste Arbeitsgebiet in unserer Gemeindeverwaltung hattest Du Dir erwählt und mit welcher Treue, Gewissenhaftigkeit, mit welchem Fleiße, mit welcher unermüdlichen Sorgfalt hast Du es gepflegt, wie keiner vor Dir und wie vielleicht keiner nach Dir! Es war ein Tätigkeitsdrang, welcher Dein Wesen erfüllte. Wenn nach der Erledigung so vieler Berufsgeschäfte, welche Dir oblagen, Du in unserem Hause erschienest, da war es, als ob Du sprechen würdest, jetzt habe ich mein geschäftliches Tagewerk erledigt, jetzt arbeite ich fürs Herz, jetzt arbeite ich für meine Familie, für die erweiterte Familie Deiner, unserer Glaubensbrüderschaft, unserer Kultusgemeinde. So hast Du zehn Jahre lang in unserer Mitte, zuletzt an meiner Seite als Vizepräsident unserer Gemeinde unermüdlich gearbeitet und viel, sehr viel des Guten ist es, was Du gestiftet und erarbeitet hast, so vor allem die Herstellung der Ordnung in