Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 336 Dr. Llocv s Mocbens -rrM. Nr. 21 Die Kultussteuer hat im Jahre 1905 nur eine unbedeutende Erhöhung und zwar um rund K 6000.— erfahren. Die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung erhöhten sich um rund K 30.000.—, hauptsächlich hervorgerufen durch Gehaltserhöhungen, durch Personalvermehrung, endlich und zwar mit einem Betrage von X 14.393.— durch die Umgestaltung und Neueinrichtung von Lokalitäten im Hause Seitenstettengaste 2 für Bureauzwecke. Im Kapitel „Diverse Einnahmen und Ausgaben" dessen Gesamtausgaben X 31.725.— betragen, sind K 15.000.— als Beitrag an die Israelitische Allianz anläßlich der rustischen Judenverfolgungen enthalten. Kultusvorsteher kaiserlicher Rat K a u d c r s urgiert neuerdings die Herstellung einer Präparation samt hebräischen Vokabulariums für die jüdischen Mittelschüler. Kultusvertreter Dr. Maximilian Steiner bedauert, daß das Verhältnis zwischen den Relegionslehrern an den Mittelschulen und dem Kultusvorstande ein sehr ungeklärtes und sehr unerfreuliches ist. Die Herren betrachten sich als Unterrichtsorgane des Ministeriums und sind für die Einflußnahme des Vorstandes nahezu unzugänglich. Nach jahrelangen Differenzen hat der Vorstand mit vielen materiellen Opfern eine Art Friedenszustand herbeigeführt und gemeinsame Konferenzen der Mittelschullehrer erreicht, im großen und ganzen tun die Herren, was sie wollen. Die Herstellung einer hebräischen Präparation haben die Mittelschullehrer in die Hand genommen und die Angelegenheit lange genug verschleppt. Jetzt erst hat man uns Proben vorgelegt, die völlig unbrauchbar sind. Hätte der Vorstand nicht die Courtoifie geübt, die Arbeit den Mittelschullehrern anzuvertrauen, sondern die Aufgabe selber in die Hand genommen, so wäre das Werk bereits fertig, welches für den Unterricht von grundlegender Bedeutung ist. Vizepräsident k. k. Landesschulrat Dr. Gustav K o h n nimmt gegenüber den, Rekriminationen des Vorredners die Mittelschullehrer in Schutz. In deren Wirksamkeit sei unleugbar eine Besserung eingetreten, wenn auch nicht alles noch in bester Ordnung ist. Im Jahre 1905 wurden der Angelegenheit fünf Konferenzen gewidmet und der Beschluß gefaßt, ein solches Buch Herstellen zu lassen. Die einzelnen Partien wurden an verschiedene Herren verteilt. Wenn eine Verzögerung eingetreten ist, so lag das an verschiedenen Verhältnissen. Die Schulkommission hat wegen Errichtung einer Lehrerpräparandie viele Sitzungen abgehalten, Enqueten veranstaltet, so daß zu hoffen ist, daß der Vorstand in einer Plenarsitzung des kommenden Monates die Errichtung eines solchen Institutes beraten und beschließen wird. Nach Erledigung dieser Angelegenheit wird auch die Fertigstellung einer hebräischen Präparation zu Ende geführt werden, Kultusvorsteher Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer verweist auf die große Bewegung, die sich zahlreicher Kreise der Gemeinde bemächtigt, um eine vollständige Aenderung des Religionsunterrichtslehrplanes herbeizuführen. Es werden mannigfache Schäden und Unzuträglichkeiten gerügt, denen Abhilfe zu bringen eine schwierige Aufgabe ist. Unser Lehrermaterial ist zweifellos ein sehr gutes, allein der wöchentliche Unterricht von zwei Stunden reicht für alle Lehrfächer kaum aus. Das Gros der Kinder an den Gymnasien, soweit sie nicht Privatunterricht haben, entbehrt der Grundlagen des hebräischen Unterrichtes. Dafür ist vor Allem zu sorgen, sowie für eine zusammenhängende Kenntnis der Geschichte. In diesem Rahmen findet sich genügend viel jüdische Ethik, die nicht noch zu einem besonderen Unterrichtsgegcnstand gemacht werden solle, um die Schüler nicht allzusehr zu belasten. Kultusvorsteher Wilhelm K u f f n e r findet beim Vorredner eine Verkennung der Tagesordnung, welche nur Bemerkungen über den Rechnungsabschluß zuläßt, das heißt, inwieweit das aufgewendete Geld mit dem genehmigten Budget übereinstimmt. Er bittet den Präsidenten, darauf zu achten, damit 'ich nicht zwei Budgetdebatten ergeben. Präsident Dr. Stern ist dem gegenüber der Ansicht, daß man dem Worte freien Lauf lasten solle. Man könne sich nicht auf eine bloße Kontrolle der Ziffern beschränken, sondern solle bei jeder Gelegenheit Anregungen und die eigene Prinzipienrichtung zum Ausdruck bringen. Kultusvorsteher kaiserl. Rat Max K a u d e r s urgiert nochmals dringend das Vokabularium, ohne welches ein zielbewußter Unterricht des Hebräischen wie auch einer anderen Sprache nicht möglich sei. Man solle es in den Mittelschulen so rasch als möglich einführen. Kultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner ist zwar für eine freie Meinungsäußerung, findet es aber nicht für angebracht, daß man Vorwürfe gegen den Vorstand in der Plenarsitzung vorbringt, wenn man Gelegenheit hat, in der einschlägigen Kommission konkrete Vorschläge zu machen. Der Vorstand möge übrigens der Agitation in der Gemeinde in Sachen des Religionsunterrichtes volle Aufmerksamkeit zuwenden. Kultusvorsteher S. Landau findet im Unterricht zu wenig Sorgfalt für die literarischen und historischen Kenntnisse der Schüler. Er wünscht die Einsetzung einer Kommission zur Verbesserung der Lehrmethode. Zum Kapitel Spital bemerkt Kultusvorsteher kaiserl. Rat Kaud ers, er hätte von mehreren Seiten gehört, daß die Medikamente für das Spital zu teuer bezogen würden und daß man auch viel zu teure Medikamente verschreibe. Kultusvorsteher Wilhelm Kuffner sagt, die Medikamente seien nach freier Konkurrenz der Apotheken bezogen worden, und zwar die billigsten. Hofrat Prof. Oser führe die Kontrolle darüber, sowie über die Rezeptierung. Man solle doch nicht vagen Gerüchten Glauben schenken, sondern mit Ziffernmaterial kommen, das geprüft werden könne. Kultusvorsteher Dr. Breuer wendet sich gegen den Vorwurf, daß zu teure Medikamente verschrieben werden. Der Läre könne das unmöglich beurteilen. Man werde doch nicht im Ernste glauben, daß nicht auf das Gewissenhafteste, jedoch human gewirtschaftet werde. ^-Beim Kapitel Kultussteuer macht Präsident Dr. Stern Mitteilung von einer Verhandlung in Steuersachen, die vor acht Tagen vor dem Verwaltungsgerichtshof stattfand und geradezu schon typisch geworden ist. Ein Herr, wecher an dem Orte seines Fabriksbetriebes mit einer geringen Kultussteuer belastet worden war, hatte sich dann geweigert, an seinem Wohnorte Wien Kultussteuer zu zahlen. Herr Dr. Gustav K o h n vertrat die Sache der Kultusgemeinde vor dem Verwaltungsgerichtshof ausgezeichnet (Bravo!) und der Fabrikant wurde abgewiesen. Der Präsident bringt diesen Fall in öffentlicher Sitzung vor, weil die gleiche Einwendung in Steuersachen schon öfter erhoben wurde, immer mit dem gleichen Erfolge. Beim Kapitel Versorgungshaus beantragt der Präsident ein Dankesvotum für die Damen, welche die Leitung und Gebahrung des Institutes in musterhafter Weise führen. (Beifall.) Erfolgreich und verdienstvoll sei auch die Wirksamkeit des Kultusvorstehers Salo Cohn. (Beifall.) Kultusvorsteher Salo Cohn bemerkt, daß das Hauptverdienst und der Dank dem Referenten des Departements Oberfinanzrat Dr. Rappaport gebühre. (Beifall.) In der nach Beendigung der öffentlichen Sitzung folgenden vertraulichen Sitzung wurde über die Verwendung des Rudolf Auspitz-Legates per K 200.000 für Wohltätigkeitszwecke Beschluß gefaßt. Nach mehrstündiger Debatte wurden mit einigen Abänderungen die Anträge des Vertreterkollegiums angenommen, wonach ein Betrag von K 90.000 als Fond für die Erweiterung der israelitischen Versorgungsanstalt zurückgelegt, der verbleibende Betrag von K 110.000 an verschiedene Wohltätigkeitsvcreine und Institutionen in Einzelbeträgen von X 100 bis K 10.000 aufgeteilt wird. Schluß der Sitzung 722 U h r nach m.