Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Seite 337 und der Totschläger wurde nicht friedlos (Vestgotalog). Eingewanderte Fremde wurden, wenn sich ihr Aufenthalt über Jahr und Tag ausdehnte, ohne weiteres Unfreie, und nur das Salische Gesetz machte hiervon eine Ausnahme. Eine wirklich „geheiligte" Gastfreundschaft war nur den durchreisenden Fremden gewährt, es war aber Sitte, diese Gastfreundschaft nicht «her drei Tage auszndehnen. Soweit die Phrase von dem alten heiligen Gastrecht für eingewanderte Fremde." Wer noch immer von Superiorität der germanischen Rasse überzeugt ist, dem ist nicht zu helfen. Lima«, der Mitarbeiter „der Wiener Deutschnationalen Blätter", ein Judenstämmling. In einer Polemik mit dem Redakteur der „Leipziger Neuesten Nachrichten", L i m a n, der jüdischer Abstammung ist, schreibt das Leipziger sozialdemokratische Blatt: „Liman mit der Porzellanehre mimt jetzt den melancholischen Rabbiner. Der Wahlausfall in Darmstadt hat es ihm angetan, und so hängt er denn, wie es einst seine trauernden Vorfahren taten, seine Harfe an die Weiden und setzt sich an die Wasserflüsse Babylons und weint." „Geschmackvoller" hätte sich auch das Ahlwardt-Organ nicht ausdrücken können. Aber das scheint hauptsächlich den getauften Juden verhöhnen zu sollen. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom 20. Mai 1000 unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit, widmet dem verewigten II. Vizepräsidenten kais. Rat Moritz Hirsch warme Worte des Gedenkens, zeichnet sein segensreiches Wirken im Vorstands-Kollegium, insbesondere als Finanzreferent und als Mitglied des Präsidiums und beantragt, daß die Trauerkundgebung dem Protokolle der Sitzung einverleibt werde. Die Versammlung, welche die Kundgebung stehend anhörte, genehmigte den Antrag in einmütiger Zustimmung. Im Einlaufe befinden sich: Eine Spende der Familie des sel. Vizepräsidenten kais. Rat Moriz Hirsch zur Verteilung an arme Israeliten am Begräbnistage des Genannten 1000 Kronen. Die Mitteilung, daß der Sekretär des verewigten Herrn Rudolf Auspitz, Herr Josef Kohn, aus dem ihm vermachten Nachlasse das vollständige stenographische Protokoll des österreichischen Reichsrates und der österreichischen Delegationen feit 1861, ferner die statistische Monatsschrift und die Mitteilungen des Finanzministeriums und das komplette Reichsgesetzblatt seit 1848 der Kultusgemeinde geschenkweise überlassen habe. Den Spendern wird der Dank votiert. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist Beratung und Beschlußfassung über den Rechnungsabschluß. Der Präsident erwähnt, daß der Rechnungsabschluß statutengemäß nach vorhergegangener Bekanntmachung 14 Tage in der Kanzlei zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegen ist. Der Präsident erwähnt auch, daß ein Gemeindemitglied, Herr Moritz Baum, von dem Rechte, eine Erinnerung an den Vorstand zu richten, Gebrauch gemacht hat. Obgleich diese „Erinnerungen" mehr das Budget als den Rechnungsabschluß betreffen, werde dennoch das Vertreter- Kollegium die wertvollen Anregungen des Herrn Baum in Beratung ziehen. Das Referat erstattet sodann kaiserl. Rat Dr. Lieben: Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1905 schließt mit einem Fehlbeträge von X 78.021 59. Es stehen nämlich nach Ausscheidung der Kapitel „Zentralfriedhof" und „Beerdigungswesen" und der Kapitel „Unterstützungen" und „Subventionen" den Einnahmen von X 1,748.953 80 Ausgaben von X 1,826.975 39 gegenüber. Die Details zum Rechnungsabschlüsse weisen im Großen und Ganzen gegenüber dem Vorjahre nur geringe Aenderungen aus. Einzelne besondere Posten seien im Nachfolgenden hervorgehoben: Das Bethaus Innere Stadt erforderte im abgelaufenen Jahre um X 6000.— mehr als im Jahre 1904. Die Einnahmen erfuhren insbesondere aus „Trauungstaxen" und für „Betfitze" eine Erhöhung von rund X 4900'—. Die Herabminderung der Ausgaben für den Tempel Hubergasse um rund X 7000'— ist nur eine scheinbare, weil natürlich unter den Ausgaben des Jahres 1904 X 6000.— für größere Renovierungen enthalten waren, die 1905 selbstverständlich nicht mehr erscheinen; weiters gelangte die Stelle eines I. Kantors in diesem Tempel erst im Laufe des Jahres 1905 zur Wiederbesetzung. wodurch sich die Herabminderung der Post „Gehalte" erklärt. Die Einnahmen des Bethauses Schopenhauerstraße weifen eine Zunahme der Trauungstaxen um rund X 1000— aus. Die „Subventionen für Vereinsbethäuser" haben sich gegenüber dem Vorjahre um rund X 5000.— erhöht. Die Ausgaben für „K o f ch e r f l e i s ch" find wieder um mehr als K 5000.— in den ordentlichen Ausgaben gestiegen. Auch die außerordentlichen Ausgaben erfuhren im Berichtsjahre eine nicht unwesentliche Erhöhung infolge der Kosten, welche die Abwehraktionen gegen die neuerlich aufgetauchten Angriffe gegen das Schächten erforderten. Die im Jahre 1905 für größere Renovierungen der Mikwah eingestellte Reserve per X 12.000.— wurde nicht in Anspruch genommen. Die Auslagen für den Religionsunterricht sind von X 158.225'— im Jahre 1904, auf X 167.379.— im Berichtsjahre gestiegen. Der vom Bezirksschulfond geleistete Beitrag ist mit X 36.508'— fast gleich geblieben. Der Ueberschuß des Kapitels „Beerdigungswesen" im Gesamtbeträge von X 112.885. — wird wie alljährlich dazu verwendet, um die Auslagen für Unterstützungen im Betrage von X 66.125.— und für S.ubventionen an Wohltätigkeitsvereine im Betrage von X 46.760.— zu decken. Aus dem Ueberschusse des Kapitels „Z e n t r a l f ri e dh o f" wurden X 41.951.— dem Friedhoferwerbungsfond X 73.328.—, dem Penfionsfond zur Tilgung des auf dem Hause, I., Seitenstettengasse 2, lastenden Darlehens in gleicher Höhe zugewiesen. Die gärtnerische Ausgestaltung des Währinger Friedhofes wurde im Berichtsjahre fortgesetzt und vollendet. Die Ausgaben für das Spital stiegen von X 284.915 auf K 363.508, das ist um rund X 78.593.—. Dagegen erfuhren die Einnahmen eine Erhöhung von X 88.137 auf X 157.315, hauptsächlich durch die Erträgnisse der Nathaniel Freiherr von Rothschild'schen Widmung per X 2,000.000. Die Erhöhung der Ausgaben erklärt fich durch die Vermehrung des Belagraumes, durch die Verteuerung der Lebensmittel, durch verschiedene mit der Erhöhung des Belages im Zusammenhang stehende größere Neuanschaffungen rc. Der Zuschuß, den die Gemeinde zu denKosten des Spitales leistete, betrug X 206.192.—, um rund X 13.000.— mehr als im Vorjahre. Die ordentlichen Ausgaben derBersorgungsanstalt sind von X 136.481.— auf X 146.653.— um rund X 10.000.— gestiegen, während die Einnahmen mit X 64.617.— fast konstant geblieben find. Verursacht wurden die erhöhten Ausgaben hauptsächlich durch Mehrausgaben an Gehalten und Löhnen, infolge Anstellung eines Primararztes und einer Oberschwester, durch erhöhte Ausgaben für die Gebäudeerhaltung, endlich durch die Steigung der Lebensmittelpreise. Die Ausgaben für Unterstützungen haben fich von X 161.867.— im Jahre 1904 auf X 188.311.— im Jahre 1905 vermehrt. Die Deckung dieser Ausgabe erfolgt, wie bereits erwähnt, durch den Ueberschuß aus dem Kapitel „Beerdigungswesen", ebenso wie die Ausgaben für Subventionen an Wohltätigkeitsvereine im Betrage von X 46.760.—.