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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-25 · 21 (25.5.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
21 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 336 Dr. Dlocb's MocvenscvrlN. Nr. 21 Diese Gefahr steht zugleich mit der schönsten Hoffnung vor den Toren des Ansiedlungsrayons. Sie kann leichter gebannt werden als bei uns, weil das abschreckende Beispiel da ist, weil eine große Masse Juden beisammen wohnt und weil so viele grundverschiedene Stämme Rußlands eine Assimilation erschweren und überflüssig machen. Die Duma hat es ausgesprochen, daß die Gleichberechtigung auf Grund einer Einigung aller Volksstämme angestrebt werden soll. Das ist den russischen Juden Aufforderung und Ermunterung. Sie können unter Anführung ihrer zwanzig Abgeordneten, ihrer Gelehrten und Behörden durch kluge Maßnahmen die ersten Juden sein, welche eine wirklich wünschenswerte Emanzipation erleben, welche äußere Freiheit ohne Verlust des geistigen Lebens und des Stolzes für die Dauer erreichen können. Es wäre auf diese Weise eine Revolution der Weltgeschichte, wenn die Revolution die unglücklichsten Juden der Welt zu den wahrhaft glücklichsten machen sollte. —y. Vom ZaKrmarKt des Lebens. Christof Columbus und die Juden. Zu seinem vierhundertjährigen Todestag. 21. Mai 1506. Vielleicht nur Wenigen dürste die Tatsache bekannt sein, daß die erste Entdeckungsreise Columbus auch mehrere Juden mitgemacht haben. Die Namen dieser Wackeren hat uns die Geschichte leider nicht überliefert, wohl aber ist das Bild ihrer Tätigkeit bei der Forschungsreise auf ewige Zeit aufbewahrt worden. Und zwar war es der geniale Christof Columbns selbst, der seinen israelitischen Mitkämpfern in seinen Berichten und Memoiren ein unsterbliches Denkmal setzte. Auf Grund dieser schriftlichen Mitteilungen wollen wir im kurzen die Teilnahme der Juden an des Genuesers ruhmvoller Tat skizzieren. Gleich nachdem Columbus mit König Ferdinand am 17. April 1492 den Vertrag bezüglich des Eigentums der zu erobernden Schätze geschlossen hatte, ging er an die Ausrüstung der Expedition, wobei er von den reichen Seefahrern von Palos, von den drei Brüdern Pinzon mit Geld und Ratschlägen unterstützt wurde. Bei den Vorbereitungen zur Reise ging jedoch Columbus viel weiter, als es die Geldgeber und die spanischen Behörden ahnen konnten. Er legte sich die Frage vor: Wie werde ich mich mit den Eingeborenen „im Lande der Gewürze" verständigen? Welcher Sprache bedienen sich dieselben und was find die Gegenstände ihres Handels? Insgeheim nun setzte sich Christof Columbus mit mehreren Juden in Verbindung. Nach längeren Unterhandlungen gelang es ihm, eine Anzahl (spanischer?) Juden für sich zu gewinnen und vier oder fünf derselben entschlossen sich, die gefahrvolle Reise mitzumachen. Am 3. August 1492, um 8 Uhr morgens, verließen die drei Karawellen „Gallega" (später „Santa Maria"), „Nina" und „Pinta" die Hafenstadt Huelva und fuhren hinaus in die weite See — der unbekannten Welt zu. Die Juden befanden sich unter dem persönlichen Commando des Genuesers. Von welcher Bedeutung dieser Umstand für die Juden war, hat sich erst später gezeigt. Denn, wie mehrere zeitgenössische Schriftsteller, darunter der Teilnehmer an der zweiten Amerikareise, Pierre Martyr, berichten, wollten die unzufriedenen Matrosen den am Bord der „Gallega" befindlichen Juden die Schuld beigemessen haben, daß die Unternehmung so lange nicht glücken wollte. Zu wiederholtenmalen sollten Verschwörungen gegen die kleine Gruppe Juden angestellt worden sein, allein Columbus wußte seine Schützlinge stets vor Angriffen zu bewahren und gab der Bemannung zu verstehen, daß gerade die Anwesenheit der Juden allen Glück bringen werde. Endlich, nach langen Leiden war Columbus heißester Wunsch erfüllt. Die Tat war vollbracht, die Insel San Salvador, als Vorläufer des großen Kontinents, war entdeckt. Wir übergehen einen Zeitraum von drei Wochen. Während der Zeit hatten sich offenbar die aufgebrachten Matrosen mit den Juden ausgesöhnt, denn kein Geschichtsschreiber — und auch Columbus in seinen Berichten nicht — tat in dieser Zeit der Juden Erwähnung. Am 2. November wurde ein Jude mit einer speziellen Mission betraut. Man hatte an einem Hafen der Insel Kuba Anker geworfen. Columbus glaubte, sich auf dem Festlande und nur wenige Meilen von Hang-Ascheu zu befinden. Diese Idee war in seinem Geiste und in dem seiner Offiziere derartig festgewurzelt, daß er sich damit beschäftigte, dem Groß- Khan von China Geschenke zu übersenden. Am genannten Tage beauftragte er einen Edelmann, der mit an Bord war, und einen Juden, der hebräisch, chaldeisch und arabisch sprach, sich zu dem Monarchen des Landes zu begeben. Die Gesandten, denen zur Reise 6 Tage bewilligt worden, nahmen zur Erfüllung ihrer Mission Perlenhalsbänder mit und begaben sich nun in das Innere des angeblichen Festlandes. Nach viertägiger Abwesenheit, am 6. November, kehrten die beiden Abgesandten des Admirals in den Hafen zurück. Den Bericht über die kleine Expedition erstattete, wie Columbus erzählt, der Jude. Nach zweitägigem Marsche hatten die zwei Forscher ein aus 50 Hütten bestehendes Dorf erreicht, wo sie von den Eingeborenen für Götter gehalten wurden, die vom Himmel gestiegen waren. Columbus äußerte sich, trotzdem kein König gefunden wurde, über den Erfolg sehr befriedigt und konstatiert in seinem Berichte. daß er später auch die übrigen Juden zu Forschungsreisen benützte und daß die „Juden immer viel sahen und viel fanden". Als Columbus nach siebeneinhalbmonatlicher Seefahrt am 15. März wieder im Hafen von Palos gelandet war und sich hierauf nach Barcelona an den damals dort weilenden Hof begab, wurde ihm ein großartiger Empfang bereitet. Vor deip Königspaare und den Granden Spaniens erstattete er im Palaste der Deputation den Bericht über seine wunderbare Reise. In demselben hatte er nicht vergessen, die Dienste, die ihm die Juden durch genaue Erforschung . der entdeckten Länder und durch ihre praktischen Ratschläge leisteten, gebührend zu erwähnen. Den Juden wurde auch ein Teil der mitgebrachten Schätze bewilligt. Es wurden denselben noch andere Ehren zuteil, allein ihre Namen durften bei Hof nicht genannt werden. Was weiter mit den Genossen des großen Seefahrers geschah, ist leider in den damaligen Annalen nicht verzeichnet. Eines aber steht fest für alle Zeiten: die Juden haben bei der Entdeckung Amerikas mitgewirkt und wurden ihrem steten Schicksale gemäß nur in geringem Maße dafür belohnt. Jüdische Abgeordnete in Ungarn. Gegenüber der von uns publizierten Liste der jüdischen Abgeordneten im neugewählten ungarischen Parlament, sendet uns Herr Kunstädter aus Temesvar folgende Richtigstellung: „Es befinden sich unter den neugewählten jüdischen Abgeordneten: Sündor Päl (parteilos), Mesöfi Vilmos (Sozialist), Markbreit Gyula (Verfassungspartei). 16 Kossuthpartei: Dr. Kardos Samu, Dr. Bakonyi Samu, Dr. Bartha Ödön, Farkashäzy Zsigmond, Dr. Fried Lajos, Dr. Hajdu Frigyes, Hintenstein Lajos, Kelemen Samu, Lünyi Moritz, Molnür Jeno, Nagy Sändor, Dr. Rajk Aladür, Säg Mano. Somogyi Aladär, Szatmäri M6r, Szunyog Mihäly. 3 Demokraten: Dr.VäzsonyiVilmos, Lettner Adolf, Dr. Brodi Erno. Außerdem ist in Ungvär Visontal aufgetreten, dessen Wahl gesichert ist. Das „Gaftrecht bei deu alten Germanen. Die „Dresdener Gerichtszeitung" nimmt in einem Artikel „Die Massenausweisung russischer Flüchtlinge" die Maßregel der Preußischen Regierung gegen die russischen Juden in Schutz: „Es ist da als besonderes Argument von der Heiligkeit des Gastrechtes die Rede gewesen, ein Beweis, daß dieses Gastrecht denen, die sich darauf berufen, überhaupt nicht bekannt ist. Sie haben von einem mageren Fettäuglein auf die Bouillon geschlossen. Die rechtliche Lage des Fremden war im deutschen Altertum in Wirklichkeit eine außerordentlich ungünstige. Für den erschlagenen Fremden wurde nicht einmal das sonst übliche Wergeld gezahlt, die Verwandten des Erschlagenen konnten keine Genugtuung verlangen,

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