Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 327 Ko h n, die Vorsteher Salo Cohn, Hermann E l t b o g e n, Dr. Markus Spitzer, kais. Rat Jonas Weil, den ehemaligem Kultusvorsteher Isidor G e w i t s ch. die Vorsteher der Chewra-Kadischa S. H e i t, I. K a n n und S. Steiner, den Sekretär der israelitischen Kultusgemeinde kais. Rat Doktor Theodor Lieben und Sekretär Dr. Emil Adler, den Präsidenten des zionistischen Landeskomitees Dr. S ch a l i t, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. B r o d. Fanny Gintl-Fröhlich. Im Alter von 68 Jahren ist Mittwoch in ihrer Wohnung, Währingerstraße Nr. 26, Frau Regierungsrat Fanny Gintl- Fröhlich gestorben. Ihr Gatte war der im Jahre 1892 ver-. storbene Zentralinspektor der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn, Regierungsrat Doktor Heinrich Gintl, der tüchtigste Eisenbahnfachmann. Frau Fanny Gintl war seinerzeit eine berühmte Sängerin. Neun Jahre lang war sie in glänzenden Engagements an Hofbühnen tätig, als sie den Regierungsrat Dr. Gintl kennen lernte und ihre große Zukunft als Sängerin aufgab, um ihm die Hand zum ewigen Bunde zu reichen. Frau Fanny Gintl hat in vielen humanitären Vereinen, so namentlich im „Frauenhort", in leitender Stellung sehr verdienstlich gewirkt und auch sonst viel Elend gelindert. Theologischer Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt in Wien. Das Ergebnis der Ausschußwahlen für das Sommersemester 1905/6 war folgendes: M. Tauber, Präses; L. Freund, Vizepräses; G. Kohn, 1. Schriftführer; M. Halberstamm, 2. Schriftführer; H. Torczyner, 1. Kassier; G. Schapira, 2. Kassier; F. Stößler, N. F. Kommissär. Wien. Am IO. Mai ist in Paris Herr Alexander Ritter von Goldschmidt verschieden, ehemals Chef eines Pariser Bankhauses. Er starb im 71. Lebensjahre an schwerer langer Krankheit und hinterläßt einen Sohn Eduard, der in Paris und Brüssel das Bankhaus Goldschmidt u. Fürst führt, und eine Tochter, die an einen Gutsbesitzer Herrn Theodor Schmidt in Mont-Felix in Frankreich vermählt ist. Alexander von G o l d s ch m i d t war der Sohn des Herrn Moritz Ritter von Goldschmidt und der Bruder des Herrn Julius von G o l d s ch m i d t, die sich um die Wiener Kultusgemeinde hervorragende Verdienste erworben haben. Alexander von Goldschmidt genoß wegen seiner Herzensgüte und seiner opferwilligen humanen Gesinnung allgemeine Verehrung. St. Pölten. Sonntag den 6. Mai wurde der neue israelitische Friedhof feierlichst eingeweiht und seinen Zwecken übergeben. Zahlreiche Glaubensbrüder mit ihren Frauen gaben der Eröffnung feierliches Gepräge, ebenso die Spitzen der Behörden der Stadt St. Pölten, darunter Bürgermeister Edmund Hügel und mehrere Gemeinderäte. Es erschien auch der Gesamtausschuß der Kultusgemeinde und der Chewra-Kadischa. Im schönen Zeremonienhause hielt Kultusvorstand Herr Karl Frank eine tiefgefühlte Ansprache und übergab den Friedhof zur Benützung der Chewra-Kadischa. Vorstand der „Chewra-Kadischa" Herr Siegfried Schwarz übernahm denselben in feierlicher Weise und hob ganz besonders in seiner Ansprache die Zwecke der Chewra-Kadischa hervor. Herr Rabbiner Dr. Schächter, ein ausgezeichneter Sprecher, hielt nun eine formvollendete Rede und nahm die Zeremonie der Weihe vor. J. W. Falkenau a. d. E. Am 24. v. M. feierte das ehrbare Leop. M o h r'sche Ehepaar das Fest der silbernen Hochzeit, welchen Anlaß die Gemeinde benützte, ihrem treu bewährten Vorsteher in Würdigung seines ersprießlichen Schaffens eine wohlverdiente Ehrung zu bereiten. Im Hause des Jubelpaares erschien eine Deputation, welche durch Herrn Rabbiner Doktor Feuerstein, die Festgrüße der Gemeinde übermittelnd, in wirksamer Ansprache der Verdienste des Jubilars um die Gemeinde ehrend gedenkend, eine künstlerisch ausgeführte Glückwunschadreffe überreichte. In bewegten Worten dankte der Gefeierte für die ihm erwiesene Ehrung und gelobte, mit unverminderter Schaffensfreudigkeit auf dem Posten zu verharren, auf welchen ihn das Vertrauen der Gemeinde gestellt. Viele sinnige Anfmerksamkeiten, Blumenarrangements, Glückwunschtelegramme und Schreiben legten Zeugnis ab von der allgemeinen Beliebtheit, deffen sich das Jubelpaar erfreut. Möge es ihm vergönnt sein, st» ungetrübter Lebensfreude dereinst das goldene Ehejubiläum in unserer Mitte zu feiern. Jaroslau. Am 11. d. M. starb hier Rabbiner Samuel Waldberg im Alter von 75 Jahren. Er fungierte mehr als 30 Jahre in Jaroslau. Im Jahre 189O wurde ihm das Rabbinat in Prag angeboten, er hat es aber aus Altersrückfichten abgelehnt. Er gehörte zu den intelligentesten Rabbinern Galiziens und hat viele talmudistische Werke herausgegeben, die bekannt und geschätzt find. Der Verstorbene war ein Bruder des vor einigen Jahren hier verstorbenen Baron Moses Waldberg und der Schriftstellerin Julie Thenen. Sein ältester Sohn ist Professor in Chicago. Zwei seiner Töchter find nach Rußland an angesehene Industrielle verheiratet. Budapest. Bei den Parlamentswahlen find bisher folgende Juden siegreich gewesen: Dr. S. Bakonyi in Debreczin, Dr. O. B a r t a (Felvidek), Dr. S. Farkash ü z y (Elesd), Dr. S. K e l e m e n (Szatmar), Dr. A. L e i t n e r (Miskolcz), W. M e s ö f i (Szegvür), Dr. I. M o l n a r (Zzentes), Dr. A. R a j k (Baja), P. Szandor (Budapest). M. Szatmüri (Margitta), Dr. A. Somogyi (L. Szt.-Miklos), Dr. v. V a s z o n y i (Budapest); ferner Dr. E. B r o d y (Nagy-Szöllös), Dr. L. Fried (Munkacs), L, Hirten st ein (M. Kaszony), Dr. I. Markbreit (Vizakna) und Dr. S ä g h (Zsolna). Von diesen insgesammt siebzehn jüdischen Abgeordneten gehörten die erstgenannten zwölf bereits dem vorigen Parlament an, die übrigen fünf find neugewählt worden. Der Parteistellung nach gehören 11 der Unabhängigkeits- (Koffuth-), 1 der Verfaffungs-, 3 der demokratischen, 1 der sozialistischen Partei an, 1 ist parteilos. Dr. Soma V i s o n t a y, der in seinem bisherigen Wahlkreise (Gyöngyös) unterlegen ist, hat Aussicht, in Unghvar gewählt zu werden. Das vorige Parlament zählte 21 jüdische Abgeordnete. Braila. Am 6. und 7. d. M. fand in unserer Stadt der achte jüdische Lehrerkongreß unter Vorsitz des Herrn N. Rosenbaum statt. Nebst den Lehrern beteiligten sich auch Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Schulkomitees. Auch die Rabbiner Dr. Nacht, Beck, Niemirower waren zugegen. Von sehr großem Interesse für den hebräischen Unterricht war die vom Rabbiner Dr. Nacht in glänzender Meisterrede verteidigte und zur Annahme gelangte Methode der hebräischen Unterrichtssprache. Ungarisch-Ostra. Am 8. d. M. wurde hier eine der ältesten jüdischen Frauen Mährens, Frau Ernestine Garfunkl, zu Grabe getragen. Aus allen Teilen des Landes waren Angehörige und Freunde der Familie herbeigeeilt, um der Verblichenen, die noch im 97. Lebensjahre eine außerordentliche geistige Frische belaß, die letzte Ehre zu erweisen. Ein Trauerzug. wie ihn unser Städtchen noch selten gesehen, gilt als Beweis, welcher Beliebtheit sich die Verewigte erfreute. Drei Söhne, zahlreiche Enkel und Urenkel trauern an der Bahre. Rabbiner Dr. Friedmann hielt der frommen Frau einen tiefempfundenen Nachruf. Raudnitz a. d. Elbe. Unser hochverehrter Kultusvorsteher Herr Heinrich Mestitz hat seinen humanen Sinn neuerdings dadurch betätigt, daß er, anläßlich der Genesung seines Söhnchens den Kultusanstalten und den Wohltätigkeitsvereinen den Betrag von 1000 K widmete, wofür ihm hiemit der innigste Dank ausgedrückt sei. Möge cs dem Biedermanne gegönnt sein, zum Wohle unserer Kultusgemeinde durch viele Jahrzehnte in ungetrübtem Glücke seines Amtes zu walten! Ph. N. Groß-Meseritsch. Am Donnerstag den 3. Mai l. I. fand das Leichenbegängnis der Frau Rosa Schön, geb. Taussig, Schwiegermutter unseres langjährigen, verdienstvollen Kultusvorstehers Herrn I. G. Müller, statt. Die rege Beteiligung an der Trauerfeier gab beredtes Zeugnis von der Sympathie, Hochachtung und Wertschätzung, deren sich die teuere Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung zu erfreuen hatte. Die nach Absingen der Trauerpsalmen vom Oberkantor Steiner gehaltene Leichenrede gab ein getreues Bild von dem Leben und Streben der Dahingeschiedenen. Ein ehrendes Andenken bleibt ihr für alle Zeiten gesichert. 1. Lt. Berlin. Die Sammlungen der „Alliance Jsraklite Universelle" für die notleidenden marokkanischen Juden haben bis zum 10. d. M. 25.400 Francs ergeben. Hiervon find 6100 Franks von der Deutschen Konferenzgemeinfchaft der Alliance beigesteuert worden. Berlin. Am 18. d. M. feiert Profeffor Dr. S. M a y b a u m das 25jährige Amtsjubiläum als Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin.