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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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&jt. rim&w^ä^MMjm^X'sij^[- Nr. 20 Dr. Llocd's MocbenscbrLN. Seite 335 Genehmigung durch den Verwaltungsrai des Zentralverbandes unterliegen. Gegen den letzten Punkt wird geltend gemacht, daß die israelitischen Gemeinden für sich stets Freiheit in der Wahl ihrer Beamten erstrebt haben und diese mehr denn je fordern. Andererseits hält man es aber auch für gut, daß der Rabbiner nicht völlig abhängig ist von seiner Gemeinde. Im Allgemeinen stehen die französischen Juden dem Trennungsgesetze günstig gegenüber. Die großen Gemeinden, meint man, werden unter dem Wegfall des Staatszuschusses nicht leiden und die kleinen Gemeinden können sich mit einer größeren Gemeinde oder unter einander verbinden, und im Falle eigener unzureichender Mittel werden sie das Nötige aus der Zentralkasse erhalten. Was dann weiter, von dieser materiellen Frage abgesehen, die geistige Seite des neuen Zustandes betrifft, so hoffen viele Israeliten auf eine lebendigere Betätigung des französischen Judaismus. Andererseits würden unter der Herrschaft völliger Glaubensfreiheit . alle Farben des religiösen Regenbogens", wie sich ein französischer Rabbiner in der Halbmonatsschrift „L'Avant-Garde" ausdrückt, Gelegenheit und Macht haben, sich zu betätigen. Es hat sich denn auch bereits eine Gruppe von angesehenen Pariser Juden zusammen gefunden und die Grundzüge für einen liberalen Kultusverein entworfen. Dieser Verein wird seine eigene Organisation und seinen eigenen Rabbiner haben. Er wird einen Gottesdienst am Sonntag Morgen abhalten, wobei die Mehrzahl der Gebete in französischer Sprache gesprochen wird. Neben dem ständigen Prediger wird jede geeignet befundene Person das Wort nehmen können. Der Unterricht wird sich den als wahr erwiesenen Ergebnissen moderner Forschung anpassen. Zugleich aber will sich dieser Verein nicht absondern von dem Zentralverband, und seine Mitglieder beabsichtigen, zu den gemeinsamen Ausgaben und zu den gemeinsamen Werken beizutragen. Dies sind in großen Zügen die verschiedenen Gesichtspunkte, von denen aus die französischen Juden gegenwärtig die möglichen Folgen des Trennungsgesetzes für die Entwicklung ihres Kultus betrachten. Die russische Regierung und die Judenhetzen. Berlin. Die „Russische Korrespondenz" bringt folgende Petersburger Depesche: Ich hatte Gelegenheit, den Bericht des Beamten für besondere Aufträge beim Polizeidepartement Makarow einzusehen, in dem der Nachweis erbracht wird, daß auch nach den Oktoberkrawallen Judenhetzen von Beamten der politischen Polizei an Ort und Stelle vorbereitet wurden unter der schweigenden Zustimmung des Chefs der politischen Polizei in Petersburg. Der Chef der Gendarmerieabteilung in Alexandrowsk (Gouvernement Jekaterinaslow), Budgolsky, berichtet an das Polizeidepartement, er tue alles, um Aufrufe zur Ausrottung der jüdischen Bevölkerung zu verbreiten und hoffe, die Aufrufe werden Erfolg haben. Als die Chefs des Polizeidepartements, der berüchtigte Ratschkowsky und Timofejew, der alwr ego Trepows, darauf aufmerksam gemacht wurden, daß hier ein direktes Amtsverbrechen vorliege, wurde von ihnen nicht nur kein Schritt dagegen getan, sondern Budgolsky zur Beförderung vorgeschlagen. Trotz alledem bleibt Ratschkowsky auf seinem Posten und wird als Kandidat für einen höheren Posten genannt. Timofejew ist zum Beamten für besondere Aufträge bei Trepow ernannt worden. Der „Birschewija Wiedomosti" wird gemeldet, daß in Reschitze Unterschriften für die Beteiligung an einer Judenvertreibung gesammelt werden. Die Judenfrage und die Bauernabgeordneten. Petersburg. Der bekannte Publizist A. Nowikow, der frühere Bürgermeister von Baku, schreibt in der „Nascha Schisn": „Die Erwartungen der Reaktionäre, daß die Bauern sich ultra-radikal in der Frage der Verteilung des Bodens, dafür aber ultrakonservativ in den politischen Fragen benehmen werden, sind zu Wasser geworden. In ihren Vorkonferenzen besprach die Bauernfraktion des Parlaments die erste Frage sehr gemäßigt und gab zu, daß die Agrarverhältnisse nicht aus einmal geändert werden können, dafür gehen sie in den politischen Fragen sehr weit und schwärmen für ein wirklich freies Rußland, in dem jedem seine bürgerlichen Rechte durch Gesetze gewährt sein sollen. Nicht ohne starke Befürchtungen sah ich aber, schreibt Nowikow, der Besprechung der nationalen Frage und besonders der Judenfrage entgegen. Und wirklich haben hier auch einige Bauern begonnen, über die Juden zu schimpfen. Bald wurde es aber anders. „Wenn wir heute die Juden preisgeben und zulassen, daß die Administration eine Schichte der Bevölkerung entrechten kann, können morgen wir die Entrechteten sein. Nur gleiches Recht für alle", sprach der Bauer Sokolowsky. Von 150 Bauernabgeordneten haben nur drei gegen den Antrag für die Gleichstellung der Juden gestimmt. London. Ein jüdischer Farmer, I. Abrahams in Toowoomba in Queensland (Australien), teilt der „Jewish Chronicle" seine Erfahrungen über die dortigen landwirtschaftlichen Verhältnisse mit und empfiehlt Australien für die Besiedlung mit jüdischen Familien, die sich dem Ackerbau widmen wollen. Herr Abrahams war ursprünglich Zuschneider und gründete vor drei Jahren zu gleicher Zeit mit seinem Bruder eine Farm. Er besitzt jetzt 242 Acres Land, sein Bruder 160 Acres. Von seinem Land hat Herr Abrahams bereits 60 Acres kultiviert, 30 bebaut er mit Mais, 3 mit Moorhirse, 3 mit Futtergerste und drei mit Kartoffeln. Letztere verkauft er für 8 Pfd. 10 Sh. per Tonne: der allgemeine Ertrag ist drei Tonnen auf den Acre. Seine 20 Milchkühe bringen ihm jede 4 Sh. die Woche ein. Herr Abrahams verfügt über vier Arbeitspferde und eine ansehnliche Anzahl von anderem Groß- und Kleinvieh. Er schlägt vor, 500 jüdische Familien versuchsweise in Australien anzusiedeln. Es würde genügen, wenn jede einzelne Familie über ein Kapital von 120 Pfd. verfügte. Ein solches Darlehen könnte im Laufe von 10 Jahren abbezahlt werden. Die australische Regierung würde keinerlei Schwierigkeiten machen. Mit der genannten Summe können 160 Acres Land mit Vieh und allen zur Bebauung nötigen Gerätschaften angekauft werden. Die Berechnung verstehe sich freilich nur für eine gleichzeitige Besiedlung mit mehreren hundert Familien, weil beim Ankauf größerer Quantitäten der nötigen Gegenstände billigere Preise zu erlangen find. Ein geeigneteres Land für Ackerbau und Viehzucht als Australien ist, wie Herr Abrahams meint, kaum zu finden. Der Boden gewährt zwei Ernten jährlich; es gedeiht jegliche Pflanzenart. Molkerei und Schafzucht können in bedeutendem Maßstab betrieben werden. Herr Abrahams zweifelt nicht, daß tüchtige Leute, die dorthin kämen, bald der Welt zeigen würden, daß die Juden als Landwirte ebenso gute Resultate erzielen können, wie andere Völker. New-Hork. Jto. Am 22. April fand in der Wohnung des Herrn Cyrus L. Sulzberger die zweite Sitzung der amerikanischen Jto-Führer zwecks Organisierung dieser Bewegung in Amerika statt. An der Sitzung nahmen teil die Herren: Mayer Sulzberger, Oskar S. Straus, Cyrus L. Sulzberger, Adolphus S. Salomons, Hermann Rosenthal. Dr. S. Solis-Cohen, Louis Loeb, Dr. Herbert Friedenwald, Rev. Goodman Lipkind und Bernhard Richards. Die Statuten der englischen Mutterorganisation wurden — mit solchen lokalen Modifikationen, wie fie für amerikanische Verhältnisse notwendig erscheinen — angenommen. Cyrus L. Sulzberger wurde zum Präsidenten, Rev. Goodman Lipkind zum Sekretär, Mayer Sulzberger, Oskar Straus und David Guggenheimer als Exekutivkomitee gewählt, dessen Aufgabe es ist, Mittel und Wege zur Förderung der Bewegung ausfindig zu machen und mit der englischen Organisation Hand in Hand zu gehen. Die Herren Rosenthal, Lipkind und Richards übernehmen es, Vereine in New-Jork zu gründen und durch Mitglieder die Gründung von Vereinen in anderen Städten zu veranlassen. Jaffa. In Jaffa hat sich ein „Allgemeines Jnformationsbureau für Palästina" gebildet. Das Bureau besteht aus den Herren: Dr. Chissin, Dizengoff, Gordon, Haym und Trietsch. Dem größeren Komitee gehören an die Herren: D. Haym,

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