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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Dr. JSiocbys MlocbenscbrM. Seite 323 Eine der imposantesten Expositionen bringt das „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim", dessen Präsidentin Frau Sofie Grünfeld, Vize-Präsidentin Sofie Quittner und Schriftführerin Adele Zins gelegentlich der Eröffnungsfeier von Sr. kaiserl. Hoheit dem Herrn Erzherzog in huldvollster Weise angesprochen wurden. Große, trefflich ausgeführte Bilder zeigen uns das Heim des Vereines in Tischnowitz, die Taghalle mit einer Kolonistengruppe, den Jsolierpavillon, die Mädchenkolonie Petrau und die Skrophulosen-Kolonie in Bad Hall. Eine graphische Darstellung der Vereinstätigkeit weist die Gesamtzahl der Schützlinge seit dem 14jährigen Bestände des Vereines mit nahezu 6000 aus, nebst den Kurerfolgen und den Auslagen für den Betrieb, die fast 500.000 Kronen betragen haben. Zwei Figurinen, ein Mädchen und ein Knabe, in schmucker Kolonienausrüstung flankieren das Objekt, das auch die nächsten Ziele und Aufgaben des Vereines vorführt. Architekt Baurat' Wilhelm Stiaßny hat die Pläne des an der Adria zu errichtenden Seehospizes, Baurat Rudolf Herrmann den Plan der in diesem Sommer an der Peripherie Wiens zu installierenden Tageserholungsstätte für 400 Kinder beigestellt. Bemerkenswert ist, daß die Exposition dem Vereine keine Kosten verursacht hat, da die herrlichen Bilder von der Firma Würthle & Sohn, die geschmackvollen Rahmen von der Rahmenfabrik Karl Popper gespendet wurden. Der nächste Verein, welcher auf positive Leistungen auf dem Gebiete der Hygiene hinzuweisen vermag, ist der Verein „Kinderheim", dessen Präsident Herr kais. Rat Dr. Krüger dem Herrn 'Erzherzog das Heim in Laa und die daselbst erzielten Erfolge demonstrieren konnte. Was er zunächst erreichen will, die Errichtung eines Arbeiterinnen-Erholungsheimes in Zöbern, stellt der Verein „Frauenhort" aus, dessen Präsidentin Frau Donat Z i f f e r e r, gleichwie die Präsidentin des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes", Fran kais. Rat Berta Krüger dem Herrn Erzherzog über die Bestrebungen ihres Vereines Auskunft gab. Der letztgenannte Verein, der auf dem Gebiete der weiblichen Lehrlings- Fürsorge der erste ist, hat nebst reizenden Arbeiten seiner Zöglinge ein Bild des für den Vereinszweck erworbenen und demnächst zu beziehenden Hauses ausgestellt. — Es ist gewiß, daß der hygienischen Ausstellung, die eine der gelungensten Ausstellungs-Ideen der letzten Jahre bedeutet, ein voller Erfolg beschieden sein wird. — Unsere Glaubensgenossen werden beim Besuche dieser Ausstellung nicht allein die bedeutenden Leistungen der jüdischen Gewerbetreibenden und Industriellen, sondern auch die Beweise des traditionellen jüdischen Wohltätigkeitssinnes studieren können. k'b. Graf Heinrich Coudenhove. Auf seinem Besitze Stockau bei Ronsperg in Böhmen ist heute Morgens Graf Heinrich Coudenhove-Kalergi gestorben. Der Verblichene, der am 12. Oktober 1859 geboren, war, also nur 46 Jahre alt geworden ist, war ein Mann von reichen Kenntnissen und seltener Vorurteilslosigkeit. Es duldete ihn nicht allzu lange in der Diplomatie, in die er eingetreten war, nachdem er zum Doktor-Juris promoviert war. Sohn des konservativ-klerikalen Reichsratsabgeordneten Grafen Franz Karl Coudenhove, kam er schon in jungen Jahren durch seine freiere Auffassung der Dinge in einigen Gegensatz zu seinem Vater. Ein starker Zug nach unbekannten Fernen war in dem feurigen, wissensdurstigen Jüngling, und es trieb ihn nach dem Morgenlande. Zuerst war er der österreichisch-ungarischen Botschaft in Konstantinopel als Attache zugeteilt. Doch weit hinaus über die enge Sphäre des diplomatischen Metiers wuchs sein Interesse an dem Orient, das bald alle Kulturerscheinungen Asiens umfassen sollte. Als er zur Gesandtschaft nach Tokio versetzt wurde, widmete er sein ganzes Interesse der ihm nun aufgegangenen Welt des Buddhismus. Während des chinesisch-japanischen Krieges sandte er höchst eingehende, ebenso sachgemäße wie geistvolle Berichte an das Ministerium des Aeußern nach Wien. Im März 1892 verheiratete sich Graf Coudenhove mit einer Japanerin, Mitsu Aoyama, aus Tokio. Seine Gemalin trat später von der buddhistischen Religion zur katholischen über, wobei sie den Namen Maria Thekla erhielt. Im Sommer 1896 kehrte Graf Coudenhove mit seiner Gemalin aus dem fernen Osten in die Heimat zurück, um das Majorat Ronsperg, Stockau und Muttersdorf in Böhmen zu übernehmen, dessen Erbe er nach dem Tode seines Vaters geworden war. In Ronsperg führte er das glücklichste Familienleben an der Seite seiner Gemalin, die ihm sieben Kinder, vier Söhne und drei Töchter, geboren hat. Sein reger Geist vertiefte sich nunmehr in die kompliziertesten Probleme der Philosophie. Bereits Doktor der Rechte, war er an der Prager Universität auf Grund einer Dissertation aus dem Gebiete der semitischen Philosophie zum Doktor der Philosophie promoviert worden. Er war aber nicht nur ein Mann von großer Gelehrsamkeit, sondern auch von seltenem Mut. In einem das „Wesen des Antisemitismus" betitelten, umfangreichen Buche trat er mit offenem Bifir gegen die judenfeindlichen Strömungen in die Schranken. Bald darauf wandte er sich in einer Schrift „Der Minotaur der Ehre" gegen das Duell. Sehr intereffant war eine politische Studie über Oesterreich-Ungarn, seine Erstlingsschrift, in der er das Studium des Russischen den Oesterreichern ans Herz legte. Noch unmittelbar vor seinem Ableben ist er mit einer Schrift über die „Los von Rom "-Bewegung hervorgetreten. Ueber die diplomatische Karriere des Verstorbenen seien noch folgende Daten angeführt: Graf Coudenhove wurde 1884 Attache in Athen, im nächsten Jahre nach Buenos-Ayres transferiert, 1887 der Botschaft in Konstantionpel zugeteilt, 1889 als Legationssekretär nach Rio de Janeiro, 1891 nach Tokio versetzt. 1893 wurde er als zeitweiliger Geschäftsträger für Siam beglaubigt und zur Begrüßung des Erzherzogs Franz Ferdinand, der sich damals auf seiner Weltreise befand, nach Bangkok entsendet. 1893 fungierte er als Geschäftsträger in Tokio. Im Jahre 1897 verließ Graf Coudenhove den diplomatischen Dienst. „O esterreichifch-Jfraelitifch e Union ", IX., Universitätsstraße 8. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" berief für den 14. d. M. in den Festsaal des „Hotels Continental" eine zahlreich besuchte Versammlung der jüdischen Wähler ein, welche nach einem trefflichen Referate des Herrn Dr. Alexander M i n tz und einer längeren Diskussion, an der unter anderen die Herren Sekretär Fleischer, Dr. S ch a l i t, Doktor Weisengrün, Bezirksrat Brill und Gemeinderat Doktor Hein sich beteiligten, folgende Resolution angenommen hat: „Die im „Hotel Continental" am 14. Mai tagende jüdische Versammlung verurteilt jeden Versuch, die jüdischen Wählermassen direkt oder indirekt zur altliberalen Politik zurückzuführen und verlangt, getreu dem modernen Postulate nach Vertretung aller Wählerschichten in den Vertretungskörpern, daß auch in den Wiener Gemeinderat Vertreter jüdischer Interessen entsendet werden. Sie fordert, daß die neugewählten jüdischen Gemeinderäte auf der Basis volkstümlicher Politik jüdische Interessen zu berücksichtigen verpflichtet werden. Zugleich erklärt die Versammlung, bei der Wahl im zweiten Wahlkörper der antiklerikalen Liste ihre Stimmen znzuwenden." Aus dem Aufruf und der Instruktion des Jnneröfterreichifchen Distriktskomitees des Verbandes Zion für die Schekeltage 1906. Gesinnungsgenossen! Das Aktionskomitee hat angeordnet, daß die Tage: 27., 28. und 29. Mai l. I. für die Zionisten der ganzen Welt als Schekeltage zu gelten haben. Die Festsetzung der Schekeltage, welche bisher schon bei einigen Landsmannschaften in Uebung waren, als eine allgemein-verbindliche Einrichtung für die Gesamtorganisation, hat den Zweck: 1. Die Zahlung des Schekels zu einer Probe der Leistungsfähigkeit unserer Organisation zu gestalten. 2. Nicht nur den Gefinnungsgenoffen, sondern auch der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit den Umfang, den

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