Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021677--15412-3040177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 20 etüPis« Dr. Llocb's MlocbenscbrM. gegeben, für die Eure Mörder geworben werden. Und bis neue Züge des schrecklichen russischen Auswandererelends hier in Triest die Elendsherbergen mit den unglücklichen Opfern russischer Tyrannei wieder füllen, bis die Auswandererquartiere in Triest wieder Tausende jüdischer Flüchtlinge aufnehmen, die zitternden Schafen gleich, den russischen Mördern entfliehen — dann wird die „Humanität" dieser selben jüdischen Kapitalisten wieder zu Tränen gerührt werden und sie werden den russischen Flüchtlingen — — — warme Suppen und alte Kleider geben.... Doch wir sprechen es hier laut und offen aus: Jüdische Kapitalisten waren es, die Millionen russischer Juden neuerdings den zarischen Henkern ans Messer geliefert haben!" Diese Ausführungen übten einen ungewöhnlich tiefen Eindruck auf die nach Tausenden zählende Menge. Tosender Beifall unterbrach ihre donnernden Anklagen. Der Sekretär der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Herr Valent. P i t t o n i konstatierte später ausdrücklich, die russische Anleihe habe hier Fiasko gemacht. Wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, haben sich die T r i e st i n e r Juden (bis auf wenige Ausnahmen) an der russischen Anleihe überhaupt nicht beteiligt. Maßgebend hiefür war das Beispiel eines der führenden Finanzmänner von Triest," Adolf Brunner, der seinem Börsenagenten auf die Vorschläge zur Beteiligung am russischen Anleihensgeschäfte entschieden und würdig antwortete: „Ich bin Jude und damit ist für einen Mann von Ehre Alles gesagt!" — Auch der Rabbiner Herr Doktor U. Brettholz ermangelte nicht, seinen Einfluß überall möglichst geltend zu machen, um seine Gemeinde vor der Schmach zu bewahren, welche die Arbeiterführerin Dr. Angelica Belabanoff so schonungslos gegeißelt hatte. Herr Dr. Brettholz ließ auch der sozialdemokratischen Parteiführerin die „O e st e r r e i ch i s ch e Wochenschrift" zukommen, damit sie die Proteste der „O e st e r r e i ch i s ch- Jsraelitischen Union" und der jüdischen Wählerversammlungen in Wien gegen die Beteiligung jüdischen Kapitals am letzten russischen Anlehen zur Kenntnis nehme. L. Korrespondenzen. Ans der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 13. Mai 1906 unter dem Vorsitze des Herrn I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn. Beginn 10 Uhr vormittags. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. Gustav Kohn teilt mit, daß der Präsident Dr. Alfred Stern sein Fernbleiben von der heutigen Sitzung, entschuldigt habe. Weiters bringt Herr Vizepräsident Dr. Kohn zur Kenntnis, daß das Vorstandsmitglied Herr Vertreter Theodor Ritter von Goldschmidt durch das Hinscheiden seines Bruders Herrn Alexander Ritter von Goldschmidt einen schweren Verlust erlitten habe und daß aus diesem Anlasse Herrn Baurat von Goldschmidt das Beileid des Kultusvorstandes übermittelt werde. (Zustimmung.) Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß er sich in Ausführung des Plenarbeschlusses vom 10. Mai 1906 in Gemeinschaft mit Herrn Vizepräsidenten kais. Rat Moriz Hirsch zu Herrn Theodor Ritter von Taussig begeben und ihm die vom Vorstande in der erwähnten Sitzung gefaßte Resolution zur Kenntnis gebracht habe, wonach Herrn von Taussig der Dank für seine hingebungsvolle und erfolgreiche Tätigkeit im Kultusvorstande ausgesprochen und an ihn das Ersuchen gerichtet wird, seine Demission zurückzunehmen. Herr von Taussig habe erklärt, daß er von seinem Entschlüsse, der ihm nicht leicht wurde und welchen er nur nach Sette 321 reiflicher Ueberlegung aller Umstände faßte, zu seinem Bedauern nicht abgehen könne. Die Versammlung nimmt diese Mitteilung zur Kenntnis und gibt ihrem lebhaftesten Bedauern über das Scheiden des Herrn Theodor Ritter von Taussig aus dem Kultusvorstande Ausdruck. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn berichtet ferner, daß er in Ausführung des diesbezüglichen Plenarbeschlusses auch an Herrn Architekten Oskar Marmorek das Ersuchen um Zurücknahme seiner Demiffion gestellt habe. Eine definitive Antwort ist bisher von Herrn Marmorek, welcher derzeit durch einen schweren Krankheitsfall in seiner Familie in Anspruch genommen ist, noch nicht eingelangt. Bestellung eines Rabbiners für den Brigittenauer Tempelverein. Die Rabbiner-Angelegenheit des Brigittenauer Tempelvereines wird zur neuerlichen Beratung an das Bertreterkollegium zurückgeleitet. Vorher find Vertreter des Vorstandes des Tempelvereines Brigittenau und des Tempelvereines „Beth Hachnetheth" im 3. Bezirke zu einer gemeinsamen Besprechung in dieser Angelegenheit einzuladen. Einverleibung der Floridsdorser Kultusgemeinde in die Kultusgemeinde Wien. Das Vertreterkollegium beantragt nach mehrfachen gemeinsamen Beratungen mit Vertretern der Floridsdorser Kultusgemeinde, der Einverleibung zuzustimmen. An der Debatte über diesen Gegenstand beteiligen sich die Herren Wilhelm Kussner, Salo Cohn, Vizepräsident kaiserl. Rat Hirsch, Doktor Maximilian Steiner und Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. Sohin werden die Anträge des Vertreterkollegiums angenommen und die mit den Vertretern der Floridsdorser Kultusgemeinde vereinbarten Uebernahmsbestimmungen genehmigt. Schluß der Sitzung y.,2 Uhr nachm. Spenden-Verzeichnis: Bon Frau Therese Pfefferkorn fet And. (Legat) für das israelitische Aitersversorgungshaus . . K 750.— Bon Frau Therese Pfefferkorn sel. And. (Legat) für die israelitischen Armen Wiens . ■ ..„ 450.— Bon Herrn David Ritter von Gutmann für die Armen-Anstalt ....... K 200.— „ den Waisen-Berein . . . . „ 200.— „ 400.— Bon Herrn Dr. Jul. Dux, Deutsch-Brod, Sammlungs- Ergebnis in Pristoupin für die verfolgten russischen Juden. . .„ 400.— Bon Herrn S. Berstl, k. k. Ober-Finanzrat, für wohltätige Zwecke - - - . . - ■ . . „ 100.— Bon Frau Rosalie Winter zur Verteilung am Sterbetage ihres Gatten des Herrn Jgn. Winter an Arme . . „ 100.— Von Frau Pauline Jonas für die Armen-Anstalt .... . . K 60.— „ den Waisen-Berein.„ 20.— „ „ Frauen-Verein . ....... 10.— „ die Kinderbewahranstalt - „ 10.— „ 100.— Von Anonymus Ch. anläßlich des christlichen Osterfestes für israelitische Arme . . - . „ 20.— Von Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern, für zwei arme Familien ... ... . . „ 10.— Von Herrn Jacob Schreifogel für die russischen Juden - . „ 4.— Von Herrn Hermann Plaschkes für die Chewra-Kadischa . „ 7.- Von Herrn Michael Goldsand ein violettes mit gelber Seide gesticktes Thorawickelband (Mape) für den Leopoldstädter Tempel. Von Herrn Adolf Welsch, 13 Stück Alijos-Taferl für den Gemeinde- Tempel XVIII. Rücktritt des Kultnsvorstandes Ritter v. Tansfig. Der Generaldirektor der Bodenkreditanstalt hat im Kultusvorstand schriftlich seine Demission übergeben mit der Begründung, daß die ausgeklafsten Gegensätze in der Gemeinde aus Anlaß der Russischen Anleihe nicht zu überbrücken seien. Die Gerechtigkeit, welche unbeugsame Wahrheit nach allen Richtungen verlangt, veranlaßt uns zu der Anerkennung, daß der Inhalt des Schreibens Ritter v. Taussig Ehre macht. Er hätte es ganz leicht gehabt, sich mit dem Achselzucken eines unabhängigen und reichen Mannes zurückzuziehen, dem auf seinem ureigenen Gebiete die Auszeichnungen in Menge entgegengetragen werden. Er hätte mit einigem Trotz überhaupt keine Konsequenzen aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.