Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 19 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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HRS! 'rfäk* &s£&tea&MaUc>, '^iife'-Jufü Nr. 19 das phantastische Spiel „Der Nixenbronnen". Die genußreichen Darbietungen beschlossen die Zöglinge durch Absingung der Volkshymne. Mit Stolz kann die Pensionsvorsteherin Fräulein Karla Altschul auf die in allen Programmpunkten gelungene Veranstaltung zurückblicken. Auch die Jnstitutslehrerinnen Frl. Hedwig Fischl und Hedy Jeiteles hatten besonderen Anteil am Gelingen des Festes. Lemberg. Wie berichtet wird, hat der Statthalter die Verordnung, durch welche der hebräische Unterricht in den Religions-Unterrichtsstunden untersagt wurde, wieder zurückgezogen. — Die Wahl des neuen Oberrabbiners regt die hiesige Judenheit sehr auf. Bon seiner einflußreichen Familie, u. a. vom Kultusvorsteher Samuel Edler von Horowitz, wird der gegenwärtige Stellvertreter und Stadtsynagogen-Rabbiuer Brande aufgestellt, die Volkspartei hingegen verlangt den Stanislauer Rabbiner Horowitz, der den Ruf einer talmudischen Kapazität ersten Ranges und eines tüchtigen Redners hat und dem man Selbständigkeit des Charakters nachrühmt. Jglau. Am 21. April d. I. veranstaltete der diesige Tempelaesangsverein „Schir 3ion4' unter der Leitung des Obmannes Herrn kais. Rates Gustav Hellmann und des Obmannstellvertrrters Herrn Zahnarzt Adalbert Pökorny im Saale des „Hotel Czap" einen llnterhaltnnasabend. Als einige Minuten nach 8 Uhr der Saal bis ans das letzte Plätzchen gefüllt war und auch die zahlreichen Uhrengäste des Vereines bereits erschienen waren, ertönten zur Eröffnung des Abends die Klänge der Ouvertüre zur Oper „Zampa", die von der Kapelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 81 unter ihrem Dirigenten Kapellmeister H I. Domes wirkungsvoll zu Gehör gebracht wurde. Dann folgten 2 Chöre von F. Abt und R. Fuchs für gemischten Chor, unter der bewährten Führung des Chormeisters H. I. Kohn mit Gefühl und Geschmack vorgetragen. Chormeister Kohn, der sich um das Arrangement des Abends besonders verdient gemacht hatte, wurde nun eine besondere Ehrung zuteil, indem ihm Herr kaiierl. Rat Hellmann und Herr Obmannstellvertreter Pokorny eigenhändig unter dem lauten Beifall des Publikums einen mächtigen Lorbeertran', überreichten. Als nächste Nummer wurde R. Schumanns Klaviergnartett in Es-dur gespielt Da jeder einzelne Part in Künstlerhänden lag (Fr. Lola Braun — Klavier, Herr Kapellmeister W. R epl — Violine. Herr Kapellmeister I. Domes — Viola und Herr Chormeister I. Kohn — Cello), bot die durch meisterhaftes Einzelspiel und wundervolle Klarheit des Zusammenspiels hervorragende Wiedergabe des Quartetts jedem Hörer einen wahren Kunstgenuß, der auch durch langanhaltenden Beifall gelohnt wurde. Nach einer kurzen Panse brachte' nun Fr. Lola Braun, mit Bravorufen empfangen, E. Schütts Paraphrase auf den Fledermauswalzer für Klavier mit ebensoviel Anmut als erstaunlicher Virtuosität zum Vortrag. Der eleganten und geistreichen Plauderei folgte ein so starker, andauernder Beifall, daß die Künstlerin sich noch zu einer Zugabe, einer reizenden Humoreske von Fischhof, bewegen ließ. Hierauf sang Fr. Dr. Jenny Kraus zunächst mit weicher, rührender Innigkeit N Schumanns Widmung, wobei die Schönheit ihrer klaren Sopranstimme voll zur Geltung kam. In schelmisch-süßen Glockentönen trug die Sängerin hierauf den vielen Lauschern Mayer-Helmunds „Wenn der Vogel naschen will" vor. Mit ihrem dritten, leider letztem Liede „Postillon cFamour" von Fr. Abt entfesselte Frau Dr. Kraus durch ihre bestrickend liebliche Schalkhaftigkeit einen tosenden Beifallssturm, der lange kein Ende nehmen wollte. — Ein großer Teil des Beifalles galt auch Fräulein Grete Wohryzek, die mit feinem Verständnis die Klavierbegleitung geführt hatte. Nun saug Herr Oberkantor D. Weiß mit seiner wundervollen Baritonstimme den Prolog aus „Bajazzo" und verstand es durch seinen seelenvollen Vortrag, die Hörer in Rührung zu versetzen. Die stimmtechnischen Schwierigkeiten, deren der Prolog eine Fülle bietet, überwand der Sänger mit sieghafter Leichtigkeit. Hildachs „Lenz", nu wirksamen Kontrast zu „Bajazzos" wehmütiger Klage, eine Fanfare des auferstandenen, jungen Glückes, trug Herr Oberkantor Weiß in formvollendeter Schönheit vor. — Fräulein Grete Wohryzek am Klavier hatte abermals Gelegenheit, ihre hervorragenden, technischen Kenntnisse und ihren schönen Vortrag im besten Lichte erscheinen zu lassen. Dauernder, starker Applaus folgte dieser Nummer des Programms, welcher die Aufführung der „Reellen Absichten", eines dramatischen Scherzes von Baumeister, folgte. Fräulein Gaby Stiaßny gab den trotz aller Ungebcrdigkeit liebreizenden Backfisch in der sprühendsten Laune und voll heiteren Temperamentes. Fräulein Elsa Schwarz wußte die jnngvermälte Frau, die in ihren Gatten sterblich verliebt ist, mit sicherem Takt und feinem Humor darzustellen. Beide Damen mußten wiederholt für das stürmische Beifallsklatschen des Publikums danken. Hiemit hatte die I. Abteilung des reichhaltigen Programms ihr Ende erreicht. In der Pause sprach das Publikum den kulinarischen Genüssen des Buffets zu, welches die Damen des hiesigen Frauenvercines in liebenswürdiger Weise verwalteten. Der Erlös wurde wohltätigen Zwecken zugeführt. Die II. Abteilung eröffneie ein Herr» kaiserlichen Rat Gustav Hellmann gewidmeter Festmarsch, komponiert von Herrn Chormeister I. Kohn Tie wahrhaft elementare Kraft dieser meisterhaften Komposition, sowie ihre großartige Jnstrumenta- Seite 311 tiou lasse» in dem Schöpfer einen sehr begabten Künstler erkennen. Als Zugabe brachte das Streichorchester von demselben Komponisten ein Kabinetsstück voll feiner Rhythmen, dessen sinnige Melodien dem Hörer die traumverlorene Sommerahnung eines Maienmorgens vorzaubern. — Hierauf wurden zwei Chöre „Schmetterlingslied" von R. Fuchs und I. Nentwichs „Heinzelmännchen" vorgetragen. Besonders die „Heinzelmännchen", von den Sängern und Sängerinnen frisch und mit Verständnis gesungen, von Herrn Chormeister sorgfältig ausgearbeitet und glänzend dirigiert, fanden so allgemeinen Beifall, daß sich Herr Chormeister zur Wiederholung eines Teiles verstehen mußte. Sodann sang Herr Ervin Bondy, schon mit Applaus empfangen, mit seiner starken und doch weichen Stimme das Lied an den Abendstern aus „Tannhäuser". Er hielt die Hörer gebannt durch Innigkeit des Vortrages sowohl wre durch seine bravouröse, künstlerische Stimmtechnik. Als zweites Lied sang Herr Boi'dy „Der letzte Gruß" von H. Lcwy. Diese herrliche, melodramatisch wirkende Komposition gestaltete der Sänger durch seine tief empfundene Wiedergabe zu einer Glanzleistung ans, welche das Publikum zu begeistertem Beifall hinriß. Ter Sänger fand an dem Herrn Chormeister einen würdigen Begleiter. Als Vorspiel zu dem Eniakter „Eine Tasse Tee" von Eh. Nuitter und I. Derley, welcher als letzte Programmnummer zur Darstellung gelangte, spielte die Regimentskapelle ein überaus gelungenes Potpourri „Ties und Das" von dem Komponisten I. Domes selbst dirigiert. — Die Rollen des Lustspieles waren sehr gut verteilt. Frl. Else Gr'.infeld, die auf den „bedeutungsvollen" Brettern als Dilettant!« ihr Debüt feierte, gab die Rolle der Hermance mit fein nuanciertem Verständnis, dessen Edelgehalt in geradezu verblüffender Weise von jeder dilettantenmäßigen Schlacke geläutert erschien. Die ueckiich-pikante Koketterie fand einen erhöhten Reiz durch die natürlich-graziöse Anmut der Darstellerin. Herr Hugo Müller, der die Rolle des Barons Villedeuil innehatte, wußte den weltmännisch eleganten Ton dieses Kavaliers in Sprache und Geberde sehr gut zu treffen und zeigte in der Handhabung des altbewährten Lustipielreguisites der grundlosen Eifersucht viel Geschick. — Herr I. LI. C. Karl Weiner, der in Maske und Keberdenspiel die fadenscheinige Eleganz und das geistlos-schüchterne Wesen des biederen Isidor Camouflet in der glücklichsten Weise wiedergab, erzielte durch seine drastisch-originelle Komik einen großen Erfolg und hatte die Lacher des Abends auf seiner Seite. Auch die Rolle des alten, vertraulich-frechen Dieners Josef lag bei Herrn Ernst Beran in guten H nden. - Dem Lustspiel, das von Herrn I. 11. C. Karl Weiner trefflich inszeniert und eiustudiert war, folgte reichlicher Beifall, besonders Frl. Eise Grirnseld genoß alle Ehren eines Stars und mußte wiederholt vor dem Publikum erscheinen. Mit einem flotten Tanzkränzchen, dessen letzter Walrer um 4 Uhr Morgens getanzt wurde, fanv die überaus animierte Unterhaltung ihr Ende. Olmüh. Bei der Beerdigung des ältesten Radetzky- Veteranen Mvriz P l a tz e k hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim eine ergreifende Ansprache, in welcher er in begeisterten Worten die hingebungsvolle Vaterlandsliebe und Kaisertreue des jüdischen Soldaten schilderte. Eine Deputation der Veteranen stellte an den Herrn Rabbiner mit dem Ausdrucke herzlichen Dankes das Ersuchen, diese Trauerrede dem Vereine zur Drucke zu überlassen. Diesem Wunsche wird entsprochen werden. Herrn Oberkantor Schlesinger gebührt nicht minder die Anerkennung für die erhebende Art, mit welcher er die Trauergesänge mit schöner Stimme zum Ausdrucke brachte. Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens. Am 24. Mai 1906 um 2 Uhr nachmittags findet in P r e r a u. Hotel Haas, die 1. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verlesung der höhernorts genehmigten Statuten und Konstituierung des Vereines. (Statut vom 17. September 1897, Z. 34.147 m. St.). 2. Wahl des Ausschusses. 3. Bericht der eingesetzten Statutenkommission, betreffend einige Aenderungen obgenannten Statutes. 4. Freie Anträge. XU. Sollte zur festgesetzten Stunde die statutenmäßig festgesetzte Anzahl der zur Beschlußfähigkeit notwendigen, angemeldeten Mitglieder nicht anwesend sein, so findet um 3 Uhr nachmittags desselben Tages und im selben Lokale die 2. Generalversammlung statt, die unter allen Umständen beschlußfähig ist. Für die i. Proponenten: Dr. F r e i m a n n, Hollefchau: Dr. Frankl-Grün, Kremfier: Tr. W o l f s o h n, Lomnitz. Die Statutenkommiffion: Dr. O p p e n h e i m e r, Olmütz, Vorsitzender : Dr. R e a ch, Gaya, Schriftführer; Dr. Gold s ch m i c d, Proßnitz: Doktor Steiner, Bielitz: Dr. Tauber, Prerau. Dr. Dloev s MocvenscdrtN.