Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 19 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021676--15400-3040164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 810 Dr. Bloches Wochentchrift. Nr. 19 Wie». Am. 5. d. M. fand im Sitzungssaale der Wiener Kultusgemeinde die konstituierende Sitzung des „Wiener Kredit- und Vorschußvereines", registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, statt. — Von den anwesenden 25 Zeichnern der Genossenschaftsanteile wurden die Herren Herm. Beck, S. B r o d, Karl Engländer, Dr. M. Steiner und Hoftat S. T a u s s i g in den Vorstand gewäht. Die Ergänzung des Vorstandes auf die statutengemäß zulässige Zahl von 10 Mitgliedern wurde Vorbehalten. Dem Vereine ward seitens einer Reihe von Glaubensgenossen ein Garantiefond von 30.000 Kronen zur Verfügung gestellt. Sobald die Eintragung des Vereinsstatutes in das Genossenschaftsrcgister vollzogen ist, wird der Verein seine statutengemäße Geschäftstätigkeit aufnehmen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 13. Mai l. I. um halb 3 Uhr nachmittags findet im Tempel, II., Leopoldsgasse 29, die Trauung des Fräulein Therese Bels, Tochter des Herrn I. M. Bels, hebräischer Buchhändler, mit Herrn Sigmund Bodner statt. Wie«. (Silberne Hochzeit.) Am 1l. Mai d. I. feiern in aller Stille Herr Edmund H o f m a n n, Holzhändler, Herausgeber der „Kontinentalen Holzzeitung" 2c., und leine Frau Henriette, geborene Hock, das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Edmund Hofmann, ein salk made man in des Wortes bester Bedeutung, erfreut sich in den weitesten Kreisen allgemeiner Achtung. Er ist Ehef der Holzhandelsfirma Edmund Hofmann & Co. und seit 17 Jahren Eigentümer und Herausgeber der „Kominentalen Holzzeitung". Vor wenigen Wochen wurde ihm die besondere Auszeichnung zuteil, vom Ackerbauministerium dazu berufen zu werden, an der Hochschule für Bodenkultur an dem kommerziellen Kurs für höhere Forstbeamte Vorträge zu halten. Seine Kollegen daselbst sind zumeist Hochschulprofessoren, deren Achtung und Anerkennung sich der in seinem Fache überaus tüchtige Mann rasch zu erwerben wußte. — Nicht unerwähnt darf nun auch Frau Henrielle Hofmann bleiben, die in bescheidener Zurückgezogenheit an allen geistigen Arbeiten ihres Mannes teilnimmt. Ihr feiner Geist, ihre hohe Bildung befähigten sie, die idealste Gattin, ihrer zahlreichen Familie die trefflichste Mutter und Erzieherin zu sein und ihr von modernem Geiste erfülltes Haus zu einem solchen zu gestalten, das wir mit Stolz ein patriarchalisch echt jüdisches Heim nennen. Möge dem Jubelpaare ihr schönes, glückliches Familienleben noch lange, lange erhalten bleiben! L. W. Wien. Im Haufe der Frau Rosa Schlesinger, Besitzerin der großen jüdischen Verlagsbuchhandlung Jos. Schlesinger, fand am 28. v. M. eine Barmizwa-Feier ihres Sohnes Siegfried statt, die besonders erwähnt zu werden verdient. Der Konfirmand, der vormittags ui der „Schiff-Schule" seinen Thora-Abschnitt korrekt vorlas, hielt nachmittags vor einem großen Kennerpublikum eine vorzüglich gelungene talmudische Derascha mit einer sich daran schließenden Rede und erntete dafür verdienten Beifall. Der väterlicherseits verwaiste Knabe lernt neben den lateinischen Fächern besonders eifrig Talmud, was unserer intelligenten jüdischen Jugend aus religiösen Familien nicht genug empfohlen werden kann. Unter den Gästen sahen wir die Herren Rabbiner I. F ü r st und B a u m g a r t e n, Herrn Oberkantor Singer, viele Vorsteher jüdischer Bethäuser und Wohltätigkeitsvereine und sonstige Ehrengäste. Wien. Herr Dr. Salo Rappaport, Hof- und Gerichtsadvokat, hat seine Kanzlei aus Floridsdorf nach Wien, I., Tuchlauben 17, verlegt. Wien-Ottakring. Am Samstag den 5. d. M. feierte Herr Simon Weiß. Kommunal- und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde, sein 40jähriges Lehrerjubiläum. Aus diesem Anlasse fand zu Ehren des Jubilars im Gememde-Bethause Ottakring, anschließend an den Jugendgottesdienst, eine Feier statt. Der schöne Tempel war in allen Räumen überfüllt, da außer den Schülern und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen eine große Anzahl von Freunden und Bekannten dieser schönen und seltenen Feier beiwohnte. In Vertretung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde war Herr Religionsschulinspektor Dr. Langfelder erschienen, weiters der Bethausvorstand für die Bezirke XVI, XVII und XVIII, Deputationen verschiedener Wohltätigkeits- und jüdischer Vereine, Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, die Lehrerschaft u. v. a. Die kantoralen Gesänge brachte Herr Kantor Smotritzky unter Assistenz des Chores in prächtiger Weise zum Vortrag. Den Glanzpunkt der Feier bildete die Ansprache des ehrwürdigen Rabbiners Herrn Dr. Julius Max Bach, welcher in erhebender Weise den Sinn der Jubiläumsfeier zu Gemüte führte und die Verdienste des Jubilars würdigte. Zum Schluffe überreichten noch Schülerinnen dem Jubilar unter Vortrag von Festgedichten herrliche Blumenspenden. So endigte diese schöne Feier im Bethause, die einen nachhaltigen Eindruck bei allen Anwesenden zurückließ. An den Jubilar gelangten auch viele Gratulationsschreiben, Depeschen und Adreffen, darunter auch vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde ein Schreiben, in welchem der Jubilar in anerkennender Weise beglückwünscht wurde. Möge es dem wackeren Schulmanne noch viele, viele Jahre vergönnt sein, in gleich körperlicher und geistiger Frische zu seinem und zum Wohle des Judentums wirken zu können. N. Hebräischer Klub (IX., Türkenstraße Nr. 9). Samstag, den 12. d. M., um 8 Uhr abends, beginnt Herr Schriftsteller Loubetzky seinen Zyklus von hebräischen Vorlesungen über die neuhebräische Literatur. Gäste willkommen! Allgemeiner Kranken- und Unterstützungs-Berein „Montefiore". In der letzthin unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Armenrates Josef Poll a k stattgefundenen Vorstandssitzung nahm dieser Veranlassung, auf die besonderen Verdienste, welche sich Herr Elias Weiß durch zwanzig Jahre als Vorstandsmitglied erworben hat, hinzuweisen. Der Vorsitzende bemerkte, daß Herr Elias Weiß weder Zeit noch Kosten scheute, um sich dem-Vereine nützlich zu erweisen und seine Pflichten als Vorstandsmitglied in seltener, rühmenswerter Weise erfüllte, weshalb er es als seine besondere Aufgabe betrachte, diesem Manne die ihm gebührende Ehrung zuteil werden zu lassen, und so schlage er vor, Herrn Elias Weiß zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Die Ausführungen des Vorsitzenden fanden bei den Vorstandsmitgliedern ungeteilten Beifall und wurde der einstimmige Beschluß gefaßi, Herrn Elias Weiß zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. Wien. Verehrter Herr Redakteur! J.l tiefster Ergriffenheit schreibe ich diese Zeilen. Ein junges, schönes, mit allen Vorzügen der Seele und des Geistes äusgestattetes Menschenkind hat ausgelitten. Ein kurzes, sonniges Dasein, im Frühling geboren, im Frühling genommen worden! Vor wenigen Stunden wurde Frau Alice Prager, geborene Baum, ihrem einfachen Sinne entsprechend, ohne jeden Prunk in aller Stille, nur begleitet von den Tränen aller, die sie kannten, auf dem Zentralfriedhofe zur ewigen Ruhe gebettet. Alice Prager war die liebevollste Gattin, die zärtlichste Mutter, die hingebungsvollste Tochter, Schwester und Enkelin. Ihren Freunden jederzeit hilfsbereit und treu ergeben, den Armen eine stille Wohltäterin, den Unglücklichen eine Trösterin! Wenn sie ins Zimmer eines Kranken oder Bedrückten kam, traten mit ihr Sonnenschein und Hoffnung ein! Möge dem trostlosen Gatten Herrn Direktor Prager, den gebeugten Eltern Herrn und Frau Baum und allen, die dieser edlen Seele nahe standen, das allgemeine, warme Mitgefühl ein wenig Trost bringen! L W. Teplitz. (P e n s i o n s f e st.) In den festlich geschmückten Vereinshauslokalitäten fand Sonntag den 29. April das vom Pensionat R. und C. Altschul veranstaltete Pensionsfcst statt, dessen reichhaltiges und interessantes Programm allgemeine Bewunderung hervorrief. Das Fest wurde mit einem Prolog eingeleitet, in welchem Frl. Martha Bermann die Anwesenden aufs Herzlichste bewillkommte und mit warmen, tiefempfundenen Worten auf das Streben und Schaffen der Anstalt hinwies. Hierauf wurde von sämtlichen Zöglingen des Pensionates Jean Galls dreistimmiger Frauenchor: „Im Maien zu Zweien" gesungen. Großen Beifall fand der darauffolgende lustige Schulrangen-Schwank der kleinen Schülerinnen. Das sinnreiche Gedicht Mosentals „Die drei Schwestern" wurde von drei Fräulein mit Verständnis und jugendlicher Begeisterung vorgetragen. Der höchst originelle dramatische Scherz „Ein Pensionskommers" wurde in überaus exakter Weise aufgeführt: Dem gewissenhaften, mit größter Sorgfalt geleiteten französischen und englischen Unterricht entsprachen auch die schönen Erfolge. Mademoiselle Marie Julien und Miß Sybil Penny fanden allgemein Anerkennung für die mühevolle Einstudierung der beiden Theaterstücke in ihrer Muttersprache und die Elevinnen ernteten für ihr gutes Spiel wohlverdienten Beifall. Einige reizende Duette wurden hübsch gesungen. Die trefflich gewählten Klavierstücke „Die schöne Galathö" von Suppe, „Traum" von Wagner und „Aufforderung zum Tanz" wurden zwischen die einzelnen Vorführungen eingeschoben. Um die technische Geläufigkeit, welche die Fräulein bekundeten, haben sich ihre Lehrer Herr Johann Kaldarer und Frl. Bertha Müller verdient gemacht. Das Geingen des gesanglichen Teiles ist das mühevolle Werk der Gesangslehrerin Frau Henriette Felsmann. Die Rokoko-Gavotte, sowie zwei wunderbare Nixenreigen, nahm das Publikum mit stürmischen Beifall auf. Den Glanzpunkt des Festes aber bildete