Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 19 (11.5.1906)
- Date
- 1906-05-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 19 k. ÄL»LM Dr. ZSlocb s MocbenscbrM. Seite 30s Kriminalwissenschaft von dem Gedanken Lombrosos, den Verbrecher aus biologischen Ursachen und dem sozialen Milieu zu erklären, mächtig angeregt worden. Allerdings ist die deutsche Kriminalwissenschaft alsdann mit schnellen Schritten vorausgeeilt und hat, besonders was die Exaktheit ihrer Forschungen anbetrifft, ihre einstigen Lehrer weit überholt. So wenigstens erklärte mir ein deutscher Gelehrter die Teilnahmslosigkeit unseres Vaterlandes. Ueber die kriminal-anthropologische Ausstellung, die bei dieser Gelegenheit veranstaltet worden ist, ist in einem anderen Artikel bereits einiges mitgeteilt worden. Das Interessanteste und Neueste in ihr bringt der Professor Salvatore Ottolenghi aus Rom als Direktor der dortigen wissenschaftlichen Polizeischule. Italien war in seinem Polizeiwesen bis vor wenigen Jahren gegen die übrigen europäischen Kulturländer sehr rückständig, seitdem hat es vieles recht schnell nachgeholt und ist in einem Zweige geradezu vorbildlich geworden, nämlich in der wissenschaftlichen Vorbildung der mittleren und höheren Polizeibeamten, von denen jeder einen viermonatlichen Kurs in der von Ottolenghi geleiteten Anstalt durchmachen muß. Des Herzogs von Sachsen-Meiningen Stellung zum Judentum. Anläßlich des 80. Geburtstages des Herzogs veröffentlicht der „Generalanz. f. d. I. d. I." ein Gedenkblatt aus der Feder von Bernstein Sawersky, dem wir das Nachstehende entnehmen: Wo preußisches Militär liegt und in einer Stadt, in der das Beamtentum dominiert, herrscht stets ein gewisser Antisemitismus. Von dieser religiös-sozialen Krankheit ist auch die Residenzstadt Meiningen nicht frei, aber welch einen Umfang hätte in der Blütezeit des Antisemitismus dieses häßliche Geschwür am Leibe der sittlichen Menschheit — dieses Kulturunkraut im Garten der Moral — genommen, wenn nicht die sanierenden Sonnenstrahlen des Fürsten, edlere Kräfte fördernd, dem Wachstum krankhafter Substanzen Hindernisse in den Weg gelegt hätten? In vielen veröffentlichten Schriften anläßlich des 80. Geburtstages des Herzogs ist das freundschaftliche Verhältnis des Fürsten zu seinem Intendanten Chronegk erwähnt worden, aber die große Welt hat dabei nicht erfahren, daß der Herzog seine Freundschaft einem Juden zuwyndte und sogar einem sehr frommen Juden. Chronegk besuchte, wenn es irgend anging, die Synagoge, er heiligte die jüdischen Feiertage, er hielt die jüdischen Zeremonien und es war sein ausdrücklicher Wunsch, daß nach jüdischen Riten seine Begräbnisfeier stattfinden sollte. Und der Herzog willfahrte diesem Wunsch. Erwies er dem Verstorbenen auch geradezu fürstliche Ehren, dem Wunsche des Fürsten gemäß war auch das höchste Beamtentum bei der Begräbnisfeier zugegen und das Militär in Gala vertreten, so fanden die Trauerzeremonien doch nur im Rahmen der jüdischen Gesetzesvorschriften statt — das Licht brannte im Hause des Verschiedenen, die Waschungen am Leichnam nahm ein jüdischer Kultusbeamter vor und in das einfache schwarze Tuch war der Sarg gehüllt, in dem der Tote zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Die Kränze fehlten. Und erhaben, schlicht und sinnig-religiös zugleich wie die Feier ist auch das Grabesdenkmal, das der Herzog dem Verstorbenen auf dem jüdischen Kirchhof an seiner Ruhestätte erbauen ließ. Ein mächtiger Sarkophag — frei von Zier und Bildern, wie das jüdische Gesetz gebietet — ... und hineingemeißelt die Worte: „Zum treuen Angedenken von Georg, Herzog von Sachsen- Meiningen und der Freifrau von Heldburg." Daß aber dieser deutsche Fürst nicht mit den tendenziösen Kunstansichten der Antisemiten, wenn man deren Ansichten überhaupt als Kunstansichten bezeichnen darf, daß Juden nicht an deutsche Bühnen, insbesondere Hostheater, gehörten, da ein Jude keinen Germanen darstellen könne, auch in der Wahl der Darsteller konform ging, beweist das meist aus % Inden bestehende Ensemble zur großen Zeit, da die Meininger „deutsche Kunst" und „deutschen Ruhm" in die fernsten Lande getragen. Was genierte es den Herzog, wenn man in Meiningen oder sonstwo über die vielen jüdischen Schauspieler seine Witze riß, wenn man beispielsweise sagte, zwei Mal „Minjen" könnte man auf einer Probe machen, oder wenn müssige Hände auf den Theaterplakaten der Litfaßsäulen die „Intendanz" in „Jutentanz" umwandelten...? Aber nicht nur in seinem Reiche der Kunst, auch in den Geschehnissen seines Reiches hielt der Herzog nie mit seiner freien Anschauung hinter dem Berg zurück und bei aller Delikatesse und Vornehmheit ließ er es an Entschiedenheit und Klarheit nicht fehlen, wollte er antisemitischen Ungezogenheiten eine Rüge erteilen und dem gekränkten Judentum seine durch keinerlei Vorurteile getrübte Zuneigung erkennen lassen. Ich spreche nicht davon, daß er in den politischen Zeiten, wo der antisemitische Wellenschlag sehr hoch ging, auffallend oft in Meiningen den „Nathan der Weise" aufführen ließ, ich denke auch nicht daran, daß er gelegentlich der Einweihung der neuerbauten Synagoge in Bauerbach, dem einstigen Asyl Schillers, in einer Ansprache an die Gemeindemitglieder erklärte, daß er mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung ständen, den Einzug der Judenhetze in sein Land verwehren werde, sondern ich will zur Charakterifierung der vornehmen Natur des Fürsten ein Vorkommnis zum Besten geben, das fich zur Zeit der Einweihungsfeier der Meininger Synagoge vor etwa 20 Jahren zugetragen hat. Zur Festlichkeit der Synagogen-Einweihnng waren damals von der jüdischen Gemeinde der Landesfürst und die Geistlichen der evangelischen und katholischen Gemeinde — eingeladen. Der Herzog mit seinen Paladinen erschien, der katholische Geistliche ehrte durch sein Erscheinen seine Glaubensgenossen der anderen Fakultät — nur die evangelische Geistlichkeit samt und sonders glänzte — durch ihre Abwesenheit. Wie brachte der Fürst nun sein Mißfallen über diesen Akt der Unhöflichkeit zum Ausdruck? O, er hielt keine Reden, er sprach kein Wort des Tadels und er erteilte keine Rüffel — aher er strafte doch die evangelischen Geistlichen und rehabilitierte - die jüdische Gemeinde in finnig vornehmer Art. Nicht lange nach der Tempelfeier gab der Herzog ein Fest, hierzu waren der Rabbiner geladen und der katholische Pfarrer, während — die evangelische Geistlichkeit auch dieses Mal durch ihre Abwesenheit glänzte, freilich durch die Abwesenheit, die der Herzog beabsichtigte . . . vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa l., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sei. Ignaz Lustig: Von Frau M. L. K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. B. D.: Von D. K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. I. Kemeny: Von Jda Grünhut K L0.—, Nyitra Lipot 2. —, Dr. Sigmund Pollitzer K 10.—. Zusammen K 32.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Goldhammer: Von Dr. Alfred Stern, Präsident der Kultusgemeinde K 10.—, Professor Dr L. Goldhammer 10.—, Jenny Freund L 5.—. Zusammen K 25.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Kalmann Prager: Bon Alfted Prager KB.-, Charlotte Stiaßny (Frauenhort) K 10.—. Zusammen K 15.-. Anläßlich des Ablebens der sel. Franziska Mahler: Von I. Vierer K 10.—, Mathilde Hermann 10.—. Familie Friedrich Pick 10.-, Otto Witrowsky K 10.—. Zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Heinrich Lanzer: Von Tr. Josef Gelber K 10.—, Medizinalrat Dr. O. Lanzer 20.—, F. H. 20.—, L. L. K 10.—. Zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Eibenschütz: Von Dr. Paul Cohn K 20.—, Alexander Eibenschütz K 10. . Zusammen K 30. . Wien (Trauung.) Donnerstag den 24. Mai d. I. findet die Trauung des Fräuleins Marianne Cohn, Tochter des Kultusvorstehers und Präsidenten der Wiener Chewra Kadischa Herrn Salo Cohn, mit Herrn J.-U. Dr Fritz Schick statt. Wien. (Verlobung.) Herr Julius R i p p e r, Chef der Firma Jac. Ripper, hat fich mit dem Fräulein Frieda Beck, Tochter des Herrn Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck & Söhne, verlobt.