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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-11 · 19 (11.5.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
19 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 ' ar*:^» z&ysMr-j&u ag^y ^Mrab«fflEMBLaiu .; Dr. Bloch's Wochenschrift. eines Ober-Inspektor F. R. E n g e l der Verwaltungsbericht verlesen. Derselbe zählt alle Aktionen im Jahre 1905 aus, unter welchen das hervorstechendste Moment die schriftliche Abfertigung eines Reichsrats - Abgeordneten und katholischen Priesters bildet — ob dessen im Abgeordnetenhause gezogenen Vergleichs der Hausierer mit Filzläusen. Diese verdiente Lektion erschien in der „Neuen Freien Presse" vom 25. Mai 1905. Auch die Schächtfrage beschäftigte den Verein in wirksamer Weise, wie der betreffende Artikel in Nr. 34 der ..Wochenschrift" zeigt. Ueberspringend auf das gegenwärtige Jahr (1906) erwähnt der Bericht der am 17. Jänner a. c. zugunsten der Opfer russischer Judenmassakres abgehaltenen Konzertakademie, deren Reinerträgnis kein glänzendes, nämlich nur K 1772 76 gewesen. Ueber Antrag des Vereinsmitgliedes Herrn Stärk beschloß die Versammlung, den Vorstand zu beauftragen, den noch vorhandenen Barbetrag von K 772 76 an den österreichischen Hilfsverein zu überweisen, nachdem ein größerer Betrag von K 1000’— bereits früher einem ad hoc zu dem gleichen Zwecke zusammengetretenen Aktionskomitee, das am 23. Februar eine ähnliche Konzertakademie veranstaltet hatte, übermittelt worden war.*) Der Bericht gedachte auch dankend der an der Konzertakademie hervorragend beteiligten Persönlichkeiten, in erster Reihe der Frau Baronin Suttner, welche einen von Baron Josef D o b l h o f f verfaßten Prolog zum Vortrag brachte, sodann der Künstler und Künstlerinnen, namentlich der k. k. Hofopernsängerin Fräulein Elsa Bland. Nach Genehmigung des Verwaltungsberichtes wurde sodann zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Auf Antrag eines Vereinsmitgliedes (Herrn Heinr. E g e r) wurden per aeolamatiou die bisherigen Funktionäre wiedergewählt. Wie der Schriftführer am Schluffe seines Berichtes mitteilte, wird in kurzer Zeit, Ende Mai a. c., noch ein Vortrag, und zwar seitens des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Doktor Friedrich Elbogen über den Fall Hilsner stattfinden, welcher sehr interessant zu werden verspricht. An die Generalversammlung schloß sich sodann ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d „Ueber die Psychologie der Blutlüge" an, der die Versammlung bis zum Schluß in höchster Spannung erhielt. Wir werden auf diesen Vortrag noch zurückkommen. Unter dem gewählten Auditorium bemerkte man Herrn Baron D o b l h o f f, Prof. Dr. S e b e r i n y, Prof. Dr. S. E h r m a n n, Dr. Maximilian Steiner, Baurat S t i a ß n y, Hofrat T a u s s i g, Herrn Maximilian Paul-Schiff, die Großindustriellen S. Heit und E g e r u. v. a. Graf Stefan Karoly gegen den Antisemitismus. Im Kasino des VIII. hauptstädtischen Bezirkes zu Budapest hielt dieser Tage Graf Stefan Karoly eine Rede, in welcher er sagte: „Ich bin religiöser Katholik, ehre aber in gleicher Weise jede Religion. Eben deshalb halte ich es für das taktloseste und unpatriotischeste Vorgehen, religiösen Zwist in unserer Mitte anzuzünden und eine Agitation einzuleiten, die zum Religionskampf führen muß. Ich schätze im Menschen den Menschen. Jene Leute, die den Antisemitismus predigen, müssen von der Gesellschaft verachtet werden, um nach Gebühr bestraft zu sein. Zu diesen Leuten gehört auch jener antisemitische Hetzer, dessen Namen ich nicht in den Mund nehmen will." Baden. (Neuwahlen.) Bei den am 22. April l. I. erfolgten Neuwahlen in der israelitischen Kultusgemeinde Baden wurden in den Ausschuß wiedergewählt die Herren: Moriz Leitner, Dr. Emil Raab, Ignaz Fleischmann, Sigmund Raußnitz, Moriz Daniel, Simon Mandl, Albert Deutsch, Jakob Kohn und Ludwig Lackenbacher; neugewählt die Herren : *) Der Betrag von X 772*76 wurde sodann durch den Vorstand auf X 800'— erhöht. Da nun von der Tausendkronen-Spende dem genannten Aktionskomitee bereits früher X 200'— gewidmet wurden, so beläuft sich die Gesamtsumme des vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus den russischen Opfern zugewendeten Betrages auf X 2000'—. Anmerkung der Schriftleitung. Seite 307 Alois Fleischmann, Anton Schneider und Bernhard Rosner.. Als Ersatzmänner gewählt find die Herren: Mathias Adler, Gottfried Flaschner, Max Löbl und Philipp Rotholz. Als Vertrauensmänner in den verstärkten Kultusausschuß wurden gewählt die Herren: Alexander Spitzer, Gustav Oedenburger, Ignaz Lederer, Jakob Hacker, Dr. Sigmund Kraus, Adolf Weiß, Max Löbl, Adolf Wolf, Ernst Hönigsberg, Karl Schönfeld, Leopold Süß und Josef Ungar. Am 6. Mai fand die Wahl des Kultusvorstandes statt und wurden Herr Moriz Leitner als Kultusvorsteher, Herr Sigmund Raußnitz als Kultusvorsteher-Stellvertreter; Dr. Emil Raab als erster Beirat und Herr Simon Mandl als zweiter Beirat gewählt. An Stelle des Herrn Leopold Süß, der das auf ihn gefallene Mandat ablehnte, wurde Herr Alfred Leitner in den verstärkten Kultusausschuß gewählt. Prag. Samstag am 6. Mai fand in der altehrwürdigen Zigeunersynagoge zu Prag ein feierlicher Schlußgottesdienst statt. Diese Synagoge steht in jenem Teile der ehemaligen Juden-, jetzt Josefstadt, welcher in der nächsten Zeit zu Afsanierungszwecken demoliert werden muß. Dieses Schicksal traf vor mehreren Jahren die Neusynagoge und harrt auch der Hofsynagoge. Aus Anlaß dieser Feier erstrahlte das Gotteshaus in hellster Beleuchtung und war prächtig dekoriert. Nicht nur die regelmäßigen Synagogenbesucher, sondern auch eine große Anzahl von Andächtigen und geladenen Festgästen füllten die Synagoge in all ihren Räumen. Die Feier begann mit einem erhebenden Lla-towu- Gesange, dann wurde Mincha gebetet. Hierauf wurde von dem Rabbiner der Gemeinde Herrn Dr. Aladar Deutsch vor geöffneter Bundeslade zum letztenmale an dieser Stätte das Kaiser- Gebet verrichtet. Dann betrat Herr Doktor Deutsch die Kanzel, um die Festrede zu halten, in welcher er in einer nach Form und Inhalt gleich vollendeten Weise von dieser Stätte Abschied nahm und gleichzeitig in gedrängter Kürze ein Bild des Entstehens und Bestehens des der Vernichtung geweihten Heiligtums entwarf. Kein Auge war dabei trocken geblieben. Man sah nicht nur Frauen, sondern sogar ergraute Männer weinen und schluchzen und die Mauern, in denen fie so manche weihevolle Stunde verbracht hatten, küssen und mit ihren Tränen benetzen. Nach Schluß der Predigt verricktete der Herr Rabbiner das Seelengebet für den Gründer der Synagoge, deffen Namen diese auch trug, (in hebräischer Sprache). In einem anderen Teile Prags, in der Jerusalemsgafse, erhebt sich der Prachtbau eines neuen Tempels, des Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Tempels. Dieser wird noch im Lause dieses Sommers eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. B. F. Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Kultusgemeinde hielt am 6. d. M. unter dem Vorfitze des Hofrates Dr. Philipp W e i n m a n n ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßt die Erschienenen und gibt seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der bisherige Präsident Hofrat Sigmund K o h n e r von seiner Stelle unwiderruflich geschieden sei; er beantragt, die Verdienste Kohner's protokollarisch zu verewigen und sein Porträt für den großen Sitzungssaal malen zu lassen. Die Generalversammlung nahm beide Anträge einstimmig an. Er berichtet ferner, daß Ludwig Baumgarten von seiner Stelle als Vorsteher der Finanzsektion geschieden sei. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde dem scheidenden Vorsteher Dank votiert. Nach Erteilung des Absolutoriums ergreift zum Jahresbericht das Wort als erster Dr. Wilhelm Grauer. Er konstatiert mit Bedauern, daß die Kultusgemeinde noch immer kein eigenes Gymnasium habe, und gedenkt mit Betrübnis des Umstandes, daß d i e Taufen sich von Jahr zu Jahr vermehren. Umso größerer Dank gebührt den Lehrern, welche ihr Möglichstes tun, um das religiöse Empfinden ihrer Schule zu stärken. Nachdem auch Ministerialrat Dr. Ludwig B a l l a i zum Jahresbericht gesprochen hatte, wurde dieser zur Kenntnis genommen. Die Generalversammlung stimmt mit Freuden dem Antrag des Präsidiums bei, daß dem Rabbiner Dr. Samuel Kohn anläßlich seines vierzigjährigen Rabbinerjubiläums der Titel eines

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