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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-11 · 19 (11.5.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
19 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 304 Dr. Lwcv s uoiocDenscbcm. Nr. 19 wie mit seinen Gegnern wegen des Anhangs zu seinem Roman auseinandersetzt. In diesem Anhang hat Gustav F r e n ß e n nämlich nach den Ergebnissen der neuesten Forschung ein „Leben Jesu" veröffentlicht, das vielfachen Widerspruch und Anstoß erregt hat. Darauf antwortet er nun in seinem Schlußwort, und zwar beginnt dieses mit folgendem Absatz: „Man hat gesagt, ich böte in diesem Buche eine flache Religion. Ich antworte darauf: Es hat niemals eine tiefere Religion gegeben, kann auch keine tiefere geben als die, welche bekennt: „Wie find Deine Werke groß! Du hast alles weislich geordnet. Voll ist die Schöpfung Deiner Güte!" Und: „Ich will Gott, meinen Herrn, lieben aus meinem ganzen Herzen und aus meinem ganzen Denken und aus meiner ganzen Kraft und meinen Nächsten als mich selbst." Und für diese Religion tritt das Buch ein." Das erste Zitat ist aus Psalm 104, 24; das zweite aus Deuteronomium VI, 5, und der Schluß aus Leviticus XIX, 18. Was folgt daraus? Sicherlich doch nur der einzig mögliche Schluß, daß die Religion, die diese Gebote zuerst gegeben und uneingeschränkt bewahrt hat, die tiefste Religion sein müsse. Welche Religion das ist, brauchen wir unseren Lesern nach den angeführten Zitaten nicht mehr zu sagen. Immer wieder zeigt es sich, daß alle Ideale der Gegenwart, wenn sie nach Realisierung ringen, auf die Lehren der alten hebräischen Bibel zurückgreifen müssen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Prinz Hohenlohe, der neue Minister-Präsident In Ihrem Leitartikel der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschien von bewährter Seite eine Charakteristik über den Prinzen Hohenlohe, den nunmehrigen ernannten Minister-Präsidenten. Bon allen Seiten nehmen die Zeitungen über die Persönlichkeit des Prinzen Hohenlohe Aufzeichnungen entgegen, damit man sich ein Bild über seine zukünftige Tätigkeit schaffen kann. Was er als Politiker geleistet, darüber sind von allen dem Prinzen nahestehenden Personen genaue Berichte veröffentlicht worden, und ich muß aus eigener Anschauung von allernächster Seite beifügen, die Zeitungen haben über den Menschen Hohenlohe kein Wort zu viel gesagt, eher zu wenig; denn über seine politische Tätigkeit zu zu schreiben, fühle ich mich nicht berechtigt. Er ist in der Tat von einer herzgewinnenden Schlichtheit und Einfachheit. Er spricht über Alles mit einer so gründlichen Sachkenntnis, er ist ein Mensch von so durchaus modernen Anschauungen, daß man die Gewißheit hat, man habe vor sich einen überaus fleißigen, hochbegabten Beamten, der seine Stellung nicht als Sport betreibt, sondern mit allem Ernste seinem Berufe obliegen will. In Triest war seine Stellung keine beneidenswerte. Die italienische Bevölkerung bringt dem österreichischen Statchalter keine besondere Sympathie entgegen, und wenn Prinz Hohenlohe trotzdem in kurzer Zeit zwar keine lärmende, aber desto wärmere und auftichtigere Hochachtung und Wertschätzung erworben hat, kann man sich eine Vorstellung machen, welch eisernen Fleiß, ausdauernde Energie und unbeugsamen Gerechtigkeitssinn der Prinz entwickelt hat. Im klebrigen werden die nächsten Tage den Beweis erbringen, daß sein Wollen nicht hinter seinem Können zurücksteht. Was aber für uns Juden von Wichtigkeit ist, können wir mit großen Buchstaben unterstrichen verzeichnen. Prinz Hohenlohe ist ein vorurteilsloser Mann, der den Menschen im Menschen schätzt und achtet. ’ Unter dem Prinzen Hohenlohe hat der Polizeipräsident Bussich seine Wichtigtuerei nicht mehr betreiben können, seinem enthusiastischen Antisemitismus Einhalt getan, seine Luegerfreundschast geschwächt — er hat ihn einfach kalt gestellt. Die Christlich-Sozialen werden an ihm keine Freude erleben, das kann ich wohl schon heute Vorhersagen. Hohenlohe ist ein Mensch von Gerechtigkeitssinn, den er nicht bloß in Worten kundtnt, sondern in der Wirklichkeit ausübt. Ihnen zu Liebe wird er nicht das Recht verkrümmen lassen. Bei meinem ersten Antrittsbesuch sagte der Prinz Hohenlohe, Statthalter von Triest, unter anderem Folgendes: „Bitte, in meinem Namen Ihren geehrten Glaubensgenossen meine aufrichtigste Versicherung zu übermitteln, daß ich als erster Beamter des Küstenlandes streng darauf halten werde, daß im Allgemeinen wie im Speziellen die Rechte der Juden nicht bloß auf dem Papier verbrieft dastehen, sondern auch in Wirklichkeit respektiert werden." Es wird vielleicht noch in frischer Erinnerung sein, welcher Worte sich der Prinz bei der Ueberreichung des Franz Joseph-Ordens an meinen Amtskollegen Melli bediente. Wer nun so denkt und aus seiner Denkungsart kein Hehl macht, auch Beweise dafür bereits erbracht hat, daß seine Worte nicht bloß Phrasen sind, sondern daß sie in Taten eine Bestätigung finden, der dürfte auch fernerhin ein wachsames Auge haben, daß nicht zweierlei Gewicht, daß nicht zweierlei Maß bei uns in Oesterreich im Gebrauch sei. Wir Juden haben alle Ursache, mit dem vollzogenen Tausch zufrieden zu sein, aber auch Oesterreich und all seine Völker werden dem Staatsmann Dank zu sagen wissen, der ihr Ansehen im Auslande stärken wird, der nicht dulden wird, daß Nation gegen Nation aufgehetzt werde, der es dazu bringen wird, daß alle Bürger vereint um das Wohl des Vaterlandes sich zusammenscharen. Prinz Hohenlohe schwebt sicherlich dieses Ideal vor, wir wünschen es ihm vom Herzen, daß er dasselbe auch verwirklichen könne. Mit diesem Gruße scheiden wir vom Statthalter von Triest und beglückwünschen Oesterreich zu seinem neuen Minister-Präsidenten. Triest, 8. Mai 1906. Rabbiner Dr. U. B r e t t h o l z. „Die Zukunft Palästinas". London, 1. Mai. Einer der genauesten Kenner Palästinas, Oberst C o n d e r, der wiederholt im Heiligen Lande geweilt, an der kartographischen Aufnahme desselben und an der Herstellung der meisterhaften Karte des Westjordanlandes, welche wir dem Palestine Exploration Fund danken, hervorragenden Anteil genommen hat und seit länger als einem Menschenalter sich der Palästinaforschung erfolgreich widmet — dieser berufenste Beurteiler hat vor einigen Tagen in einer Versammlung der zionistischen Vereinigung, wie bereits früher wiederholt, seine Ansicht über „Die Zukunft Palästinas" dargelegt. Die in der Tat bedeutsamen Ausführungen des nichtjüdischen Redners verdienen über den Kreis der Hörer hinaus Aufmerksamkeit und Beachtung; es erscheint mir deshalb geboten, ihren wesentlichen Inhalt an dieser Stelle wiederzugeben. Nachdem er einleitend das Ostaftikaprojekt gestreift, dessen Ablehnung durch den Zionistenkongreß durchaus zu billigen sei, fuhr Oberst Conder fort: „Ich wurde ersucht, über die Zukunft Palästinas zu sprechen. Aber, meine Herren, es ist, wie der Vorsitzende, Herr B e n t w i ch, mit Recht erinnert, Ihr eigenes Land, und die Schwierigkeit, über Palästina sich zu äußern, besteht darin, daß ich über dessen Zukunft nicht mehr wissen kann, als Sie selbst. Es muß also die Frage erörtert werden, was unter der Zukunft Palästinas zu verstehen ist, ob die unmittelbare politische Zukunft oder die fernere, das messianische Zeitalter. Letztere muß natürlich unerörtert bleiben. Das mir gestellte Thema ist die unmittelbare praktische Frage: wie sich voraussichtlich die Verhältnisse in Palästina während der Lebensdauer der gegenwärtigen Generation gestalten würden, und ich schlug selbst vor, das Vortragsthema hierauf zu beschränken. Das einzige Mittel für die Beurteilung der Zukunft besteht gemeinhin in der Betrachtung der Gegenwart und in der Erforschung der Vergangenheit, in der Prüfung der verschiedenen geographischen und ähnlichen, die Zukunft irgend eines Landes betreffenden Fragen. Ich beabsichtige deshalb, zuerst über Palästina zu sprechen, wie es jetzt ist, sodann von seiner Vergangenheit und schließlich, so weit ich dazu imstande bin, von den gegenwärtigen politischen Verhältnissen, woraus dann eine vernünftige Schlußfolgerung auf die wahrscheinliche politische Zukunft des Landes gezogen werden kann. Viele der Anwesenden dürften in Palästina gewesen sein und wissen, wie dasselbe aussieht. Mir ist es ein in allen seinen Teilen sehr genau bekanntes Land, mir war dasselbe bereits in jenen Tagen vertraut, wo es noch ein rein orientalisches Land

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