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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-11 · 19 (11.5.1906) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
19 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 .. -j* 'iZJf *«• ^«L.Ar, -vagraiyaBabJKaü^ ' r;«XW». 2t '. X^SJRSfffe* Dr. Vlocv s Mocvenscvnn. Sem 303 einander hatten und miteinander friedlich sich vertrugen, ohne gegenseitige Geringschätzung oder Verachtung, erweckte es weder Haß noch Eifersucht, wenn irgend welche neue dazu sich gesellten. Erst der strenge Monotheismus, der große Gedanke der Einzigkeit Gottes, der alle Welten allein erschaffen und erhält, die Geschicke der Menschen und Völker nach unabänderlichem Rctschluß lenkt und leitet, erst diese an sich so erhabene Idee schuf für die Religionskriege die Voraussetzung, die Möglichkeit, die verhängnisvolle und gefährliche Versuchung. Alle heidnischen Kultusformen, die Verehrung einer Kreatur oder einzelner Naturkräfte, die Anbetung der Gestirne und Planeten, erscheinen dem Bekenner des Monotheismus als Rebellion gegen den einzigen Gott; in der fortdauernden Uebung des heidnischen Kultus sieht er eine unerträgliche Verhöhnung Gottes und die glaubenseifrige Frömmigkeit hat es stets als Verdienst angesehen, die Ehre Gottes mit Feuer und Schwert zu rächen. So entstanden die grausamen und wilden Religionskriege, welche zu den betrübendsten und häßlichsten Verirrungen der Menschengeschichte zählen. Um vor solchen bösartigen Geistesverirrungen das jüdische Volk zu schützen, hat der göttliche Gesetzgeber bei der offiziellen Verkündigung des monotheistischen Gedankens gleichzeitig die Idee der religiösen Toleranz proklamiert und eingeschärft. Gotteserkenntnis ohne Milde und Duldung ist kein stützender Stab, sondern ein tötender Stahl; Religion ohne Toleranz ist nicht das köstliche Himmelslicht, welches die Herzen erwärmt und das Auge erleuchtet, es ist vielmehr eine verzehrende Flamme, deren Gluten Haß und Zwietracht entzünden, Volksglück und Volkswohlstand in Asche verwandeln, Kultur und Gesittung in Rauch aufgehen lassen. So wird uns denn verständlich, daß im 4. Kapitel des V. Buches Moses als Eingang und Einleitung zu dem Berichte über die Gottesoffenbarung am Sinaiberge die eindringliche Mahnung zu lesen ist (Vers 15): „So bewahret wohl Eure Seele, denn Ihr habet keine Gestalt gesehen am Tage, da der Herr zu Euch redete vom flammenden Berge des Horeb ... . auf daß Du nicht die Augen erhebest zum Himmel und erblickest die Sonne und den Mond und die Gestirne, all das Heer des Himmels und verleitet werdest, sie anzubeten und ihnen auch zu dienen, ascher chulek haschem elokechu ossom Iechol hoamim, tachath kol haschomoim, wie sie der Herr, Dein Gott, allen anderen Völkern zugewiesen hat. (Vers 19.) Euch aber hat der Herr genommen und herausgeführt aus dem eisernen Schmelzofen Egyptens, ihm zu sein ein Erbteil für ewig." (Vers 20.) Indem der Gesetzgeber sein Volk mahnt und aus das Eindringlichste verwarnt, von der Gottheit keinerlei Bildnis zu verfertigen, Himmelsgestirne und Planeten nicht anzubeten, weil das für Israel ein Verderbnis wäre, versichert er gleichzeitig, daß diese Kultusformen von Gott dem Herr anderen Völkern zugewiesen worden, ascher chulak haschem elokechu ossom Iechol hoamim. Der Herr, dein Gott selber, hat solche Religionsformen für die Völker bestimmt;*) die anderen Religionsformen find somit keine Rebellion gegen Gott, keine Versündigung gegen die göttliche Majestät, sie find vielmehr gottgewollt, von dem Herrn, dem Schöpfer der Welt, planvoll vorbedacht und bestimmt, ebenso wie er dir befohlen hat, ihn allein im Geiste anzubeten. Diese Toleranzlehre ist von ganz anderer Artung und Qualität, als jene, welche z. B. Lessing in der Fabel von den drei Ringen predigt. Die Leffing'sche Toleranz ruht auf dem Hintergründe des Skeptizismus; ihm empfiehlt sich die Duldung, weil im letzten Grunde niemand Beweise hat, welcher Ring der eigentlich echte sei. Die Bibel dagegen verleiht jedem Religionsbekenntnis den Charakter göttlichen Ursprunges und Willens, auf daß Israel niemals in die Versuchung verfalle, *) Daß man in einer spateren Zeit an einer solchen Auffassung des gottgewollten Charakters aller Konfessionen Aergernis nahm und durch allerhand künstliche Deutungen den klaren Wortsinn des Bibeltextes dem herrschend gewordenen Dogmatismus anbequemte, ist gewiß nicht auffällig. Aboda zara 59 a, Megilla 9 b. andere Völker- und Menschenstämme mit Krieg zu überziehen, weil sie einen anderen Kultus üben. Gott in anderen Formen anbeten, — „denn der Herr, dein Gott selber hat den Völkern jene Formen der Gottesverehrung zugewiesen". Als eine Tragik des Geschickes erscheint es. daß Israel, welches den höchsten Gedanken der Toleranz ausgebildet hat. im ganzen Lauf der Geschichte nicht aufgehört hat. ein Opfer der Intoleranz zu sein. Während der Erziehungsplan des göttlichen Gesetzgebers ihm alle Wege versperrt hat. welche zu den Verirrungen des Religionskrieges führen, wurde es später das erkorene und wehrlose Opfer religiöser Verfolgungen. Dem weitschauenden Blicke des biblischen Gesetzgebers genügt indeß die nackte Toleranz noch lange nicht. „Duldung" erscheint ihm ein armseliges Almosen und traurig das Los der „Geduldeten" im Kreise der Menschenbrüder. Darum schärfte er das Gebot ein: ..Du sollst den Fremdling lieben wie dich selber". (3. B. M. 19. 34.) „Einerlei Gesetz und einerlei Recht sei euch für den Einheimischen und den Fremden". Wo er nur auf das Recht des Fremdlings zu reden kommt, schlägt er einen warmen Ton an, der zu Herzen dringt: „Gleichwie der Ewige, dein Gott, der Herr aller Herren, der kein Ansehen der Person achtet, keine Unterscheidung unter den Menschen kennt, der da schützt das Recht der Waise und Witwe — er liebt den Fremdling, ihm zu spenden Brod und Kleid, also sollt ihr den Fremdling lieben, auch ihr wäret ja einst Fremdlinge in Egypten". (Deut. 10,12.) Der Prophet Ezechiel entwirft einen Plan für die Restauration des Staates nach der Rückkehr Israels aus dem Exil und enthält Vorschriften über die Verteilung des nationalen Bodens. Dort lesen wir: „Und dieses Land sollt ihr unter euch nach den Stämmen Israels verteilen, unter euch und unter die Fremden, die sich unter euch aushalten und sie sollen euch sein, wie die Söhne Israels. Sie sollen unter den Stämmen Israels um das Erbteil mitlosen und es soll geschehen, in dem Stamme, wo einer als Fremder wohnt, sollt ihr ihm sein Eigentum geben" spricht der Herr (Ezechiel 47, 21, 23). Man zeige uns in der Geschichte aller Völker, von dem grauesten Altertum bis in die neueste Zeit hinein, eine einzige Gesetzgebung mit dieser hochherzigen Bestimmung, die bei Verteilung des vaterländischen Bodens dem Fremden das gleiche Anrecht und den gleichen Anteil an der Scholle sichert. Man erinnere sich bloß an den grausamen Fremdenhaß. der noch heute in den zivilisiertesten Staaten Europas wütet und ihre Gesetze mit seinem Gifte durchtränkt, und man wird die Frage begreifen, die Pros. Oertli in Bern in dem von Karl Hilty herausgegebenen „Statistischen Jahrbuche der Schweizerischen Eidgenossenschaft" (Jahrgang 1890, S. 257) aufwirft, ob nicht der Geist der israelitischen Gesetzgebung mächtig wäre, die tiefe soziale Kluft unserer Tage auszugleichen, wenn wir ihr den gebührenden Einfluß auf unsere Rechtsbildung, und was noch mehr ist, auf unser praktisches Verhalten einräumten. Der berühmte Rechtshistoriker Rudolf von Jhering hat im Jahre 1887 eine geistreiche Rechtsstudie über die Pflicht der Gastfreundschaft und das Fremdenrecht publiziert, in welcher er mit großer Gelehrsamkeit den Nachweis führt, daß diese Rechtsgüter von den Semiten den Ariern überkommen find: „Der Gedanke der religiösen Heiligkeit des Gastverhältnisses ist ein semitischer Gedanke, der den arischen Völkern bei der ursprünglichen Erfassung des Gottesbegriffes nicht kommen konnte, sie haben ihn mit dem fertigen Institute von den Semiten entlehnt." An einer anderen Stelle sagt der berühmte Rechtsgelehrte: „Dem Volke, das unserer modernen Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus dadurch, daß er beide ihm gegenüber verleugnet." So weit Dr. Grunwald in seinem jüngsten Vortrag. Wir fügen hinzu: Der erfolgreiche Autor der Romane „Jörn Uhl" und „Hilligenlei" hat, durch die Angriffe auf den letzteren veranlaßt, soeben ein Schlußwort zu „Hilligenlei" herausgegeben, in dem der ehemalige Pastor sich mit seinen Gefinnungsgenoffen

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