Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Llocb's Mocbenscbrltt. Seite 397 Wien. Mitten aus seinem segensreichen Wirken wurde ein Mensch gerissen, der weit über seine enge Umgebung sich nicht nur aufrichtige Hochachtung, sondern auch bei jedem, der ihn kennen lernte, tiefe Zuneigung erworben bat. Die städtische Lehrerin Fräulein Rosa Goldhammer, die am 39. April starb, hat es verstanden, inmitten durch die Wirren und den Kampf ihrer Zeiten als eine Gestalt dahinzuschreiten, die in ihren sanften Händen den Frieden trug und sich mitleidsvoll zu denen herunterbeugte, welche nach Liebe verlangen und Liebe geben — zu den Kindern. Und mit derselben Nachsicht und Güte trat sie unter die Erwachsenen, war ihrer Familie eine abgöttisch geliebte Tochter und Schwester, ihren Bekannten eine über alles geliebte Freundin, die mit hohem Flug des Geistes überall Harmonie verbreitete, nie an sich selbst, immer an den Nächsten dachte und vor keiner Mühe zurückscheute, wenn es das Wohl ihrer Nebenmenschen galt. Ein Stück Poesie der Pflicht ist mit Rosa Goldhammer ins Grab gesunken. Ihr war Arbeit Freude und Leben, und als Vorbild eines Mustermenschen wandelte sie unter uns. Ihr gegenüber hat man es stets bedauert, daß der Kampf der Frauen um ihre Gleichberechtigung noch nicht zum Ziele gelangt ist. Denn sie hat durch ihr ganzes Tun und Lassen die Berechtigung dieses Kampfes bewiesen. Mit tiefer Trauer wurde überall auch ihr Heimgang vernommen, der wie durch eine Gunst des Schicksals in schnellem Stnrme der Krankheit erfolgte, und es zeigte sich bei ihrem imposanten Leichenbegängnis, daß unsere realistische Zeit noch die gebührende Hochachtung vor dem stillen Heldentum der Arbeit hat auf dem Felde der höchsten Ehre. Die Verstorbene wirkte außer an ihrer Schule auch als Schriftführerin des Vereines „Franz Josef- Kinderhort, als Leiterin der Abteilung. für schwachsinnige Kinder, die von der „Providentia" errichtet wurde, und hat auch durch Privatunterricht Hoffnung und Dank in den Herzen vieler Eltern hervorgerufen. Das Leichenbegängnis des Fräulein Rosa Goldhammer gestaltete sich zu einer imposanten Tranerkundgebung. Im Trauerhause waren anwesend: der Präsident der Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern, in Vertretung des Bezirksschulrates der k. k. Bezirks-Schulinspektor Professor Schwalm, der Obmann des Ortsschnlrates im II. Bezirke Ferdinand Klebinder, in Vertretung des Ortsschulrates Herr Albert Saborsly, der Vertreter der Chewra-Kadischa S. Heit, der Vorstand des Vereines „Providentia", der Geiamtvorstand des Vereines „Franz Josef-Kindcrhort", ferner der Präsident des Vereines „Esra", die Herren Rabbiner Dr. Fe uchtwan g, Inspektor Professor K a n i tz, kaiserlicher Rat Dr. Krüger, Doktor K a m i n k a, der gesamte Lehrkörper der städtischen Mädchen-Volksschule, II., Leopoldsgasse 3, Herr Bükgerschul-Direktor M a n t h n e r u. v. A. Unter den zahlreich erschienenen Damen bemerkte man die Präsidentin des „Greisenasyles" des IX. Bezirkes Frau Jda D i am a nt, Frau H a r t m a n n - L ö w y Nach einem ergreifenden Trauerchorale unter der Leitung des ersten Kantors Herrn Jurb e r g e r setzte sich der Kondukt in Bewegung. Demselben gaben sowohl die Klassenschülerinnen der Verstorbenen, als auch die Zöglinge der Abteilung für Schwachsinnige das Geleite. In der Zeremonienhalle hielt der greise Rabbiner Dr. Schmied! eine ergreifende Trauerrede. Am offenen Grabe sprachen in Vertretung des Lehrkörpers Herr Oberlehrer Fried! und in Vertretung des Ortsschulrates und des „Franz Josef-Kinderhort" Herr Ortsschulrat S ab o r s k y. „Akademischer Sportklub der jüdischen Studenten" in Wien. Tennissektion: Saison 16. April bis 15. Oktober. Sportplatz: Cricketerplatz, Prater, Vorgartenstraße. Saisonbeitrag: 15 Kronen per Person. Anmeldungen an sur. Hanns Fischl, I., Universität. Olmütz. Bei der Leichenfeier des ältesten Radetzky- Veteranen Moritz Platzek ..^':.^nebst Herrn Kantor Stößler auch Herr Kantor Friedränder als Funktionär der Kultusgemeinde assistiert. Eibenschitz. Der gefertigte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Eibenschitz bringt hiemit zur gefälligen Kenntnisnahme, daß er bei der in Brünn am 15. April d. I. stattgehabten Versammlung der Kubusvorsteher sein Fernbleiben von dieser Versammlung wegen triftiger Verhinderung dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Brünn telegraphisch zur Anzeige brachte, damit es nicht den Anschein habe, daß unsere Kultusgemeinde dem dazumal für das Judentum zu behandelnden wichtigen Gegenstände fernestehen, beziehungsweise sich von der Teilnahme an dieser Versammlung absentieren wolle. Straßnitz. Zur Renovierung der hiesigen Synagoge sind von den auswärts wohnenden Straßnitzern an Spenden zu dem in voriger Nummer dieses Blattes ausgewiesenen Betrag ferner eingegangen: Dr.Heinrich Lazarus,Advokat in Vsetin, Kronen 200.—; Dr. Hieronymus Fialla und Frau, geb. Rebenwurzel, in Brünn 50.—; Dr. Hermann Fialla und Frau, geb. Rebcnwurzel, in Wien 50.—; David Mandler in London 2 Pfo. Sterling; Samuel Spitzer in Karlsbad K20.—; Israel Guttmann in Teschen 10.—; Bernhard Schwarz in Wesseln a. M. 20.—; Moritz Samstag in Mislitz 20.—; Franz Schmitz in Oed bei Amstetten 10.—; Dr. Josef Siebenschein, Advokat in Gaya 10.—; Leopold Siebenschein in Brünn 10.—; Fritzi Jokl, geb. Anfwerber, in Göding 10. —; Charlotte Kürschner, geb. Siebenschein. in Wien 10.—; Gisela Schönböck, geb Haberseld, in Hausbrunn 10.—; Netti Triesch, geb. Sonnenschein, in Budweis 10 —; Adolf Samstag in Hosterlitz 10.—; Hermann Eisler, Landesgerichtsrat in Neutitschein 6.—; Mathilde Weiß, Bahnbeamtensgattin in Mähr.-Aussee 5.—; Johanna Brück, geb. Glück, in Göding 5.—; Johanna Höchberg, geb. Weiskopf, in Roth-Kosteletz 5.—; Katharina Sachs 2.—. Allen edlen Spendern und Spenderinnen wird hiermit der innigste Dank vom Kultusvorstand ausgedrückt. Uraufführung von Hermann Ziwis Tonbild „Ueber Babylon nach Rom". K a t t o w i tz. Dieses ungemein interessante Opus, welches an der Hand geschichtlicher Ereignisse uns die ältesten jüdischen Melodien glänzend gesetzt und instrumentiert vorführte, hatte einen stürmischen Erfolg. Als Dirigent erschien Herr Oberkantor Singer. Ihm ist es zu danken, daß die Symphonie so künstlerisch und genußreich ihre Erstaufführung erlebte. Es war eine Freude, zu beobachten, wie das gesamte Orchester dem leisesten Wink des Dirigenten folgte, wodurch es ermöglicht wurde, daß jede der zahlreichen schönen Melodien, an denen das Werk so reich ist, voll zur Geltung kam. Der stürmische Beifall, der wiederholte Hervorruf, sowie ein prachtvoller Lorbeerkranz mit Schleife waren der beste Beweis dafür, daß Herr Oberkantor Singer, der auch als begabter und feinsinniger Musiker Ruf genießt, seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit gelöst hat. Das Orchester erwies sich auch dieser fremdartigen Aufgabe vollkommen gewachsen; das uralte Klagelied Jeremias wurde, von Herrn Grundmann mit tiefer Empfindung und schönem Tone gespielt und Herr Konzertmeister Jäger hat mit seinem Solo große Bewunderung errungen. Aränyos-Maröth. (Rabbinerwah k.) In der hiesigen Kultusgemeinde wurde am 24. April d. I. Herr Samu Schlesinger, Sohn des Rajkaner Oberrabbine.s und Schwiegersohn des Straßnitzer Bezirksrabbiners Dr. F r i e d m a n n, zum Oberrabbmer mit Stimmeneinhelligkeit gewählt. Der neugewählte Oberradbiner ist ein junger Mann von bedeutender Gelehrsamkeit und großem Rednertakent. Er beherrscht die deutsche und ungarische Sprache. München. Herrn Staatsanwalt Dr. Silberschmidt, der einzige Jude in Deutschland, der dieses Amt bekleidet,. ist unter Belastung in seiner Stellung Rang und Gehalt eines Oberlandesgerichtsrates verliehen, Herr Amtsgerichts-Sekretär I. Hesselberger zum Amtsrichter in Ludwigshafen, Herr Rechtspraktikant S. Kahn zum Amtsanwalt in Kandel ernannt worden. Paris. Der amerikanische Botschafter Herr Henry White hat an den Präsidenten der Alliance Israelin Universelle in Paris nachstehendes Schreiben gerichtet: „Den 26. April 1906. Herr Präsident! Ich beehre mich. Ihnen den Empfang des so wohlwollenden Briefes zu bestätigen, den die A. I. U, mir am 9. d. M. geschrieben hat und der mir bei meiner Rückkehr von Algeciras zugestellt worden ist. Auch ich bin glücklich, daß Sie der Meinung find, ich wäre den Israeliten von Marokko in irgend einem Sinne dienlich gewesen, indem ich zu ihren Gunsten auf der Konferenz Schritte getan habe, und danke Ihnen für die Gefühle, die Sie hinsichtlich meines Landes auszusprechen die Güte hatten. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. Henry White."