Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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©eite 294 Dr. Llocv's Mocvenscvcttu Nr. 18 wegung das Gebrechen besitzt, nicht immer praktisch zu sein. Ich sympathisiere aber mit dem Zionismus, weil er eine Bewegung der Wahrheit ist im Gegensatz zur Lüge des neunzehnten Jahrhunderts, die vorgab, daß die Juden Polen, Deutsche oder Tschechen seien." Wir sügen hinzu, daß Graf Dzieduszycki ohne unsere Aufforderung es uns anheimgestellt hatte, den uns wünschenswert erscheinenden Gebrauch von unserer Unterredung zu machen. Genehmigen Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung, mit dem wir zeichnen Hermann Müller, Dr. Isidor Schalit." Budapest. Unter Führung des Präsidenten der orthodoxen Zentralkanzlei Adolf Frankl und des ersten Sekretärs Daniel Weiß machte eine Deputation der orthodoxen Juden beim Ministerpräsidenten Dr. Wekerle und beim Kultusminister Grafen Apponyi ihre Aufwartung. Mitglieder der Deputation waren die Oberrabbiner Koppel-Reich (Budap.st), Moriz Fuchs (Großwardein), Moriz Grünwald (Hußt), Josua Silberstein (Waizen) und Pinkäß Klein (Nagy-Szöllös), ferner die Mitglieder der Zentral-Durchsührungskommission: Ludwig Hartstein, Moses Freidiger (Budapest), Lazar Oesterreicher (Kirülyhelmecz), Hermann Reizmann (Kisvärda), Anton Schwarz (Großwardein), Alexander Ullmann, Ignaz Speigel (Nämet-Kereßtur), Moriz Berenfeld (Nagy-Tapolcsäny) und Berthold Blau (Boldva). Der Sprecher der Deputation Adolf Frankl begrüßte den Ministerpräsidenten, worauf dieser für die Begrüßung Dank sagte und die Deputation versicherte, daß die Religivns- und Gewiffensfreiheit einer seiner Programmpunkte sei; die Orthodoxen können nach dieser Richtung hin auf seine Unterstützung rechnen. Auch Kultusminister Graf Apponyi empfing die Deputation freundlich und erklärte auf die Begrüßungsrede, daß er selbst als eifriger Anhänger seiner Kirche Allen, die sich im Interesse der Wahrung ihrer religiösen Überzeugung an ihn wenden, seine Unterstützung an gedeihen lassen werde. Sowohl der Ministerpräsident als der Kultusminister, denen die Mitglieder der Deputation vorgestellt wurden, wechselten mit denselben Händedrücke, womit die Audienz zu Ende war. Heine im Hebräischen und Jargon. Aus den Werken Heinrich Heines ist im Vergleiche mit denen anderer deutscher Dichter, wie Schiller, Goethe usw. sehr wenig ins Hebräische übersetzt worden. Das mag vielleicht dem Umstande zuzuschreiben sein, daß in der sogenannten klassischen Periode der hebräischen Literatur, die mur didaktische Gedichte als wertvolle Literaturerzeugniffe betrachtete, das eigentliche Verständnis für Heines Lyrik den osteuropäischen Juden fehlte. Der erste, der Heines Gedichte ins Hebräische übersetzt, war der bedeutende hebräische Dichter Dr. Meyer Halewi Lettens, der auch Goethes „Faust" ins Hebräische übertrug und herausgab. Im Jahrbuch „Haassif" 1884 befindet sich eine gut gelungene Uebersetzung von Heines „Disputation". Auch der deutsche und hebräische Schriftsteller Samuely hat mehrere Gedichte aus dem „Buch der Lieder" ins Hebräische übertragen. Unter den „junghebräischen" Schriftstellern haben sich Huboschizki und Jaffs als Heine-Uebersetzer hervorgetan. Eine ausführliche Heine-Biographie in hebräischer Sprache hat A. Schulmann herausgegeben. Heinesche Lieder in Jargon-Uebersetzung veröffentlicht gegenwärtig der „Telegraph", eine in Warschau erscheinende Jargonzeitung. Am 50. Todestage des Dichters brachten sämtliche Jargonzeitungen eingehende Würdigungen Heines, die auf eine allmählich größere Popularität Heines bei den osteuropäischen Juden schließen lassen. („Köln. Ztg.") Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Frankfurt a. M. Die finanziellen Verhältnisse der vortrefflichen Gesellschaft haben sich, wie der Vorsitzende Herr Charles L. Hallgarten in der am 22. v. M. stattgehabten IV, Hauptversammlung bekannt gab, erfreulicherweise soweit gebessert, daß im laufenden Jahre die Herausgabe illustrierter Mitteilungen möglich sein wird, während im Jahre 1905 nur zwei „Notizblätter" ausgegeben werden konnten. Ein vom Vorstande eingesetztes Komitee, das aus den Herren Cornil, Direktor des städtischen historischen Museums Hierselbst, Frauberger, Direktor der Königl. Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, und Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M., besteht, hat einen vollständigen Plan für die Veranstaltung einer Ausstellung für jüdische Kunst, Geschichte und Kultur in Frankfurt a. M. vorgelegt, der einstimmig genehmigt wurde. In einer Denkschrift war das Verlangen gestellt worden, daß zunächst ein Betrag von 5000 Mark und ein Garantiefond von 50.000 Mark zur Verfügung gestellt wird, bevor man an die Durchführung geht. Der Betrag von 5000 Mark wurde sofort zur Verfügung gestellt, dagegen trug man Bedenken, im abgelaufenen Jahre die Garantiefonds-Zeichnungen zu begehren, da die Ansprüche an de: Opfersinn durch die traurigen Vorkommnisse in Rußland außerordentlich hohe waren. Der Vorstand wird aber in der nächsten Zeit die Angelegenheit wieder aufnehmen, und es wäre zu begrüßen, wenn das fördernswerte Unternehmen verwirklicht wird. Für die dritte deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 1906 hat Herr Direktor Frauberger, Düsseldorf, einen Synagogenraum angemeldet, zu dessen Herstellung mehrere jüdische Gemeinden und Kunstfreunde die erforderlichen Mittel zusammengeschoffen haben. Dem sodann von Herrn Direktor Frauberger erstatteten Bericht entnehmen wir folgende Einzelheiten: Die Tätigkeit im abgelaufenen Jahre war durch die Beschränktheit der Mittel eine nach außen hin wenig sichtbare, war aber dafür im Innern umso nachhaltiger. Die bereits in den früheren Jahren aufgehäuften Vorbilder wurden einer Revision und mit Rücksicht auf die geplante Ausstellung bereits einer eingehenden Beschreibung unterworfen. Die Besichtigung einer in Schwäbisch-Hall entdeckten Holzsynagoge aus dem XVII. Jahrhundert ergab, daß, trotz der Umänderungen, die der Besitzer in dem im Obergeschoß befindlichen Betraume vorgenommen hatte, ein sehr interessanter bemalter Synagogen - raum vorlag, und die Erkundigungen, die Redner dort und in der Nähe einzog, veranlaßten ihn, die in der Gegend zwischen Würzbnrg und Ingolstadt noch vorhandelten alten Synagogen anfsuchen, zeichnen und photographieren zu lassen. Es sind sehr interessante Aufnahmen in Pappenheim, Treuchtlingen, Kirchheim, Allersheim, Heidingsfeld, Ansbach, Feuchtwangen. Wallerstein, Klein-Erblingen, Dombühl, Steinach, Wittelshofen, Schopfloch, Bndenwiesen. Fischbach, Krumbach, Eronstein, Kriegshaber, Harburg, Donauwörth, Bobfingen, Nördlingen gemacht worden. Ganz besonders interessant war der Fund in Kirchheim bei Würzbnrg, wo sich gleichfalls im ersten Obergeschoß ein bemalter Synagogenraum aus dem XVII. Jahrhundert vorfand. Bei der Besichtigung der gemalten Synagoge von Bechhofen fand Frauberger nahe bei dem Orte einen uralten Friedhof mit einer großen Anzahl künstlerisch interessanter, zmn Teil halb eingesunkener Grabsteine. An vielen Stellen des am Bergabhänge befindlichen Begräbnisplatzes für eine Reihe jüdischer Gemeinden um Bechhofen herum konnte man vermuten, daß im Laufe der Jahrhunderte uralte Grabsteine immer tiefer eingesunken und jetzt unter dem Rasen verschwunden sind. Da bei dem uralten israelitischen Friedhofe in Worms in überaus geschickter Weise die Hebung dieser gesunkenen Grabsteine vorgenommen worden war, bewilligte der Vorstand die Mittel für Herrn Lehrer Uhlfelder, Bechhofen, zu einer Reise nach Worms und zur Besichtigung der dortigen Arbeiten, da er geneigt war, mit Zustimmung des Herrn Rabbiners Dr. Kohn, Ansbach, die Grabsteine in Bechhofen zu heben. Fräulein A. Simons hat auf einer Reise nach England geeignete Zeichnungen, beziehungsweise photographische Aufnahmen von Synagogen in Exeter, Bristol, Manchester, von einigen alten Synagogen oder deren Gegenständen in' London, von Kultusgegenständen im British-Musenm und im South Kensington-Museum hergestelll. Die Sammlung der Einzelblätter ist von 1404 auf 1540, die der Bücher von 375 auf 400, die der Originalgegenstände von 46 auf 134 gestiegen. Die Einnahmen der Gesellschaft betrugen (einschließlich eines Barvorrats von 5203°20 Mark) 9112 20 Mark, die Ausgaben 5468'60 Mark. Den Vorstand bilden die Herren Charles L. Hallgarten, Vorsitzender: Direktor Dr. Baerwald, Stellvertreter Wm.; B. Bonn, Schatzmeister; Rechtsanwalt Doktor Blau, Schriftführer; Louis A. Ricard, Stellvertreter. Außerdem gehören dem Zentralkomitee an die Herren Simon L. Baer, Eduard Cohen, Direktor Otto Cornill, Hermann Cramer, Direktor Frauberger, Düsseldorf, Julius Goldschmidt, Rabbiner Dr. Horovitz, Moritz Oppenheim, Rabbiner Dr. Plaut, Jakob L. Posen, Philipp Schiff, Rabbiner Dr. Seligmann und Leopold Sonnemann.