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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-05-04 · 18 (4.5.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 HÄ. ' . -öSfTi» Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Sette ss» Generalversammlung des Vereines zur Hebung -er Gewerbe in Wien. Am 28. April hielt der Verein seine 16. ordentlich e G e n e r a l v e r s a mm l ung ab. Wohl selten kann ein Verein mit solcher Befriedigung auf eine zurückgelegte, von tiefstem Ernste erfüllte Jahrestätigkeit Hinweisen, wie sie der vom- Präsidenten B r o d gehaltene Jahresbericht aufweist. Es war daher kein Akt der Courtoisie, daß ein ungeteilter, nicht endenwollender Beifall aller Anwesenden dem Berichte folgte und der erste Vizepräsident Herr Leopold G u t tmann im Namen des Gesamtvorstandes und der Vortragende Herr Bernhard Buchwald im Namen der Mitgliedschaft dem Präsidenten den ganz besonderen Dank für dessen unermüdliche Tätigkeit in dem verflossenen Jahre und auch in den vorhergehenden fünfzehn Jahren aussprachen. In Ehren wurde der dahingeschiedenen Mitglieder k k. Baurat Max Fleischer und Kommerzialrat Ludwig Zwieback gedacht. Der Bericht erwähnte unter Anderem : die Prämienverteilung von 20 Sparkassebüchern an Handwerksgehilfen, die 20 bis 30 Jahre in einer Werkstätte, von 10 Spqrkassebüchern an Lehrlinge, die in der letzten Lehrlingsausstellung belobt wurden; ferner einer vom Vereine improvisirten Ausstellung, die sehr ehrenhaft für unseren Gewerbestand ausfiel. Es wurden heuer zahlreiche Vorträge und Demonstrationen vom Vereine im Gewerbevereinssaale und in der Urania veranstaltet. Der Verein erhielt eine Anerkennung seitens der Direktion der Hygienischen A u s st e l l u n g 1906 für die Propaganda in seinen Kreisen. Ein Schreiben des Wiener Kultusvorstandes gelangte zur Verlesung, in welchem die Vorschläge des Vereines bezüglich Vergebung von Arbeiten und Lieferungen seitens der Gemeinde bis auf einige Punkte als angenommen erklärt werden. Nach der Handelskammer entsendete der Verein einen Delegierten. Eine Resolution an den Reichsrat gegen die neue Gewerbenovelle ist vorbereitet. Die Stellungnahme gegen den Verein „A n s ch e Emes" sowie die darauf erhaltene Ehrenerklärung wird flüchtig gestreift. U n v erzinsliche Darlehen an Gewerbetreibende wurden heuer mehr als im Vorjahre vermittelt und gebührt dem Kuratorium der Baronin Hirsch-Stiftung, sowie deren Sekretär Herrn Dr. Th. S ch o r r st e i n für deren besonders freundliches Entgegenkommen dem Vereine gegenüber der aufrichtigste Dank. Aus dem Nachlasse des Freiherrn Nathaniel v. Rothschild wurden 3000 Kronen dem Vereine zugewendet, wofür der Dank ausgesprochen wtrd. Der Toynbeehalle gehört der Verein auch in Zukunft als beitragendes Mitglied an. Den russischen Juden hat der Verein eine namhafte Spende zugeführt. Die 30.000 empfehlenden Verzeichnisse kommen auch Heuer zum Versandt. Indem der Präsident auf die im Entstehen begriffene K r e d i t g e s e l l s ch a f t, auf den unentgeltlichen Arbeitsnachweis und unsere Verpflichtung gegen denselben, auf den Verein zur U n t e r st ü tz u-n g israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, ferner auf den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten hinwies, dankte er den Journalen, in erster Reihe der „Wochenschrift", der „Wahrheit", der „N a t i o n a l z e i t u n g", für ihr Entgegenkommen und fordert die Mitgliedschaft zur Einigkeit und zum unentwegten Streben nach Fortschritt, Bildung und fachlichem Wissen auf. Der Kassabericht befriedigte gleichfalls die Versammlung und nach längerer reger Debatte, an welcher die Herren Frankl, Friedmann, Löwenbein, Bauer, Buchwald, Sonnenschein rc. teilnahmen, schloß der Präsident die 16. Generalversammlung, da wegen vorgerückter Stunde der Vortragende seinen Bortrag für ein nächstesmal in Aussicht stellte. Der Wert von Zengenanssagen. Die Antisemiten kehren gern das Argument hervor, der Fall Hilsner sei gerichtsordnungsmäßig, d. h. durch Zeugen 2c. erwiesen. Ueber die Zuverlässigkeit von minder gebildeten Zeugen mag nun folgende Burleske aus dem Rechtsleben illustrieren: Der „Vossischen Zeitung" wird aus Warschau berichtet: Bei dem hiesigen Kreisgerichte ist ein Fall vorgekommen, wie er vielleicht noch nie in den Gerichtschroniken verzeichnet wurde. Aus dem Gefängnis wurden zwei Männer namens Franz Nowakowski und Lucyan Zimny vor den Gerichtshof geführt. Nowakowski war vor vierzehn Tagen wegen Diebstahls verurteilt worden und sollte die Urteilsbegründung vernehmen, Zimny sollte wegen Einbruchs abgeurteilt werden. Nachdem dem Nowakowski die Urteilsbegründung vorgelesen worden war, wurde er abgeführt, worauf Zimny hereingeführt wurde. Alles ging nun genau nach den gesetzlichen Formen. Die Identität des Angeklagten wurde festgestellt, die Anklageschrift vorgelesen, und da der Angeklagte nicht geständig war, so wurden die Zeugen vernommen. Alsdann ergriff der Staatsanwalt das Wort, nach ihm der von amtswegen angestellte Verteidiger, und schließlich fragte der Vorsitzende den Angeklagten, ob er noch etwas zu seiner Verteidigung zu sagen habe. Darauf erwiderte der Angeklagte: „Ich bitte die Herren Richter vielmals um Entschuldigung, aber die ganze Geschichte ist ein Scherz, ich bin gar nicht der Zimny." Die Richter sahen einander verblüfft an. „Wieso? Wie kommen Sie hieher? Wer find Sie denn?" fragte der Vorsitzende. „Ich bin Nowakowski, der, den Sie vor zwei Wochen abgeurteilt haben und dem heute die Urteilsbegründung vorgelesen werden sollte, und der zweite, dem Sie das Urteil vorgelesen haben, das ist eben der Zimny. Auf dem Wege nach dem Gerichte haben wir diese Komödie verabredet, um dem Gerichte zu beweisen, daß man den Zeugen nicht glauben kann. Sie haben ja selbst gesehen, daß sie mich als den Zimny „erkannt" und dies durch den Eid erhärtet haben. Und das nennt man Gerechtigkeit!" Der Vorsitzende ordnete eine sofortige Untersuchung an, und es stellte sich heraus, daß die Sache sich wirklich so verhält, wie Nowakowski erzählte. Man beschloß daraufhin, die Sache zu vertagen und der höheren Instanz Bericht darüber zu erstatten. Graf Dzieduszycki über den Zionismus. Wien. Wir und mit uns eine ganze Anzahl jüdischer Blätter brachten die Nachricht, daß der Obmann des PolenklubA Graf Dzieduszycki, einem Zionisten gegenüber die Aeußerung gemacht hätte, er sympathisiere mit dem Zionismus, weil dieser eine Bewegung der Wahrheit sei im Gegensatz zur Lüge, des neunzehnten Jahrhunderts, als ob die Juden Deutsche, Polen oder Tschechen sein könnten. Graf Dzieduszycki richtete nun an den Abg. Dr. Byk ein Schreiben mit der Ermächtigung, von diesem Schreiben öffentlichen Gebrauch zu machen. In diesem Brief erklärt Graf Dzieduszycki auf das bestimmteste, daß er eine ähnliche Aeußerung über die angebliche Lüge des neunzehnten Jahrhunderts niemandem gegenüber gemacht habe, weil dies schnurstracks seiner eigenen Ueberzeugung widersprechen würde. Aus Anlaß dieses Dementis publiziert „Die Zeit" vom 1. Mai ein Schreiben des derzeitigen Obmannes vom zionistischen Landeskomitee, in welchem es heißt: „Wir erklären auf das bestimmteste, daß Graf Dzieduszycki in einer auf seine Einladung hin in seiner Privatwohnung zwischen ihm und den Unterzeichneten stattgehabten Unterredung tatsächlich folgende Aeußerung getan hat: „Ich anerkenne den Zionismus als eine idealistische und ethische Bewegung. Ich erkenne seine großen Vorzüge, verhehle mir aber nicht, daß er wie jede ethische Be-

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