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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-27 · 17 (27.4.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Llocb's Mlocdenscvrin. Seite 277 gemeinde-Vorsteher, als Obmann-Stellvertreter wieder-, die Herren Stingl Max als Kassier-Stellvertreter und Paul Löwenthal als Schriftführer-Stellvertreter neugewählt. Als Beiräte wurden gewählt: Die Herren Franz Beck, Fleischner Hugo, Goldmann D. H., Horowitz Emil, die Frauen Stingl Rosa, Beck Jda für Marienbad; die Herren: Doktor Siegmund für Dürrmaul, Kraus Albert für Plan, Buxbaum Siegfried für Tepl, Löwy Wilhelm für Königswart. Ein gemütliches Beisammensein schloß an die Sitzung an. — Auch anläßlich des Pucimfestes hatten wir zwei sehr schöne Veranstaltungen, deren Reinerträgnis den Ortsarmen zugute kam. Es fand ein Ball mit Vorträgen seitens unserer heimischen Jugend, sowie ein Kinderfest mit Aufführungen statt. Letzteres besonders vereinigte Alt und Jung in echter Purimfröhlichkeit und stand wie alljährlich unter der bewährten Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Doktor Goldberger, der auch im Vorjahre selbst eine dramatische Dichtung zu diesem Zwecke verfaßte, welche das Buch Esther zur Grundlage hat und mit Liebe und Geschicklichkeit seitens der Kinder dargestellt, sowie mit großem Beifall ausgenommen wurde. — Auch bei der am 15. d. M. stattgehabten Religionsprüfung, welcher der Vorstand, sowie zahlreiche Mitglieder der Kultusgemeinde beiwohnten, zeigte es sich.deutlich, was die Liebe der Schüler zum Lehrer und die Begeisterung des Lehrers für sein Amt vermag. In allen Fächern, im Hebräischlesen, im Uebersetzen einzelner Gebetstücke, sowie ausgewählter Kapitel des Pentateuch, in der biblischen Geschichte und im Hebräischschreiben zeigten die verschiedenen Stufen ihrem Alter und Anordnungen des Lehrplanes entsprechend und zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Kenntnisse. Wenn eben der Jugend nicht nur Kenntnisse, sondern auch Liebe zum Unterrichtsgegenstande der Religion eingeflößt werden, kann ein gedeihlicher Religionsunterricht erteilt werden. Der Vorsteher der Kultusgemeinde, Herr Stadtverordneter Emil Baruch, erwähnt auch in seiner Schlußansprache die sichtbaren Erfolge des Religionsunterrichtes und dankte Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Goldberger für seine erfolgreiche Mühewaltung. Der Prüfung wohnte auch Herr Bürgerschuldirektor Kolb bei, der sich ebenfalls über die Kenntnisse der Schüler in anerkennendster Weise aussprach. Die Religionsprüfung legte Zeugnis dafür ab, wie in unserer immer mehr aufblühenden Gemeinde ein gesunder Fortschritt mit treuer Anhänglichkeit an die Lehre Israels verknüpft wird. Gesamtarchiv der deutschen Juden. Aus Berlin wird gemeldet: Eine von Berliner und auswärtigen Mitgliedern gutbesuchte Sitzung des „Kuratoriums des Gesamtarchivs der deutschen Juden" wurde am 1. April im Bureau des D. I. G. B. abgehalten. Das Archiv wurde am 1. Oktober 1905 im Hause Lützowstraße 15 unter Leitung des Herrn Dr. Täubler, der durch das hiesige königliche geheime Staatsarchiv für sein Amt ausgebildet wird und dem ein Hilfsarbeiter zur Seite steht, eröffnet. Bereits hat eine größere Anzahl von Gemeinden ihm ihre Akten übergeben, andere haben das gleiche zugesagt, mit noch anderen werden Verhandlungen geführt. Dazu kommen die Archivalien des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und eine Anzahl von Urkunden aus Privatbesitz. Es ist von großer Wichtigkeit, daß diese bedeutsamen und vielfach unersetzlichen Schriftstücke, die in den Händen ihrer bisherigen Besitzer, seien es Privatleute oder Gemeinden, wie es die Erfahrung lehrt, vom Untergang bedroht sind, durch Uebergabe an das Gesamtarchiv bewahrt und der historischen Wissenschaft nutzbar gemacht werden. Jede Gemeinschaft ist es ihrer Ehre schuldig, alle auf ihre Vergangenheit bezüglichen Urkunden zu sammeln und vor der Vernichtung zu schützen. Auf einzelne Gemeinden hat das Vorhandensein des Archivs erzieherisch gewirkt, indem auch solche, die vorläufig noch nicht zur Abgabe ihrer Schätze bereit find, sich nunmehr die Ordnung und Verwahrung derselben angelegen sein lassen. Das anzustrebende Ideal bleibt es, daß alle historischen Dokumente der deutschen Judenheit an einer Stelle vereinigt werden. Von besonderem Werte sind die geschlossenen Gruppen, d. h. Sammlungen sämmtlicher Gemeindeakten während eines längeren Zeitraumes; solche find besonders von Darmstadt (mit dem Jahre 1650) und von Ostrowo (mit dem Jahre 1656 beginnend) emgegangen. Das älteste bisher eingegangene Archivstück rührt aus dem Jahre 1570 her. Das Kuratorium beabsichtigt, durch eine populär gefaßte Denkschrift das in jüdischen Kreisen noch wenig verbreitete Verständnis für die Bedeutung des Archivwesens zu heben und durch die Ernennung von korrespondierenden Mitgliedern in allen Teilen des Reiches seinen Bestrebungen Förderer zu gewinnen. Einer bei den Staatsarchiven bewährten Einrichtung entsprechend, soll an die Vorstände der jüdischen Gemeinden die Aufforderung gerichtet werden, keine Kassation von Akten vorzunehmen, ohne sich mit dem Gesamtarchiv in Verbindung gesetzt zu haben. Berlin. Es wird berichtet, daß eine Konferenz des Ehrensekretärs des Hilfsvereins deutscher Juden, Dr. Nathan, mit dem Polizeipräsidenten v. Borries am 7. April stattgefunden und ein für die 6500 hier befindlichen jüdischen russischen Emigranten günstiges Ergebnis gehabt hat. Zwar wird auf jene Emigranten, die sich in Rußland in revolutionärem Sinne betätigt haben, auch weiterhin keine Rücksicht genommen werden. Dagegen soll von jetzt ab russischen, politisch nicht verdächtigen Juden ein längerer Aufenthalt in Berlin selbst dann gewährt werden, wenn sie momentan mittellos sind und noch auf eine Realisierung ihrer Liegenschaften in Rußland warten. Es handelt sich da übrigens größtenteils um Personen, die ohnehin die Absicht haben, späterhin nach Amerika auszuwandern. Dr. Nathan bestreitet noch ausdrücklich die Richtigkeit der in einem Londoner Blatte erschienenen Notiz, daß die Mehrheit der von der Ausweisung aus Berlin bedrohten russischen Juden nach England abgeschoben werden solle. Das deutsche Hilfskomitee hat die ausdrückliche Verpflichtung übernommen, keine moralisch oder politisch zu beanstandenden Elemente nach England zu senden. Beendigung des russischen Hilfswerkes. Vom Bureau des „Hilfsvereines der deutschen Juden" wird folgendes Kommunique ausgegeben: In einer Konferenz, die in Dover stattgefunden hat und an der seitens des Zentralberichtsbureaus und des „Hilfsvereines der deutschen Juden" Herr Dr. Paul Nathan-Berlin, seitens des Russo Jewish Committee Herr N. S. Joseph-London und seitens der verschiedenen internationalen Organisationen Herr D. Feinberg („Jca" Petersburg) teilgenommen haben, wurden die definitiven Beschlüsse über die Entschädigung der durch die Pogrome heimgesuchten Juden in Rußland gefaßt. Gleichzeitig wurden dort die Bestimmungen über die Versorgung der Waisenkinder, der Witwen und der Krüppel und der erwerbsunfähig Gewordenen festgesetzt. Nachdem die Vorschläge von dem Ruffo Jewish Committee genehmigt worden find, ist die Hilfsaktion in Bezug auf Rußland als abgeschlossen zu betrachten. Die Alliance und die Marokko-Konferenz. Wir erhalten folgende Zuschrift: Berlin, den 19. April 1906. Sehr geehrte Redaktion! Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß der von Ihnen zum Abdruck gebrachte Artikel des Herrn Dr. Alfred Klee „Christen und Juden in Marokko" in seinen Angaben über die Alliance Jsraelite Universelle nur Jrrtümer enthält. Herr Dr. Klee hat dies mittlerweile bereits selbst loyalerweise zugestanden, nachdem er besser unterrichtet worden. Die A. I. U. hat nämlich, wie nach ihren Traditionen gar nicht anders zu erwarten war, sowohl von Paris aus durch den Präsidenten Leven, wie von Berlin aus durch den Vorsitzenden der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Herrn Geheimrat Goldberger, die erforderlichen Schritte getan, um bei Gelegenheit der Konferenz von Algeciras auf eine Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen in Marokko hinzuwirken. Es ist das den Gewöhn-

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