Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 276 Dr Dlocb's Moebenscbrm. Nr. 17 Jude« als Soldaten. Olmütz. Das Leichenbegängnis des ältesten Radetzky- Veteranen Moritz Platzek fand am 22. April unter außerordentlicher Teilnahme um halb 11 Uhr vormittags vom Trauerhause, Sporergafse Nr. 14, statt. Gegen 10.000 Menschen folgten dem Sarge. Den Kondukt eröffnete ein Zug des Infanterieregiments Nr. 54 und die Musikkapelle des Infanterieregiments Nr. 93. Sodann folgte der FZM. Kober-Reservistenverein, der korporativ mit Fahne unter Kommando des Kommandanten Herrn Josef Alex. Rupprecht erschienen war, weiters eine Abteilung des 1. Olmützer Veteranen- Vereines mit Fahne unter dem Kommando des Herrn Kommandanten-Stellvertreters Hartmann, eine Abteilung des Nimlauer Militär-Veteranenvereines, eine Abteilung des neugegründeten Kriegervereines Olmütz (nichtuniformiert) unter Kommando des Kommandanten-Stellvertreters Herrn StraAl, endlich eine Abordnung des deutschen Militär-Veteranenvereines Proßnitz und eine Deputation der Freiwilligen Feuerwehr Olmütz unter Kommando des Adjutanten Herrn Gabig. Insgesamt betrug die Zahl der uniformierten Leidtragenden 200. Nun folgte der Leichenwagen, an dessen Seite 6 Infanteristen des 54. Infanterieregiments als Sargträger schritten und ein Spalier der Koberreservisten. Hinter dem Sarge trug ein Mitglied die sechs Auszeichnungen des Verblichenen. Dann schlossen sich der Herr Rabbiner Dr. Oppenheim mit den beiden Kantoren Schlesinger und Stößler der israelitischen Gemeinde und die Leidtragenden an. Eine große Zahl teilnehmender Freunde, darunter viele Stabs- und Oberoffiziere, ganz besonders aber zahlreiche Unteroffiziere der Garnison und die Vorstände der hiesigen Kultusgemeinde gaben dem Hingeschiedenen Veteranen das letzte Geleite. In der Alleestraße angelangt, wurde von der Infanterie- Abteilung die dem Feldzugssoldaten gebührende Generaldecharge abgegeben. — In der großartigen Teilnahme aller Bevölkerungsschichten an dem Begräbniffe kam die Sympathie zum Ausdrucke, deren sich der Verstorbene erfreute. Das Bild außerordentlicher Teilname, das der großartige Kondukt entrollte, war aber auch in mehr als einer Beziehung interessant. Der Glanz militärischer Ehrungen galt nicht bloß dem Soldaten der — wie aus militärischen Dokumenten hervorgeht, — „sein Leben stets ohne Bedenken" seinem Vaterlande in Dienst gestellt hatte: der Glanz galt einer besonderen Spezies des heldenhaften Soldaten, dem Juden. Diese Tatsache ist eine Pointe, die hier nicht verschwiegen werden soll, — in einer Zeit, in der der Antisemitismus so gerne seine „populären" Schlagworte von der Heeres- Untüchtigkeit des Judentums auskramt, um einer ganzen Legion von Staatsbürgern die militärische Carriöre zu verrammeln. Der stattliche, rüstige Greis, der die Bürde seiner Jahre auf ungebeugten Schultern und die frohe Last militärischer Auszeichnungen auf gehobener Brust trug, — er hat diese durchsichtigen Machenschaften glänzend ad absurdum geführt, und die Decharge, die gestern feierlich der letzten Erdscholle nachklang, die seinen'ehrenbedeckten Sarg nachgeworfen wurde, rief aus dem grollenden Gewehrmunde ein neues, überzeugungsvolles „J’ accusse“ allen jenen Machenschaften entgegen. In einer kleinen, unter dem Titel „Nur ein Gemeiner!" publizierten Broschüre wird das Soldatenleben Platzeks geschildert als ein schlichtes, ausdauerndes Heldentum, das gestern ruhmvoll seinen Abschluß fand. Prag. (Ein jüdisches.Museum.) Die Affanierungsarbeiteu, welche ein altes Prager Stadtviertel bloßlegen und verschiedene alte Wahrzeichen von historischem oder künstlerischem Wert von ihrem Platze vertreiben, wie sie auch durch die Niederreißung der meisten Synagogen die dort aufgestapelten kunstgewerblichen Schätze zu zerstreuen drohen, haben den Gedanken gezeitigt, alle wertvollen Gegenstände, soweit sie nicht dem Privatbesitz Vorbehalten bleiben, zu sammeln und in einem jüdischen Museum zu vereinigen. Einstweilen werben die bereits obdachlosen Gegenstände im jüdischen Ratha.s bewahrt werden, bis ein geeigneter Ort für eine günstige Ausstellung und wissenschaftliche Nutzbarmachung gefunden ist. Dem vorbereitenden Komitee gehören außer den Vertretern der Kultusgemeinde und einiger Synagogengemeinden unter Anderen auch Magistratsrat Dr. Stein und der- Dozent der Kunstgeschichte Dr. Arthur Mahler an. Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpflegerinnen zu Preßburg. Wir können die erfreuliche Mitteilung machen, daß diese vor einigen Jahren ins Leben gerufene Anstalt, Dank ihrer zielbewußten Leitung und der Tätigkeit der ausgebildeten Pflegerinnen, von Seiten des Publikums derartig in Anspruch genommen wird, daß der Direktionsrat eine Vermehrung der Stammpflegerinnen beschlossen hat. Den Pflegerinnen ist es gelungen, das Vorurteil des Publikums, als würden sich unsere Glaubensgenossen zum Wärterdienste nicht eignen, derartig umzustimmen, daß die Anstalt auch schon in vielen Fällen außerhalb Preßburgs in Anspruch genommen wurde. Leider ist die materielle Lage der Anstalt noch immer keine derartige, daß sie allen Ansprüchen genügen könnte. Unseren wohlhabenden Glaubensgenossen wäre hier ein großes Feld geboten, wo sie ihren Wohltätigkeitssinn in einer Weise betätigen könnten, welche für die gesamte Judenheit reiche Zinsen tragen könnte. Handelt es sich doch nicht nur darum, kranken Glaubensgenossen eine entsprechende und geschulte Pflege angedeihen zu lassen, sondern unseren Glaubensgenossen wird auch ein neuer edler und achtungsvoller Beruf erschlossen. Der Direktionsrat schreibt einen Konkurs auf zwei Wärterinnenstellen aus. Die theoretische und praktische Ausbildung der Wärterinnen dauert ein Jahr. Während der Ausbildung, welche ganz unentgeltlich geschieht, bekommen die Wärterinnen volle Verpflegung und ein Jahres-Honorar von 150 Kronen. Nach erfolgreich abgelegten Prüfungen geschieht erst die endgiltige Aufnahme der Pflegerinnen mit einem Anfangs-Jahresgehalte von 300 Kronen nebst freier Verpflegung, welcher jedoch von drei zu drei Jahren steigt. Es wäre erwünscht, wenn Damen aus besseren Familien sich diesem Berufe widmen würden. Gesuche sind bis 10. Mai l. I. an den derzeitigen Präses des Direktionsrates Herrn Primarärzte Doktor Jakob Fischer zu senden. Dem Gesuche sind beizuschließen: ein Geburtszeugnis, ein Sittenzeugnis, ausgestellt von der zuständigen jüdischen Gemeinde, ein Gesundheits-Attest und Auskunft über Schulbildung. Bodenbach. (Jahresversammlung des Galizischen Hilfsvereines. — Purimveranstaltung. — Religionsprüfung.) Sonntag den 25. März fand die Jahresversammlung der Ortsgruppe Marienbad des Galizischen Hilfsvereines statt. Der Obmann Jur.-Dr. Josef Steiner, Advokat und Kultusgemeinde-Vorsteherstellvertreter, eröffnete dieselbe, gedachte der im Laufe des Jahres dahingeschiedenen Mitglieder Frauen Mathilde Stingl und Sophie Neumann, deren Andenken von den Anwesenden durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Dem Kassabericht des Herrn Siegmund Schneider, Kaufmann und Obmann des Handelsgremiums Hierselbst, ist zu entnehmen, daß die Ortsgruppe im Jahre 1905 70 Mitglieder zählte und die entsprechenden Beiträge an die Zentrale in Wien abgeführt werden konnten. Der Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Goldberger erstattete ausführlich Bericht über die Wanderversammlung in Tachau, welche der Gründung einer Ortsgruppe daselbst galt und voraussichtlich zu einer solchen führen dürste, sowie ein Referat über den daselbst gegebenen Tätigkeitsbericht des Sekretärs der Zentrale Wien. Sämtliche Berichte wurden mit Beifall genehmigt und die in der Debatte gestellten Anträge der Herren Strauß, Siegmund Doktor (Beirat für Dürrmaul) und Stingl Max zur Weitererwägung, resp. Durchführung und Beantwortung an die Zentrale Wien übernommen. Die Wahl wurde per Akklamation vorgenommen und wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder Herr Dr. Steiner als Obmann, Herr Siegmund Schneider als Kassier, Herr Rabbiner Doktor Goldberger als Schriftführer, Herr Hotelier Baruch, Kultus-