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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-27 · 17 (27.4.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Dlocv s MocdenscbrM. Seite 275 Ad Punkt 2 Anträge wurden einige interne Anfragen erledigt. Bei Punkt 3 Neuwahlen der 4 ausgelosten Vorstandsmitglieder und eine Ersatzwahl auf 1 Jahr wurden die Herren Heinrich Neufeld, Max Haas, Anton Stern, Jg. Rechnitzer fast einstimmig gewählt. Als Ersatzmann auf ein Jahr wurde Herr Siegfried Stein neu gewählt, welcher den Dank für das Vertrauen zum Ausdrucke brachte mit dem Versprechen, für die Interessen der Chewra wirken und alle ihm zukommenden Pflichten erfüllen zu wollen. Mit dem Danke an die erschienenen Mitglieder schloß der Vorsitzende die Versammlung. - Bei der hierauf erfolgten Konstituierung des Vorstandes wurde Herr Heinrich Neufeld als Präses einstimmig gewählt. Dieser dankte in herzlichen Worten und gelobte, der ihm so teueren Chewra treu zu dienen. Herr Anton Stern wurde zum Kassier, die Herren Max Haas, Simon, Weiß, Landsberger als Kontrollore im Krankenwefen, die Herren Neufeld, Haas, Stern, Simon, Stein, Landsberger, Landeis, Weiß als Turnus-Vorstände zu Leichenbegleitung, Herr Rechnitzer zum Kontrollieren der Gesuche gewählt. Dem Rechenschaftsbericht entnehmen wird folgende Aus^ führungen: Die Chewra-Kadischa für die Bezirke VI., VII., XII. und XV. hat das 41. Jahr ihres Bestandes zurückgelegt. Sie kann auf die Wirksamkeit, welche ihr in der bisherigen Erfüllung ihrer Aufgabe auszuüben vergönnt war, nur mit dem Gefühle innigsten Dankes zurückblicken. Die traurigen sozialen Verhältnisse, unter denen wir Juden jetzt in Wien leben, und die dadurch bedingten schlechten Erwerbsverhältnisse haben die Armut unter unseren Glaubensgenossen in erschreckender Weise vermehrt. Der Kampf, den unsere Chewra führt, ist ein Guerillakampf gegen einen Feind, der, an einem Punkte besiegt, an hundert anderen wieder auftaucht. So werden die Anforderungen, die an unsere Chewra gestellt werden, von Jahr zu Jahr größer, das Verhältnis der Hilfesuchenden zu den Hilfsbereiten ein immer ungünstigeres. Aber Dank und Freude erfüllt uns deshalb zunächst, in dem Verzeichnis der Wohltäter und Ve.einsmitglieder nicht wenige zu finden, die ihre menschenfreundliche Teilnahme.seit Jahrzehnten betätigen und sie in unwandelbarer Treue und unvermindertem Maße unserer Chewra erhalten mögen. Insbesondere danken wir dem großen philanthropischen Hause Freiherr v. Rothschild für die uns zugekommene Spende im Betrage von X 1000. Sie dürfen sich des Bewußtseins freuen, daß auch hier „das Gute", mit Vertrauen und Beharrlichkeit gewollt, zum Ziele geführt hat. Viel wurde im Laufe der Jahre geleistet, aber viel bleibt noch zu tun, soll die Chewra ihrer Devise treu bleiben. Der Rückblick auf eine 41jährige Wirksamkeit kann uns deshalb nicht das Gefühl getaner Arbeit einflößen, er soll uns zur energischen nie ermüdenden Fortsetzung unseres philanthropischen Wirkens ermutigen und begeistern. Was nun das Arbeitsgebiet betrifft, so hat die Chewra- Kadischa in diesem Berichtsjahre, gleich allen vorhergehenden, in Ausübung ihres Statutes viele Hilfesuchende mit namhaften Beiträgen beteilt, Witwen und Waisen unterstützt und durch unentgeltliche Verabreichung von Medikamenten wahre Gemilas Chesed geübt. Außer diesen erwähnten Wohltaten haben wir zur Bekleidung armer Schulkinder sowie zu dem von der Chewra- Kadischa gegründeten Verein zur Ausspeisung derselben, wo derzeit nahezu 100 Kinder ausgespeist werden, als auch für die bedrückten russischen Glaubensgenossen namhafte Beiträge gewährt! Greise und Erwerbsunfähige haben wir jederzeit mit Unterstützung bedacht und so hat unsere Chewra pflichtgemäß das geübt, was ihre Tendenz in höchstem Maße von uns fordert. Weiters hat sich die Chewra bei Begräbnissen von Mitgliedern und Nichtmitgliedern beteiligt, die rituellen Vorschriften überwacht und den Verstorbenen die letzte Ehre durch Begleitung der Leiche bis zum Grabe erwiesen. Für verstorbene Vereinsmitglieder fand auch dieses Jahr am 7. Adar ein Trauergottesdienst im Kultustempel XV., Turnergasse statt, woran eine große Zahl der Nachkommen nach den verstorbenen Vereinsmitgliedern sich beteiligte und Herr Rabbiner Dr. Grunwald und Herr Oberkantor Schleifer den Trauergottesdienst in würdevoller Weise abgehalten haben. Jnsbesonders die Haskara für alle seit 41 Jahren verstorbenen Mitglieder, von Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Grunwald vorgetragen, wirkte erhebend auf die Trauergäste. Zur Verrichtung von Gebeten für verstorbene Mitglieder hat die Chewra die Beistellung von Minjan veranlaßt. In diesem Sinne glauben wir statutengemäß Gemilas Chesed Halovjas Hames und Bikur-Cholim geübt und gütige Anerkennung bei unseren Mitgliedern und Wohltätern erlangt zu haben. Wir richten daher an alle Wohltäter und Mitglieder die Bitte, die von unseren Ahnen übernommene Chewra-Kadischa auch fernerhin durch gütige Spenden und Beiträge zu unterstützen, aneifernd unsere Glaubensgenoffen dazu zu verhalten, diese wahrhaft würdige Chewra zu kräftigen, denn gewiß wird der Segen Gottes unseren Wohltätern mit wahrem jüdischen Herzen an Kindern und Kindeskindern zuteil werden. „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder in Wien". In den Räumen des israelitischen Humanitätsvereines „Eintracht" Bnai Brith fand Donnerstag den 12. d. M. die konstituierende Generalversammlung des „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" statt. Schon die rege Beteiligung an dieser Versammlung bezeugte, daß es sich um eine ebenso notwendige als eminent humanitäre Schöpfung handelt, die berufen ist, ein segensreiches Wirken zu entfalten. Hiefür bieten aber auch die Namen jener Männer volle Garantie, die sich willig in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Nachstehend publizieren wir den Aufruf des Vereines, der dem Wohlwollen aller Besitzenden wärmstens empfohlen sei. Aufruf. Mannigfache Vorkommnisse und Erscheinungen der letzten Jahre haben der Erkenntnis Bahn gebrochen, daß der Jugendfürsorge ein Hauptaugenmerk zugewendet werden muß. In jenen Bezirken Wiens, in welchen die ärmste Bevölkerung das Hauptkontingent der Einwohnerschaft bildet, macht sich die stetig zunehmende Verrohung und Entsittlichung unter der Schuljugend in beunruhigender Weise bemerkbar. Groß ist die Zahl jener Kinder, die, tagsüber auf die Straße angewiesen, in der Erziehung vernachlässigt und durch mangelhafte Nahrung herabgekommen, zu Schädlingen der Gesellschaft ausreifen. Nur durch die Schaffung von Horten, in welchen die Kinder der Aermsten in schulfreier Zeit beaufsichtigt und zweckmäßig beschäftigt, an Leib und Seele beeinflußt, zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft exogen werden, kann diesem Uebel begegnet werden. So hat sich denn der „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" konstituiert, der seine Tätigkeit mit der Errichtung eines israel. Knabenhortes im XX. Bezirke, Othmargasse 46, bereits begonnen hat. Nach Maßgabe der Mittel sollen diesem Horte alsbald solche in den anderen Bezirken Wiens folgen. Von der Ueberzeugung erfüllt, daß der Verein eine ebenso dringende als segensreiche Institution bedeutet, richten wir an alle Besitzenden die innige Bitte, nach ihren Kräften zu diesem Werke der Nächstenliebe beizutragen. Der Sitz des Vereines befindet sich: IX., Univerfitätsstraße 4. Mindestbeitrag für Mitglieder X 5.—, für Gründer K 100, für Stifter X 500 laut § 4 der Statuten. Beitrittserklärungen und Geldsendungen wolle man an den Kassier des Vereines, Herrn Eman. Gottlieb Taussig, IX., Althanplatz 4, adressieren. Dr. Jos. Samuely, prakt. Ar^t,Obmann; Max Frank in Fa. Josef Jerusalem, I. Obmannstellvertreter; Univerfitätsprofessor Dr. S. Ehrmann, II. Obmannstellvertreter; Ernst Götzl, Prokurist, Schriftführer; Richard Rappaport, Privatier, Schriftführerstellvertreter; Eman. Gottl. Taussig, Kaufmann, Kassier; Karl Freund, Privatier, Oekonom.

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