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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-20 · 16 (20.4.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
16 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Dlocd's MocbenscbrM. Sette 367 „So etwas. Herr Rabbiner. Allenfalls habe ich so eine Freude davon, wie von einem kleinen Terno. Also hören Sie. Hofmanns Frau ist auf und davon und ließ ihn mit dem Geschäfte und der Wirtschaft im Stiche." Der Rabbiner war totenbleich geworden. Der starke Mann wankte und suchte nach einer Stütze.- Was ist Ihnen? rief der Schames erschreckt aus. Keines Wortes mächtig, winkte ihm Adler mit der Hand, ihn allein zu lassen, und als ihn der Schames mit einem leisen: „Seien Sie mir tausendmal mochcl!" verlassen hatte, ließ sich Adler kraftlos in seinen Lehnsessel sinken und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. Die Frau Hofmanns war die Tochter eines verwitweten Hausierers, dem sie seine kleine Wirtschaft führte und nebstbei an der Gemeindeschule ihres Heimatsortes als Jndustrielehrerin wirkte. Der neue Rabbiner war bald, nachdem er seinen Posten angetreten, in den Ortsschulrat gewählt, und in dieser Eigenschaft lernte er auch die schöne Lehrerin kennen, welche ihn nicht nur durch ihren jugendlichen Liebreiz, sondern noch mehr durch ihre hervorragende Geistes- und Herzensbildung fesselte und ihm im Laufe der Zeit eine tiefe Neigung einflößte, welche sie allen Anzeichen nach zu erwidern schien. In einem so kleinen Städtchen wie N., konnte so etwas nicht lange verborgen bleiben. Bald pfiffen es die Spatzen auf den Dächern, daß der neue Rabbiner die Jndustriallebrerin gerne habe. Auch Hofmann, der Killetyrann, hatte es erfahren, und da war in dem 50jährigen kränklichen Witwer der Wunsch entstanden, dem schüchtern freienden Rabbiner zuvorzukommen und sich um die Hand des schönen Mädchens zu bewerben. In den Augen des unbemittelten Hausierers mochte der reiche, kinderlose Produktenhändler, ohne dessen Kredit er sich nur schwer beholfen hätte, eine weit bessere Partie für seine Tochter geschienen haben, als der karg besoldete Rabbiner einer kleinen, im steten Abnehmen begriffenen Gemeinde. Ohne auf deren schüchterne Einwände zu achten, wurde Rosa von ihrem Vater, dem reichen Witwer verlobt. Das Bekenntnis des alten Hausierers, daß er materiell zu Grunde gerichtet wäre, wenn er seinen größten Gläubiger zum Feinde machte, waren für das kindlich liebende Mädchen entscheidend. Kurz nach ihrer Verlobung fand in einem Prager Restaurant die Hochzeit statt, im Beisein der notwendigen Zeugen. Mit edler Gelassenheit ertrug der Rabbiner diesen Schlag, konnte sich aber später nicht entschließen, ein anderes Mädchen zur Lebensgefährtin zu wählen, so sehr man ihn auch seitens der Gemeinde und seiner Verwandtschaft zusetzte. Wie es Rosa an der Seite ihres weit älteren, kränklichen und launenhaften Gatten erging, konnte niemand mit Bestimmtheit sagen. Es drang nichts heraus aus dem stillen Hause und Frau Rosa war viel zu stolz, um ihr häusliches Elend hinauszuschreien. Das sie aber das Aeußerste getan, daß sie durch übereilte Flucht ihre Fesseln zu sprengen versuchte, diese bei einer jüdischen Frau so ungewöhnliche Tat, daS zeugte von den Kämpfen, denen sie in ihrem Ehestande ausgesetzt gewesen. (Schluß folgt.) Literatur. Die Psalmen nach dem „zu lesenden" Texte (K'ri) geordnet und mit einem Wörterverzeichnisse für den Schulgebrauch bearbeitet von Dr. A. Frankl-Grün, israelitischer Religio?slehrer an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen in Kremsier. Die vorliegende Ansgabe der Psalmen, von dem als Gelehrten und Lehrer rühmlichst bekamilen Rabbiner der Kultusgemeinde Kremsier besorgt, weiset besondere Vorzüge auf. Zunächst einen korrekten Text, der die von den Massoreten als richtig anerkannten Lesearten des K'ri enthält und aus dem alle überflüssigen, die Schulen verwirrenden und das Lesen oft erschwerenden Tonzeichen — Neginoth — ansgeschieden sind. Aus pädagogisch-didaktischen Gründen wurden die Ueberschriftcn der Psalmen durch kleineren Druck kenntlich gemacht und ans diese Weise vom Texte getrennt; besonders hervorzuhebeu sind in dieser Beziehung die Psalmen: 18, 51, 52, 59, 60, 88. Das int Anschlüsse befindliche Wörterverzeichnis, das alle in den Psalmen vorkommenden Worte enthält und z u m e i st vom ethymologischen Standpunkte ans abgefatzt ist, wird dem Schüler bei der Präparation oder Wiederholung sehr gute Dienste leisten. Der vom Verfasser angekündigte sachliche und sprachliche Kommentar wird zur Erhöhung der Verwendbarkeit des Buches in der Schule wesentlich beitragen. Ter Druck ist sehr deutlich und schön, das Format handlich, die Ausstattung des Buches läßt nichts zu wünschen übrig. Auch der Preis ist ein geringer. Und so sei beim die genannte Psalmen-Ausgabe — für Schulzwecke wohl am besten geeignet — allen Herren Kollegen zur Einführung wärmstens empfohlen. Dr. H. P. W i e n, April 1906. Das Jahrbuch ter.Israelitischen Ungarischen Literatnrgcsrllschaft für 1906 erschien mit folgendem Inhalte: 1. Adolf A g a i, Alte Tagebücher. 2. Tr. Ludwig B l a n. Die Jr>d:n und die Weltknltur. 3. Heinrich Lenkei. Zwei Gedichte. 4. Dr. Bernhard Heller. Die Allegorie von den drei Ringen. 5. Ernst Schön, Zwei B ttler. 6 D:. Eduard R e u m a u n. M. Kayserling. 7. Engen Feh er, Bon Osten. 8. Dr. Mathias Rubin stein, Schopenhauer und Koheleth. 9. Krrl Sehest Yen. Versuchung, io. Dr. Berthold Edelstein, Die Scheidung des Judentums vom Christentum. 11. $•. Adolf St c lernen, Meine Reise nach Jerusalem. 12. Dr. Samuel Kraus; Atte Städtebilder aus Palästina, 13. Paul Avar, Jud Maies. 14. Josef Patai, Moses ibu Esra. 15. Julius V a r s ü u y i, König Davids Harfe 16. Alexander L e v i s h o n. Die Juden tu Marokko. 17. Dr. Benö P i l l i tz. Ein Brief Leopold Löws. 18 Dr. Armin Frisch. Staat und Konfession. 19. Dr. Moses Richtmann, Martin Schweiger. 20. Jgnar Gäbor, Manuellos Leben und Dichtungen. 21. Arnold Kiß. O Zion. 22. Dr. Moses R u b i n y i, Erinnerungen aus der Türkei. 23. Franz L ö w y Interessante Analogien. Zum Schlüsse: Mitteilungen über das kulturelle und administrative Gebaren der Gesellschaft. B u d a p e st. Ll. Briefkasten. „Eifriger Leser". Für die Rabb'neu war Palästinawein hinreichend vorbereitet. ft. Wie aus Oedenbnrg mitgetetlt wird, hat Dr. Karl Lueger zur Erbauung eines jüdischen Tempels in M.-S. 20 Kronen gespendet. L. Bis jetzt scheint die Wahl von 5 jüdischen Abgeordneten in Rußland gesichert, — wenn man sie nicht früher nach Sibirien verschickt. Rabbiner S. in Budapest. Den „Pester Lloyd" haben wir nicht erhalten. Gruß. K gr. Sogar Schweden macht Anstalten zum Erlast eines Einwanderungsgesetzes. Im Reichstage machte Lithander Vorschläge, man möge die Immigration von Inden aus dem Osten mit Ausnahme der Jungen, die nützliche Arbeit verrichten, verhindern. Wir möchten wetten, daß alle die Länder und Reiche, zwischen deren Politik sich die Juden wie zwischen Mühlsteinen befinden, die flammendsten Worte für Kultur und Menschlichkeit finden - wenn es sich um die Türkei oder um China handelte. B. lieber die Ethik des jüdischen Gebetes können wir Ihnen eine kleine Begebenheit mitteilen, die des Humors nicht entbehrt. Im „Mährisch-schlesischen Korrespondenten" wurde gegen die Besoldung der Brunner Stadtverordneten polemisiert und unter anderen Argumenten ein Zitat aus „Okakura" — die japanische Volksseele — angeführt, welches lautet: Wer dem Dienste der Gemeinde sich weiht. Wem die Gemeinde ein Ehrenamt verleiht, Dem sei der Lohn von Gott beschieden In der Seele Glück, in des Herzens Friedens. Von dem halte Gott jede Krankheit fern. Daß sich frisch erhalte seines Leibes Kern. Dem seien seine Sünden all verzieh'», Das sei der Lohn für sein redlich Bemüh'n. Ihn begleite des Himmels Glück und Segen Auf allen seinen weiten Lebenswegen Nun schreibt uns der Verfasser, wieso er gezwungen war, die Worte des Miicheberachgebetes, welches jeden Sabbath vor dem Kaisergebet gesprochen wird, als japanisches Zitat anzubringen. Man veranlastte ihn dazu, weil die Wahrheit der Bezeichnung den Artikel und das Blatt geschädigt hätte. Daher die japanische Flagge auf den poetischen Schönheiten unseres Gebetes. Wien. Die Antisemiten reklamieren die Toten nicht nur bei den Wahlen für sich. Anastasius Grün wurde von Lueger als einer der „Unseren" reklamiert, der Pfaffeufeind vom Klerikalen. Ter Freiheitssänger würde Lueger gewiß auf Beleidigung klagen, wenn er noch lebte. H'n viele Einsender Agitieren Sie, daß Juden russische Rente nicht zeichnen. Das ist die beste Antwort. N. Was die Klerikalen in Oesterreich ungestraft tun dürfen, zeigt ein Zirkular, das in den Schulen des X. Bezirkes verteilt wird. Es lautet darin: „Was möchte die von den Gegnern verlangte Ehereform bedeuten? Sie würde führen zur vollen Emanzipation des

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