Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 266 sr. Llocv's Mocvenscvrm. Nr-16 Dr. Moriz Schwarz und der Kassierin Frau Isidor Neubauer Wiedergewählt und daß die Wahl von den Gewählten dankend angenommen wurde. Györ. Aus dem ungarischen Amtsblatt entnehmen wir, daß von allerhöchster Stelle den Teilhabern der hiesigen altrenommierten Györer Kaufmannsfirma Elias Keppich, namentlich dessen Söhne, die Herren Wilhelm und Ludwig Keppich als Anerkennung der vielseitigen Verdienste, die sich die Genannten sowohl auf kaufmännischem, als auf Wohltätigkeits-Gebiete, speziell durch munifizente bedeutende Stiftungen für Mittelschüler am Györer Gymnasium und an der Staats-Oberrealschule rc. erworben; sowie auch den Söhnen nach weiland Franz Keppich: den Herren Viktor Keppich, Dr. Ghula Keppich und Doktor Paul Keppich und deren gesetzlichen Nachkommen der ungarische Adel mit dem Prädikat „Felpecz" verliehen wurde. Abbazia. Nach altjüdischer Sitte wurden die Seder- Abende auch in Abbazia in den Sälen der Pension Breiner feierlich und andachtsvoll abgehalten. Den Seder hat vorgetragen: Herr Nathan Halnsz, Bürgerschuldirektor aus Budapest und Herr Kantor I. Grün in Abbazia. Orden der Söhne Benjamins. Im Murray Hill Lyceum zu New-Ivrk hielt der „Orden der Söhne Benjamins" seine Jahreskonvention unter reger Beteiligung der Mitglieder ab. Nach dem vom Großmeister Abraham Rosenberg erstatteten Jahresbericht zählt der Orden heute fast 21.000 Mitglieder. Im abgelaufenen Jahre wurden 264.849 75 Dollars an Witwen und Waisen ausbezahlt, und seit Gründung des Ordens sind 3,674.752 43 Dollars für Endowments aufgewendet worden. Feuilleton. Der Killetyrann. Erzählung von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Nicht nur Kinder werden verzogen, wenn ihnen alles nach Wunsch und Willen geht. Auch bei Erwachsenen, ja bei Alten geschieht dies zuweilen. Auch Hofmann war verzogen worden, und zwar meist von dem alten Rabbiner, dem Vorgänger Doktor Adlers. Das war ein alter, frommer, ehrlicher Mann, der seine Funktionen, namentlich den Unterricht von Kindern mit Fleiß und Aufrichtigkeit verrichtete, aber weder an talmudischem, noch an profanem Wissen allzuschwer trug. Von ihm zirkulierte eine durch Originalität köstliche Anekdote, die auch in weiteren Kreisen Verbreitung fand und überall aufheiternd wirkte. Als in der Gemeinde geboren und erzogen, war er mit allen Gemeindemitgliedern auf den Dutzfuße. Aus den Zeiten, wo die Freizügigkeit in Oesterreich noch sehr beschränkt war, stammte die Gepflogenheit, das jeweilige geistliche Oberhaupt aus der Mitte der Gemeinde zu wählen, um obrigkeitlichen Chikanen zu entgehen. Es fiel niemandem ein, ihm den zu jener Zeit gebräuchlichen Ehrennamen Rebbe zu geben. Man nannte ihn allgemein Reb Salme oder Herr Lemberger. Sein sehnlichster Wunsch aber war, daß man ihn wie seine Kollegen in anderen Gemeinden: „Der Rebbe" nennen sollte. Einst ging er mit dem Vorsteher über den Marktplatz des kleinen Städtchens; da liefen zwei christliche Gassenjungen hinter ihnen her und riefen den Alten höhnend nach: Rebbe! Rebbe! wie das schon so beim Pöbel vorkommt. Ganz rot vor Freude wendete sich Lemberger an seinen Begleiter und sagte vorwurfsvoll zu ihm: Schauen Sie, Herr Vorsteher, der Kowed der Thora ist unter dem Goj! Meine Gemeinde ehrt mich nicht mit dem Namen Rebbe und die nichtisraelitische Jugend tut es. — Dieser Reb Salme fühlte sich als ein Geschöpf Hofmanns, dessen Einfluß er seine Wahl zum Ortsrabbiner verdankte. Seine Dankbarkeit hatte keine Grenzen und äußerte sich vornehmlich darin, daß er das Lob desselben als großen Talmudisten in allen Tonarten pries und verbreitete und auch dadurch zu bestätigen suchte, daß er bei wichtigen rituellen Fragen seinen Rat einholte. Der alte Mann entblödetesich nicht, betreffs einer wichtigen Entscheidung den Megen Avrom unter den Arm zu nehmen und zu dem jungen Gabbe zu gehen, um den Fall mit ihm zu besprechen. Der alte — geben wir ihm nach dessen Tode den ersehnten Ehrentitel — Rebbe war gestorben und dem Zuge der Zeit folgend, wurde an dessen Stelle ein akademisch gebildeter Rabbiner gewählt, Doktor Adler. Von diesem erwartete Hofmann nun ebenfalls eine solche Anerkennung seiner Gelehrsamkeit und dieselbe Unterwürfigkeit, wie sie ihm von dem seligen Rabbiner bezeigt wurde. Aber da kam er an den Unrechten. Doktor Adler behauptete seine Würde und vergab sich nichts in dieser Hinsicht. Im persönlichen Verkehr mit Hofmann war er freundlich und zuvorkommend, trotzdem sich dieser nichts weniger als liebenswürdig gegen ihn benahm. Er zeigte sich als echter Priester, als ein Nachfolger Ahrons, von dem es heißt, daß er den Frieden liebte und ihm nachsolgte — aber was sein Amt betraf, da blieb er fest und unbeugsam. Daran aber war Hofmann nicht gewöhnt. Wer ihm die ihm gebührende Anerkennung verweigerte, den betrachtete der Killetyrann als seinen Feind, gegen den er alle Kriegsmittel in Anwendung bringen zu dürfen glaubte. Armer, argloser Rabbiner! Es begann nun eine unausgesetzte Minierarbeit, um dessen Position zu untergraben, welche nur allzu geeignet war, den Lebens- und Schaffensmut des jungen Rabbiners zu vernichten. Jede rituelle Entscheidung wurde von dem Killetyrannen angefochten und mit hämischen Bemerkungen begleitet. Von seinem energielosen Vorgänger her fand Doktor Adler bei seinem Amtsantritte so viele Mißbräuche in der Gemeinde, die er so gerne abgeschafft oder wenigstens abgeändert hätte, jedoch wurde sein Bestreben derart dargestellt, als wollte er an den Fundamenten der Religion rütteln und dieselbe ganz und gar stürzen. Wo er aber strengere Befolgung der religiösen Vorschriften lehrte und erwartete, wurde der Rabbiner wiederum als Zelot, der für die Jetztzeit nicht tauge, ein Ueberrest aus alten, finsteren Zeiten dargestellt. Wenn Doktor Adler die Kanzel bestieg, um zu predigen, verließ Hofmann ostentativ seinen in der vordersten Reihe gelegenen Sitz und begab sich hinaus, um in der Vorhalle das Ende der Predigt abzuwarten. Nach und nach gelang es ihm, auch mehrere andere zu einem gleichen Vorgehen zu überreden, und so geschah es hie und da, daß draußen in der Vorhalle gespöttelt und gewitzelt, manchmal gar laut gelacht wurde, während drinnen in der Synagoge alles durch die ergreifende Predigt zu Tränen gerührt wurde. Doktor Adler ließ geduldig alle Unbill über sich ergehen in der festen Hoffnung, daß sein gutes Recht doch am Ende Sieger bleiben werde. Eines Tages saß er wieder sinnend an seinem Schreibtische und dachte darüber nach, wie er wieder eine böswillige Anschuldigung seines Gegners entkräften könne. Ein lautes Pochen an der Türe schreckte ihn empor und auf sein Herein stürzte Bert Schames herein, in der Eile kaum den Hut zur Begrüßung lüftend. So freundlich auch der Rabbiner gegen jedermann, besonders gegen Niedrigergestellte war, so liebte er dennoch keine Vertraulichkeit von dem klatschsüchtigen Gemeindediener und wußte ihn immer in die ihm gebührenden Schranken zu verweisen. „Was gibt's, was rennen Sie so, Schanzer?" so sprach er verweisend den ungestüm Eingetretenen an. „Herr Doktor, wissen Sie, was es in der Kille neues gibt?" „Nun, was denn Schanzer, Ihr Gesicht strahlt ja, als wenn Sie das große Los gewonnen hätten." „I, woher denn, Herr Rabbinerleben, seien Sie mir tausendmal mochel, wo soll denn unsereins ein großes Los hernehmen, höchstens daß ich einmal im Jahr in der kleinen Lotterie spiele, um dem Masl ein Türl offen zu lassen, wenn es ja einmal in mein Stübl hineingucken wolle." „Also haben Sie ein Terno gemacht?" fragte Doktor Adler lächelnd.