Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Dlocb's Mocbenscbrm. Seite 261 Herodes gänzliche Vernichtung bei ihrem Buhler nicht durchsetzen konnte, wenigstens bewirkte, daß er nebst anderen Städten mit großen Einkünften auch Jericho mit seinen Gärten von Balsamstauden Herodes entzog und ihren Besitzungen in Palästina zuteilte. (Joseph. Altert. XV. 4, 1—2.) Als nun die hochragende stolze Palme immer mehr der kleinen, unansehnlichen Balsamstaude — diese wird nur 3 bis 4 Fuß hoch — in Jericho Platz machen mußte (es kommt ja oft im Leben vor, daß das Große dem Kleinen weichen muß), da kam für Jericho, dessen Ruhm und Reichtum ja jetzt die Balsamstaude ausmachte, die Bezeichnung Palmstadt, obgleich es dort noch immer auch Palmengärten gab, immer mehr außer Gebrauch und dann in gänzliche Vergessenheit, und dieser Name wurde auf Zoar, wo die Palmenkultur am besten gedieh und auch zu der Zeit noch am Listigsten und sorgsamsten gepflegt wurde, übertragen. Daher meines Erachtens die Benennung Zoars in der talmudischen Zeit „die Palmenstadt". Möglich auch, daß schon in Richter (1, 16 und 3, 13) unter dieser Bezeichnung Zoar und nicht, wie allgemein geglaubt wird, Jeriho zu verstehen sei, da doch letzteres zu der Zeit zerstört und noch nicht wieder aufgebaut war. Freilich bliebe in dieser Beziehung noch immer die aus Samuel (10, 5) sich ergebende Schwierigkeit bestehen. Immerhin aber glaube ich dargetan zu haben, daß beiden einst blühenden und duftenden Städten (Jericho oder wie es öfter genannt wird Jerecho hatte von dem Wohlgeruch — Reach — der es umfloß, seinen Namen) die Benennung Palmenstadt gebührt. Lassen wir ihnen diese Auszeichnung, heute ist ja ohnehin die Herrlichkeit beider längst dahin. Das einstige glänzende Jericho ist jetzt ein elendes Dorf, von den Arabern Richü genannt, und wo Zoar war, ist entweder der Trümerhaufe Zaweira nach I. Schwarz oder nach Burkhardt das Dorf Ghor-Safieh im Sstdosten des Toten Meeres. Prag-Weinberge. Stark. Korrespondenzen. Delegiertenversawntlrrng der Kultus- und politischen Jsraelitengemeinden Mährens. Am 15. d. M. fand im Sitzungssaale der Brünner israelitischen Kultusgemeinde eine Delegiertenversammlung der Kultus- und politischen Jsraelitengemeinden Mährens behufs Stellungnahme zur neuen L a n d t a g s Wahlordnung statt. Als Delegierte nahmen teil die Herren: Dr. Hieronymus Fialla (Kultusgemeinde Brünn), Bürgermeister Karl Müller (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Gaya), Jaques Mayer (Kultusgemeinde Proßnitz), Bürgermeister Dr. Gustav Zweig (Politische Gemeinde Proßnitz), Dr. Ludwig Körner (Kultusgemeinde Göding), Dr. Hermann Hamlich und Heinrich Wachsmann (Kultusgemeinde Damboritz), B. L. Teltscher (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Nikolsburg), Richard Löw (Kultusgemeinde Neu-Raußnitz), Moriz M. Schnabl (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Pohrlitz), Prof. Dr. D. Schmidt (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Leipnik), Wilhelm Oesterreicher (Kultusgemeinde Jglau), Heinrich Berisch (Kultusgemeinde Auspitz), I. G. Müller (Kultusgemeinde Gr.-Meseritsch), Hermann Steiner (Kultusgemeinde Znaim), Max Hickl (Kultusgemeinde Jamnitz und politische Gemeinde Schaffa), Bürgermeister Heinrich Flesch und Dr. Berg (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Austerlitz), Philipp Ornstein (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Trebitsch), Josef Hauser und Salomon König (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Mißlitz), Bernhard Körner (Kultusgemeinde und politische Gemeinde Prerau), Emanuel Löwenthal (Kultusgemeinde Teltsch), Sigmund Schwarz (Knltusgemeinde Lomnitz). Zustimmungsschreiben waren eiugelangt von den Kultusgemeindeu: Wall.-Meseritsch, Zwittau, Kostel, Biseuz, M.-Aussee, Kanitz, Ung.-Hradisch und Boskowitz. — Wegen Verhinderung hatten sich entschuldigt die Herren: Stein (Zwittau), Jakob Stern (Mähr.-Aussee), Friedläuder (Mähr.- Ostrau), Beer (Holleschau), Rabbiner Dr. H. Flesch (Kanitz), Karl Schön (Wall.-Meseritsch), Sigm. Fürst (Ung.-Hradisch), Sigmund Hofmann (Wischau) und Dr. Sigmund Weiß (Boskowitz). Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Herr Dr. Hieronymus Fialla gewählt, welcher die Erschienenen in Vertretung der Brünner Kultusgemeinde herzlichst begrüßte. Das Referat erstattete der Sekretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, welcher, an die im Dezember v. I. in Wien stattgefundene Vertrauensmännerversammlung anknüpfend, folgende Anträge zur Diskussion stellte: Die Delegiertenversammlung beschließt: In jenen Wahlbezirken, in welchen die Juden eine verschwindende Minderheit bilden, wird es jeder einzelnen Gemeinde überlassen, sich in den Kataster jener Nationalität einzutragen, zu welcher die betreffende Gemeindevertretung gehört. In den drei deutschen Minoritäts- Wahlbezirken Göding, Auspitz und Mährisch- W e i ß k i r ch e n jedoch, in denen die Juden einen bedeutenden Bruchteil der gesamten Wählerschaft bilden, wird empfohlen, daß alle Juden sich geschlossen in den deutschen Kataster einschreiben lassen, um so das Schwergewicht ihrer Stimmen bei den Wahlen im Sinne einer jüdischen Jnteresseupolitik geltend machen zu können. Redner betont, daß sowohl diese Anträge als auch seine Ausführungen bei der seinerzeitigen Informationsreise durch die einzelnen Gemeinden lediglich dem Interesse der Judenschaft entsprechen und daß damit keineswegs beabsichtigt werde — wie dies unrichtigerweise in einzelnen jüdischnationalen Blättern dargestellt wurde — die mährischen Juden a priori in das Lager der einen oder der anderen politischen Partei hinüberzuführen. Dr. Hamlich (Damboritz) spricht sich für die Eintragung der jüdischen Wähler der genannten drei Wahlbezirke in den deutschen Kataster aus, verlangt aber, daß daselbst jüdische Kandidaten mit jüdisch-nationalem Programm aufgestellt werden. Delegierter Dr. Körner (Göding) erörtert zunächst die Verhältnisse im Gödinger Wahlbezirk, wo voraussichtlich ein jüdischer Kandidat auf deutschliber aler Grundlage gewählt werden wird. Gegenüber dem Vorredner bemerkt Dr. Körner, daß die wirtschaftlichen Interessen bei der Wahl viel mehr in die Wagschale fallen als programmatische Direktiven. Er muß daher den Vorschlag des Vorredners, daß jüdischnationale Kandidaten aufgestellt werden, ablehnen. Ein solcher Beschluß wäre so viel wie gar kein Beschluß, weil im Gödinger Bezirke ein derartiger Kandidat nicht die mindeste Aussicht hätte. Die jüdisch-nationale Bewegung sei durch unreife Elemente stark diskreditiert worden. Für die Entscheidung der Delegiertenversammlung sei auch der Gesichtspunkt des Verlustes der deutschen Schulen wichtig. Wenn sämtliche Mitglieder einer Judengemeinde sich in den tschechischen Kataster eintragen, dann wird es dieser Gemeinde nicht mehr möglich sein, ihre deutschen Schulen zu erhalten. Nach der Meinung des Vorredners solle durch die Wahl jüdischnationaler Kandidaten den Deutschen eine Stimme entrissen werden. Eine solche Illoyalität dürfe man nicht empfehlen. Oft sei eine einzige Stimme auch für die jüdischen Interessen, wie zum Beispiel für die Erhaltung der deutschen Schulen oder die Abänderung der Gemeindeordnung, entscheidend. Dr. Körner beantragt, die Beschlüsse der seinerzeitigen Vertrauensmännerversammlung der „Union" vollinhaltlich aufrechtzuerhalten.