Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 260 Dr. Llocv's Mocvenscbrttt. Nr. 16 zum Hinteren (mittelländischen) Meere im Westen und das ganze mittägliche Land, nämlich „die Ebene von Jericho, der Palmenstadt" bis nach Zoar (der südlichste Punkt, wie Dan der nördlichste) (5. B. M. 34, 3). Zuletzt wird Jericho im letzten Buche der Bibel (Chronik 28, 15) die Palmenstadt genannt. Der König Pekoch von Israel, der Achas, dem Könige von Juda, eine schwere Mederlage beigebracht und viele Judäer als Gefangene nach Samaria gebracht hatte, gab diesen über Intervention des Propheten Oded die Freiheit und ließ sie, neu bekleidet und mit allem Nötigen versehen, nach „Jericho, der Palmenstadt" bringen, von wo aus jeder in seine Heimat zurückkehrte. Im Buche der Richter wird die Palmenstadt zweimal genannt, ohne daß aber auch Jericho dabei erwähnt würde. Es heißt nur dort, daß die Kaniten von der Palmenstadt mit den Söhnen Judas in die Wüste zogen (1, 16), uud weiter, daß der König Eglon von Moab im Vereine mit den Ammonitern und Amalekitern die Palmenstadt erobert hat (3, 13). Nachdem in der ganzen Bibel keine andere Stadt als Jericho die Palmenstadt genannt wird, so ist es und halten es alle Uebersetzer und Erklärer der Bibel für etwas Selbstverständliches, daß auch an diesen Stellen unter Palmenstadt nur Jericho gemeint sein kann. Freilich wirst sich jedem Bibelforscher sofort die Frage auf, hat doch Josua Jericho gleich nach desien Eroberung dem Boden gleich gemacht und den Fluch über denjenigen ausgesprochen, der die Stadt je wieder aufbauen wird und nach dem Zeugnisse der Bibel selbst (Könige 16, 34) hat erst ein gewisser Chiöl aus Bethsel unter dem Könige Achab das Verbot übertreten und wurde von Fosuas Fluch getroffen, wie konnte also der Moabitenkönig die gar nicht mehr vorhandene Stadt erobern? Eine gleiche Frage ergibt sich übrigens auch aus dem Bericht (IL Samuel 10, 5)) daß David seine von den Ammonitern beschimpften Gesandten in Jericho warten ließ, bis ihnen der Bart wuchs, den ihnen die Ammoriter zum Schimpfe abgeschuitteu hatten; — zur Zeit Davids war ja Jericho noch nicht wieder aufgebaut? Zur Lösung dieser Fragen behauptet Michaeüs (Mos. Recht III, § 145, S. 13, Fg.), daß Josua nur die Festungsweck zerstört und diese wieder herzustellen verboten habe uud das habe Chiel getan; ein anderer, Knobel zu Josua 6, 26 meint wiederum, daß das in der Zeit zwischen Josua und Ochab erwähnte Jericho wahrscheinlich nicht auf dem alten Platze lag, dieser sei erst wieder von CHM bebaut worden. Sei dem aber wie immer, immerhin ist eS Jericho, welches in der Bibel die Palmenstadt genannt wird. Und in der Tat waren in der Gegend von Jericho die herrlichsten Dattelpalmen zu finden und erstellten fich die Datteln von Jericho des besten Rufes. Das bezeugen auch griechische und römische Schriftsteller. So Strabo (XVI 41, p. 763 A). Dieser spricht von Palmenhainen in der Nähe von Jericho, welche 100 Stadien lang wären. Auch Theophr. Hist. Plant. (IX 6,1) spricht von den königlichen Gärten bei Jericho und ihren herrlichen Dattelpalmen. Ebenso Plinius: Judaea vero enelyta est vel magis palmis (13, 6\ — Sed copia ibi atqne fertilitas, ita nobilitas in Jadaea, nec in tota, sed a d Hi er ich untern maxi me. Auch Tacitus (Hist. 5, 62). Umsomehr muß es befremden, daß im Talmud nicht Jericho, sondern die Stadt, welche bei der furchtbaren Verheerung des Tales Siddin von allen daselbst gelegenen fünf Städten allein verschont blieb und wohin sich Lot mit seinen Töchtern flüchtete, Zoar, die Palmenstadt genannt wird. Zoar fühck vor der schrecklichen Katastropbe den Namen Bela; von den Wockn Lots: „Sie ist doch klein (mizor)" erhielt sie den Namen Zoar (die Kleine). Noch eine zweite Stadt, welche in jener Gegend lag, hat den Namen, den sie zu der Zeit hatte, später geändert. Es ist dies der Ort Chazazor-Tamar (Palmenchazazor). Zur Zeit Davids und Sauls heißt der Ort En-Gedi (Quelle des Böckleins). Daß En-Gedi mit Chazazor-Tamar identisch ist, wird in der Chronik (20, 2) ausdrücklich angemeck. Doch kehren wir zu Zoar zurück. Diese Stadt war wohl nichr bloß die kleinste, sondern auch die südlichste von den fünf Städten des Tales, sie wird darum auch zuletzt genannt. Darauf weist auch der Umstand hin, daß die Thora Zoar als den südlichsten Punkt des Landes bezeichnet, den Mose nach dieser Richtung hin gesehen hat. Dan begrenzte seinen Gesichtskreis in Norden, das Mittelländische Meer im Westen und Zoar im Süden. Cer-Scheba, das sonst in der Bibel als äußerster südlicher Punkt bezeichnet wird, lag vom Standpunkte Moses aus mehr in westlicher als in südlicher Richtung. Möglich auch, daß der Blick des Gottesmannes gar nicht bis dahin gereicht hat. Jedenfalls ergibt sich daraus, daß die Behauptung von Schwarz (Tebuoth-ha-Erez S. 23), Zoar sei nördlich von Sodom gelegen, da wo jetzt die Trümmerstätte Zaweira ist, unrichtig ist und daher von Neubauer mit Recht bestritten wird. Im Talmud wird nur dieses im äußersten Süden des Landes, an der Südküste des Toten Meeres gelegene Zoar die Palmenstadt genannt. In der letzten Mischnah des Traktates Jebamoth (122a) wird nämlich zur Begründung der Behauptung, daß auch die Aussage einer Frau genügt, um den Tod eines Mannes gerichtlich festzustellen und dessen Witwe die Erlaubnis zur Wiederverheiratung zu erteilen ein diesbezügliches Faktum erzählt. Die Erzählung wird mit den Worten eingeleitet: „Es gingen einmal Männer (Söhne Lewis) nachZoar, der Palmen st ad t, da erkrankte einer von ihnen auf dem Wege usw." An einer anderen Stelle (Peßachim 52 a) wird wiederum gesagt, daß man im siebenten Jahre, dem Brachjahre allenthalben so lange die eingesammelten Datteln essen dürfe, als noch solche in Zoar im Freien vorhanden sind. Zu Zoar bemerkt nun Raschi: „das ist die Palmenstadt, d. h. dort waren die ausgedehntesten Dattelpalmenpflanzungen und deßwegen waren dort Datteln am längsten im Freien zu finden." Die angeführte Stelle aus Peßachim babli ist der Toßifta 8 entnommen, dort ist Zoar zu lelen, obgleich im Talm. jerusch. Jericho steht. Wie kommt nun der Talmud dazu, Zoar als die Palmenstadt zu bezeichnen, während doch die Bibel Jericho so benennt? Allerdings hat es auch bei Zoar, wie an dem ganzen westlichen und südlichen Ufer des Salzmeeres, Palmen gegeben. Wurde doch, wie schon bemeck, En-Gedi, das auch wegen seines vorzüglichen Weines berühmt war, ursprünglich wegen seines Dattelreichtums Chazagon-Tamar genannt. Aber das allein wäre doch noch kein genügender Grund, das biblische Attribut Jerichos ohneweiters auf Zoar zu übertragen. Ich glaube nun einen wesentlichen Grund hiefür in Folgendem zu finden. In der nachexilischen Zeit und noch mehr zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels trat in der Umgebung von Jericho die Kultur der Dattelpalme vor der Kultur der Balsamstaude in den Hintergrund, weil die letztere einen viel reicheren Gewinn brachte als die erstere. Der im Altertum so hochgeschätzte Balsam (hebr. Losem, chald. Apharsemon-Balsa^ mon) war ein Produkt Palästinas und insbesondere Jerichos. Alexander der Große ließ sich bei seiner Anwesenheit in Palästina die Kultur der Balsamstaude in den Gärten von Jericho zeigen. (Theophr. Hist. Plant. 9, 6). Strabo (XVI., 2) sagt, daß nur in den Gärten von Jericho die Balsamstaude anzutreffen wäre, und Justin (Hist. 36, 3, 2) meint, daß Judäa einen großen Teil seiner Einkünfte aus der Kultur der Balsamstaude beziehe. Noch zu Plinius Zeit, wo diese Kultur von der römischen Verwaltung sehr ausgedehnt wurde, bezahlte man den Sectar an den Fiskus zum Wiederveckufe mit 300 Denaren. Der Handel mit Balsam war zur Zeit Christi so ausgedehnt und so gewinnreich, daß man den Wohlstand Palästinas von ihm ableitete. (Justin Plinius ibid.) Eine besonders reichfließende Geldquelle war die Balsamproduktion in Jericho für Herodes I. gewesen. Er ließ auch in dieser, ihm die reichsten Schätze liefernden Stadt einen Palast, ein Amphitheater und eine Rennbahn bauen, dort verbrachte er auch seine letzten Lebensjahre und starb daselbst. Die egyptische Königin Kleopatra, die eine Feindin des Herodes war, glaubte daher diesem keinen schwereren Schlag versetzen zu können, als dadurch, daß sie bei Markus Antonius, nachdem sie