Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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;*4wuiuu« Seite 254 Dr. Llocd s Mocbens^oritt. . Nr. 16 nur eine Schaumschlägerei vor den Augen des jüdischen Publikums, die ihre Wirkung versagt. Es ist also nur der reine Vorteil — soweit Reinheit in Betracht kommt, — der die Handlungsweise der österreichischen jüdischen Finanziers btstimmt hat. Unsere russischen Brüder können es auf Heller und Pfennig berechnet bekommen, um welchen Preis man sie verraten hat. Die Judeuhetzen der russischen Regierung haben ihre Geldverlegenheit mit herbeigesührt, denn die Organisation der schwarzen Hundertschaften macht nicht geringe Kosten. Vielleicht ist die Regierung den Baudenführern noch Geld schuldig und wird sie jetzt vergnügt aus den Millionen bezahlen, welche ihr von österreichischen Juden gegen guten stützen zur Verfügung gestellt wurden. Von österreichischen Juden, welche in der jüdischen Oeffentlichkeit eine große Rolle spielen. Damit ist uns ein neues Brandmal vor den Juden im Auslande aufgedrückt worden. Schon früher war das Ansehen der österreichischen Juden in den anderen Reichen nicht eben groß gewesen. Man vermißte bei uns den rechten Stolz, die richtige jüdische Opferwilligkeit. Nun wird das Urteil über uns mit Recht noch mehr zum Tiefstand heruutersinken. Unsere Worte, der Ausdruck unseres Gefühles werden mit Recht vollständig mißachtet werden, wenn es widerspruchslos dabei bleibt, daß führende Juden dem Todfeinde in Rußland die Waffe gegen die eigenen Brüder, gegen Freiheit und Recht des materiellen Vorteils wegen in die Hand gegeben haben. Gar so skrupellos darf der Fiuauzmarkt nicht sein, und wenn er es ist, so mögen seine Vertreter der öffentlichen Kritik behutsam aus dem Wege gehen. Es ist sehr schmeichelhaft für die Wiener Kultusgcmeiude und erfreulich, daß bedeutende Männer des Judentums ihre Kräfte dem Gemeinwohl widmen. Aber an der Spitze der Gemeinde zu stehen, bedeutet nicht nur, strenge über Einnahmen und Ausgaben zu wachen, den Gehalt irgend eines Beamten zu erhöhen und eine gute Verwaltung zu führen, sondern vor allem Ehre, Ansehen mrd Kraft der Gemeinschaft nach innen und außen zu stärken und die Selbstachtung der Mitglieder des Verbandes zu wahren und zu erhöhen. Dessen ist sich auch der Wiener Vorstand bewußt und er entwickelt eine scharfe Tätigkeit, um einen Krebsschaden am Körper der Gemeinde zu heilen. Er ist bemüht, die Taufseuche zu bannen. Er läßt Vorträge über das Wesen und die Geschichte des Judentums halten, er bietet manchmal vieles auf, um womöglich zu erfahren, warum dieser oder jener übergetreten ist, um den tieferen Ursachen eutgegentreteu zu können. In Aufrufen und Predigten wird verlangt, daß man um eines materiellen Gewinnes nicht das Judentum von sich werfe. Der arme Teufel also, der bitter um die Not des Lebens ringt, soll Leid und Armut aus idealen Gründen tapfer weiter tragen; reiche, maßgebende Faktoren aber, die das fordern, vergessen für ihre Person in dem Momente, wo es sich um ein paar Millionen handelt, alle ihre Pflichten gegen das Judentum und dessen Ehre und verkaufen ihren Bruder ohne Not um Silberlinge. Will man bedenken, wie furchtbar dieses Beispiel für die Massen ist und wie alle Tätigkeit gegen den Abfall von einer solchen Tatsache vernichtet wird? In weiterer Zukunft schlummert noch eine große Gefahr, welche dem Judentum durch die Anteilnahme seiner Führer an der russischen Anleihe droht. Wie, wenn das Publikum sein Geld verliert? Pierpout Morgan, der reiche Amerikaner, der niemals Bedenken hat, wenn es sich um gute Geschäfte handelt, ist von Paris weggefahreu, ohne sich au der Anleihe zu beteiligen. Das ist bei einem so geriebenen Finanzier sehr verdächtig. Wenn nun eine. Katastrophe in Nussenwerten in Oesterreich jemals eiutritt, wird daraus wieder ein Feldzug des Antisemitismus, unter dem wohl nicht die schnldtragendeu Reichen, aber der schuldlose Mittelstand schwerleiden wird. Denn wird man vergessen, daß in Mehrzahl es christliche Finanzmäuner waren, welche das Russengeschäft nach Wien gebracht haben? Man wird ausschließlich und allein dem Judentum die Verantwortlichkeit aufhalsen, ebenso wie das gepeinigte ausgebeutete russische Volk die Wuchersummen, die es für die materielle Unterstützung seiner Todfeinde wird zahlen müssen, dem Judentum allein nachrechnen wird. An den Juden ist es nun, zu beweisen, daß sie nur für Ehre und Recht, gegen Schande und Verrat solidarisch sind. Sie müssen durch Abwesenheit von der Zeichnung der Anleihe zeigen, daß sie ihre Ehre vor sich selbst, den Christen und den Juden im Auslande nicht um wenige Perzente verkaufen. Den Herren aber, die um materiellen Nutzen alles tun, wünschen wir noch einen Nebengewinn. Zu ihrem Bargeld möge ihnen der Zar die Photographien der getöteten jüdischen Selbstwehr, der von Lanzen durchbohrten jüdischen Säuglinge, der geschändeten und erwürgten Weiber in kostbarem Rahmen schicken. Das sind die richtigen Ehrendiplome für ihre Tat. — y. * * * Wir resümieren : Die Stärkung der Reaktion durch die europäischen Finanzmäunerist der schwerste Schlag für das jüdische Volk in Rußland. Selbstverständlich wird die russische Regierung dafür sorgen, daß au den Osterfeiertagen dieses Jahres kein Judenmorden stattfindet; politische Unruhen könnten die Aufgaben der klugen Finanzmäuner, die neuen russischen Papiere dem dummen Publikum anzuhängen, einigermaßen erschweren. Allein, wenn dieses Geschäft versorgt sein wird, dann wird das Judcubrennen wieder losgehen nach dem Programme PlehweS: „Die russische Revolution in Strömen jüdischen Blutes zu ertränken". Dann wird man wieder Trauergottesdieuste abhalten und Geldsammlungen veranstalten für die Hinterbliebenen der Opfer!! Noch hat der Zar nicht ein einziges Wort der Mißbilligung über die entsetzlichen Judenmassakns geäußert, noch hat er nicht einen einzigen Rubel gespendet für die Hinterbliebenen der unglücklichen Opfer; die mörderischen Urheber und heimlichen Leiter der Judenpogrome werden durch kaiserliche Huld ausgezeichnet und befördert. Man kennt die heitere Geschichte von der angeblichen Tausendkronenspende des russischen Botschafters am Wiener Hofe Fürsten Urussow, von welcher in der „Neuen Freien Presse" und im „Neuen Wiener Tagblatt" zu lesen war. Die russische Regierung in Petersburg ließ diese Meldung kategorisch offiziell dementieren. In Rußland konnte nämlich die Meldung von der Spende des russischen Botschafters das niedere Volk zu der Meinung verleiten, die Ermordung der Juden sei gar nicht im Sinne und nach Wunsch des Zaren, kein patriotisches Werk mehr - eine solche Ketzerei wäre sehr unwillkommen, daher beeilte man sich, die „Wiener Mitteilung" für unrichtig zu erklären, den „Schandfleck", wie der „Fraind" damals sagte, abzuwaschen. Es ist historisch außer allen Zweifel gestellt und wurde durch Zeugenaussagen auch gerichtlich festgelegt, daß die russischen Mordbrenner, die Huligans, von der russischen Negierung für. die Mordarbeit per Tag bezahlt und mit dem nötigen Revolver ausgerüstet wurden; ferner, daß in einzelnen Städten, wie z. B. in Homel, das russische Militär aktiv an den Judenmassakres teilgenommen hat. Sobald die angegriffenen Juden sich wirksam gegen die Mörder zur Wehr setzten, griff das Militär ein, eutwäffnete die Juden, um den Mördern freie Bahn zu schaffen. In Nr. 47 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vorigen Jahrganges haben umeinen Brief aus Odessa abgedruckt, in welchem cs wörtlich heißt: „Tieflraurig für uns ist der Gedanke, daß die