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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-13 · 15 (13.4.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Dlocb's MocdenscdrM. Seite 351 Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Berlin. Einkommens¬ und Besteuerungs-Verhältnisse im Großherzogtum Baden. Die Zahl der Juden in Frankfurt a. M. Russische Studierende an westeuropäischen Universitäten. Literatur Dr. N. S a m t e r: Judentaufen im 19. Jahrhundert. Vierundzwanzigster Bericht der Lehranstalt sür die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Inhalt: I. Antrittsvorlesung von Dr. A. S. Iahuda: Die biblische Exegese in ihren Beziehungen zur semitischen Philologie. II. Ansprache von Professor Dr. S, M a y b a u m, gehalten bei der Louis Simon'schen Gedenkfeier. III. Jahresbericht des Kuratoriums. Berlin 1906. Briefkasten. Patriot. Gar so unerklärlich ist die Haltung der Antisemiten in den beiden Reichshälften unserer Monarchie anläßlich der Beilegung der ungarischen Krise nicht. Man hätte zwar glauben sollen, daß die Elemente, welche ihren angeblichen Patriotismus bei jeder Gelegenheit so auffällig betonen, glücklich darüber sein müßten, daß der Ausgleich zum größten Vorteil der Dynastie und der Nationen möglich wurde. Was aber liegt den Leuten am Vorteil des Reiches, wenn ihr eigener Vorteil dabei leidet! Ihr Interesse verlangt es nun einmal, daß alles drunter und drüber gehe, damit sie dann im Trüben umso beffer fischen können und sich überdies noch als Patentretter des Staates aufsprelen. Daher die Wut der Sudelmeier in den Redaktionen der österreichischen Antisemitenblätter, daher auch die Machinationen der ungarischen katholischen Volkspartei in zwölfter Stunde, obwohl ihr Land den verhängnisvollsten Zuständen entgegenging. Um ihren trüben Machenschaften aber denn doch ein fadenscheiniges Mäntelchen der Ehrlichkeit umzuhängen, waren es wieder einmal die Juden, die aus unauffindbaren Beweggründen irgend einen unerklärlichen Palawatsch anrichteten. Da nun der antisemitische Blödsinn trotz aller Kunst, zu lügen, nicht viel anderes fand, mußte der ungarische Justizminister sich den Vorwurf des Judentums gefallen lassen. Seine schneidige Antwort darauf bringen wir an anderer Stelle des Blattes. Dieses Herbeischleppeu des Judenpunktes erinnert uns an eine heitere Episode aus dem Parlamente. Hier standen einmal Sozialdemokraten und Christlich-Soziale in lebhaftem Wortgefechte einander gegenüber.. Es war in der Lobmeyer- Debatte. Die Christlich-Sozialen verschwendeten ihre saftigsten Ausdrücke, aber das machte ihre Sache nicht beffer. Da rief plötzlich Strobach den Sozialdemokraten zu: „Saujuden!" Daraufhin stellte sich Pernerstorfer auf, hob begeistert die Hände und rief unter schallender Heiterkeit mit Stentorstimme in den Saal: „Gott sei Dank, endlich ist das erlösende Wort gefallen". H. F. Den erziehlichen Einfluß des Klerikalismus können Sie jetzt anläßlich des Ausbruches des Vesuvs beobachten. Statt nämlich den armen Soldaten bei den erschöpfenden Rettungsarbeiten zu helfen, Dämme zu bauen und dem Nachbarn zu Hilfe zu kommen, strömt die Bevölkerung der bedrohten Ortschaften in den Kirchen zusammen und durch Gebet die Hilfe der Heiligen zu erlangen. Trotz dieser großen Frömmigkeit aber berichten die Korrespondenten, daß auf allen Wegen zur Flucht hilflose Greise und Kinder gefunden werden, die von ihren Angehörigen im Stiche gelassen sind. Gewissenhaft. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß das „Deutsche Volksblatt" die unendliche Liste seiner journalistischen Blamagen wieder um eine vermehrt hat, indem es über eine Theatervorstellung berichtete, die gar nicht stattfand. Das ist nichts Neues. Besonders scherzhaft sind nur die Nebenumstände. So hält der Referent Macchiavelli für ein Pseudonym und schimpft über das Stück, weil es von echt jüdischem Geiste getragen sei. Auch über den mauschelnden Beifall der Stammesgenoss n (!) weiß er zu berichten. Ja, ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst! Bei dieser Gelegenheit ein paar Worte über die Ehrlichkeit antisemitischer Kritik. Im Feuilleton über die Jahresausstelluug im Künstlerhause sind gerade die besten jüdischen Maler nicht genannt, obwohl es zu einer Zeit geschrieben wurde, wo die Namen der Prämiierten bereits bekannt waren. Nun, die christlichsozialen Sumper werden es nicht kontrollieren. Lehrer. Die Absicht der christlich-sozialen Lehrer, die in Massen ihren Eintritt in die freisinnigen Berufsvereine anmeldeten, war klar. Sie wollten die von den Christlich-Sozialen gefürchteten Hochburgen der freiheitlichen Intelligenz nach bewährtem Muster überrumpeln und terrorisieren. Es ist geradezu ein Verdienst an der Freiheit und am Fortschritt, daß dieses Attentat vereitelt wurde. Elbe. Pilsen. Wir ersuchen höflichst, vorerst bei der Leitung des Vereines vorstellig zu werden, deren Vorgehen wir durchaus nicht billigen. Vielleicht können sich die Herren bei Ihnen durch dringende Umstände entschuldigen und dadurch würde eine unerquickliche Polemik vermieden. Dr. D. S. Münch. Ihre Arbeit mit Dank abgelehnt, da das Thema bereits jeder Aktualität entbehrt. Manuskript senden wir Ihrem Wunsche gemäß, retour. Notizen. Wiener Versicherungsgesellschaft. Unter dem Vorsitze des Verwaltungsratspräsidenten Paul Ritter v. S ch o e l l e r hat diese Gesellschaft am 7. d. ihre 25. ordentliche Generalversammlung abgehalten Dem Jahresberichte ist zu entnehmen, daß die Entwicklung der Gesellschaft, namentlich in der Feuerversicherung, neuerdings erfreuliche Fortschritte gemacht hat, so daß die Gesellschaft in der Lage war, die Reserven in der ausgiebigsten Weise zu dotieren und ein recht befriedigendes Endergebnis auszuweisen. In der Feuerversicherungsbranche wurden Werte im Belaufe von K 1,535,651.804 versichert und eine Prämleneinnahnie von K 8,862.723 erzielt, wogegen die Schadenzahlungen unter Berücksichtigung der pendenten Schäden X 5,955.708 betrugen In der Trauspcntversicherunqsbranche wurden nach einem Versicherungswerte von X 31,882,267 zuzüglich der Polizzengebühren X 484 032 an Prämien vereinnahmt, dagegen beliefen sich die bezahlten und reservierten Schäden auf X 275.943. Die Versicherungssumme in der Hagelversicherungsbranche betrug K 62,612.801, die Prämieneinnahme X 1,572.329, während für Schadenzahlungen X 1,510.998 erforderlich waren. Das Portefeuille der in späteren Jahren fälligen Prämienscheine bezifferte sich Ende des Jahres 1905 auf X 17,632.449. Die frei von jeder Belastung zurückgestellte Feuerprämienreserve für eigene Rechnung beträgt X 2,862.947, die Reserve für Kursschwankungen X - 26.753. Die Fonds der Gesellschaft betragen mit Schluß des Jahres 1905 K 7,570.08 i und erscheinen durchwegs in erstklassigen Werten placiert. Nach Erteilung des Absolntoriums wurde beschlossen, von dem Reingewinne per K 452.257 nach Kürzung der statutenmäßigen Tantiemen an den Verwaltungsrat und Vorstand a) dem allgemeinen Kapitalsreservefonds X 50.817 zuzuwenden, wodurch derselbe die Höhe von X 900.817 erreicht; d) den Beamtenhilfsfonds durch Zuweisung von X 50.000 auf K 500.000 zu erhöhen; c) K 250.000 als Dividende zu verteilen, mithin den Coupon Nr. 25 mit X 25 ab 9. d. zur Einlösung zu bringen und den Rest von K 63.326 auf die Rechnung des Jahres 1906 vorzutragen. Wiener Lebens- und Rentenverficherungsanstalt. Die XXIV. ordentliche Generalversammlung dieser Anstalt fand am 7. d. unter Vorsitz des Verwaltungsratspräsidenten Paul Ritter von S ch o e! l e r statt. Laut des Vorstandsberichtes beträgt die Neuproduktion im abgelaufenen Jahre rund 12 Millionen Kronen an versichertem Kapital und 23.000 K. an flüssiger Rente; der Versicherungsstand per Ende 1905 umfaßt 26.869 Polizzen über rund 105 Millionen Kronen an versichertem Kapital und 495 000 Kronen an flüssiger Rente. Die Mortalität ist — gleichwie in den früheren Jahren — hinter der erwartungsmäßigen Sterblichkeit zurückgeblieben. Die durchwegs popillarsicheren Vermögensanlagen haben beträchtliche Erhöhungen erfahren, so daß die Gewährleistungsfonds der Anstalt nunmehr die Summe von 31 Millionen Kronen überschritten haben. Aus den Gewinnfonds der Versicherten per 566.000 Kronen gelangt eine Dividende von 40 Perzent der Jahresprämie ab 15. Juli d. I. an die bezugsberechtigten Parteien zur Auszahlung. Nach Erteilung des Absolntoriums wurden die Vorschläge bezüglich Verwendung des Reingewinnes per 307.121 Kronen genehmigt und wird iohin der Kupon Nr. 24 ab 9. d. M. mit 28 Krone» eingelöst; von den nach Abzug der statutarischen Dotationen verbleibenden 119.388 Kronen wurden 20.000 Kronen dem Hilfsfonds für die Anstaltsbeamten, 20.000 Kronen dem Fonds der mit Gewinnanteil Versicherten überwiesen und der Rest per 79.388 Kronen auf die Rechnung des nächsten Jahres vorgetragen. Marie Daffinger'sche Armen»Stiftung. Die Zinsen aus obgenannter Stiftung für vier arme Familien der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, für jedl im Betrage von X 42.—, kommen am Sterbetage des seligen Herrn Sigmund Edl. v. Wertheimstein, das ist am 18 Juni d. I. zur Verteilung. Die diesfälligen Gesuche sind bis 30 April 1906 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde, I, Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich ausgefolgt werden, in den Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-. Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien find als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Ettel Goldschmidt'sche Fromme Stiftung. (Stipendium für Techniker des Baufaches.) Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird hiemit verlautbart, daß für das laufende Jahr aus der obgenannten Stiftung ein Stipendium per X 800 an einen der israelitischen Konfeision angehörigen Techniker des Baufaches, welcher seine Studien an der k. k. technischen Hochschule Wien mit Auszeichnung absolviert hat, zum Zwecke einer höheren technischen Ausblldnng an einer vorzüglichen, auswärtigen Facha n st alt oder als Reisest i p e n d i u m zur Verleihung gelangen wird. Der Stipendienbetrag gelangt an jenen Orten im Auslande zur Auszahlung, wohin sich der Stipendist zu dem angedeuteten Zwecke begeben wird.

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