Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 250 Dr. ffiiocb s Mocbenscbrirr. Nr. 15 Volkskunde und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst-und historischen Denkmälern des Judentums" vor. Wir können zu dieser neugeschlossenen Verbindung beiden Teilen nur von Herzen Glück wünschen und hoffen, daß nunmehr durch regelmäßige authentische Berichte über das Vereinsleben unserer so hochverdienstlichen Museums-Gesellschaft das Interesse für ihre Bestrebungen in den weiteren Schichten unserer Glaubensgenossen so gefördert werden wird, wie der Eifer der Vereinsleitung es verdient. Insbesondere dürften nun auch die in der Gesellschaft gehaltenen Vorträge in dem neuen Vereinsorgan veröffentlicht und so dem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Das vorliegende Heft zeigt ausschließlich folkloristischen Charakter. Reb Chajjim Plaksiwiz (eine Geisterbeschwörungssage) von Rabbiner Dr. Fried, Stockholm — Jüdische Sprichwörter aus Rußland, Posen, Ungarn, u. a. von Sigmund Mayer, Wien — Volkslieder aus der Slovakei von Rabbiner Dr. Taglicht, Wien, — Russische Märchen, Schwänke und Kinderspiele von Profeffor Leo Wiener, Cambridge (Boston) — Bibliographie von Dr. A. Landau, Wien — Buchbesprechungen und Zeitschriftenschau von Dr. S. Weißenberg, Elisabethgrad u. a. bilden den reichen Inhalt. Durch die Ausnahme ausführlicher Berichte über die einschlägige Literatur haben die Mitteilungen noch einen besonderen wiffenschastlichen Wert gewonnen. D. F. Die soziale« Verhältnisse der Juden in Rußland. Im Aufträge des Zionistischen Aktionskomitees bearbeitet vom Bureau für Statistik der Juden in Berlin-Halensee. Jüdischer Verlag, Charlottenburg 1906, Preis 2 Mark. Unter obigem Titel ist eine sehr zeitgemäße und für alle Diejenigen, die der Lage in Rußland Interesse entgegenbringen, sehr erwünschte Arbeit erschienen. Das Bureau für Statistik der Juden hat, vom Zionistischen Aktionskomitee beauftragt, auf Grund des jüngst vom russischen, statistischen Zentralamte veröffentlichten Materiales die Verhältnisse der russischen Juden in eingehender, wiffenschaftlich exakter, dabei aber auch klarer und überstchtlicher Weise allseitig beleuchtet; dadurch ist zum erstenmale eine ausführliche, auf zuverlässige Quellen beruhende Darstellung der sozialen Struktur der jüdischen Bevölkerung in Rußland geliefert. Das Werk der „Jca" erfüllt diesen Zweck insofern nicht ganz, als nur eine private, nur auf manche Gebiete des russischen Ansiedlungswesens sich erstreckende und fast ausschließlich die ökonomischen Verhältnisse behandelnde Originalerhebung zugrunde lag. Außerdem ist dieses Werk in russischer Sprache erschienen und daher für die westeuropäischen Leser unzugänglich. Dagegen behandelt die Arbeit des Bureaus für Statistik der Juden in zwölf Kapiteln folgende Punkte: Konfession und Nationalitäten im russischen Reiche, örtliche Verteilung und Dichtigkeit, die Auswanderung, Verteilung auf Stadt und Land, Gebieten, Eheschließungen und Sterbefälle, Geschlechtsverhältniffe, Altersgliederung und Familienstand, die Sprachelemente, höhere Bildung, Berufsverhältnisse, körperliche Gebrechen und Geisteskrankheit. Die Arbeit gewinnt dadurch an Bedeutung, daß zum Vergleich mit den jüdischen auch die Verhältnisse bei den nichtjüdischen Konfessionen und Nationalitäten in Rußland herangezogen sind. Gerade jetzt war die Erforschung der grundlegenden Tatsachen des jüdischen Lebens in Rußland von ganz besonderer Wichtigkeit, da man, ohne sie zu kennen, kaum nur eine Antwort auf die brennende Judenftage daselbst finden kann. Kanzelreden und Cafualworte von Wilhelm S o r, emerit. Rabbiner der israelitischen Kultnsgemeinde Wien. Budapest 1906. 1. Heft. Herr Rabbiner W. Sor, der nach segensvoller langjähriger Amtstätigkeit nunmehr in Budapest Tage der wohlverdienten Ruhe verlebt, benützt seine Muße, seine Geisteserzeugnisse nach und nach zu veröffentlichen. In Hast und Eile, eben wie es die Gelegenheit und der Augenblick mit sich gebracht hatte, pflegte der ehemalige vielbeschäftigte Rabbiner und Religionslehrer eines der Wiener Bezirke seine Reden nicht so sehr zu versoffen, als vielmehr, wie er selber sagt, „in aphoristischen Zeilen" sich vorzubereiten. Ans losen zerkrüppclten Papieren feiern nun diese Reden ihre Auferstehung, und wir sehen sie gerne, denn nicht nur sind sie geeignet, manchen kulturhistorisch wichtigen Zug im Leben der Großgememde Wien der Nachwelt zu überliefern, sondern gewähren uns auch einen Einblick in die Geistesrichtung und Gedankenwelt eines frommen Seelsorgers, eines sympathischen Menschen. Den Reden merkt man den gewiegten Talmudisten, den guten Maggid an Obzwar es zumeist nur Ansprachen sind, die an die Schuljugend gerichtet werden, bricht dennoch manch sinnvolle Anwendung, manch köstliche Maggidath durch, die sich in den kurzen Stücken wie ebenso viele Pointen ausnehmen. Herr Rabbiner W. Sor muß es verstanden haben, seine jugendlichen Zuhörer am Herzen zu fassen. Da ist die gemütsvolle Rede nach dem Tode Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth; echt jüdisch, echt patriotisch. Der patriotische Geist durchweht auch andere und frühere Reden desselben Predigers; die Rede, die er zur silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten gehalten, ist in Begleitung von anerkennenden Worten gewürdigt worden, der allerhöchsten Familienbibliothek einverleibt zu werden. Unter seinen früher im Druck erschienenen Reden ist ferner bemerkenswert das ..Gedenkblatt" nach Kronprinz Rudolf, Wien 1889 und die „Festrede" zum 70. Geburtstag Seiner Majestät, Budapest 1904. Das vorliegende Heft, dem noch andere folgen sollen, enthält außer einer Sabbath - Chanukka-Rede nur Casualien: Tempeleinweihung, Ferienkolonie, Bekleidung der Schuljugend,, Rede zu einer Mädchen-Konfirmation. Letzteres Stück ist bemerkenswert durch die geistreiche Art, wie der Autor die im Judentum so ungewohnte Konfirmation als im jüdischen Geiste gelegen erweist. Das Heft enthält ferner drei Jellinek-Piöcen, und zwar zwei hebräische Jubiläumsbegrüßuu^en an den unvergeßlichen Jellinek, überaus elegant und geistreich geschrieben, und von Jellinek selbst als unter allen Adressen die gelungenste, originellste bezeichnet. Ein drittes Stück ist der warme Nachruf am Sarge Jellineks. Zwei Reden sind dem Andenken des Obmannes des Tempels im IX. Bezirk Leopold Q u i t t n e r gewidmet. Die kurzen Nachbemerkungen belehren uns über die Art der Entstehung der S o r'schen Predigten und lassen auch die Früchte der Wirksamkeit So rs erkennen. Ein Stück Vergangenheit rollt sich in diesen Reden auf; wir bitten und ermuntern den Autor, die reifen Früchte seines Lebens noch in ferneren Mustern uns vorzuführen. B u d a p e st. Dr. Samuel Krauß. Reue Bücher. Claude G. Montefiore Liberales Judentum (Essay). Einzige autorisierte deutsche Uebersetzung von Oskar Plaut, in Ganzleinenband Mark 4.—. Verlag von C. E. M. Pfeffer, Leipzig 1906. Dr. M. Rahme?, weil. Rabbiner in Magdeburg, T e f i 11 a h. kezarah. Hebräisches Gebetbüchlein für die israelitische Jugend. Zum ersten Unterricht im Uebersetzen mit Vokabularium und grammatischen Vorbemerkungen. Völlig neu bearbeitet von Michael Abraham, Lehrer in Berlin. Erste Stufe. Zehnte Auflage. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1906. R. Nowieki und Hans Mayer. Flüssige Luft. Die Verflüssigungsmethoden der Gase und die neueren Experimente auf dem Gebiete der flüssigen Luft. Mit 48 Abbildungen. Zweite verbesserte und erweiterte Auflage. Verlag von R. Papauschek, M.-O st r a u, und Robert H o f f m a n n, Leipzig 1906. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, Redaktion Wien III/2 Untere Viaduktgasse 25, III. Jahrgang, Heft Nr. 4, April 1906. Inhalt: Heinrich Lilien: Die vier Fragenden. Beth Hillel: Herodes und die Pharisäer. I. L. Perez: Die Geburt des Moses. — Der Festtag. — Ch. N. Bialik: An den Vogel. A. Reisen: Das Darlehen. — Rundschau. Bücherschau. Korrespondenzen. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur R u p p i n. II. Jahrgang, Heft 3, März 1906. Inhalt: A bhandlungen. 1. Joseph Jacobs, New-Jork: Die Inden in den Vereinigten Staaten. 2. Dr. ArthurRupPin, Berlin: Die russischen Inden nach der Volkszählung von 1897. III. (Schluß.) 3. Hans Block, Hannover: Die Kindersterblichkeit in Krakau. Statistisches Archiv: