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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-13 · 15 (13.4.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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rNUkUf J. T .^IT»^^Ä5* ..-^-^.WFLWÄ7.W? Nr. 15 Ein mildes Lächeln umspielte die ernsten Züge des jungen Rabbiners. Sie sprechen, wie Sie es verstehen, lieber Schanzer, aber in diesem Sefer" — und er zeigte bei diesen Worten auf ein am Tische unter anderen Folianten liegendes Buch, „in diesem Sefer kommt eine Stelle vor, die Ihren Ausspruch widerlegt. Hier steht: Wenn Wasser auf dem Herde siedet, so ist es ein Zeichen des Friedens und der Eintracht, der Liebe und Versöhnung. Sie sehen also, daß die Vereinigung von Feuer und Wasser möglich ist und, wenn sie erfolgt, zum Segen gereicht. „Ich verstehe Sie nicht recht," sagte der Schames. „Ich bin nur ein unwissender Mensch, der gerade nur so viel weiß, um seinen Dienst zu versehen. Solche feine Worte sind mir unverständlich." „Aber das ist doch so einfach als möglich. Gibt es denn größere Gegensätze als Feuer und Wasser? Aber im siedenden Wasser sind die nutzbaren Kräfte beider feindlichen Elemente vereinigt. Es brennt wie Feuer durch das Feuer, ohne die Eigenschaften des Wassers zu verlieren, und in dieser Vereinigung wirken die beiden, Feuer und Wasser, zum Wohle der Menschheit." „Wie gut Sie zu erklären verstehen, Herr Rabbiner, und doch weiß der Chuzpenik Ihre Predigten und Vorträge so herunterzureißen, daß es eine wahre Schande ist." „Sie fangen wieder an? Und ich glaubte doch, Ihren Gedanken eine andere Richtung gegeben zu haben. Kein Wort weiter über dieses Thema, ich mag kein Wort darüber hören. Meine Predigten sind für die Gesamtheit und nicht für Einzelne, denen es freisteht, Kritik zu üben. So wie es mich freut und in meinem Streben bestärkt, wenn meine Predigten bei den Zuhörern offenes Ohr und Herz finden, ebensowenig darf mich ein abfälliges Urteil Einzelner entmutige?. Also ich danke noch einmal für Ihre freundliche Warnung, bitte aber dringend, mir in Zukunft die Sorge um mein Verhalten den Gemeindemitgliedern gegenüber allein zu überlassen." „Seien Sie mir tausendmal mochel, Herr Rabbiner, aber ich habe es gut gemeint." „Ich weiß, ich weiß," sagte der Rabbiner, „aber ich will kein Wort darüber hören." Aus dem unwilligen Tone des Rabbiners erkannte der Schames endlich, daß der Rabbiner allein zu bleiben wünschte, und mit einigen Kratzfüßen und dem nochmaligen „Seien Sie mir tausendmal mochel", entfernte sich der redselige Alte. Der Rabbiner war allein geblieben. Den Kopf mit der hohen Denkerstirne auf die Hand gestützt, spann er den Gedanken weiter, den der Schames in ihm angeregt hatte. Ist es denn möglich, Feuer und Wasser zu vereinen, wie es hier so schön ausgesprochen wird? O, wenn es auch im Leben gelänge, alle Feindseligkeiten zu beseitigen! Ein tiefer Seufzer begleitete diesen frommen Wunsch. Dieser Seufzer entbehrte nicht der Berechtigung. Denn nicht so ruhig und gelassen ertrug der Rabbiner die Verfolgung, der er schutzlos ausgesetzt war, er war ihr gegenüber nicht so gleichgiltig, wie er es den Schames glauben machen wollte. Sein stolzer Sinn verachtete es, vor diesem Schwätzer seine innersten Gedanken zu enthüllen, zudem war er nicht ganz frei von dem Argwohne gegen diesen, daß er ein falsches Spiel gegen ihn spiele, daß er eine der Kreaturen des Killetyrannen sei, dem er jede dem Rabbiner durch List erpreßte Aeußerung hinterbringe, aus denen dann neue Waffen gegen diesen geschmiedet würden. Hatte er doch ohnehin unter der ungerechten Verfolgung eines ihm geistig nicht ebenbürtigen, sonst ihm aber sehr überlegenen Gegners viel zu leiden. II. Ungefähr fünf Jahre vor Beginn dieser. Erzählung hatte Dr. Phil. Adler das Rabbinerseminar zu Breslau verlassen. Sein Kopf war voll der heiligsten Ideale, sein Herz voll Liebe zu seinem Volke. Wie wollte er streben und wirken für dasselbe! Vom Katheder und der Kanzel herab wollte er Moral und Kenntnisse und Gottesfurcht verbreiten; als echter Priester, Seite 249 als Verkünder der reinsten Gotteslehre, der edelsten Humanität wollte er in seiner Gemeinde wirken. Durch Wort und Beispiel sollte diese zu allem Guten, Edlen und Erhabenen geleitet werden. Adler besaß vorzügliche Zeugnisse, ein hervorragendes Rednertalent, überhaupt alle Eigenschaften, um den Rabbinerposten in einer großen Gemeinde mit vielen Lehr- und gemeinnützigen Anstalten anzunehmen und auszufüllen. Trotzdem bröckelte nach und nach vieles von seinen Zukunftsplänen ab. Denn er bewarb sich vergeblich um einen derartigen Posten. Es wurden ihm überall solche Männer vorgezogen, die hypermoderne Predigten hielten, welche mit gebräuchlichen packenden Schlagwörtern um sich warfen. Er aber, der sein schlichtes Programm ausstellte und dem Festhalten am Glauben, der Religiosität das Wort sprach, wurde als ein Mann von veralteten Grundsätzen, der sich in die neue Zeit nicht werde fügen können, überall bei Seite geschoben. Und doch wäre er so gerne in seinem engeren Heimatslande, Böhmen, geblieben. Gerade da schien es ihm notzutun, die Grundsätze zu verbreiten, für die er lebte und strebte. Gerade da, wo der religiöse Jndifferentismus so ungehemmt überhand nimmt, wollte er austreten, und die Gottesgemeinde, die ihn zu ihrem geistlichen Führer erwählt, auf den rechten Weg zurückführen. Endlich, nach mannigfachen Kränkungen und Enttäuschungen gelang es ihm, den Posten in einer kleinen Gemeinde Südböhmeus zu bekommen. Doch sühlte er sich daselbst nicht glücklich. Trotzdem seine Probepredigt ungemein gefallen hatte und infolgedessen er einstimmig zum Rabbiner gewählt wurde, zeigte es sich bald, daß er nicht im Stande war, die Zufriedenheit der ganzen Gemeinde zu gewinnen. Er wurde von einem der einflußreichsten Gemeindemitglieder angefeindet, ja verletzt. Dieser besaß einen Anhang in der Gemeinde, der mit ihm durch Dick und Dünn ging, ohne viel zu überlegen, ob der Pfad, den er sie führte, auch der rechte sei. Dadurch entstand ein Zwiespalt in der Gemeinde, der vordem niemals daselbst herrschte. Dies noch mehr als die Anfeindung seiner Person war es, was Doktor Adler so unsagbar kränkte, zumal er sich eingestehen mußte, daß er vielleicht durch rechtzeitiges Nachgeben und Ducken diesen Zwiespalt vermieden hätte. Aber dieses Ducken, ein Beugen unter dem Willen des Killetyrannen wäre Adler unwürdig seiner selbst, unwürdig auch der Stelle, die er bekleidete, erschienen. Dieser K i l l e t y r a n n, wie er allgemein genannt wurde, war ein ältlicher Mann, der in seiner Jugend an irgend einer Jeschiwah etwa ein Jahr lang gelernt hatte und sich von da an den Namen eines Talmudgelehrten anmaßte und auch alle einen solchen gebührenden Ehren für sich in Anspruch nahm. Nachdem sich in der ganzen Gemeinde niemand befand, der es mit ihm aumehmen konnte, ja, ihn auch nur zu beurteilen vermochte, so wurde ihm das angemaßte Vorrecht widerspruchslos eingeräumt. Wenn von irgend einer Wissenschaft, so gilt namentlich vom Talmudstudium das Motto: „Rast' ich, so rost' ich!" Wenn diese Wissenschaft nicht fleißig und eifrig geübt und in gegenseitigem Meinungsaustausch gefördert wird, dann überzieht sie alsbald der Rost der Gleichgiltigkeit, der Trägheit. Dieser Fall trat auch bei dem Produktenhändler Sigmund Hosmann ein, jedoch merkte weder er selbst, noch seine auf ihn schwörenden Anhänger, daß er das Wenige, das er gekannt, auch glücklich wieder vergessen habe. Und so ging es nach wie vor, daß er alles in der Gemeinde nach seinem Willen leitete. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Grnnwald M., Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde, Heft XVIII, Calvary u. Co., Berlin 1906. Mit dem soeben erschienenen Heft, dem 18. der ganzen Reihe, dem zweiten des neunten Jahrganges, stellen sich Grunwalds Mitteilungen als „Organ der Gesellschaft für jüdische Dr. Llocb s Mocvenscvrrn.

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