Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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«eite 248 Dr. BlOCÖ’S TKHOCfoenSCtMft. Nr. 15 Insbesondere wird der hochverehrten Frau Ernestine von Thorsch für die hochherzige Spende von 1000 K zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten, den hochwohlgeboren Herrn Nathaniel von Rothschild für die Spende von 100 K, der Firma A. Gerngros für die Spende von 250 K, sowie Herrn Kommerzialrat Gottlieb Taußig, der auch heuer wieder 100 K spendete, der aufrichtigste Dank ausgesprochen. Ausgaben K 5756 96 bei einem Saldo von K 1484.38. Dem Vorstand gehören an die Damen und Herren: Se. Ehrwürden Dr. A. S ch m i e d l, Rabbiner, Ehren- Präses; Samuel Mohr, Präses; Margarethe G r u n w a l d, I. Vizepräsidentin; Hermann W e i n b e r g e r, II. Vizepräsident; Isidor Gehlbar d, I. Schriftführer; Hermann S t r a ch, II. Schriftführer; Max Haas, Alexander Simon, Kontrollore; Klara Jurberger, Kassierin; Jakob D u s ch i n s k y, Kassaverwahrer; Olga Schick, Kassierstellvertreterin. Ausschüsse: Sofie Duschinsky, Mizzi Grabkowitz, Friederike Hirsch, Frieda Natzler, Bertha Kirschmann, Gisela Pollak, Babette Stern, A. Löwenstein, K. Landeis. Wien. Der von der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler (IX., Grüne Thorgasse 34) veranstaltete, unentgeltliche Hebräisch-Kurs für Damen und Herren beginnt Samstag den 21. d. M. Unterrichtsstunden: Mittwoch und Samstag von 8 bis 9 Uhr abends. Wie«. Der kommerzielle Direktor der Hof- und Kammer- Toiletteseifen- und Parfümeriefabrik Gottlieb Taussig, Herr Leopold Baß, begeht am 15. d. sein 25jähriges Dienstjubiläum im genannten Hause. Er hat sich hervorragende Verdienste um Industrie und Export erworben. Seiner Initiative verdanken die Seifenindustriellen die Gesetze über den steuerfreien Bezug von Spiritus und Zucker für die Seifenfabrikation. Bei den diversen Zollenqueten vertrat Direktor Baß stets energisch die Interessen der Branche. Eger. Herr S. Popper, welcher durch 35 Jahre bei der Kultusgemeinde in Eger die Stelle eines Oberkantors und Religionslehrers bekleidete, sieht sich wegen vorgeschrittenen Alters veranlaßt, in den nächsten Monaten in den Ruhestand zu treten, und kommt infolge dessen die Kantoreustelle daselbst im Herbste laufenden Jahres zur Besetzung. Ntlchod. Sonntag den 1. April d. I. fand in dem festlich beleuchteten Tempel unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder die feierliche Installation des neugewählten Rabbiners Herrn Dr. Gustav Sicher statt. Derselbe wurde vom Gesamtvorstande beim Anlangen am Bahnhofe begrüßt und fuhr dann mit beiden Vorstehern, denen die Wagen der übrigen Vorstände folgten, in seine neue Wohnung. Am Nachmittage, halb 3 Uhr, wurde er von zwei Herren des Vorstandes aus seiner Wohnung abgeholt und in den Sitzungssaal geleitet, wo ihn der Vorstand erwartete, um ihn zu seinem Sitze im Tempel zu begleiten. Nachdem das Minchagebet verrichtet war, hielt der Vorsteher Herr Jakob Pick bei dem Schulchan eine Ansprache an den Rabbiner, in der er auf die Pflichten und Hoffnungen, die seiner harren, in trefflicher Weise hinwies und ihm die Kanzel übergab. Hierauf betrat der Herr Rabbiner'Dr. Sicher die Kanzel und hielt in schwungvoller Weise, die hohe Begeisterung erweckte und einen tiefen Eindruck hinterließ, seine Antrittsrede. An der Hand des Prophetentextes „Sage nicht, ich bin zu jung, sondern wohin ich dich senden werde, da wirst du hingehen, und was ich dir befehle, das sollst du predigen", versprach er, ohne Rücksicht auf Parteien, nur der Sache Gottes und der gesamten Gemeinde zu dienen und dabei sowohl das ehrwürdige Alter mit seinen heiligen Traditionen zu ehren, als auch auf die Ideale der Jugend zu hören. Im zweiten Teile seiner Rede, die dann in tschechischer Sprache gehalten war, entwickelte er seine wichtige Aufgabe auf dem Gebiete der Jugenderziehung. Nachdem das Gebet für Se. Majestät dem Kaiser Franz Joseph und das Olenu-Gebet verrichtet worden war, geleitete der Gesamtvorstand Herrn Dr. Sicher in seine Wohnung, wo ihm der zweite Vorsteher Herr Max Goldschmid die Glückwünsche im Namen der Gemeinde überbrachte. Agram. Das von Herrn Julius Deutsch der Agramer Chewra-Kadischa gespendete große, schön ausgestattete Sefer-Thora (siehe vorige Nummer) wurde von der bestbekannten Firma Samuel W. Pascheles, Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung und hebräischer Verlag, Prag, Zeltnergasse 4, geliefert. Feuilleton. Der Killetyrimn. Erzählung von Babette Fried, Prag. I. „Wie ich Ihnen schon sagte, Herr Doktor—." „Ich bin der Rabbiner dieser Gemeinde, wie ich Ihnen schon sagte, Herr Schanzer!" „Seien Sie mir tausendmal mochel, Herr Dok—, Rab" biner wollte ich sagen, aber ich muß Sie immer warnen vor dem Menschen. Er stellt Ihnen überall nach und schadet Ihnen, wo er nur kann." „Ich danke Ihnen sehr für Ihren guten Willen, lieber Schanzer, aber ich muß sehr bitten, mich künftig mit Ihren Mitteilungen, selbst in der Form einer Warnung, zu verschonen." „Sie verachten meine wohlgemeinte Warnung, weil ich Ihnen zu gering bin, weil ich nur Schames bin, während Sie der Rabbiner, ein Herr Doktor sind, aber vergessen Sie nicht, die Maus hat auch einmal dem Löwen genützt." „Freilich," unterbrach der Rabbiner den geschwätzigen Gemeindediener, „sie hat ihm das Netz zernagt, in welchem er sich gefangen hatte und das er trotz seiner Löwenstärke ohne fremde Hilfe nicht zerreißen konnte. Aber Ihr Vergleich hinkt, lieber Schanzer, und zwar auf beiden Füßen. Denn erstens sind Sie nicht gar so unbedeutend, wie ein Mäuschen; ein Gemeindediener ist in alle Geheimnisse der Gemeinde eingeweiht, ist der Vertraute Aller, vom Vorsteher angefangen bis zum letzten Gemeindemitgliede, und sein Wort, wenn auch nicht öffentlich gesprochen, pflegt eher Eingang zu finden, als die besteinstudierte Predigt." „Also—" unterbrach Schanzer den Rabbiner. „Lassen Sie mich ausreden, Schanzer! Sind Sie mit einem kleinen Mäuslein durchaus nicht zu vergleichen, so fehlen mir wiederum alle Eigenschaften, welche den König der Tiere zieren. Ich habe weder die Stärke noch den Mut eines Löwen, meine ganze Kraft besteht in dem Gottesworte, das ich als mein Leben und die Erhaltung meiner Tage betrachte. Sie sehen also, - daß es nicht Geringschätzung Ihrer Person ist, was mich abhält, Ihren Killeklatsch anzuhören, sondern der Umstand, daß mir nichts so sehr zuwider ist, als so was. Dann aber habe ich immer noch die Hoffnung, daß es doch einmal zu einer Versöhnung mit dem kommen wird, den ich niemals beleidigt habe und der mir dennoch so wenig wohl will." Der Schames brach in schallendes Gelächter aus. „Nicht wohl will! Seien Sie mir tausendmal mochel, Herr Dok—, Rabbinerleben, das macht mich aber lachen. Wenn irgendwo ein Feuer entstanden ist und es wird durch Wasser gelöscht, so sagt man, das Feuer ist vom Wasser vernichtet worden oder umgekehrt, wenn Feuer das Wasser austrocknet, so heißt es in beiden Fällen nicht ein Mangel an Wohlwollen, wie Sie so fein sagen. Und so ist es mit Ihnen beiden. Ebenso wenig, wie sich Feuer und Wasser jemals vereinigen werden, ebenso wenig werden Sie friedlich wirken, so lange der Killetyrann in unserer Gemeinde das große Wort führt, und das wird so lange sein, als er mit seinem Wuchergelde alle an sich fesselt."