Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 244 Dr JBiocb ö ‘öölocDenscbnti* Nr. 15 Winter 40.—, Winter seu. 16.—, Gustav Feldsberg 30.—, Arthur Unterberg 6.—, Moses Ungar 4.—, Jakob Kramer 45.—, Jakob Kohn 2. —, N. Guttmann 2.—, Fischer Samuel 8.—, N. Stern 2.—, B. Schmiedek 8.—, G. Drab 1.—, A. Unterberg 6.—, E. Bader 3.—, Chaim Reibl 8.—. Der neue ungarische Justizminifter über die Juden. Als jüngst die neuernannten ungarischen Minister Wien verließen, konversierten sie am Bahnhofe mit mehreren Journalisten. Das Gespräch kam auch auf die Angriffe der Wiener christlichsozialen Blätter aus das neue Kabinet Weckerle. Justizminister Polönyi äußerte sich darüber zu mehreren Journalisten: „Ich weiß nicht, wie meine Ministerkollegen über die Angriffe der christlichsozialen Blätter denken, die ich wenigstens gelesen habe. Auf die gegen die Zusammenstellung des Kabinettes gerichtete, abfällige Beurteilung will ich nicht reflektieren. Ein christlichsoziales Blatt konnte aber nur ein einziges Argument gegen das Kabinet Weckerle ins Treffen führen: Es erklärte, daß ich Jude bin. Demgegenüber erkläre ich, daß ich zwar kein Jude bin, daß ich es aber nicht bedauern würde, wenn ich es wäre. Jahresbericht der jüdische» Toynbee-Halle in Wien über die Vereinstätigkeit im Jahre. 1904/5. Der Vorstand bestand aus den Herren: Ehrenpräsident: Professor Dr. Leon Kellner; Dr. I. S a m u e l y, Obmann; Dr. Siegfried Herz, Obmann-Stellvertreter; Karl Freund, Kassier; Ernst G ö tz l, I. Schriftführer; Johann K r e m en etz k y, II. Schriftführer. Ohne besondere Funktion : Dr. Josef Jerusalem, Max Frank. Ehrenmitglied war Rektor Dr. Adolf Schwarz. Was eine Toynbee-Halle bedeutet und anstrebt, was namentlich eine im jüdischen Geiste geleitete Toynbee-Halle oder besser noch, was mehrere solcher Toynbee-Hallen im antisemitischen Wien bedeuten und leisten können, braucht man wohl des Weitern nicht auszuführen; diese segensreiche Institution hat sich so sehr in das Bewußtsein der Wiener jüdischen Bevölkerung eingelebt, daß jedermann weiß, worum es sich handelt, wenn man von der Toynbee-Halle spricht. Die Toynbee-Halle in der Brigittenau, Othmargasse 46, besteht aus einem Partcrresaal mit einem Fassungsraum für etwa 250 bis 300 Personen, einer Küche und einem kleinen Nebengelasse für Dozenten und Gäste. Im Saale steht ein Podium mit einem Klavier und einem Tische für den Vortragenden. Abends um 7 Uhr wird die im Winter behaglich erwärmte und beleuchtete Halle geöffnet und es wird im Winterhalbjahr, d. i. vom November bis März, vor allem ein ür eine Stunde berechneter populär-wissenschaftlicher Vortrag gehalten aus Gebieten der Geschichte, der Naturwissenschaften, der Hygiene, Medizin, Jurisprudenz, Philosophie, Literatur rc. Während des letzten Winterhalbjahres 1904/5 fanden 130 solcher Vortragsabende statt. Die Vorträge werden selbstredend nicht honoriert. Die gespannte Aufmerksamkeit des Auditoriums, die rege Beteiligung an eingeleiteten Diskussionen zeigen, wie innig der Kontakt zwischen den Vortragenden und ihrer Hörerschaft ist. Gegen 8 Uhr tritt eine Pause ein, während welcher opferwillige Frauen und Mädchen den Besuchern Tee mit Cakes offerieren. Für die Mehrzahl natürlich nur als Erquickung und Anregung gedacht, ist leider das Gebotene für eine bedauernswerte Minorität eine sehr willkommene Mahlzeit. Nach der Teepause folgt der zweite Teil des Abends, welcher zumeist zu einer Vorlesung benützt wird. Mittwoch und Sonntag folgt der Pause ein sogenanntes Halbkonzert, d. h. ein den halben Abend dauerndes Konzert. Der Freitag ist dem Bibelvortrag reserviert und jeden Samstag findet ein den ganzen Abend ausfüllendes Konzert statt. Im Wintersemester fanden ungefähr 25 solcher Veranstaltungen statt. Das Sommerhalbjahr, das sind die Monate April bis August, ist den unentgeltlichen Lehrkursen gewidmet. Es wurde Unterricht erteilt: zweimal wöchentlich in englischer Sprache an zirka 28 Schülerinnen, zweimal wöchentlich Französisch ebenfalls an zirka 20 Schülerinnen, viermal wöchentlich Stenographie — in zwei Abteilungen — an Schüler. Die Erfolge waren durchwegs vortrefflich. Der Ausgestaltung dieser Lehrkurse soll in Zukunft ein besonderes Augenmerk gewidmet werden. Es ist beabsichtigt, nicht nur neue, ersprießlich scheinende Lehrkurse, wie solche für Buchhaltung, Maschinschreiben, zu kreieren, sondern vor allem die Lehrzeit auch auf das Wintersemester auszudehnen und somit ein weiteres Lehrziel anzustreben, dessen Endzweck eine wesentliche Förderung der Erwerbsfähigkeit der Schüler bedeuten soll. Beitrittsanmeldungen, Spenden rc. wolle man adressieren an Ernst G ö tz l, Wien, IX., Liechtensteinstraße 38. Die Bilanz weist bei einem Saldo von Kr. 1059 einen Betrag von Kr. 8641 aus. Zweiundfünfzigster Bericht des allgemeinen öfterreichifch-israel. Taubstnmmen-Jnstituts in Wien. (Landstraße, Nudolfsgasse 22.) Im Schuljahre 1904/1905 befanden sich im Institute 97 Zöglinge, und zwar 55 Knaben und 42 Mädchen, von denen 4 Zöglinge durch die k. k. niederösterreichische Statthalterei aus der Leopold und Bertha Müllner'schen Stiftung, 4 Zöglinge aus dem Mährisch-jüdischen Landesmassa-Fonds und 25 Zöglinge auf Grund von Privatstiftungen verpflegt wurden, während 9 Zöglinge den vollen Verpflegsbeitrag, 25 Zöglinge einen ermäßigten Verpflegsbeitrag leisteten und 30 Zöglinge unentgeltliche Aufnahme fanden. Von den 97 Zöglingen kamen aus dem Jnlande, und zwar aus Wien 6, Niederösterreich 2, Steiermark 2, Böhmen 2, Mähren 7, Schlesien 4, Galizien 59, Bukowina 5, Ungarn 5, Kroatien 1, Bosnien 1, aus dem Auslande, und zwar aus Rumänien 1, Rußland 2. Zusammen 97. Von den 97 Zöglingen frequentierten: Klasse ff ft I 16 Zöglinge, und zwar 10 Knaben, II 19 „ „ „ 9 „ III 17 „ „ 8 IV 15 „ „ .. 11 V 15 „ „ „ 8 „ VI 15 „ .. 9 6 Mädchen 10 9 4 7 6 97 Zöglinge, und zwar 55 Knaben, 42 Mädchen Das Kuratorium besteht aus: Vorsteher: Dr. Arthur Kuranda, Präses; Emanuel Kolli sch, Kassa-Verwalter; Alexander N i r e n st e i n, Revisor; Wilhelm S t i a ß n y, k. k. Baurat; Max v. P o r t h e i m, Emil Horner. Vorsteherinnen: Annica Benvenisti, Aurelie Weiß, Caroline v. G o m p e r z-B e t t e l h e i m, Josephine Paul- Schiff, Camilla Cohn, Josephine Winter. Der Gebahrungsausweis läuft über einen Betrag von K 286.976 (Defizit K 787). Das Institut hat einen Lehrerpensionsfonds und Stiftungen für Zöglinge. Dem Lehrkörper gehörten zuletzt an: Direktor Herr Dr. Moriz Brunner, Lehrpersonale die Herren : Moses B e r k u n, Eduard Brüll, Josef F r i e d l, Salomon Kohn, Nathan R ö s l e r, David Steinbach, Max Weißmandl, Moriz Wolf. Es erteilten: den Schreib-Unterricht in der 4., 5. und 6. Klasse: Herr Max Grünspann; den Turn-Unterricht in sämtlichen Klassen: Herr Eduard Brüll und den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten in sämtlichen Klassen: Fräulein Adele Lindner. Prag. (Vortrag Ludwig Stein.) Der Zentralverein zur Pflege jüdischen Angelegenheiten hatte am 1. d. M. einen Ehrenabend. Dank seinen unausgesetzten Bemühungen fand sich nämlich der berühmte Philosoph