Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 15 JDrJßlocb’s Mocbenscbritt. Seite 239 Die Redlichen, die aufrichtig und uneigennützig das Wohl des Landes wollen, sind in Gefängnissen interniert, nach Sibirien verschickt und werden sonst mit allen Mitteln von den Wahlen ferngehalten. Die Wahlen aber gehen vor sich unter dem Drucke der Polizei oder der Leute, die sich „Monarchisten" nennen. Das Volk hat die plumpe Komödie mit der Duma längst durchschaut. Es sieht klar, daß sie nichts weiter sein soll, als eine bloße Dekoration, durch die man Europa täuschen will, um neues Geld zur Fortsetzung des alten despotischen Regierungssystems zu erhalten. Das Volk will keine Duma, in der man irgendwelchen, ihm unbekannten, dunkeln Ehrenmännern die Rollen der Vertreter seiner Interessen übertragen möchte. Dort, wo es von der Polizei mit Nagaiken zu den Wahlen getrieben wird, wählt es diejenigen Schurken, welche der Regierung genehm sind; dort aber, wo noch die geringste Freiheit vorhanden ist, wählt es nur solche, die für ihre politischen Überzeugungen schon nach Sibirien verschickt sind oder in den Gefängnissen schmachten. * * Gebt der russischen Regierung keinen Pfennig! Sie hat keine Verbindung mit dem Volke, Millionen von Herzen haben sie bereits zur Vernichtung verdammt. Seit fast dreihundert Jahren hat sie das russische Volk in wilder Unwissenheit gehalten. Selbst aus der Religion schuf diese barbarische Regierung ein Mittel zur Verfolgung aller in Rußland lebenden Völker, einen Knüttel zur Ausrottung von Andersgläubigen. Begreifen wohl die jüdischen Bankiers Europas, daß sie Rußland Geld geben zur Organisation von Judenhetzen? Wenn sie es begreifen, dann kommt ihr Verbrechen nur ihrer Habsucht gleich, und die Geschichte wird ihnen in der Zukunft die verdiente Vergeltung nicht schuldig bleiben. Gebt den Vergewaltigern des russischen Volkes an Geist und Körper kein Geld! Mir fällt es so schwer, zu begreifen, daß das zivilisierte Europa eben dieser Obrigkeit mit Geldmitteln zu Hilfe kommt. Und beruhigt Europa der einfache Gedanke wirklich so wenig, daß es nicht ungefährlich ist, als Nachbarn 140.000.000 Menschen zu haben, die man auf jede nur mögliche Weise unter einem geistigen Druck zu erhalten strebt, denen man hartnäckig Feindschaft und Haß gegen alles, was nicht russisch ist, einimpft? Einst zogen Europas Völker weit nach Osten, um das Grab des Heilandes aus den Händen der Heiden zu befreien. Jetzt verstümmelt und beschmutzt man vor den Augen Europas die Seele eines großen Volkes ... die Heimstätte der lebendigen Gottheit! — Diesem Verbrechen gegenüber verhält man sich gleichgiltig, man ist eher bereit, der bösen Macht, durch die das russische Volk geknechtet wird, die Mittel zu weiterer Unterdrückung zu gewähren. Wahrscheinlich sind sich die Leute nicht klar bewußt, was sie bei der gegebenen Gelegenheit tun. Um so mehr, als sie zum Schluß nicht mit der Koterie, die sich russische Regierung nennt, zu tun haben werden, sondern mit dem russischen Volke. Denn es wird siegen! Gebt der Partei der Romanows kein Geld zum Kampf um die Selbstherrschaft! Gebt kein Geld in die Hände der Barbaren, deren Politik stets feindlich den Kulturströmungen Europas entgegenstau d! Und wie werden sie es euch zurückerstatten? Rußland ist durch sie ausgeplündert. Die Kauffähigkeit des Volkes ist gering, seine Industrie unentwickelt, das Land ausgesogen. Dem Lande steht ein langer, schwerer innerer Kampf, ein Bürgerkrieg bevor, sobald ihr der Regierung Geld zum Kampf gegen das russische Volk geben werdet." Gebt Rußland kein Geld zum Morden!" Dieser Aufruf des berühmten russischen Schriftstellers und Volksmannes wird in Millionen und Millionen von Menschen einen lebhaften Widerhall erwecken. Unsere jüdischen Bankiers sollten daraus eine notwendige und dringende Lehre nehmen. Leider haben sie es bis jetzt nicht getan. Weber Beförderung jüdischer Richter in Preußen. Eine historische Reminiszenz. Landtagsverhandlungen im Jahre 1847 in Preußen. In einer Sitzung der Herrenkurie am 15. Juni 1847 sind vom Grafen Zielen folgende Worte gesprochen worden: Die Anforderungen an einen Justizkommiffür sind: 1. gründliche Kenntnisse, 2. Fleiß; nun sei es die bittere Erfahrung, daß die christlichen Justizkommissäre Wochen-, monate-, ja jahrelang auf ihre Arbeiten warten lassen, der Jude aber zeichnet sich außer durch außerordentlichen Verstand auch durch ungeheuren Fleiß mib Mühseligkeit in allen Lebensverhältniffen aus, und daher glaube ich, daß jeder, der einen jüdischen Justizkommissär zu seinem eigenen machen würde, die Ueberzeugung haben könnte, nicht nur einen tüchtigen, der Sache gewachsenen Justizkommissär zu haben, sondern daß auch seine Sache einen schnellen und daher erwünschten Fortgang haben würde. Ich bitte demnach, den Antrag der Abteilung beizubehalten, den Juden zu gestatten, auch I u st i z k o m m i s s ä r e werden zu können. Der M a r s ch a l l läßt abstimmen, ob die Juden zu den Stellen von Justizkommissären und Advokaten zuzulassen seien; es ergibt sich Stimmengleichheit; da sich der Marschall für den Antrag erklärt, so ist er als angenommen anzusehen. Anmerkung. (3n Oesterreich wurden die Juden seit der josefinischen Zeit zur Advokatur befähigt, wo noch im Staate der Intelligenz geteilte Meinungen herrschten. Der erste jüdische Doktor, der an einer österreichischen Universität promoviert wurde, war der I)r. jur. Eidlitz in Prag. Nur in Ungarn, wo damals wohl kaum an Intelligenz Ueberfluß war, waren die Juden von der Advokatur ausgeschlossen. Es war das Motiv vorgebracht, es seien zu viele Advokaten und die Inden würden die Konkurrenz vermehren. Heute ist Ungarn intelligent und das Land besitzt tüchtige und hervorragende jüdische Advokaten, welche auch wichtige Faktoren im Reichstage sind.) Graf Dyhrn, welcher für die Juden den Zutritt in allen Aemtern geöffnet wissen will, sagt: „Ein Jude im Staatsdienst muß äußerlich aufhören, Jude zu sein. Der Staat stehe so hoch, daß sich ihm jede Privatansicht eines Beamten unterordnen müsse. Selbst die allerhöchsten Stellen machen hievon keine Ausnahme, und diese würden durch das Vertrauen Sr. Majestät des Königs besetzt. Schenke er dieses einem Juden, so sei für den christlichen Staat nichts zu fürchten. Die untergeordneten Stellen aber seien so fest in die bureaukratische Hierarchie eingereiht, ihr Wirkungskreis so beschränkt, daß nicht der Christ Furcht haben solle, dem Juden ein Amt anzuvertrauen, sondern dieser Gewiffensskrupel haben müsse, eines anzunehmen; doch das sei seine Sache. Man wolle dem Juden keine exekutive Gewalt geben, dann aber könne er nicht einmal Unteroffizier werden, da auch dieser oft exekutive Gewalt gegen seine christliche Wachmannschaft besitze. Aber es wäre eine große Unbilligkeit, sie zum Herrendieuste zuzuziehen und ihnen die Aussicht zum Avancement zu nehmen, besonders da sie schon im Besitze weit höherer Stellen sind, er selbst kenne eineu jüdischen Stabsoffizier in Berlin: Können sie aber solche Militärstellen erreichen, warum nicht auch Zivilämter?